Auf Laien muss die MMO-Branche auch in dieser Woche wieder ziemlich verrückt wirken. Da hofft der eine Publisher auf einen satten Spielerzuwachs, während der andere Tausende aus seiner Welt verbannt. Auch beim Preis herrscht unübersichtliches Chaos, denn ein kostenloses Spiel wirbt jetzt gar für die optionale Monatsgebühr. Doch ist die überhaupt noch zeitgemäß?

Früher war alles so einfach - man kaufte sich ein MMOG, zahlte brav seine Monatsgebühr von zwischen 13 und 15 Euro und bekam dafür die regelmäßigen Updates frei Haus geliefert. Das schien gerechtfertigt, weil die Kosten für Server und Service in den 90ern des letzten Jahrtausend noch gigantisch, die Spielerzahlen mangels Flatrates derweil überschaubar waren.

World of Cashcraft

Dem ungeahnten Erfolg von World of Warcraft war es dann geschuldet, dass es sich Blizzard erlauben konnte, mit dieser Tradition zu brechen und zusätzlich zu den Monatsgebühren auch noch den Anschaffungspreis für Erweiterungen salonfähig zu machen. Und während einige Spieler von Abzocke sprachen, schien sich die Mehrheit schlichtweg mit der Geschäftspraktik abzufinden. Man erklärte das Produkt zum Kult und stand demütig um Mitternacht in den Läden Schlange.

Doch die Zeiten ändern sich und da das Angebot seither schneller wächst als die Spielerschaft, wurde im Kielwasser des Marktführers bald mit härteren Bandagen gekämpft. Spiele meist minderer Qualität lockten insbesondere jüngere Spieler ins Genre und nicht selten in die Schuldenfalle. Ziel der Studios schien es nicht länger zu sein, die Spieler zu unterhalten - man wollte sie vielmehr permanent vor künstlich geschaffene Hindernisse stellen, von denen man sich selbstverständlich gegen ein wenig Kleingeld freikaufen konnte.

Technik aus der Portokasse

Der Spielspaß ging kontinuierlich flöten und die einst so florierende Branche rutschte in jenes Tief, in der sie sich noch immer befindet, denn die Spieler haben aus ihren Erfahrungen gelernt und sind nicht länger bereit, Geld und Hoffnungen in fragwürdige Titel zu investieren - dafür gibt es mittlerweile einfach zu viele Spiele, die tatsächlich zum Nulltarif angeboten werden.

Wiped! - Die MMO-Woche - Schmerzgrenze

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World of Warcraft: So erfolgreich, dass man sich was leisten kann.
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Umso dringlicher ist eine Gebührenreform bei all jenen Publishern anzuraten, die nach wie vor auf das Monatsabonnement setzen. Die Kosten für Serverbetrieb und Technik sind mit dem technologischen Fortschritt ein zu vernachlässigender Posten - bei Publishern wie ArenaNet wird das mittlwerweile auch ganz offen zugegeben.

Werden The Elder Scrolls Online und WildStar tatsächlich für den regulären Verkaufspreis plus Monatsgebühr von über zehn Euro angeboten, wird der Spielereinbruch einen Monat nach Start kaum zu verhindern sein, denn genau dort liegt für die meisten Spieler die Schmerzgrenze. Warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, den Abopreis auf beispielsweise vier Euro zu senken?

Für den Preis eines Döners plus Cola würde man viel eher mal einen Account am Laufen halten und auch bei kleineren Updates mal wieder einloggen. Mehr Spieler würden gleichzeitig die Welt beleben und ihre Freunde mit ins Spiel holen - bei Kosten von über zehn Euro pro Monat gibt es in Sachen Spielerzahl meist nur eine Richtung: nach unten.

Allods Online - ehrlich währt am längsten

Dass ein Abomodell auch heute durchaus noch Sinn machen kann, beweist derzeit ausgerechnet der aktuelle Schachzug von Webzen. Obwohl der Publisher eigentlich auf Free-To-Play spezialisiert ist, schaltet man einen neuen Server für Allods Online auf, der nur gegen Abo-Gebühr zu erreichen ist, dafür aber auch alle künstlichen Barrikaden aus dem Weg räumt, mit denen ein F2P-MMOGler sonst zu leben hat.

