Wenn sich die Konsoleros in den Konsumtempeln im Kampf um die wenigen Exemplare von Sonys erster Next-Gen-Konsole gegenseitig die Köpfe einschlagen, kann man sich als PC-Spieler nur wundern. Der Rechenknecht ist längst für die nächste Spiele-Generation gerüstet, doch die lässt seit Jahren auf sich warten.

Juhu, die nigelnagelneue Konsole ist da! Allein die Spiele fehlen noch - vor allem jene, die einen Kauf der Kiste auch irgendwie rechtfertigen. Aus Next-Gen wird nun doch Next-Year und wer sich trotzdem ein wenig mit der neuen Errungenschaft vergnügen will, wird um PC-Portierungen wie War Thunder und Warframe nicht herumkommen.

Der PC lebt!

Doch die laufen, wer hätte das gedacht, schöner und schneller auf meinem PC der letzten Generation. Drei Jahre ist er mittlerweile alt und noch immer spielt der alte Knabe ganz oben mit. Kein Wunder, dass Unternehmen wie Microsoft in diesen Tagen gerne über rückläufige Verkaufszahlen jammern und einmal mehr die Zukunft der Konsolen-Zockerei beschwört. Doch rückläufige Verkäufe bei den Komplettsystemen sind nicht gleichbedeutend mit einem Schwund bei den PC-Spielern.

Im Gegenteil - die PC-Community wächst beharrlich. Sehr zum Leidwesen der Publisher, die liebend gerne teure Ladenversionen verkaufen möchten und denen die ganze Free-To-Play-Szene samt der Indie-Entwickler ein Dorn im Auge ist. Auf dem PC spielt man nicht nur schöner und flüssiger - man spielt auch bedeutend billiger und wird immer ausreichend mit Titeln versorgt.

Für die Generation von vorgestern

Solange dabei die Hardware nicht mal ausgereizt wird, kommen PC-Zocker auch kaum auf die Idee, sich für einen neuen Computer im Laden einen Kampf auf Leben und Tod zu liefern. Während nämlich die Konsolen ihren Next-Gen-Sprung gerade gemacht haben und sich vorsichtig an das Niveau eines durchschnittlichen PCs angenähert haben, wartet der so oft totgesagte Büro-Knecht noch immer auf nennenswerte Herausforderungen.

Insbesondere die Publisher von MMOGs und MOBAs zeigen sich nicht nur mit Fortschritten beim Spieldesign höchst zögerlich - sie entwickeln auch technisch noch immer für die Computer des letzten Jahrtausends. Ob League of Legends, World of Tanks oder World of Warcraft - diese Titel könnte ein handelsüblicher Einsteiger-PC zum PS4-Preis ohne Performance-Einbrüche locker gleichzeitig betreiben.

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Das letzte MMOG, das noch überdurchschnittliche Anforderungen an die Hardware gestellt hat, war tatsächlich Age of Conan - erschienen vor fünfeinhalb Jahren. Mit diesem zum Release enttäuschenden Spiel hat sich ein Großteil der Community eine neue Hardware geleistet. Seither hat sich jedoch nichts getan. Die Publisher verwenden nach wie vor antiquierte Engines wie die Hero Engine oder setzen gar auf Unity im Browser.

Star Citizen - unbeschwerter Quantensprung

Doch der nächste Quantensprung ist endlich in Sicht. Dank Crowdfunding kann ein Großprojekt wie Star Citizen endlich mal komplett für die obere Hardware-Liga entwickelt werden - ohne Rücksicht auf Verluste und ohne einen Publisher, der naturgemäß fordern würde, die Software runterzuregeln und an ältere Notebooks oder Konsolen anzupassen.

Mit Wing Commander hat Chris Roberts 1990 Stellung bezogen, den Bürocomputer als Spielesystem am Markt positioniert, die Soundkarte zum Standard gemacht und den analogen Joystick zum Verkaufsschlager. Ein Vierteljahrhundert später will er mit Star Citizen ein nicht minder deutliches Zeichen setzen und der Welt zeigen, wie überlegen ein moderner PC allen anderen Systemen ist und auf welchen falschen Pfad uns Publisher und Konsolenhersteller über all die Jahre hinweg geführt haben.

Der Blick durch die Kristallkugel

Das Geld, um diesen Weg zu beschreiten, hat Chris Roberts auf jeden Fall - mittlerweile sind es 34 Millionen Dollar, die ihm die Spieler quasi geschenkt haben. Damit lässt sich das Spiel unbeschwert so lange entwickeln, bis es die mitwirkende Community für gut genug hält und die Zusammenführung der Module absegnet. Wenn Star Citizen dann auf dem Markt aufschlägt, wird das seine Spuren hinterlassen.

Dann werden plötzlich die PC-Jünger in die Läden rennen, Nvidia wird seinen Umsatz spürbar steigern, ebenso Firmen wie Logitech und Saitek, die Joystick und Exoten-Peripherie als Produktgruppen, trotz schwacher Zahlen, nie ganz aufgegeben haben. Neue PCs werden gekauft, gebaut und aufgerüstet - der Notebook-Absatz wird ebenso zurückgehen wie die Nachfrage nach den Next-Gen-Konsolen, die kaum gehalten haben, was deren Entwickler einst versprachen.

