Da werden die meisten Online-Spiele schon kostenlos angeboten und trotzdem hat unser Wiped-Autor etwas zu meckern. Dabei wird doch niemandem eine Pre-Order-Version aufgezwungen oder ein Starter-Pack, eine Hero-Edition oder ein Premium-Paket. Man kann schließlich auch ohne diese zusätzlichen Inhalte Spaß haben.

Wie kann denn kostenlos Wucher sein?

Seit Menschen Handel treiben, gibt es Wucher. Laut Definition handelt es sich dabei um das Angebot einer Leistung zu einer deutlich überhöhten Gegenleistung unter Ausnutzung einer Schwächesituation eines Vertragspartners. Klingt logisch, ist jedoch kaum auf jene Investitionen anzuwenden, die uns unser aller Hobby abverlangt - oder?

Denn eigentlich geht es uns ja um Spaß. Glückshormone will ich ausgeschüttet bekommen - möglichst viele, möglichst lange und möglichst ungetrübt. Eine Schwächesituation könnte man also durchaus attestieren, wenn ich wieder einmal zur Kreditkarte greife, um mich mit virtuellem Schnickschnack auszustatten.

Der Schlüssel zum Glück - heute nur 9,99 Euro!

An sich ist der Titel ja kostenlos und ich könnte einfach so einloggen und zocken. Doch es wurmt mich eben, dass mein Bankfach limitiert, eine Skill-Leiste entfernt und mir das schnelle Reittier vorenthalten werden. Außerdem wollte ich doch diese coole Rasse spielen und damit die neue Zone erkunden, für die ich einen Schlüssel brauche, der nur im Item-Shop zu haben ist.

Und ehe ich jetzt anfange zu stückeln - warum kaufe ich nicht gleich das ganze Paket? Das kostet nur 124,99 Dollar und hat einen Wert von sage und schreibe 500 Dollar. Ein echter Schnapper also, bei dem ich richtig spare. Und vom gesparten Geld kaufe ich mir dann obendrein das nigelnagelneue und streng limitierte Pferdchen. Ach, was kann ich damit Spaß haben...

Des einen Freud ist des anderen Leid

Doch selbigen mal beiseite - was fällt Publishern eigentlich ein, ein Paket mit virtuellem Firlefanz für das Zehnfache einer normalen MMOG-Monatsgebühr zu verkaufen? Und was fällt Leuten ein, die sich auf diesen skurrilen Handel einlassen, bei dem es sich laut Definition tatsächlich um Wucher handeln könnte?

Eine Seite wird hier doch veräppelt: Wenn 124,99 Dollar, die obendrein noch ein Vielfaches an Wert haben sollen, keinen entscheidenden Spaßvorteil im Spiel bringen - warum verkauft man es dann so teuer? Und wenn der Spaßzuwachs in der Tat die geforderte Summe wert sein sollte - wie erklärt man es den Bestandsbespaßten dann, dass man ihr Spielerlebnis mit der anstehenden Erweiterung derart beschneiden will?

Wiped! - Die MMO-Woche - Wucher

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Eine der wenigen Ausnahmen: Path of Exile.
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Erfolgreiche Ausnahmen

Überhaupt bekomme ich für 124,99 Dollar zwei qualitativ hochwertige Vollpreisspiele mit einer Wertung über 90 Punkten oder eben ein Jahr Spielzeit für ein MMOG, bei dem ich sicher sein kann, dass ich den gleichen Spaß haben werde wie der Typ neben mir und dass ich das Spiel eben so genießen kann, wie ich es genießen möchte, ohne hier und da vor einer Grenze zu stehen, die sich nur überschreiten lässt, wenn ich wieder mal Maut zahle.

Doch längst nicht alle Free-to-Play-Publisher arbeiten mit solch maßlos unverschämten Methoden. Ab und zu spiele ich Path of Exile, DotA 2, War Thunder und andere Titel, bei denen ich nicht das Gefühl habe, dass mir etwas vorenthalten wird, wenn ich nichts bezahle. Und wenn ich dann doch hin und wieder ein paar Euro an die Entwickler schicke, dann tue ich es nicht, weil ich mir eine kurzfristige Extraportion Spaßvorteil sichern möchte, sondern weil ich die Arbeit der Teams honorieren möchte und darauf hoffe, dass sie auch weiterhin daran arbeiten, das Spielerlebnis für uns alle zu verbessern.

