Nachdem SOE die Szene mit der Ankündigung eines durchaus innovativen EverQuest Next ordentlich aufgemischt hat, sind die Studios weltweit im Zugzwang. Jetzt regiert auch Südkorea und kontert mit ersten Fakten zu einem Civilization Online, das so ziemlich jeden Rahmen sprengt, an dem man sich in den Branche bislang orientiert hat. Doch auch die Kritiker stehen schon in den Startlöchern.

Civilization Online - das klingt ein wenig nach Facebook- oder Browsergame, nach einem typischen Abklatsch einer großen Serie eben, wie sie für gewöhnlich von Spieleschmieden wie Zynga, Bigpoint und Konsorten im Akkord rausgehauen werden. Und tatsächlich - kaum haben die Entwickler erste Info-Brocken zum Spiel veröffentlicht, geraten die westlichen Spieler darüber auch schon in Rage.

Im Keim erstickt

Da werden die jüngsten Verwurstungen zu Age of Empires, Die Siedler oder Anno als Vergleich angeführt und dann, weil das Spiel ja in Asien und vorerst exklusiv für der asiatischen Markt entwickelt wird, haut man noch die Asia-MMO-Karte obendrauf und stellt in sämtlichen Foren und Kommentaren sicher, dass auch bloß niemand Interesse an diesem Titel entwickelt.

Woher diese grundsätzliche Ablehnung kommt, ist mir nach wie vor schleierhaft und wann immer ich mir einen jener Asia-Grinder-Schreihälse zur Brust nehme und nach konkreten Erfahrungen frage, stelle ich fest, dass meist keiner der erbittert kritisierten Titel überhaupt je angerührt wurde. Das ist bedauerlich, denn so manche innovative Idee aus einem asiatischen Titel schafft es so nie in die Köpfe westlicher Spieler und Entwickler.

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An der westlichen Zivilisation vorbei

Doch was noch viel schlimmer ist - Asiens Entwickler gehen vermehrt dazu über, den Westen bei der Entwicklung komplett außen vor zu lassen. Und machen wir uns nichts vor - während der westliche Spieler durchaus Bedarf an dem einen oder anderen guten Onlinespiel aus Asien hätte, können südkoreanische oder chinesische Studios und Publisher angesichts der Umsatzzahlen gut und gerne auf den ewig meckernden Spieler aus Fernwest verzichten.

Und so wundert es kaum, dass sich die Entwickler von XL Games dazu entschlossen haben, ihr Civilization Online mit Blick auf Asien zu entwerfen und den Westen zu ignorieren. Vorerst zumindest, denn wenn Jake Song, der gleichermaßen hinter ArcheAge steckt, davon überzeugt ist, dass sich im Westen doch noch Geld verdienen lässt, wird er uns sicherlich auch den persistenten Zivilisationsaufbau nicht verwehren.

Nach dem ‘Sandpark’ ArcheAge nun doch eine echte Sandbox?

Wäre auch schade, denn Civilization Online scheint sich dem eingefahrenen Genre aus ganz neuer Richtung anzunähern und vermischt einige Elemente, die man von Sid Meiers Kultspiel her kennt mit denen zeitgemäßer MMOGs. Das Jake Song bei der Entwicklung eine Sandbox im Sinn hat, liegt wahrscheinlich ebenso nahe wie die Tatsache, dass die virtuelle Welt im Spiel eben nicht persistent ist.

Die Welt kommt dann an ihr Ende, wenn eine Zivilisation allen anderen überlegen ist oder zu den Sternen aufbricht. Der virtuelle Charakter bleibt jedoch weitgehend erhalten und ebnet seinem Volk in einer anderen Welt über sechs Zeitalter hinweg den Weg an die Spitze - je nach Zeit und Einsatz als einfacher Handlanger oder als tonangebender Anführer.

Cryteks drittes Weltwunder

Dank CryEngine 3 dürfen und müssen die Spieler ihre Umgebung verändern, Städte des Feindes dem Erdboden gleichmachen und eigene errichten und beschützen. Wie in einer Sandbox üblich, werden allerlei Ressourcen gesammelt, mit denen gebaut werden kann. Monster lassen keine fertige Ausrüstung fallen und seelengebundene Gegenstände gibt es nicht. Diese Mechanik hält Jake Song generell für Unsinn und spricht dabei vielen Sandbox-Fans aus der Seele.

Die riesige Weltkarte liegt nicht offen vor einem - sie muss erkundet werden. Außerdem wird gehandelt, geforscht und entworfen, denn Spieler werden die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Kreationen ins Spiel zu bringen und der Welt damit ihren Stempel aufzudrücken. Ein Schwerpunkt des Spiels soll trotz allem der Kampf werden - ob man ihn nun im Kleinen sucht oder eine Hunderschaft um sich formiert, um mit den Waffen der jeweiligen Epoche gegen die Widersacher zu Felde zu ziehen.

