Jahrelang werkelten die Leute von CCP-Tochter White Wolf an World of Darkness. Am Ende mussten sie eingestehen, dass sie nichts, aber auch gar nichts Brauchbares vorzuweisen hatten. Das Projekt wurde schließlich im vergangenen Jahr zu Grabe getragen und mit ihm die letzte Hoffnung einer riesigen Community. Doch es gibt noch eine andere.

Kunterbunte Landstriche, strahlender Sonnenschein, lustige Cartoon-NPCs mit noch lustigeren Aufgaben, für deren Bewältigung zumeist der Einsatz des Stammhirns genügt. Nach diesem Muster sind die meisten modernen MMOs gestrickt. Die Folge: Erfahrene Spieler stellen immer häufiger die Sinnfrage und kehren der jeweiligen Welt schnell den Rücken.

Die zugeschüttete Goldgrube

Kein Wunder, dass jede Menge Tumult aufkam, nachdem CCP im November 2006 anlässlich des EVE-Fanfests verkündet hatte, dass man White Wolf übernommen hatte, um dort ein MMO zu World of Darkness entwickeln zu lassen. Düster sollte es werden und erwachsen, wie man das vom Franchise erwartete - dazu die tiefgreifenden Sandbox-Mechaniken, mit denen die Isländer Erfahrung hatten, allerdings weniger nerdig und mit wundervollen Avataren.

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Schrecklich beliebt: Auch das künstlerische Konzept von Project Dogmat weckt alte Hoffnungen.
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Doch nichts sollte aus alldem werden - außer einer kleinen Tech-Demo für eine Engine, die in der Praxis offenbar nichts von dem bewerkstelligen konnte, was man sich in der Theorie so wundervoll düster ausgemalt hatte. Bedauerlich ist das natürlich angesichts all des Geldes, das CCP in das neue Projekt gesteckt hatte. Viel bedauerlicher ist es jedoch, weil sich im Laufe der Jahre bereits eine gewaltige Community formiert hatte, mit der man ein solches Spiel in eine Goldgrube hätte verwandeln können.

“Shut up and take my money!”

Dessen ist man sich natürlich auch in den Indie-Studios da draußen bewusst und so war es nur eine Frage der Zeit, bis das erste auf die Idee kommen würde, die Reste von World of Darkness aufzusammeln und einen eigenen Versuch zu starten. Der erste nennenswerte stammt aus Russland und heißt Project Dogmat - entsprechend wird der letzte Buchstabe nicht betont.

Und wenngleich noch nicht viel über die Mechaniken jenseits eines klassenlosen Systems und des Permatod-Risikos bekannt ist, findet die generelle Ausrichtung auf “modernen Gothic-Punk und Horror” bei einem großen Teil der ehemaligen WoD-Community schon jetzt Anklang. Insbesondere der Trailer hat dazu geführt, dass zahlreiche Vampire-Fans angekündigt haben, den Entwicklern durch Rat, Tat und finanzielle Unterstützung zur Seite zu stehen.

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Derzeit arbeiten die Entwickler der Indie-Spieleschmiede, die sich Prelude Games Factory nennt, an einem Kickstarter-Auftritt, der die Entwicklung finanziell absichern soll. Außerdem arbeiten sie natürlich weiter am Spiel, zu dem es in Kürze dann regelmäßig neue Infos, Bilder und Videos geben soll. Und damit man technisch nicht irgendwann vor den gleichen Hürden steht wie dereinst White Wolf, setzt man bei der Technik auf eine unter Entwicklern derzeit sehr beliebte Engine: Unity 5.

EVE Online - zurück zum großen Kino

Derweil kämpft man bei CCP gegen den spürbaren Spielerschwund in EVE Online. Und der, so hat man jetzt endlich auch erkannt, ist gar nicht in der an sich sehr treuen Community selbst zu verorten. Vielmehr bleiben jene Spieler aus, die EVE Online nur für kurze Zeit oder immer mal wieder dann gespielt hatten, wenn eine der großen Erweiterungen aufgespielt wurde. Das sorgte für Leben in der Community und brachte jede Menge Frischfleisch nach New Eden.

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Die Umstellung auf regelmäßige kleine Updates, die bei den treuen Fans gemeinhin gefeiert wurde, sorgte hingegen für Verwirrung bei den Gelegenheitsspielern ebenso wie bei der Fachpresse, die längst nicht mehr so häufig über EVE Online berichtete wie zu jenen Zeiten, in denen man zu jeder Erweiterung großes Kino in Form eines atemberaubenden Trailers vorzeigen konnte.

Landung in Berlin

Und so kündigte CCP Seagull als Produzentin von EVE Online jetzt an, dass man künftig zwar die kleinen Updates beibehalte, jedoch zusätzlich auch wieder große Erweiterungen liefern werde, damit die Spieler auch erkennen, wohin man sich mit EVE Online bewege. Das allerdings werde man nur dann tun, wenn es auch Sinn ergebe, also nicht in regelmäßigen Abständen.

Eine Ankündigung, über die mit Sicherheit auch am kommenden Mittwoch diskutiert werden dürfte, wenn das Team von CCP im “Cosmic Kaspar” in Berlin gastiert, bei einer Art Mini-Fanfest. Und wenn so etwas schon mal vor unserer Haustüre stattfindet, werden natürlich auch wir vor Ort sein, um mit Entwicklern und Fans zu sprechen und die Stimmung aufzufangen.

Camelot Unchained - erst die Technik, dann die Ästhetik

Etwas mehr Stimmung soll künftig auch bei Camelot Unchained aufkommen. Über dessen Entwicklung wird zwar permanent berichtet, bisweilen jedoch etwas trocken und technisch. In erster Linie liegt das jedoch auch daran, dass sich das Team von Mark Jacobs vorwiegend mit der technischen Seite des Titels beschäftigen musste, um die größten Hürden zu überwinden.

