Das Weihnachtsfest naht, doch nicht für jeden wird es ein fröhliches. Insbesondere in der Gaming-Branche werden gerade in diesen Tagen stapelweise Kündigungen verschickt, weil nicht lukrative Spiele eingestellt werden. Doch wer glaubt, das säubere den Markt, der irrt, denn für jedes miese Game, das verschwindet, kommen zwei noch schlechtere hinzu.

Wer in der Gaming-Branche arbeitet, kann sich beruflich eigentlich nie wirklich in Sicherheit wiegen. Ist das Spiel, an dem man während der letzten Jahre gearbeitet hat, erst mal veröffentlicht, kann man schon mal die Bewerbungsunterlagen vorbereiten. Da interessiert es wenig, ob der Titel nun erfolgreich wird oder nicht - ob man gut gearbeitet hat oder nicht. Sofern es kein Folgeprojekt gibt, gilt noch immer: Wer mit der Arbeit fertig ist, nimmt seinen Hut.

World of Darkness - bleibt es dunkel?

Besonders hart, weil unerwartet, trifft es in dieser Woche insgesamt 15 Mitarbeiter von CCP Atlanta. Die gehörten bis dato zum Team von World of Darkness, das nicht zum ersten Mal zum Ziel von CCPs Sparmaßnahmen geworden ist. Bedenklich ist das vor allem deswegen, weil sich das Vampire-MMOG noch immer in einer frühen Phase der Entwicklung befindet.

Auf dem EVE Fanfest im Frühjahr diesen Jahres ließ der Produzent verlauten, man dürfe nicht erwarten, das Spiel in den nächsten paar Jahren zu Gesicht zu bekommen. Mit knapp 80 Mitarbeitern werkelte man schon damals auf Sparflamme in der Pre-Production und erklärte den Fans, die Belegschaft aufstocken zu wollen, sobald das erforderlich würde.

Vaporvampire?

Doch derzeit ist das ganz offensichtlich nicht erforderlich. Im Gegenteil - und so ist es kein Wunder, dass die ersten Fans bereits von Vaporware sprechen, also von einem Projekt, das groß angekündigt wurde und dessen Entwicklung danach irgendwie im Sande verläuft, weil man nicht den Mut aufbringt, sein Versagen einzugestehen und es offiziell einzustampfen.

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Ein möglicher Grund für die fehlende Offenheit könnte die riesige Fangemeinde von Vampire: The Masquerade sein, die enorm hohe Erwartungen an den von CCP übernommenen RPG-Publisher White Wolf hat und es dem neuen Mutterunternehmen kaum verzeihen würde, wenn man die heiß ersehnte Sandbox in den Sand setzt.

Spätestens auf dem kommenden Fanfest im Mai wird sich CCP auf jeden Fall wieder den Fragen der Fans stellen müssen, wobei insbesondere die Community von EVE Online nicht unbedingt unglücklich darüber wäre, wenn man ihr Geld nicht länger für hoffnungslose Seitenprojekte verprasst und sich endlich wieder auf das konzentriert, was das Unternehmen groß gemacht hat.

EVE Online - alles nur Banditen?

Dass sich das lohnt, zeigen die Spielerzahlen von EVE Online, die auch mit der gerade aufgespielten Erweiterung Rubicon eher zu- als abgenommen haben. Zu Stoßzeiten durchbricht EVE Online regelmäßig die Grenze von 50.000 gleichzeitig eingeloggten Spielern - angesichts der Monatsgebühr eine stattliche Zahl, insbesondere weil EVE Online noch immer als Randgruppen-Titel angesehen und aufgrund seiner Sandbox-Beschaffenheit gerne als Tummelplatz für Piraten, Scammer und Banditen angesehen wird.

