Ein hoffentlich wundervolles Jahr 2015 liegt vor uns mit einer ganzen Reihe von interessanten Spielen, neuen Konzepten und der Eroberung des Marktes durch Indie-Studios. Bis die uns MMO-Fans jedoch mit neuem Futter versorgen, müssen wir uns wieder mal in Geduld üben. Und was tun wir in der Zwischenzeit? Wir versuchen, uns jenseits der Persistenz für ein Weilchen die Zeit zu vertreiben.

Ein Abend mit Revan

Beinahe ein halbes Jahr haben die Fans von Star Wars: The Old Republic darauf gewartet, sich Revan zu stellen. Viele Monate lang hat das verbliebene Team daran gearbeitet, das MMO aufzupeppeln. Als eine Art Vorspiel für die Erweiterung sind dabei die vier Flashpoints gedacht, in denen sich die Geschichte einmal mehr wundervoll entfalten kann. Flashpoints, die man jetzt auch im Alleingang spielen kann.

Das ist bequem und man wird nicht vom Gequatsche der Kollegen im Teamspeak unterbrochen, kann die zugegeben gute Story ganz für sich genießen. Der Spaß dauert dann einen Abend, vielleicht zwei und so mancher Spieler fragt sich hinterher einmal mehr, warum BioWare da eigentlich auf Revan komm raus ein MMOG basteln musste, wenn nicht des Geldes wegen.

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“Das kann ich!”

Wobei man während der letzten zehn Jahre auch durchaus den Eindruck gewinnen konnte, dass es plötzlich nicht länger ehrenhaft für ein Studio zu sein schien, ein Solo-Rollenspiel zu entwickeln. Jeder wollte plötzlich ein MMOG-Entwickler sein und jedes Team glaubte, das auch einfach mal so zu können, ohne überhaupt genau zu wissen, worauf es dabei ankommt.

Dabei ist ein Teil derer, die zu den MMO-Fans gezählt werden, eigentlich nur aus der Not heraus mit in dieses Genre gewechselt, nachdem gute Solo-Rollenspiele rar geworden waren. Und selbst eingeschworene Online-Spieler würden sich angesichts der immer schneller durchzockten MMO-Inhalte durchaus auf das eine oder andere echt mitreißende Abenteuer jenseits der MMO-Grenzen für zwischendurch freuen. Im laufenden Jahr wären da zum Beispiel:

No Man’s Sky - hinter dem Horizont gehts weiter

So ganz sicher, welchem Genre man No Man’s Sky eigentlich zuordnen kann, ist sich derzeit noch niemand. Und trotzdem gehört das Spiel schon jetzt zu den ganz heiß ersehnten Titeln, bietet es doch unendlich viel Weltraum zu entdecken - und die Planeten samt Flora und Fauna darin. Theoretisch tritt es damit in Konkurrenz zu Elite: Dangerous, das die komplette Galaxis simuliert und das später auch Landungen auf Planeten erlauben soll.

Ob No Man’s Sky als Spiel letztlich so viel Spaß macht, wie wir uns erhoffen, lässt sich wohl erst sagen, wenn wir echte Details zu den Mechaniken erfahren. Das Spiel, das kann man jedoch jetzt schon ahnen, wird entweder komplett hinter unserer Fantasie zurückbleiben und gewaltig floppen oder es wird zum absoluten Kult-Titel.

Deathtrap - die isometrische Falle

Ähnlich interessant, wenngleich bislang kaum beachtet, ist Deathtrap. Das Spiel, das seit einigen Wochen im ‘Early Access’ auf Steam zu begutachten ist, vermischt Tower-Defense-Elemente mit denen aus Action-RPGs - hier treffen also Diablo und Orcs Must Die zusammen - samt der Möglichkeit für Spieler, eigene Karten und Monster zu erstellen.

Hinter Deathtrap steckt übrigens kein komplett unerfahrenes Team, sondern NeocoreGames, die bereits mit den Titeln um Van Helsing von sich reden machten. An Fans dürfte es dem Projekt auf jeden Fall nicht mangeln, denn die isometrische Perspektive erlebt momentan ein gewaltiges Comeback - bei PvP- und PvE-Fans gleichermaßen.

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Shadow Realms - back to the roots!

Ein Comeback erleben auch all jene Spielkonzepte, die man im Laufe der letzten Dekade vernachlässigt hatte, weil sie zu nah an Tabletop-Games und damit zu kompliziert für den modernen Gamer schienen. Sogar bei BioWare hat man diesen Irrtum mittlerweile erkannt und will mit Shadow Realms zunächst an alte Tage anknüpfen, ohne den MMO-Fehler zu wiederholen.