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Szenen aus der Alpha. Wie schon in Dark Age of Camelot werden auch bei Camelot Unchained die Burgbelagerungen im Mittelpunkt des Spielgeschehens stehen.
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Mittlerweile jedoch scheint das gelungen und so hat Jacobs jetzt angekündigt, den Fokus neu ausrichten zu wollen und das Spiel selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Konkret erwarten uns in Zukunft also mehr Infos zu Spielmechaniken und Strategien und nicht zuletzt viel mehr oder weniger bewegte Bilder aus dem Spiel, damit wir uns endlich konkret einen Eindruck davon verschaffen können, ob Camelot Unchained tatsächlich das Zeug hat, das reiche Erbe von Dark Age of Camelot anzutreten.

Albion Online - Quests - so lange der Vorrat reicht

Bewegte Bilder gibt es auch von Albion Online erfreulich regelmäßig zu sehen. Und für gewöhnlich sind die obendrein gespickt mit allerlei Informationen zum isometrischen Sandbox-MMO. So auch beim aktuellen Clip in dem die Entwickler einen kleinen Einblick in die Quests gewähren, die in Albion Online ein wenig anders funktionieren als im herkömmlichen Themepark-MMO.

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Grundsätzlich gibt es keine Missionen, die mit einer konkreten Story verknüpft sind und den Spieler im Verlauf der Geschichte irgendwann zum Helden erheben. Vielmehr sind die Missionen allenfalls eine alternative Einkommensquelle, ähnlich wie bei EVE Online. Damit die allerdings nicht überstrapaziert wird und die Inflationsrate geregelt werden kann, verfügt ein Quest-NPC, der gleichzeitig einer bestimmten Fraktion angehört, über ein beschränktes Budget, kann den arbeitswütigen Spieler also nicht immer gebührend für sein Tun belohnen. Noch allerdings sind viele Funktionen bei Albion Online in der Testphase und niemand kann sagen, ob die Entwickler nicht hier und da doch noch ein paar Elemente verändern.

Crowfall - soziale Eingliederungsmaßnahme

Während Sandbox Interactive über monetäre Angelegenheiten nachdenkt, arbeitet man bei ArtCraft an sozialen. Gemeint sind damit jedoch ausnahmsweise mal nicht tänzerische Einlagen und virtuelle Hochzeiten, sondern handfeste soziale Mechaniken, die mit dem Kern des Spiels verbunden sind, der letztlich ein ebenso kriegerischer wie diplomatischer ist. Konkret werden Spieler nicht nur Gruppen und Gilden untergeordnet sein, sondern obendrein auch Gottheiten.

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Yaga, Göttin der Magie und des Todes, für dessen Eintritt sie allerdings nicht verantwortlich ist. Vielmehr steht sie für das unvermeidbare Ende eines Zyklus.
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Damit gehen die Entwickler zwar nicht so weit, Spieler in Fraktionen zwangsweise zu Freunden oder Feinden zu machen, sie möchten jedoch einerseits eine erzählerische Kulisse schaffen und gleichzeitig das Gruppenbewusstsein fördern: “Menschen neigen naturgemäß zu Teamstrukturen, wenn eine starke Hierarchie geboten wird.” Entsprechend werde man Spielern, die über keine sozialen Kontakte verfügen, gewisse Standard-Teams vorschlagen und das alles in einen thematischen Deckmantel hüllen.

Einmal mehr bedient sich das Team hinter Crowfall dabei übrigens jener Elemente, die George R.R. Martin in seiner legendären Saga A Song of Ice and Fire vorgelegt hat - ob es sich nun um die Gottheiten handelt, von denen die Sterblichen offenbar als Handlanger missbraucht werden, oder um den ultimativen Kampf um den Thron, dessen Besteigung das Ende einer Ära und gleichzeitig den Beginn einer neuen markiert.

Gloria Victis - Crafting wie in SWG?

Neues gibt es derzeit auch von Gloria Victis - und zwar weit mehr, als Fans und Entwicklern lieb sein kann. Wie so oft in dem Geschäft stellten sich nämlich bestimmte Mechaniken als wenig praxistauglich heraus und müssen noch einmal neu angegangen werden. Und das kostet Entwicklungszeit. Betroffen davon sind aktuell das Inventar ebenso wie das Gildensystem.

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Ach ja - und das Crafting auch, dessen Mechaniken den Entwicklern schlicht nicht tiefgreifend genug waren. Nach einer langen Diskussion habe man sich dann dazu durchgerungen, das System komplett neu auszuarbeiten. Man könne gar von einer Revolution sprechen, so die Entwickler, mit dem Hinweis darauf, dass die Fans von Star Wars: Galaxies auf jeden Fall am Ball bleiben sollten. Die Macht möge mit den Entwicklern sein.

Ausblick

Die Macht möge natürlich auch mit ZeniMax sein, die die jüngste Erweiterung zu The Elder Scrolls Online auf die Konsolen geschoben haben. Eine Erweiterung, durch die wir uns gerade prügeln. Und mit Cryptic, die nach einer exzessiven Hack-Attacke auf ihre Spielserver unerwartet viel Rückendeckung durch die Community bekommen. Und natürlich mit Trion Worlds, die sich nach Aufspielen von Version 2.0 für ArcheAge wohl gedacht haben, dass man angesichts all der Pay-to-win-Vorwürfe auch gleich mal ganz ungeniert ein Item-Pack für 250 $ in den Shop stellen könnte. Doch all das sind andere Geschichten und sollen ein andermal erzählt werden.