Doch auch die haben, aller krimineller Energie zum Trotz, offensichtlich ein Herz, denn bei der aktuellen Spendenaktion ‘PLEX for GOOD’ haben die Spieler insgesamt 12.726 Pilotenlizenzen gesammelt, die zusammen etwa 1060 Jahre Spielzeit für EVE Online ergeben und einen Wert von 190.890 Dollar haben. Dieses Geld überweist CCP dem isländischen Roten Kreuz für die laufenden Einsätze auf den von Wirbelsturm Haiyan verwüsteten Philippinen.

EVE Online - Robin Hood im Weltraum

Und weil die Community von EVE Online insbesondere für ihre ausgeprägte Schadenfreude bekannt ist und trotz aller Loyalität zum Spiel auch gerne mal das Entwickler-Team leiden sieht, haben die Jungs und Mädels von CCP bei Erreichen gewisser Meilensteine in dieser Woche einen ganz eigenen und unbestritten mutigen Beitrag leisten müssen.

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Ob nun als Zielscheibe für eine Paintball-Wumme, als Sparring-Partner eines Taekwondo-Meisters oder als Kahlschlag-Opfer eines isländischen Barbiers - die gestreamten Aktionen aus dem Hause CCP haben dafür gesorgt, dass aus dem einen oder anderen Banditen des Weltraums ein moderner Robin Hood wurde, der einen Teil seiner erbeuteten, virtuellen Reichtümer jetzt in reale Hilfe umgewandelt hat - dem genialen PLEX-System sei Dank.

Aeria und Webzen - ausgemüllt und abgeschaltet

Weit weniger erfolgreich als das schier unerschütterliche EVE Online sind da schon die unzähligen Free-To-Play-Titel mehr oder weniger berüchtigter Publisher wie Aeria Games oder Webzen. Beide Firmen scheinen derzeit nicht gerade glücklich mit ihrem Portfolio zu sein und so wird gnadenlos aussortiert. So dreht Webzen das Licht im Lineage-2-Klon Archlord am 01. Januar aus und glaubt, die Spieler bis dahin mit einem XP-Boost von 400 Prozent entschädigen zu können - wirklich nützlich in einer zum Tode verurteilten Welt.

Wiped! - Die MMO-Woche - Robin Hood im Weltraum

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Auch die Pandas konnten das Spiel nicht vor dem Untergang retten: Dynasty Warrios Online.
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Bei Aeria sind es gleich sogar zwei Titel, die dem Rotstift zum Opfer fallen: Dynasty Warriors Online im Westen und Lime Odyssey in Südkorea. Keine Frage, das alles sind Titel, die man nicht sonderlich vermissen wird, und doch stellt sich, wie bei jeder Abschaltung, die Frage, ob sich der Publisher damit einen Gefallen tut, denn die meisten Spieler, denen ihr Lieblings-MMOG unter dem Hintern weggezogen wurde, machen in Zukunft einen großen Bogen um den verantwortlichen Publisher.

Aura Kingdom - wer unterstützt so etwas?

Und doch hat man insbesondere bei Aeria Games offensichtlich nichts gelernt, denn kaum ist der eine Schund vom Tisch, legt man gleich den nächsten nach. Aura Kingdom darf ab dem 16. Dezember in der “Founders Beta” gespielt werden - sofern man ein “Founders Pack” für mindestens 1900 Aeria Punkte gekauft hat - was auch immer das in Euro umgerechnet sein mag.

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Überhaupt vermag man sich kaum vorzustellen, dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, vorab Geld in ein Spiel zu stecken, das nach dem gleichen Prinzip entwickelt wurde wie die meisten anderen Titel im Portfolio: Man nehme ein in Asien erfolgreiches MMOG - im Falle von Aura Kingdom ist das Aion - kupfere es auf möglichst offensichtliche Art und Weise ab und setze dann den Niedlichkeitsfaktor eine Stufe höher und die Komplexität eine Stufe runter, um ein möglichst junges Publikum anzulocken, denen das Original noch zu martialisch ist. Angesichts der Spielerzahlen in fernöstlichen Gefilden mag das funktionieren - hier allerdings wird Aeria Games einmal mehr damit baden gehen.