Ein Job für Stiftung Warentest

Überhaupt fällt auf, dass die erfolgreichsten Firmen mit ihren Spielen die fairsten Angebote unterbreiten und man kann im Umkehrschluss davon ausgehen, dass ein faires Angebot stets für einen größeren Erfolg sorgen wird als eine offensichtliche Abzocke. Noch gibt es kein brauchbares Wertungssystem noch eine regelmäßige Prüfung durch die Stiftung Warentest, die uns helfen würden, die Abzocker zu entlarven.

Doch es gibt Wiped und eine Portion gesunden Spielerverstand. Beide warnen vor vermeintlichen Schnäppchen, in denen Free-To-Play-Titel oder deren Erweiterungen schon Wochen vor Erscheinen zum Kauf angeboten werden. Denkt stets daran: Ein wirklich gutes Onlinespiel muss nichts kosten, um richtig erfolgreich zu sein und ein Publisher, der euch heute “freiwillige” 124,99 Dollar aus der Tasche zieht, versteht ein Spiel allein als Goldesel, schert sich nicht um den Spielspaß und wird alles dafür tun, um euch schon bald wieder zur Kasse bitten.

Star Trek Online - krasses Angebot

Das oben erwähnte Angebot ist nicht einmal aus der Luft gegriffen, denn aktuell ist es Perfect World, die nach Neverwinter jetzt auch die Romulus-Erweiterung zu Star Trek Online für teuer Geld anpreisen. 18,99 € kostet das Starterpaket, das Spielspaß im Wert von 30 € verspricht - für stolze 119,99 € bekommt man das Legacy-Paket, in dem Vergnügen im Wert von 200 € enthalten sein soll.

Mich ärgert die Preispolitik des Publishers sehr, denn ich halte Star Trek Online mittlerweile für ein durchaus ordentliches MMOG, an dem Cryptic seit Release fortwährend gearbeitet hat und dessen Wertung von damals 79% durchaus noch einmal überdacht werden könnte. Ich könnte mich sogar auf die Erweiterung freuen, wären da nicht diese unlauteren Geschäftsmethoden und Lockangebote von Perfect World, in denen das an sich kostenlose Spiel schon im Vorfeld des Updates für abstruse Summen angeboten wird.

Summen, die bei anderen Publishern ebenso für Verwirrung sorgen wie bei den Spielern, deren Toleranzgrenze und Zahlungsbereitschaft offensichtlich mit aller Gewalt und medialen Aufdringlichkeit an das Gewinnstreben der Chefetage angepasst werden sollen. Und so ist es kaum ein Wunder, dass man ähnliche Angebote anderer Publisher mittlerweile in erschreckender Regelmäßigkeit sieht.

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Mehr "Next Gen" wagen: Cryptic liefert mit den Romulanern auch ein neues Interface für STO.
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Dragon’s Prophet - Angebot zur Abschreckung

Eine zwar etwas gemäßigtere, vom Konzept her aber ähnliche Preispolitik verfolgt man beim Berliner Publisher Infernum, wo sich große Teile der ehemaligen Frogster-Belegschaft auf Dragon’s Prophet vorbereiten - den ersten großen Titel des Unternehmens. Das Drachenlordpaket soll Items im Gesamtwert von 210 Euro enthalten und kostet an sich "nur" 69,99 und damit rund 20 Euro mehr als ein hochqualitatives Vollpreisspiel.

Auch die 81 Gegenstände, die ich mit diesem Paket bekomme, schrecken mich eher ab, als dass sie mich ins Spiel locken, denn ich kann schon jetzt ahnen, dass ich mich allenfalls so lange an ihnen erfreuen kann, bis mit dem nächsten Angebot wieder eine künstliche Spaßlücke generiert wird, die es zu füllen gilt, wenn ich das Spiel in seiner ganzen Pracht erleben möchte.

Klar - das Konzept mit den Drachen klingt ganz interessant, allerdings haben die Jungs von Runewaker, die hinter Dragon’s Prophet stecken, mit Runes of Magic allenfalls clever kopierte Durchschnittskost abgeliefert und täten gut daran, ihren angeblichen Qualitätssprung erst mal unter Beweis zu stellen, bevor sie und ihre Publisher die Hände aufhalten.

Darkfall Unholy Wars - wahrhaftig geworden

Beim Nischen-Studio Aventurine, das noch immer komplett ohne Publisher auskommt, geht man da ganz anders vor. Wer Darkfall im Original besessen hat, wird auch die Neuauflage Unholy Wars ohne Einschränkungen spielen können - sofern er die gewohnte Monatsgebühr entrichtet. Ach ja - das Spiel, an das selbst eingefleischte Darkfall-Fans kaum noch geglaubt hätten, ist nach einer schier endlosen Beta tatsächlich wieder online.

