In drei Tagen ist Heiligabend und wenn das Christkind eines garantiert nicht unter den Weihnachtsbaum legt, dann sind das brauchbare MMOGs. Die müssen nämlich erst noch entwickelt werden. Und so dürfte der Kreis der passiven MMOG-Fans und Genre-Beobachter, die auf zukünftige Titel warten, auch in diesem Jahr wieder einmal gewaltig gewachsen sein.

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen und das ist gut so. Zwar waren wir auch die Jahre davor schon nicht unbedingt mit großen Titeln gesegnet, so schlimm wie in diesem Jahr war es allerdings seit der Jahrtausendwende nicht mehr um das MMO-Genre bestellt. Entsprechend zügig sind dann auch die Highlights des Jahres aufgezählt.

Viel Platz auf dem Siegertreppchen

Da landet dann Neverwinter auf dem ersten Platz - nicht etwa, weil es so unglaublich gut wäre, sondern schlicht deswegen, weil die Neuauflage von Final Fantasy XIV auf dem zweiten Platz und das ungeschliffene Dragon’s Prophet auf dem dritten bei mir persönlich noch weniger Spaß generieren konnten als Cryptics immerhin recht kurzweilig geratenes Online-Action-Rollenspiel.

Mir weitgehend unbegreiflich ist dabei der Mut, den Studios und Publisher aufbringen, wenn sie sich mit ihren mittelmäßigen Titeln auf den ohnehin schon aus allen Nähten platzenden Markt drängen. Doch vielleicht hat man bei Cryptic, Square und Runewaker ja geahnt, dass das Jahr 2013 zu einem Debakel im Genre werden und die Langeweile unter den Spieler so groß sein würde, dass sich zumindest kostendeckend arbeiten lässt.

Immerhin werden besagte drei Titel auch nach Release noch gepflegt und rege erweitert. Neverwinter hat gerade erst die seit dem Release im Juni schmerzlich vermissten Bogenschützen ins Spiel gebracht, Final Fantasy XIV ein üppiges, wenngleich aufgrund der hohen Kosten umstrittenes, Housing-System eingeführt und Dragon’s Prophet hat wohl den ersten Raid nachgereicht und die Level-Grenze erhöht, ist derweil aber in hohem Bogen von meiner Platte geflogen, da ich mich kaum noch dazu überwinden konnte, freiwillig dort einzuloggen.

Warhammer Online: Age of Reckoning - das Mahnmal

Ebenfalls gelöscht habe ich vergangene Woche übrigens Warhammer Online: Age of Reckoning - und zwar endgültig. Das Spiel wurde am 18. Dezember nämlich für alle Zeiten beerdigt und lebt fortan nur noch im Herzen des einen oder anderen PvP-Fans weiter, der einst der mythischen Verheißung gefolgt war und geglaubt hatte, das Spiel könnte mal eben so den MMOG-Thron erobern.

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Mittlerweile jedoch sollte Warhammer Online all jenen Entwicklern als Mahnmal dienen, die noch immer glauben, dass ein Spiel mit 08/15-Themepark-Konzept und fraktions- und itembasiertem PvP in der heutigen Zeit noch langfristig erfolgreich sein könnte. Und ja - ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass sowohl The Elder Scrolls Online als auch WildStar im kommenden Jahr weit hinter den Erwartungen moderner MMOG-Fans zurückbleiben und nach einem erfolgreichen Start binnen weniger Wochen in der Versenkung verschwinden werden.

The Elder Scrolls Online - des Kaisers neue Kleider

Dabei entspringt diese Schwarzseherei eher der dunklen Vorahnung eines betagten MMOG-Veteranen als der ehrenvollen Aufgabe eines möglichst neutralen Fachjournalisten, der grundsätzlich erst einmal allem Neuen gegenüber aufgeschlossen sein sollte, um den Fans ihr Hobby nicht schon vorab madig zu machen. Immerhin erwische ich mich selber ab und an dabei, dass ich doch irgendwie inständig darauf hoffe, von den beiden erwähnten Titeln positiv überrascht zu werden.