Blade and Soul - eine Sache von Millionen

Wobei das mit den Spielerzahlen in Asien keinesfalls übertrieben ist, denn während ein Studio wie CCP mit 500.000 Spielern auf dem einzigen Server von EVE Online locker leben und von dem Geld noch zwei weitere Spiele und eine TV-Serie mehr oder weniger optimal finanziert bekommt, schaltet man in China zum Start eines Spiels wie Blade and Soul mal so eben 195 Server auf, die jeweils 10.000 Spieler fassen.

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Blade and Soul: Können 20 Millionen Chinese irren?
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Wer nun an Größenwahn denkt, der irrt. Tatsächlich registrierte man aktuell über 1,8 Millionen gleichzeitig eingeloggte Spieler, was etwa zehn Prozent der gesamten Spielerschaft entspricht, die irgendwo an der 20-Millionen-Grenze kratzt. Und falls euch noch einmal jemand fragen sollte, warum zum Teufel wir in Europa immer zuletzt in den Genuss neuer Titel aus Asien kommen, dann lasst ihm den vorangegangenen Absatz zukommen.

Blade Hunter - Technik, die begeistert?

Eine vergleichsweise unrosige Zukunft hier im Westen wage ich übrigens Blade Hunter zu prognostizieren, einem weiteren Titel der Kategorie ‘WTF, SRSLY?’. Das Spiel wird vollmundig als Beat-Em-Up-MMORPG angekündigt und soll am kommenden Donnerstag zumindest schon mal in die Alpha-Phase starten. Doch Freunde der seichten Prügelkünste seid gewarnt!

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Der Trailer, den R2Games, die man tunlichst nicht mit den HON-Machern von S2 Games verwechseln sollte, aus besagtem Anlass veröffentlich hat, zeigt ein derart miserables Gameplay, dass sich wohl nur wenige Interessierte in die Alpha verirren werden. Doch wer weiß - vielleicht lässt sich ja doch ein Liebhaber für den Zahlensalat im animationslosen Seitengeprügel begeistern - wo kann man sonst noch kritische Treffer von 43507 Punkten an hässlichen Steinwesen landen?

The Elder Scrolls Online - den Hype im Keim erstickt

Vielleicht gehören bewusst wenig überzeugende Kampagnen ja auch zum neuen Konzept mancher Publisher, um einem eventuellen Hype gleich vorzubeugen. Diese und ähnliche Theorien wurde zumindest von einigen Wiped-Kommentatoren in den vergangenen Wochen propagiert. Und während ich dem bislang noch widersprochen hatte, habe ich mittlerweile meinen Irrtum eingesehen und glaube fest: ZeniMax macht das extra.

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Der aktuelle PvP-Trailer lässt erahnen, welche Genies bei ZeniMax in der Media-Abteilung sitzen. Die haben offensichtlich eine unglaublich wirksame Anti-Hype-Strategie ersonnen sind nun dazu übergegangen, diese in Form von möglichst miserablen Videos mustergültig in Szene zu setzen. Mein Kompliment an ZeniMax für diesen Mut.

Destiny - zu schön, um wahr zu sein

Bei Bungie hat man von solchen Strategien scheinbar keine Ahnung und rennt sehenden Auges in den verheerenden Hype-Sturm hinein. Hätte man sich vorab von ZeniMax beraten lassen, wäre auf jeden Fall kein solcher Trailer dabei herausgekommen wie aktuell im Fall des nächsten großen Konsolen-Online-Shooters Destiny, dessen Gameplay man aktuell und frei heraus mit “tödlicher als Halo” umschreibt.

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Eindrucksvolle Landschaften, flüssige Animationen, detaillierte Charaktermodelle, abwechslungsreiche Kämpfe, atemberaubende Texturen und ein absolut bestechender Grafikstil - und all das in schnellen Schnitten so kurzweilig präsentiert, dass man sich den Trailer immer und immer wieder reinziehen möchte. Sorry Jungs - aber so wird das nichts mit einem erfolgreichen Release am 09. September 2014.

