Es herrscht Weltuntergangsstimmung in der MMO-Branche. Woche für Woche wird weiteren Welten für alle Zeiten das Licht ausgeknipst. Grund zur Trauer ist das jedoch nicht. Die Industrie hat während der letzten Dekade eine Blase generiert, in der man letztlich nur noch bunte Verpackungen verkauft hat und keinerlei Inhalte.

Kaum eine Spielergruppe wird von der Industrie derart umworben wie die der anscheinend stets hungrigen MMO-Gamer. Denen lachen überall im Netz bunte Banner entgegen, die zu wahrhaft verheißungsvollen Titeln führen, für die man sich im Regelfall zuerst registrieren muss, bevor man auch nur einen Screenshot zu Gesicht bekommt.

Maximaler Gewinn bei minimalem Aufwand

Die meisten dieser Titel verfolgen das gleiche Konzept: Man werbe mit viel Tamtam um die Aufmerksamkeit eines Spielers und bringe ihn dazu, im Idealfall sofort ein paar Euro zu investieren, damit er möglichst schnell möglichst stark werden kann. Dass er schon bald merkt, wie wenig Spiel hinter alldem steckt und er das Weite sucht, gehört zum Plan, denn der nächste Bauernfänger-Titel steht längst bereit und der bietet, das lassen die Artworks schon vermuten, ganz bestimmt mehr.

Unzählige MMO-Einsteiger ließen sich in den vergangenen Jahren auf diese Art neppen und pumpten Millionen in den schönen Schein, während gleichzeitig auf Kickstarter manches vielversprechende Projekt nicht einmal ein bescheidenes, vierstelliges Sümmchen zusammentragen konnte. Logisch, denn besagte Einsteiger werden ja kaum so verrückt sein, einer Handvoll abgehalfterter AAA-Entwickler im Exil Geld zu geben, bevor die überhaupt etwas abgeliefert haben. Wo käme man da hin?

Wiped! - Die MMO-Woche - Weg damit!

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuWiped! - Die MMO-Woche
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 74/751/75
Viel Verpackung, wenig Inhalt - Archlord 2 ist eines von unzähligen Spielen, in denen bald das Licht ausgeknipst wird.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Lasst sie untergehen!

Wenn jetzt also vermehrt Trash- und Pay-to-win-MMOs das Zeitliche segnen, weil ihre Betreiber lieber komplett die Smartphone-Zocker ins Visier nehmen, besteht sicherlich kein Grund zur Trauer. Entsprechend werden wir hier auch nicht jedem dieser Titel ein Abschiedsliedchen trällern - da gäbe es ganz andere Titel, die eine Chance verdient gehabt hätten und um die es zu trauern lohnt. Stattdessen blicken wir nach vorne und auf das, was der Markt nach der dringend nötigen Entschlackungskur so hergibt.

Da wären einerseits die bereits in der letzten Ausgabe erwähnten drei großen “Bs”: Blade & Soul, Black Desert und Bless, mit denen sich Südkorea nach all den missglückten Anläufen rehabilitieren könnte und zeigen, dass man noch immer gute MMORPGs entwickeln kann. Diese Spiele sind in der glücklichen Lage, dass sie sich technisch auf allerhöchstem Niveau bewegen und ihnen kein einziger der anstehenden Indie-Titel in dieser Hinsicht gefährlich werden kann. Entsprechend groß ist derzeit das Interesse der MMO-Community an diesen drei Spielen.

Black Desert - viel Geld, viel Ehr

Insbesondere Black Desert hat es vielen Fans angetan, auch weil es aller Voraussicht nach der erste der drei Titel ist, der bei uns aufschlagen wird. Das lässt dann auch der aktuell für Russland angesetzte Betatest vermuten, der bereits am 12. Oktober beginnen soll und in dem sich aller Voraussicht nach auch wieder große Teile der westlichen Community tummeln werden.

Angesichts der schier grenzenlosen Begeisterung einiger Fans für Black Desert sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die Entwickler seit einiger Zeit daran arbeiten, Anspruch und Tiefgang zu minimieren, da sie der Ansicht sind, dass die heutige Spielergeneration mit allzu komplexen Mechaniken überfordert sein könnte.

2 weitere Videos

Und dann wäre noch die geschäftliche Seite. In Südkorea kann und muss man Black Desert als klassisches Pay-to-win-Game bezeichnen, bei dem man sich die Grundlage für den virtuellen Erfolg für harte, südkroeanische Won erkaufen kann. In Südkorea ist das längst der Standard. Wenn Publisher Daum diese Geschäftsstrategie für Europa allerdings nicht sorgfältig überdenkt, wird Black Desert bei uns baden gehen.

Bless - dröger Kampf, großer Krieg?

Und während das Geschäftsmodell zu Bless noch nicht im Detail bekannt ist, häufen sich auch aus dieser Richtung bereits jetzt die Beschwerden. Das Kampfsystem, das ursprünglich als TAB-Target-System geplant, dann aber auf die Schnelle auf “Action” umgestellt wurde, bietet eher dröge Kämpfe, wie sie eben typisch sind in den MMOs der letzten Generation. Monster metzeln ohne Anspruch - das ist einer der Gründe, warum sich viele Spieler vorerst von den MMOs verabschiedet haben.

2 weitere Videos

Ohne spielerische Herausforderungen verkommt auch die hübscheste Welt zum sinnlosen Zeitfresser. Dafür allerdings scheint das Crafting-System recht tiefgreifend und damit umso interessanter - ebenso die Mechaniken rund um die großen Schlachten zwischen den Reichen. Und wenn die ordentlich funktionieren und genügend taktischen Spielraum bieten, rückt das Kampfsystem möglicherweise schon wieder ein wenig in den Hintergrund.

