Gerade als es so aussah, als schließe die MMO-Branche ein für alle Mal die Pforten, drehen die Studios richtig auf: Alpha hier, Beta dort - und zwischendrin noch ein paar Erweiterungen und vielversprechende Indie-Projekte. Und dann wären da noch diese seltsamen Nachrichten aus Kalifornien, wo man möglicherweise längst beerdigte Projekte wieder ausgraben will.

Es wird kein zweites EVE geben

Es war ein schwerer Schlag für die Fans von World of Darkness, als CCP vor anderthalb Jahren ankündigte, den 2006 erworbenen Publisher White Wolf zu verkaufen und das Vampire-MMO sang- und klanglos einzustellen. Das Projekt war den Isländern im Laufe der Jahre über den Kopf gewachsen, fraß große Teile des Budgets auf, das man mit der Weltraum-Sandbox EVE Online erwirtschafte und brachte so Unruhe in die Community und damit ins Unternehmen.

CCP hatte erkannt: Es gehört wohl doch ein wenig mehr dazu, ein überdurchschnittlich gutes MMORPG zu entwickeln, dazu noch eine Sandbox. EVE war ein aus der Not geborener Glücksgriff. Es war die Verzweiflungstat einiger isländischer Nerds, die irgendwie versuchten, mit einfachsten Mitteln etwas auf die Beine zu stellen, das ihnen für ein Weilchen ihre Brötchen finanzieren würde.

Rettung für den weißen Wolf

Ohne die Not, das eigene Zutun und angewiesen auf angeheuerte Entwickler allerdings, entwickelt sich ein MMORPG im Normalfall weder sonderlich gut noch weit und aus und von dem heiß ersehnten World of Darkness blieb nicht mehr als die Erinnerung an eine hinter verschlossenen Türen vorgeführte Tech-Demo von einigen Sekunden Dauer und ein wenig aussagekräftiger Trailer.

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Doch gerade jetzt, wo wir und halbwegs damit abgefunden haben, niemals als Anführer eines Vampir-Clans über eine Metropole zu herrschen, taucht eine Reihe von Nachrichten im Netz auf, die bei manch einem für Schnappatmung sorgen dürfte: CCP hat White Wolf verkauft - und zwar an einen aufstrebenden schwedischen Publisher, der schon ein ganzes Weilchen durch sein Gespür für kleine, aber feine Projekte auffällt.

Wer soll das leisten?

Und ja, dieser Deal, das wurde mittlerweile bestätigt, umfasst auch das eingestellte World of Darkness - quasi das Filetstück dieses Studios mit einer gigantischen, wenngleich schlummernden Fangemeinde. Doch wie zum Teufel sollte nun ein Publisher ohne MMO-Erfahrung ausgerechnet ein Schwergewicht wie World of Darkness entwickeln können, von dem selbst CCP erdrückt wurde?

Genau das fragte man sich, als Abonnenten von Obsidians Twitter-Seite plötzlich einen wundersamen Eintrag lesen konnten: “Es sieht also so aus, als sei etwas von PsxInteractive eingekauft worden und jetzt wollen Leute, dass wir uns damit befassen, ein Spiel zu machen? Hmmm…” Vielleicht ist es weit hergeholt, hier einen Zusammenhang mit World of Darkness herzustellen - ganz abwegig ist dieser Gedanke allerdings nicht.

Eine starke Allianz

Bereits in der Vergangenheit hat Obsidian mit Paradox Interactive zusammengearbeitet und das ausgesprochen gute und finanziell erfolgreiche Crowdfunding-Rollenspiel Pillars of Eternity veröffentlicht. Danach hat Obsidian an der “Westernisierung” von Skyforge gearbeitet und erstmals MMO-Luft geschnuppert. Ach ja - und Armored Warfare spielt sich ebenfalls online und macht World of Tanks derzeit ordentlich Konkurrenz.

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Ein echtes MMORPG wie World of Darkness wäre für Obsidian zwar eine gewaltige Herausforderung, gleichermaßen jedoch auch ein wichtiger Schritt in die obere Liga der Branche. Gleiches gilt natürlich für Paradox Interactive, wo man mit Sicherheit längst mit den etwas massiveren und damit umsatztechnisch äußerst interessanten Onlinespielen liebäugelt.

Nun ist es noch zu früh, wirklich darüber zu spekulieren, wie ein World of Darkness aus den Häusern Obsidian und Paradox aussehen könnte, welche Engine man dafür einsetzt, ob man die bisherigen Ideen und Konzepte übernimmt oder doch etwas abspeckt, um am Ende nicht ebenfalls damit zu scheitern. Spannend dürfte es auf jeden Fall bleiben um die potentielle Wiederauferstehung dieses längst totgesagten MMO-Projekts.

Alpha, Beta, Gamma

Überhaupt scheint die Branche aktuell aus dem Totenschlaf erwacht. Zahlreiche Alpha- und Beta-Tests ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. So viele, dass es zeitlich gar nicht möglich ist, jedes einzelne Spiel ausgiebig zu testen. Dazu kommen noch all die Erweiterungen und Updates, die in diesen Tagen erschienen sind - von The Elder Scrolls Online und WildStar, die ich recht schnell wieder abhaken konnte, über Star Wars: The Old Republic bis hin zu Guild Wars 2: Heart of Thorns, das ich mir als nächstes vorknöpfen werde.

