Weihnachten ist just vorbei und die Geschenke frisch ausgepackt. Die gibt es mittlerweile auch in jedem MMO, das etwas auf sich hält - ob nun in Form von Schnee, roten Zipfelmützen oder Glockengebimmel allerorten. Ein Publisher hat sich allerdings etwas ganz Besonderes ausgedacht und tatsächlich eine Million Dollar unter den Weihnachtsbaum gelegt. Einen wird das sicherlich freuen. Mindestens 300 andere sind hingegen mehr als bestürzt.

Wenngleich die Kollegen von Bethesda dank Fallout 4 sicherlich ordentlich zu feiern hatten, war das Jahr 2015 für die Schwesterfirma ZeniMax Online Studios sicherlich kein sonderlich gutes. Und das, obwohl man mit The Elder Scrolls Online noch im Juni die PS4-Charts stürmte und für die zweite Jahreshälfte mit gleich zwei DLCs ordentlich nachlegen wollte.

Der marode Kern

Doch angesichts der vielen offenen Baustellen im Kern des MMOs sorgten weder die Kaiserstadt noch Orsinium für uneingeschränkte Begeisterungsstürme. Fast schien es, als hätten hier nicht nur die Entwickler ihre Finger im Spiel gehabt, sondern zu Teilen auch die Leute vom Marketing, die seit dem Konsolen-Release ohnehin ungewöhnlich aktiv geworden sind. Die Zahlen, so vermuten Kritiker, müssten zum Jahresende möglichst nach oben getrieben werden - koste es, was es wolle.

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Dabei geht man gar so weit, einem Glücklichen eine satte Million Dollar in Aussicht zu stellen. Glücksritter werden kann jeder Teilnehmer, der vor Ablauf der Aktion im Februar mindestens kurz in ESO einloggt. “Play to win” nennt das ZeniMax - ein echter Schenkelklopfer. Doch nicht jedem ist angesichts der sündhaft teuren Marketingkampagne gleichermaßen zum Lachen.

Einer wird Millionär, Hunderte arbeitslos

Einerseits wären da die kritischen Fans, die davon überzeugt sind, dass man mit den Millionen, die diese Aktion verschlingt, lieber das Fundament des Spiels grundsanieren sollen, das mit jeder draufgesetzten Erweiterung nur noch stärker wackelt. Auch hätte man mit dem Geld dafür sorgen können, dass der Support wieder ordentlich arbeitet, von dem einige Spieler schon vermutet hatten, dass er in den Winterschlaf gefallen sei.

In Wahrheit ist es jedoch noch schlimmer, denn während die offizielle Webseite aufzählt, was man 2015 so alles erreicht hat, berichtet die irische Connacht Tribune von ausufernden Entlassungen in der ZeniMax-Außenstelle in Galway. Dort war zuerst die Rede von 300 Mitarbeitern, denen jüngst gekündigt worden sei - doch ein ehemaliger Mitarbeiter “leakte” jetzt noch einmal nach und brachte ein paar interessante Dinge mehr ans Licht.

Kompetenzteam aus Indien

Mutmaßlich vor allem aus steuertechnischen Gründen in Irland angesiedelt, sollte das rund 600 Mann starke Tochterunternehmen auf der Insel den Kundenservice für alle möglichen Titel des Publishers übernehmen. Nachdem dann jedoch The Elder Scrolls Online “hinter den Erwartungen zurückblieb”, wurde ein Rundumschlag vorgenommen.

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ZeniMax hat entschieden: Einer wird gewinnen - Hunderte werden arbeitslos.
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Ganze Abteilungen wurden stillgelegt und schon zu Beginn des Jahres sei zu ahnen gewesen, was kommen würde. Im September wurde dann entschieden, dass man die Tochter in Galway schließen würde. Der Kundenservice für alle Sprachen außer Englisch, und das erklärt tatsächlich so manch skurriles Erlebnis der letzten Wochen, hat tatsächlich ein externe Firma in Indien übernommen.

Zehn der ehemals 600 Angestellten sitzen wohl aktuell noch in Galway - beschäftigt mit administrativen Aufgaben - der Rest dürfte wohl immer noch das Versprechen in den Ohren haben, mit denen man sie 2014 auf die Insel gelockt hatte: “Geld spielt keine Rolle”. Ein Motto, das bald nur noch ein einziger feiern dürfte: der Gewinner der von ZeniMax ausgelobten Million.

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