Das Spiel ist unserer modernen, wenngleich verdrehten Welt angesiedelt, ähnlich der von The Secret World. Die Geschichte wird in Episoden erzählt und von vier Spielern im Team durchlebt, während ihnen ein fünfter folgt - mit unlauteren Absichten, versteht sich. Wie Evolve auch, weckt Shadow Realms also nicht nur den Helden, sondern auch das Monster in uns.

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Evolve - asymmetrisches Gameplay

Diese Art von Gameplay, bei der man ein Team von Spielern einem ungleich stärkeren, einzelnen Gegner vorsetzt, steht bekanntlich auch bei Evolve im Mittelpunkt. Das hat in einem ersten Stress-Test im vergangenen Jahr schon recht gut funktioniert, wenngleich es dem Spiel dort etwas an Abwechslung mangelte.

Doch längst sind neue Modi, Karten, Einheiten und Monster für Evolve in Arbeit und der Verdacht liegt nahe, dass man im Stresstest bewusst noch nicht alle Elemente gezeigt hat, um Konkurrenten wie BioWare nicht mehr zu verraten als nötig. Letzlich arbeitet man hier an einer Art Perpetuum Mobile das für unendlichen Spielspaß sorgen soll, ohne sich allzu nah auf den schwierigen und doch sehr speziellen Pfad der MOBA-Games zu begeben.

Pillars of Eternity - Obsidian lebt

Und dann wären da noch die Jungs von Obsidian Entertainment, die mit Skyforge zwar auch an einem MMO mitarbeiten, sich jedoch auch ihrer eigenen Wurzeln besinnen - als solide Content-Lieferanten für begnadete Rollenspieler. Die Fans haben das gewürdigt und Pillars of Eternity mit fast vier Millionen Dollar vorfinanziert.

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Für Pillars of Eternity setzt Obsidian natürlich wieder auf die isometrische Perspektive und auf das geliebte Party-Gameplay, bei dem man die taktischen Kämpfe jederzeit pausieren kann. Man darf gespannt sein, ob es Obsidian schafft, mit Pillars of Eternity ähnliche Retro-Games wie Divinity: Original Sins zu übertreffen.

Blackguards 2 - Daedalic legt nach

Zu solchen Rollenspielen muss man auch Blackguards 2 zählen. Wieder einmal nimmt sich Daedalic dabei der rundenbasierten Strategie an und verknüpft die mit der unternehmenstypisch soliden Art und Weise, unterhaltsame Geschichten zu erzählen. Und natürlich will man das Spiel im Vergleich zum ersten Teil noch einmal aufwerten.

Das betrifft vor allem Details wie das DSA-Regelwerk, das man im ersten Teil bisweilen etwas arg holprig umgesetzt hat. Außerdem arbeitet man an neuen Möglichkeiten, mit der Umgebung zu spielen, Schutz zu suchen, Formationen einzuhalten und allerlei Dinge mehr. Ob Blackguards 2 dann letztlich mehr Rollen- oder Strategiespiel ist, werden wir noch im Januar erfahren.

The Witcher 3 - killing Monsters

Im Mai soll dann endlich das wahrscheinlich vielversprechendste Rollenspiel des Jahres erscheinen. Und obwohl The Witcher 3 nahtlos an die geniale Buchvorlage von Andrzej Sapkowsk und die beiden Vorgänger-Rollenspiele anschließt, legen die Entwickler Wert darauf zu betonen, dass man absolut problemlos mit dem dritten Teil einsteigen können soll

Spielerisch macht der noch einmal einen großen Schritt nach vorn, bietet Kampf zu Pferde und zu Wasser. Darüber hinaus wird Geralt beweglicher, kann springen und Hindernisse überwinden. Doch das alles wird bei dem mit Spannung erwarteten Rollenspiel letztlich keine große Rolle spielen, wenn nur die Story wie erwartet zündet.

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Kingdom Come: Deliverance - das beste zum Schluss

Und wenn dann alles nach Plan läuft, dürfen wir im vierten Quartal dann endlich erleben, was die Warhorse Studios aus Kingdom Come: Deliverance gemacht haben. Das Spiel ist mein persönlicher Favorit unter den Rollenspielen, verspricht es doch eine Fusion von Elementen aus Skyrim, The Witcher und dem zeitlos genialen Mount & Blade.

Finanziell ist das Team hinter Kingdom Come: Deliverance auf jeden Fall längst abgesichert und kann sich in Ruhe die Zeit nehmen, die man für die Fertigstellung der authentisch mittelalterlichen Welt benötigt, die möglicherweise in Zukunft noch als konzeptionelle Blaupause für Rollenspiele oder sogar künftige MMORPGs herhalten muss.

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Ausblick

Habe ich einen Titel vergessen? Mit Sicherheit. Das macht aber gar nichts, weil ihr die Liste mit Sicherheit die Woche über vervollständigen werdet. Und am kommenden Samstag sind wir dann auch wieder zurück mit den üblichen Themen und berichten darüber, wie die MMOG-Szene die Winterpause überstanden hat.