Shroud of the Avatar - befreit von allem Ballast

Welche Funktionen und Mechaniken es sind, die Shroud of the Avatar einmal tragen werden, ist ebenfalls noch ungewiss. Sicher ist nur, dass Richard Garriott, der das MMO-Genre nachhaltig mit geprägt hat, noch einmal einen komplett neuen Ansatz wagen möchte. Statt an moderne Themepark-MMOs anzuknüpfen, kehrt er konzeptionell zurück zu seinen legendären Rollenspielen und durchdenkt sämtliche Optionen, die einem das Internet heute bietet, noch einmal neu.

Entsprechend unproblematisch ist es für ihn dann auch, spannende Inhalte speziell für Solo-Gamer ins Spiel einzubauen wie aktuell den “Highvale Village Battle”. Highvale Village ist eine Festung der Paladine von Resolute auf der einen und den Elfen von Verdantis auf der anderen Seite, die sich zu einer Belagerung durchgerungen haben, die beiden Seiten heftigste Verluste beschert hat.

2 weitere Videos

Kaum dass nun die Feuer der letzten Schlacht erloschen sind, stapft, wie sollte es auch anders sein, der Avatar durch die Szenerie und wird, je nach Gesinnung, in den weiteren Verlauf der Schlacht eingreifen und die Zukunft von Highvale Village für alle Tage verändern. Schlichtes Phasing oder tatsächlich ein nachhaltiger Einfluss auf die Verhältnisse in der virtuellen Welt?

I did it my way!

Apropos Welt - die sieht man in Shroud of the Avatar zu Beginn aus einer ganz anderen Perspektive. Neuankömmlinge beginnen ihre virtuelle Reise nämlich auf einer Insel, die im All treibt und die nicht nur eine atemberaubende Aussicht bereithält, sondern auch eine Reihe von Fragen - ganz wie man das aus der alten Ultima-Reihe gewohnt ist.

Je nachdem, wie man auf die Fragen der guten Arabella antwortet, beginnt man Shroud of the Avatar auf einem anderen Pfad. Die Wege von “Wahrheit”, “Liebe” oder “Mut” bestimmen dabei vorerst nicht nur die moralische Ausrichtung des Avatar, sie haben auch signifikanten Einfluss auf die Fähigkeiten sowie die Ausrüstung. Und wer nun geneigt ist darüber zu googlen, welche Fragen er wie beantworten muss, um besonders stark zu sein, sollte vielleicht von vornherein einen Bogen um Shroud of the Avatar machen.

Pantheon: Rise of the Fallen - bekommt ein stabiles Fundament

Nichts für jedermann wird wohl auch Pantheon: Rise of the Fallen. Dessen Entwickler Brad McQuaid hatte im vergangenen Jahr vergeblich versucht, 800.000 Dollar via Kickstarter einzusammeln. Zu groß ist das Misstrauen der verärgerten Fans von Vanguard, dessen Probleme zum Großteil McQuaid angelastet werden.

2 weitere Videos

Doch der Entwickler ließ nicht locker, arbeitete mit kleinem Team und magerem Budget erbittert weiter an Pantheon, in der Hoffnung, später doch noch genügend Unterstützer zu finden. Diese Hoffnung wurde jetzt erfüllt. McQuaid scheint ein nicht unbedeutendes Sümmchen an Startkapital beisammen zu haben und will die Entwicklung von Pantheon nun auch auf ein stabiles finanzielles Fundament stellen.

Freuen dürfte das vor allem jene MMO-Fans, die sich spielerischen Anspruch erhoffen. Den nämlich versprechend die Entwickler, indem sie Dark Souls als Beispiel für ein Gameplay heranziehen, wie sie es verwirklichen wollen. Ein Gameplay, das dem Spieler ein gewisses taktisches Gespür abverlangt: “Wenn man den Kampf besteht, dann nicht deswegen, weil man auf eine Taste gehauen hat, sondern weil man mit Strategie und Weitsicht hineingegangen ist.”

Crowfall - kompakter geht es nicht

Strategie und Weitsicht verlangt auf alle Fälle auch Crowfall. Immerhin haben sich die Entwickler des derzeit vielleicht vielversprechendsten Indie-MMO-Projektes nicht weniger vorgenommen, als das politische Drama der Kultserie Game of Thrones in eine Onlinewelt zu packen. Doch auch abseits davon hält Crowfall schon jetzt einige Überraschungen bereit.

2 weitere Videos

Einige davon sind nun erstmals auch in ein deutschsprachiges Video gepackt worden. Der deutsche Sprecher hatte auf jeden Fall seine liebe Not, all die Informationen irgendwie in die achtminütige Videovorlage zu packen. Wer bislang noch keinen Schimmer hatte, was Crowfall ist, sollte das Video auf keinen Fall verpassen.

Bloß nichts verpassen!

Diesem Motto folgend, versuchte in der vergangenen Woche eine stattliche Zahl MMO-Fans auf die gerade wieder eröffneten Server von WildStar zu loggen. Die jedoch hatten anscheinend noch nichts von der Free-to-play-Umstellung mitbekommen und ächzten gehörig unter der zusätzlichen Last. Davon lassen wir uns allerdings nicht abhalten und schauen auf jeden Fall mal, wie sich unser Sanitäter ohne Abo schlägt. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.