Zwei Meister, ein Spiel

Es ist schwer vorstellbar, wie Jake Song all das umzusetzen gedenkt, wie er diese zwei grundverschiedenen Genres miteinander verschmelzen will. Doch gerade diese Unvorstellbarkeit und der Mut des Entwicklers, nicht nur viel Geld in einen völlig neuen Ansatz zu stecken, sondern gleichzeitig ein “großes soziales Experiment” zu starten, macht Civilization Online so interessant.

Umso ärgerlicher, wenn ein solch vielversprechendes Spiel gar nicht erst im Westen aufschlagen würde, weil sich die militanten Gegner von Spielen aus asiatischen Schmieden in den Foren herumtrollen und dem Titel von vornherein ein negatives Image anheften. Immerhin steht Civilization-Erfinder Sid Meier hinter Jake Song und seinen Plänen und auch ich würde es begrüßen, wenn ich mir in zwei, drei Jahren selbst ein Urteil über das Spiel bilden dürfte und nicht den begeisterten Asiaten beim Zocken zuschauen müsste.

Trion Worlds - im Umbruch

Ähnliches spielt sich derzeit auch in Bezug auf ArcheAge ab, zu dem sich die Mehrheit der Spieler im Westen schon ein Vorurteil gebildet zu haben scheint, ohne es überhaupt jemals gespielt zu haben. Dazu trägt die Umstellung in Südkorea von Abonnement auf ein Hybrid-Preismodell einerseits bei und das Gerücht vom ‘Flop’ - andererseits liegt das jedoch auch an der Informationspolitik von Trion Worlds als Publisher in der westlichen Welt.

Dort verweist man lieber auf die Millionen Wörter, die man zu übersetzen hat, statt Community und Fachpresse mit brauchbaren und konkreten Informationen zu versorgen und einen Überblick zu verschaffen, was genau da in Südkorea eigentlich vor sich geht - wie und wohin sich das Spiel entwickelt. Und so brodelt die Gerüchteküche in den Communitys munter weiter.

Klar - die Kommunikation zwischen südkoreanischen Studios und westlichen Publishern ist bekanntermaßen schwierig. Umso wichtiger ist es jedoch, frühzeitig ein Team aus sprachbegabten Mitarbeitern zu rekrutieren, die eine kommunikative Brücke zwischen den Kontinenten errichten, die Zweifler besänftigen und dem Titel ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit zukommen lassen. Nichts dergleichen tut Trion.

Wiped! - Die MMO-Woche - Soziales Experiment

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ArcheAge: viel zu übersetzen.
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Buttler dient im Vorstand

Doch vielleicht ändert sich das ja bald, denn CEO Lars Buttler hat offensichtlich in der vergangenen Woche das Handtuch geworfen und wird sich auf die Arbeit im Vorstand von Trion beschränken. Sein Büro bekommt ausgerechnet ein Mann, der dem Publisher vor nicht allzu langer Zeit wegen interner Querelen den Rücken gekehrt hatte, ohne jedoch eine andere Arbeitsstelle anzutreten.

Scott Hartsman, der ehemalige Chief Creative Officer von Rift, ist tatsächlich zurück bei Trion Worlds und wird fortan als CEO die Geschicke des Unternehmens lenken. Die Fans begrüßen das und hoffen auf einen Kurswechsel beim Publisher, der sich mit Defiance und End of Nations gleichermaßen übernommen hat und nach vorangegangenen Entlassungen aktuell das Studio in San Diego schließen muss.

Vielleicht schafft es Scott Hartsman, der den Spielen und Spielern seit jeher näher steht als Lars Buttler, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen und nebenbei endlich mal dafür zu sorgen, dass die PR- und Community-Arbeit von ArcheAge in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Das wäre nämlich nicht nur eine Investition in die nähere Zukunft, sondern würde die Südkoreaner möglicherweise davon überzeugen, dass sich jenes unverschämt innovativ klingende MMOG namens Civilization Online auch in der westlichen Welt rechnen würde.

Strife - braucht die Welt ein neues MOBA?

Derweil glaubt man bei S2 Games daran, dass sich die Entwicklung ihres neuen MOBAs namens Strife rechnet, mit dem sie noch in diesem Jahr den Markt erobern wollen, obwohl sie doch mit Heroes of Newerth bereits ein ganz ähnliches Spiel im Sortiment haben. Verrückt - so befand auch ich, bevor ich mir im fernen San Francisco ein Bild von dem Projekt machen konnte.

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Was es konkret mit Strife auf sich hat und warum ich glaube, dass das Spiel ein ganz besonderes Potential hat, erfahrt ihr im Laufe der kommenden Woche in einer ausführlichen Vorschau. Bis dahin bitte ich euch, mit eventuellen Hasstiraden und Vorverurteilungen zu warten, damit der Markt in fünf Jahren noch mehr kennt als WoW, LoL oder World of Tanks. Vielen Dank.