Ein wenig fragwürdig ist diese Strategie schon, denn obwohl es einerseits nachvollziehbar ist, dass man als Publisher gerne das Weihnachtsgeschäft mitnehmen möchte, lagen die Spieler während der letzten Monate derart auf dem Trockenen, dass der Hersteller, der eine der aktuellen Erweiterungen schon früher rausgehauen hätte, die alleinige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte.

Apropos Aufmerksamkeit: Ich habe es doch tatsächlich in gleich zwei Testrunden zu heißersehnten Spielen aus Fernost geschafft und weiß somit gar nicht, wo ich zuerst einloggen soll. Black Desert oder Blade & Soul - das ist hier die Frage. Und sie ist eine schwierige, denn beide Spiele haben es, zumindest dem ersten Eindruck nach, echt in sich.

Blade & Soul

Wie Stammleser bereits wissen, ist Blade & Soul in Südkorea bereits seit über drei Jahren auf dem Markt und hat dort ordentlich eingeschlagen. Was wir demnächt bekommen werden, ist also eine bereits ordentlich erweiterte und natürlich lokalisierte Version. Spielerisch allerdings dürfte sich dabei wenig ändern und auch auf die eine oder andere geschlechterspezifische Rasse- bzw. Klasse wird man sich einstellen müssen. Wie es sich spielt, hat NCSoft noch einmal kurz im kommenden Video zusammengefasst

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Vom Gender-Lock mal abgesehen gibt es auf den ersten Blick allerdings wenig zu beanstanden. Das MMO ist ausgesprochen üppig und verfügt über das wahrscheinlich beste Kampfsystem im Genre, fokussiert im PvP entsprechend stark auf kleinere Martial-Arts-Kämpfe in der Arena. Das offene PvP-System basiert auf dem Konflikt zweier Fraktionen, denen man sich optional anschließen kann, indem man die jeweilige Uniform überstreift.

Black Desert - bis hierhin und nicht weiter!

Nicht ganz so anspruchsvoll, dafür auch mal beritten, ist der Kampf in Black Desert, dessen Publisher natürlich ebenfalls einen kleinen Trailer rausgehauen hat. Der zeigt einmal mehr, wie rasant es in der Schlacht zugehen kann. Und wer nun befürchtet, einen epileptischen Anfall zu erleiden oder an Motion Sickness zu erkranken, den können wir beruhigen: Die ganzen Effekte und die Bewegungsunschärfe auf ein erträgliches Maß eindämmen oder ganz abschalten.

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Eingedämmt ist allerdings auch mein Spielerlebnis während der laufenden Alpha, in der man maximal auf Stufe 30 aufsteigen und auch nur zwei Zonen bereisen kann. PvP,  gibt es erst ab Stufe 20 und die sonst recht harten Strafen für das Töten von Mitspielern wurden für die Testphase ein wenig heruntergesetzt.

Und wer noch immer glaubt, einen Key abstauben zu können, dem sei gesagt, dass die Chancen darauf ausgesprochen gering sind, denn der Publisher hat sich entschlossen, eine “sehr eingeschränkte” Zahl von Spielern in die Alpha zu lassen und sich auch in späteren Testphasen vergleichsweise zurückzuhalten. Eine Open Beta soll es nicht geben.

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Für ein Spiel wie Black Desert, das grob dem Geschäftsmodell von Guild Wars 2 folgt, macht das durchaus Sinn, hält man sich so doch die üblichen “Heuschrecken” vom Hals, die ohnehin nur bedingt Interesse am Spiel haben und den Support und die Server überlasten. Wer trotzdem schon mal in Black Desert reinschauen will, sollte sich einfach mal auf Twitch.tv umsehen - dort wird es rege gespielt.

Star Trek Online - New Dawn

Ebenfalls ein paar bewegte Bilder gibt es aktuell zu Star Trek Online zu sehen. Das startet mit New Dawn in die nunmehr elfte Staffel und, angesichts von neuen Autoren auch in eine etwas andere Richtung. Auf den Flügen wird man als Kapitän seines Raumschiffes eine sterbende Sonne untersuchen und auf Deep Space Nine zurückkehren.

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Wie weit Cryptic das alte Versprechen einlöst, wieder etwas von der Faszination zurückzubringen, die Star Trek in Bezug auf Entdeckungen fremder Welten und Zivilisationen ausmacht, ist nicht ganz sicher und an eine Rückkehr ins Star-Trek-Universum von Cryptic, das für mich, aller guten Patches zum Trotz, eine der größeren Enttäuschungen der MMO-Geschichte gewesen ist, ist angesichts der starken Konkurrenz derzeit eher unwahrscheinlich.

Kurz notiert

Und weil es bislang immer schwierig war, viele Bilder ordentlich in einem Artikel mit wenig Text unterzubringen, haben wir uns entschlossen, mal ein wenig mit Alternativen zum gewohnten Format zu experimentieren. Entsprechend findet ihr die gewohnten Kurzmeldungen ab sofort im Format einer praktischen Bildstrecke.

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Nach der EVE Euro Tour waren die Entwickler von EVE Online wieder mal unterwegs. Diesmal in Las Vegas, wo die neuen Superstrukturen im Fokus standen, die bald von Spielern im All errichtet werden können. Von finanzkräftigen Corps vornehmlich, denn eine solche Zitadelle wird rund 70 Milliarden ISK kosten und stark, aber natürlich nicht unzerstörbar sein.

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