Es verwundert auch nicht, dass es ausgerechnet die Spieler selbst waren, die ursprünglich auf den russischen Servern eine solche Möglichkeit forderten, weil sie endlich ein faires Spielvergnügen genießen wollten, bei dem jeder Spieler die gleichen Chancen bekommt - unabhängig vom Geldbeutel. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie der neue Server bei den Spielern ankommt und ob die Idee Schule macht.

War Thunder - Zu Lande und in der Luft

Völlig unabhängig vom Geldbeutel, optional für knapp sieben Euro Monatsgebühr als Premiumspieler, lässt sich auch War Thunder spielen. Das ist zwar immer noch kein MMOG, entwickelt sich jedoch langsam zu etwas in dieser Art. Anders als Wargaming bei World of Tanks, World of Warplanes und World of Warships arbeitet Gaijin bei War Thunder nämlich daran, alle Elemente auf einer Karte zu vereinen und die Spieler in einer Art permanenten Weltkriegsmodus um die Vorherrschaft kämpfen zu lassen.

Die Fans von World of Tanks sahen das bislang kritisch. Für sie ist WoT noch immer das Nonplusultra, waren doch Flugzeuge nie ihr Ding und die Panzer in War Thunder bislang ausnahmslos computergesteuert. So war die Panzerfahrerei für Spieler nichts weiter als eine hoffnungsvolle Ankündigung. Bis vor einigen Tagen, denn auf einer Veranstaltung wurden erstmals Panzergefechte präsentiert.

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Die sehen so unverschämt gut aus, dass mittlerweile selbst echte Wargaming-Fans in den Foren verkünden, dass sie War Thunder zumindest anspielen werden - auch weil es konsequenter in Richtung Simulation geht als der etablierte Konkurrent, sich durch seine eingängige Steuerung jedoch trotzdem auf Anhieb vertraut anfühlt. Auf den Marktführer, so scheint es, rollen schwere Geschütze zu.

World of Warcraft - Helden des Sturms?

Ein solch übermächtiger Konkurrent, der World of Warcraft völlig aus der Bahn werfen könnte, blieb Blizzard bislang erspart. Das Platzhirsch leidet eher an Altersschwäche und benötigt dringend ein paar neue Implantate. Eines davon könnte den Namen “Heroes of the Storm” tragen. Den nämlich hat sich der Publisher aktuell gesichert und damit eine Diskussion darüber ausgelöst, wie sich ein solches Thema in die Hintergrundgeschichte von World of Warcraft einfügen und welche Funktionen es umfassen könnte.

Gleichzeitig wird in der Szene rege über den ersten offiziellen Film zum Spiel spekuliert. Der soll, wie aktuell via Twitter verkündet wurde, am 18. Dezember 2015 Premiere feiern. Das ist zwar noch eine Weile hin, dürfte aber umso intessanter werden, wenn man bedenkt, dass aller Voraussicht nach im gleichen Jahr auch die aufwendig produzierte Serie zu EVE Online an den Start gehen wird - nicht zu vergessen Disneys erster Versuch, die Star-Wars-Reihe angemessen fortzusetzen.

The Phoenix Project - City of Titans

Nicht fortgesetzt wird bekanntermaßen NCsofts durchaus beliebter Titel City of Heroes. Der wurde, aller Fan-Aktionen zum Trotze, gnadenlos abgeschaltet. Die Spieler allerdings, von denen einige durchaus Talent als Grafikartisten und Coder haben, ließen es dabei nicht bewenden. Sie organisierten sich und beschlossen, kurzerhand selbst zum Keyboard zu greifen und einen geistigen Nachfolger zum Superhelden-MMOG zu basteln.

Der schaffte es mit dem brandneuen Namen City of Titans dann auch endlich auf die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Und kaum war der Titel dort vorgestellt, klingelte es auch schon gehörig in der Kasse des eigens gegründeten Unternehmens Missing World Media. Von den erhofften 320.000 Dollar sind knapp 250.000 schon gesammelt und bei 29 verbleibenden Tagen ist die Arbeit am Nachfolger von City of Heroes zumindest finanziell endlich in trockenen Tüchern.

Dust 514 - Hallo, ist da jemand?

Nicht ganz so trocken scheinen hingegen die Tücher, in die CCP ihren Sci-Fi-Shooter Dust 514 gewickelt hat. Zwar ist man in Island finanziell nicht von dem Spiel abhängig und kann es nebenbei weiterentwickeln, doch ist es kaum anzunehmen, dass der Publisher mit den wenigen tausend Spielern zufrieden ist, die sich regelmäßig einloggen.