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Und nicht nur das - auch das Chaos zum Neustart blieb aus - trotz eines verhältnismäßig großen Andrangs. Die erste Woche darf in jeder Hinsicht als erfolgreich gewertet werden - und das trotz des totgesagten Abonnement-Systems. Das eignet sich, da sind sich Fans und Entwickler einig, für eine Sandbox wie Darkfall besser als jedes andere. Wer sich also Vorteile gegenüber seinen Mitspielern verschaffen möchte, muss schon die Möglichkeiten im Spiel nutzen - die Griechen von Aventurine erweisen sich nämlich als absolut unbestechlich.

Angenehme Überraschung

Natürlich habe auch ich meine ersten Runden im neuen Darkfall gedreht und bin tatsächlich überrascht. Die Grafik kann nun halbwegs mit modernen Titeln mithalten, versprüht aber immer noch jene düstere Atmosphäre, die Darkfall so einzigartig gemacht hat. Die Benutzerführung wurde komplett überarbeitet, setzt aber nach wie vor auf Action-Combat ohne Target-Lock.

Veteranen werden sich sofort mit dem Spiel anfreunden - neuen Spielern wird zugleich erstmals eine angenehme Einstiegsmöglichkeit geboten. Auch das Meta-Game hat sich nicht wesentlich verändert. Wie zuvor setzt Aventurine auf Erkundung, Crafting, territoriale Kontrolle, Schiffsbau samt Schlachten zur See und vieles mehr. Das alles kostet in einer Sandbox viel Zeit und Mühe - doch genau so soll es auch sein. Ich werde auf jeden Fall in Darkfall Unholy Wars verweilen und regelmäßig darüber berichten.

Camelot Unchained - die elf Gebote

Regelmäßig berichten werde ich natürlich auch von Camelot Unchained, das zwar noch einen langen Weg vor sich hat, allerdings schon jetzt wie ein Traum für Oldschool-MMOG-Fans klingt. Und um den Traum perfekt zu machen, hat Mark Jacobs jetzt elf Versprechen veröffentlicht, an die man sich während der Entwicklungszeit und danach halten möchte. Die Versprechen sinngemäß:

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"Wir werden euch niemals anlügen", "Wir werden euch in den Foren und über den Support antworten, so lange das Spiel läuft", "Wir werden Gold-Seller und Power-Leveling-Dienste vom ersten Tag an verfolgen", "Wir werden den Kontakt zu unserem Spiel und den Spielern nicht verlieren", "Wir werden euch immer gut behandeln", "So lange wir euer Geld nehmen, werden wir das Spiel updaten und verbessern", "Wir werden den Server-Code öffentlich machen, sollten wir das Spiel einstellen", "Ein Kopierschutz ist nicht nötig", "Wir respektieren eure Daten", "Die angegebenen Hardware-Voraussetzungen sind nicht beschönigt", "Wir sind euch dankbar, wenn ihr einen Bug meldet und werden euch nicht dafür angreifen".

Es wird noch knapp

Nicht nur klingen diese Versprechen beinahe wie Gebote - sie sind auch eine Vorlage, an der sich andere Studios orientieren sollten. Was Mark Jacobs hier verspricht, sind keine unerfüllbaren Forderungen der Community. Es sind vielmehr Zugeständnisse, mit denen sich jeder Entwickler, der ernsthaft daran interessiert ist, ein hochwertiges Spielerlebnis samt gutem Service abzuliefern, anfreunden sollte.

Es bleibt auf jeden Fall zu hoffen, dass sich noch ein paar Spieler von Mark Jacobs offenherzigen Versprechungen beeindrucken lassen, denn es fehlen immerhin rund 750.000 Dollar, damit das passionierte Kickstarter-Projekt tatsächlich finanziert wird - bei elf verbleibenden Tagen wird es also durchaus noch ein knappes Ding.

Blade&Soul - Release im kommenden Jahr

Etwas gemächlicher kann man es da bei NCsoft angehen, wo man jedoch noch immer ein Problem damit zu haben scheint, den asiatischen Teil des Unternehmens ordentlich mit dem westlichen zu verknüpfen und endlich mal als eine Einheit aufzutreten. Hinsichtlich des längst in Südkorea veröffentlichten Martial-Arts-MMOG Blade&Soul sorgte das für ordentlich Verwirrung und bis dato war nicht einmal sicher, ob es überhaupt für den Westen lokalisiert wird.