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Des Kaisers neue Kleider - nur einer darf den Thron besteigen und diese exklusive Rüstung tragen.
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Bei The Elder Scrolls Online ist es vor allem das Welten-PvP, das meine Hoffnung nährt, denn wenngleich ZeniMax weitgehend dem Konzept folgt, das auch in Guild Wars 2 Anwendung gefunden hat, kann man doch nicht allen Ernstes dessen Fehler wiederholen!? Anlass zur Hoffnung gibt mir da ausgerechnet jenes Element, das bei dem meisten Fans von ESO schlecht ankommt - die Exklusivität des Herrschertitels.

Der kaiserliche Thron ist zum Spielstart nämlich verwaist und bietet den Anhängern der drei Fraktionen möglicherweise den bestmöglichen Grund, sich im Welten-PvP um die Herrschaft zu streiten. Über welche Talente der neue Kaiser verfügen muss, ob er sich strategisch, diplomatisch oder als Kämpfer beweisen muss, ist im Detail noch nicht bekannt - das Aussehen der exklusiven Rüstung jedoch schon.

Camelot Unchained - frohlocket!

Derlei kosmetische Anreize wird Camelot Unchained aller Voraussicht nach wohl nicht bieten - und trotzdem ist das Spiel von Mark Jacobs der wohl größte Konkurrent für The Elder Scrolls Online im kommenden Jahr. Das liegt wohl nicht zuletzt auch daran, dass Jacobs einst als Lead Designer an Dark Age of Camelot gearbeitet hat, während ESO-Chef Matt Firor damals als Produzent für den Titel verantwortlich war.

Jeder der beiden ehemaligen Kollegen und jetzigen Konkurrenten sieht sich natürlich als ursächlich für den Erfolg des überaus beliebten MMOGs aus den Anfangstagen des neuen Jahrtausends - wobei Mark Jacobs seit jeher den PvP-Ansatz verfolgt hat, während Matt Firor das PvP eher als Beiwerk versteht. Entsprechend wird bei Camelot Unchained das PvP auch im Zentrum des Designs stehen.

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Bislang beschränken sich die Infos zu Camelot Unchained auf Artworks und die Infos der Entwickler. Anfang Januar soll sich das allerdings ändern, wenn die ersten Unterstützer in interne Testrunden eingeladen werden.
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Dass man die Masse der Spielerschaft damit schon im Vorfeld abschrecken wird, nimmt Jacobs, dank Crowdfunding, diesmal sogar bewusst in Kauf, um zu verhindern, dass am Ende wieder ein fauler Kompromiss wie einst bei Warhammer Online herauskommt. Und so gibt man sich in diesen Tagen im Hauptquartier von Jacobs Spieleschmiede selbstbewusster denn je, verkündet den Start der internen Testphase im Januar und macht mit dem Schlachtruf “Be excited. Be very excited.” Hoffnung auf Großes.

Embers of Caerus - drastische Maßnahmen

Weniger glücklich scheinen da schon die Entwickler von Embers of Caerus zu sein. Deren Entwicklung verläuft nicht so, wie man sich das vorgestellt hat und befindet sich jetzt an einem kritischen Punkt. Das Spiel, für das man schon im Juni vergangenen Jahres 46.000 Dollar via Kickstarter gesammelt hatte, hängt irgendwie, irgendwo unfertig auf halber Strecke fest.

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Die Entwickler von Embers of Caerus haben sich in den unendlichen Weiten des Designs verirrt und sind jetzt auf professionelle Hilfe angewiesen.
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Das räumte Chefentwickler Rob Steele in einem aktuellen Entwicklerbrief ein, kündigt darin einige drastische Maßnahmen an und gibt zu, dass man auf die Hilfe eines anderen Studios hofft, das einem dabei hilft, das ambitionierte Projekt wieder auf Kurs zu bringen. Das alles klingt nicht gut und wäre ein gefundenes Fressen für alle Kritiker, die mit Argwohn auf sämtliche Kickstarter-Kampagnen blicken, weil sie den Zeitenwechsel in der Gaming-Branche fürchten.