Umso häufiger bekommt CCPs CEO Hilmar Pétursson die Frage gestellt, ob und wann er das Spiel denn endlich auf PC oder PS4 umzusetzen gedenkt. Technisch, so die aktuelle Antwort des Firmenchefs, sei das kein Problem, jedoch habe man den 80 Millionen PS3-Besitzern ein kostenloses Spiel anzubieten und das sei eine gewaltige Gelegenheit.

Eine Gelegenheit, die jedoch, so glauben zumindest die Fans des Weltraum-MMOGs EVE Online, geradezu töricht verpasst wird und die noch viel gewaltiger wäre, wenn man der treuen Community auch endlich Zugang zu den Planeten verschaffte. Denn anders als ursprünglich von Sony und CCP geplant, waren die wenigsten Kapselpiloten bereit, sich zusätzlich zum PC eine Konsole zuzulegen, um dort Dust 514 zu spielen.

Final Fantasy XIV - Square schwingt den Ban-Hammer

Derweil kann sich Square Enix nicht über die mangelnde Aufmerksamkeit der Spielerschaft beklagen. Die Neuauflage von Final Fantasy XIV hat sich besser verkauft als erwartet und dürfte dem Publisher wieder ein wenig Mut gemacht haben, was die Entwicklung von MMOGs betrifft. Im Gegensatz zu CCP ist man allerdings auch von Anfang an clever vorgegangen und hat das Spiel für PS3- und PC-Spieler gleichermaßen zugänglich gemacht.

So zugänglich, dass es auch unlautere Gesellen angelockt hat - allen voran die gemeinhin verhassten Goldseller, von denen jedoch über 6100 vorerst zum Schweigen verdammt wurden, weil Square sie im Rahmen einer großen Aufräumaktion unsanft aus dem Spiel befördert hat. Lange wird es allerdings nicht dauern, bis die illegalen Machenschaften weitergehen, denn erfahrungsgemäß haben die entsprechenden Firmen meist schon vorab für Ersatz gesorgt und verkaufen, kaum wurde der eine Charakter gebannt, mit dem nächsten munter weiter.

Das Risiko einer Sperre ist in gewissen Abständen nämlich einkalkuliert und führt allenfalls dazu, dass die Preise für Gil ein wenig steigen. Solange es Spieler gibt, die den Goldsellern die virtuelle Währung aus den Händen reißen, wird es professionelle Farmer und Bots geben, die eine Spielwelt nachhaltig schädigen und ruinieren können - einen Themepark weniger als eine Sandbox, jedoch in beiden Fällen genug, um entschieden dagegen vorzugehen und derlei Geschäftstätigkeiten zu verurteilen.

Elite: Dangerous - aus Trailern gelernt

Ich für meinen Teil verteile mein knappes Budget lieber unter den fleißigen Entwicklern eines guten Spiels, in der Hoffnung, dass sie auch weiterhin so fleißig daran arbeiten werden - so wie es David Braben gerade mit Elite: Dangerous tut. Der hat mit seinem jüngsten Trailer zur Weltraum-Simulation für derart viel Furore gesorgt, dass er jetzt noch einmal nachlegt.

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Anders als das viele Betrachter vermutet hatten, wurde der Kampf im Weltraum nämlich tatsächlich mit der Elite-Engine gebastelt - die Raumschiff-KI mit entsprechende Routen und Aufgaben bedacht und in den Kampf geschickt. Das alles und noch viel mehr erklärt er in seinem aktuellen Entwicklertagebuch, das einen tollen Einblick in die Arbeit an einem solchen Projekt gibt.

Kein Wunder also, dass Braben und sein Team von vielen alten Fans mit Lob überschüttet wurden und zahlreiche neue Fans zur kleinen, aber feinen Community hinzugestoßen sind, die sich zwar nicht mit der riesigen Fangemeinde von Chris Roberts und seinem Projekt Star Citizen messen kann, die jedoch nicht minder begeistert hinter der Sache steht.

Letzterem werden wir uns aller Voraussicht nach in der Ausgabe am kommenden Samstag widmen, denn der Zählerstand von Star Citizen steht mit 20,8 Millionen Dollar kurz vor dem nächsten Funding-Ziel. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.