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In Südkorea ist Art-Director Hyung-tae Kim ein Star und berühmt für seine teils etwas eigenwilligen Artworks.
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Jetzt allerdings hat Art Director Hyung-tae Kim während einer Studioführung angedeutet, dass man an einer englischsprachigen Version des Spiels arbeite, die im Laufe des kommenden Jahres erscheinen soll. Dass Blade&Soul dann möglicherweise in Konkurrenz zu WildStar tritt, das parallel von den westlichen Kollegen bei Carbine entwickelt wird, scheint die Südkoreaner nicht sonderlich zu stören.

ArcheAge - your home is my castle!

Generell scheint die MMOG-Community neuen, qualitativ hochwertigen Titeln aus Südkorea aufgeschlossener gegenüberzustehen als früher. Sowohl TERA als auch Aion haben sich im Laufe der Monate gemausert und enorm von der Umstellung auf Free-To-Play profitiert. Außerdem lockt ArcheAche mit recht stimmungsvollen Videos zu allen erdenklichen Features, die das Spiel enthält.

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Aktuell ist es ein Video zu den Burgbelagerungen, das die Herzen der Fans höher schlagen lässt. Lineage-2-Veteranen, die jetzt ähnlich große Schlachten mit Tausenden von Spielern in einer offenen Welt erwarten, seien allerdings gewarnt: In ArcheAge wird die Teilnehmerzahl begrenzt sein, denn in Sachen Massen-PvP stößt auch die CryEngine 3 schnell an ihre Grenzen.

Guns of Icarus - das Abenteuer beginnt

Mit derlei Problemen mussten sich die Entwickler von Guns of Icarus bislang nicht befassen, liefen die unterhaltsamen Luftschlachten doch ausschließlich im überschaubaren Rahmen ab. Das dürfte sich allerdings bald ändern, denn das kleine Indie-Team von Muse hat tatsächlich die erhofften 100.000 Dollar auf Kickstarter zusammen, die man nach eigenen Angaben benötigt, um das kurzweilige Spiel weiter in Richtung MMOG zu entwickeln.

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Auf der To-Do-Liste der Entwickler stehen somit eine persistente Welt, ein eigenes Schiff, Städte und Missionen, die zu deren Ausbau oder der Zerstörung führen, ein politisches System, in dem sechs von Spielern kontrollierte Fraktionen gegeneinander kämpfen sowie ein ebenso robustes wie zugängliches Wirtschaftssystem.

EVE Online - Geschichte wird von jenen bestimmt, die sie schreiben

Wie wichtig so etwas für eine virtuelle Welt ist, beweist EVE Online immer wieder aufs Neue. Ohne die Wirtschaft wären die Kriege nur halb so spannend und bisweilen sind es auch wirtschaftliche Interessen, die sie überhaupt erst auslösen. Dadurch kommt es zu jenem Phänomen, das eine Sandbox so unvergleichlich interessant werden lässt: Die Welt bekommt eine Geschichte, die nicht aus der Feder der Entwickler stammt.

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Damit diese Geschichte nicht vergessen wird, hat CCP jüngst die Aktion True Stories ins Leben gerufen und eine Seite ins Netz gestellt, auf der Spieler ihre Geschichten einreichen können. In einem aktuellen Video wirbt der Chef-Kreativling Torfi Frans Ólafsson für das Projekt und stellt den erfolgreichsten Teilnehmern eine Reise nach Island in Aussicht.

Abschluss einer Dekade und Auftakt einer neuen

Gesammelt werden Geschichten jedweder Art aus zehn Jahren EVE Online. Zehn Jahre, die man bei CCP in der kommenden Woche gebührend feiern wird - gemeinsam mit 1.500 treuen Fans, die aus aller Welt anreisen, um mit den Entwicklern zu diskutieren, anzustoßen und natürlich um zu erfahren, was CCP für die nächsten zehn Jahre EVE Online, Dust 514 und World of Darkness geplant hat.

Damit hat sich das einstige Treffen der Nerds zu einer der wichtigsten Inhouse-Veranstaltung der Branche gemausert, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen werde. Der Koffer ist gepackt, die Woche bis auf die letzte Minute durchgeplant und die kommende Ausgabe von Wiped wird dann frisch aus dem eisigen Norden geliefert...