Star Citizen - ehrlich währt am längsten

Jenen kommen auch die Nachrichten von Chris Roberts rekordträchtigem Crowdfunding-Projekt Star Citizen gerade recht, in denen der Erfinder von Wing Commander einräumen muss, dass es mit dem Dogfighting-Modul in diesem Jahr nichts mehr wird und dass sich die Unterstützer noch ein oder zwei Monate gedulden müssen, bis sich die Hangartore für sie öffnen - obwohl derweil die Fans von David Brabens Elite: Dangerous schon munter durchs All düsen.

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Doch während Außenseiter spotten und Chris Roberts schon als größten Betrüger der Crowdfunding-Geschichte bezeichnen, ist die Stimmung bei den Unterstützern selbst äußerst entspannt. Dort teilt man die Auffassung von Roberts, dass eine zu ungeschliffene Alpha-Version der Dogfights schädlicher wäre als eine verspätete, gibt sich vorerst mit einem Video zufrieden und lässt zur Bestätigung den Crowdfunding-Zähler innerhalb eines Tages noch einmal um knapp 90.000 Dollar auf fast 34.9 Millionen Dollar und damit bis kurz vor die 35-Millionen-Grenzen hochschnellen.

Star Wars: Attack Squadrons - World of X-Wings

Eine solche Unterstützung hat man an anderer Stelle wohl nicht nötig, denn wenn Disney mit Star Wars: Attack Squadrons einen neuen Titel ankündigt, darf man davon ausgehen, dass die Finanzierung vorerst in trockenen Tüchern ist. Gleichzeitig ist es bei einem solchen Projekt mit der Informationspolitik nicht ganz so weit her und so wirft das Projekt derzeit mehr Fragen auf, als es beantwortet.

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Sicher ist: Star Wars: Attack Squadrons will Arena-PvP bieten, bei dem sich zwei Teams in Raumjägern zu je acht Piloten gegenüberstehen. Etwas in der Art ermöglicht jedoch auch Star Wars: The Old Republic seit seiner jüngsten Erweiterung “Galactic Starfighter”. Und so fragt sich der geneigte Fan derzeit, wer zum Teufel dafür verantwortlich zeichnet, dass Disney als Lizenzgeber Electronic Arts derart in die Parade fährt.

Leider ist zu den Hintergründen der Entwicklung nichts bekannt und auch der Trailer verrät weder, welches Team hinter dem neuen Projekt steckt, noch zeigt es das tatsächliche Gameplay. Die Szenen aus dem Video, da sind sich Branchenexperten wohl einig - sind bewusst an die Episoden IV bis VI angelehnt und inklusive der Explosionen derart nachbearbeitet, dass sie kaum etwas über die genutze Engine und die Qualität des mutmaßlichen Arena-Games aussagen, das aller Voraussicht nach im kommenden Jahr für PC erscheinen wird.

The Division - optimiert statt angepasst

Für PC erscheint, einer Petition der Spielerschaft sei Dank, auch Ubisofts Online-Taktik-Shooter The Division, der im vergangenen Herbst mit einem atemberaubenden Gameplay-Video im Rahmen der PS4-Präsentation erstmals angekündigt worden war. Das Spiel gehört zu meinen ganz persönlichen Favoriten für das kommende Jahr und so hat eine aktuelle Nachricht mein Interesse geweckt.

The Division werde, so heißt es aus dem Ubisoft-Hauptquartier, keine Konsolenportierung werden, sondern eine ausgereifte, optimierte Version. Das verdanke man der eigenen Engine namens “Snowdrop”, die Zerstörungen der Umgebung realistischer simuliere als irgendeine andere - und das unter Aufwendung aller gängigen Grafikeffekte.

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Das klingt nicht nur gut, sondern ist für den Erfolg von The Division mit Sicherheit auch enorm wichtig, denn trotz der Verkaufserfolge, die Sony mit der Playstation 4 aktuell feiert, muss man davon ausgehen, dass man bei Onlinespielen auch in Zukunft nicht ohne die PC-Spielerschaft auskommen wird, auch wenn die derzeit mangels brauchbarer Angebote ein kleines, spielerisches Päuschen eingelegt hat - 2014 wird das Jahr des Erwachens. Doch dazu in der kommenden Woche mehr...