Elite: Dangerous - Load New Commander (Y/N)?

Mit obiger Frage nahm 1984 meine erste echte Sandbox-Karriere ihren Lauf. Und dieser Frage stellen sich genau 30 Jahre später einige glückliche Unterstützer von Elite: Dangerous. Das ist nämlich gerade in die Alpha gestartet und es ist, so hat es zumindest den Anschein, den Mitbewerbern im Genre eine Nasenlänge voraus.

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Zwar ist das Spiel noch weit von der Sandbox entfernt, die es später mal werden soll, doch immerhin dürfen die Alpha-Piloten schon mal in einen Raumjäger klettern, um dessen Flugsteuerung und die Waffen an allerlei anderen mehr oder weniger unbekannten Flugobjekten zu testen. Und getreu dem Motto “Video or it never happened” jagt David Braben neben den Fliegern gleich noch einen passenden Videobeweis raus, in dem es ordentlich abgeht

Star Citizen - garantierter Augenschmaus

Ein derartiges Video steht bei Chris Roberts Großprojekt Star Citizen derzeit noch aus. Doch der Altmeister hat mit 34,5 Millionen Dollar genügend Geld gesammelt, um geduldig zu sein und in aller Ruhe zu entwickeln und zu designen. Wobei letzteres natürlich nicht Chris Roberts selbst verantwortlich zeichnet, sondern ein alter Bekannter aus der Szene.

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Mark Skelton nämlich, dereinst für die wahrscheinlich eindrucksvollsten Designs bei Blizzard Entertainment ursächlich, arbeitet jetzt als Art Director an Star Citizen und plaudert im aktuellen Entwickler-Video ein wenig aus dem Nähkästchen und verrät, dass es zwar eine ganze Menge von Raumschiffen gibt, die in einem Spiel funktionieren, dass die besten jedoch immer jene seien, zu denen es eine Geschichte gebe.

Das Zentrum der Galaxis

Wobei es nicht allein das Team von RSI sein wird, das sich Geschichten ausdenkt, denn die Community hilft längst mit ganzer Kraft und auf auf allen Kanälen mit. Chris Roberts belohnt das unter anderem dadurch, dass er seiner Community ganz besonders viel Raum für ihre Kommunikation schafft und das Spiel und dessen Inhalte komplett mit der Internetseite verknüpft.

Das geht so weit, dass Organisationen, so der Name für die Gilden in Star Citizen, ihre Mitglieder direkt über die Webseite rekrutieren und verwalten können. Dazu gibt es die Möglichkeit für private Chats und eigene Clan-Sektionen im offiziellen Forum, die nur für die Mitglieder sichtbar sein werden. Ein externes Forum wird somit unnötig sein. Sollte das Spiel also eines Tages wirklich zu einem diplomatischen Schwergewicht wie EVE Online werden, wird das offizielle Forum von Star Citizen der Ort sein, wo man abends sein Popcorn genießen kann.

No Man’s Sky - MMO-Muster für Muster-MMOs

Und wer sein Ration Popcorn für heute noch nicht aufgebraucht hat und ganz großes Kino erleben möchte, sollte sich unbedingt den Trailer zu No Man’s Sky anschauen. Dieses Spiel, das in der vergangenen Woche frisch angekündigt wurde, ist zwar, anders als es zu Beginn den Anschein hatte, kein MMOG und kann auch nicht mit der Grafikpracht eines Star Citizen mithalten - nichtsdestotrotz ist es vom Konzept her einer jener Titel, an denen sich jeder Entwickler einer persistenten Welt in Zukunft orientieren sollte, wenn er im Genre erfolgreich sein möchte.

No Man's Sky - VGX 2013 Trailer2 weitere Videos