Dann wird Bewegung in die Branche kommen. Dann spielen wir wieder mit ordentlichen Steuergeräten und tauchen mit Oculus Rift tief in die virtuelle Welt ein. Dann erst merken Studios und Publisher, dass sie technisch um Lichtjahre abgeschlagen hinterherhinken und ihre Engines längst nicht mehr konkurrenzfähig sind. Bei Entwicklungszeiten von über fünf Jahren wird es Jahre dauern, bis die großen Studios auch nur annähernd wieder in der Liga angekommen sind, in der die Community bis dahin spielen möchte - für einige ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Keine Zukunft mit oller Engine

Dass manche Studios noch immer uralte Engines mit sich rumschleppen und trotz Millionenumsätzen kein Geld in eine neue investieren wollen, ist mir bisweilen unbegreiflich. Blizzard ist da nur ein Beispiel - der Gigant scheint die technische Seite sträflich zu ignorieren und hat hoffentlich längst eine neue Technik für alle größeren Projekte nach Heroes of the Storm in der Hinterhand.

Und auch eine Firma wie Wargaming hätte ihr World of Warplanes nicht einfach so mit der vorhandenen Engine hinschusseln dürfen, sondern hätte vorher mal ordentlich aufrüsten müssen und sich umschauen, was mittlerweile möglich ist. Der Online-Luftkampf des Genre-Marktführers ist derart durchschnittlich geworden, dass man sich wirklich fragen muss, ob sich dessen Entwickler überhaupt jemals mit den Konkurrenzprodukten befasst haben. Vor allem hätte man auf War Thunder schauen sollen, das wirklich in jeder Hinsicht besser ist als World of Warplanes und Wargamings Luftkampf in Grund und Boden stampft.

War Thunder - die Panzer rollen

Apropos Grund und Boden - inzwischen hat Gaijin auch nachgelegt und in der vergangenen Woche die ersten Panzer in die geschlossene Beta geschoben. Wie die dann im Einsatz aussehen, zeigt ein aktueller Trailer, der selbst Fans von World of Tanks die Sprache verschlägt. War Thunder bläst tatsächlich zum Sturm auf den Konkurrenten und verfügt augenscheinlich über die passenden Mittel.

War Thunder - Ground Zero Closed Beta Start2 weitere Videos

Wobei die entscheidende Waffe wohl die Engine sein dürfte, die Gaijin im Laufe der Jahre entwickelt hat. Eine realistische Umgebung, dazu eine ausgefeilte Fahrphysik sowie die genaue Simulation eventueller Schäden - wie man es schon von den Flugzeugen gewohnt ist. Kein Wunder, dass Gaijins CEO Anton Yudintsev sich erstmals selbstbewusst der internationalen Fachpresse stellt und das Problem vieler anderer Free-To-Play-Games analysiert: mangelnden Feinschliff.

Von einem MMO ist War Thunder natürlich noch weit entfernt - auch wenn Wargamings World of Tanks mit dem gleichen Spielprinzip immer wieder gerne als solches geführt wird. Doch Gaijin arbeitet an einer Weltkriegs-Mechanik, in der sich Spieler in einem immerwährenden Konflikt auf eine Seite schlagen und für den Sieg kämpfen dürfen - zu Lande, in der Luft und aller Voraussicht nach im Laufe des kommenden Jahres auch noch zu Wasser - anders als bei Wargaming auf einem einzigen, riesigen Schlachtfeld.

Star Wars: The Old Republic - World of Starfighters

So manches MMO-Studio geht mittlerweile den umgekehrten Weg und entwickelt immer weiter in Richtung Arena-Game. So auch BioWare, die in der vergangenen Woche ihr Galactic-Starfighter-Update zu Star Wars: The Old Republic rausgehauen haben. Klar, dass ich mich sofort ins Cockpit eines kleinen Raumjägers geschwungen und ein paar Runden gedreht habe - und ich war durchaus überrascht.

Zwar spielt sich das neu implementierte Arena-Game nicht so fetzig wie Gaijins Star Conflict und sieht angesichts der altersschwachen Hero Engine auch einen Tick schlechter aus - spaßiger als World of Warplanes ist es jedoch allemal. Und hey - es ist Star Wars! Zudem bietet es alles, was das Fliegerherz begehrt: freien Raumflug, aufrüstbare Schiffe, Crewmitglieder mit diversen Fähigkeiten und durchaus interessante Maps. Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Flüge absolvieren und berichten, ob das Update eine Rückkehr in die alte Republik rechtfertigt.

Neverwinter - Cryptic hat den Bogen raus

Noch keinen Blick konnte ich hingegen auf Neverwinters Shadowmantle-Update werfen. Das mittlerweile zweite Modul seit Release steht seit Freitag auf den Live-Servern und bietet neben diversen neuen Inhalten vor allem auch endlich den Bogenschützen - eine Klasse, die ich beim ersten Durchlauf schmerzlich vermisst habe.

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Derweil diskutiert und spekuliert die Community bereits darüber, was Cryptic als nächstes für Neverwinter geplant haben könnte und ob man nicht nebenbei schon längst ein neues MMOG in Entwicklung hat. Das technische Know-how hat man auf jeden Fall ebenso wie eine ordentliche Engine, die sich offenbar auch gut erweitern lässt. Und wenn man jetzt noch auf die Idee kommt, die Möglichkeiten des Foundry-Systems in eine offene Welt fließen zu lassen, hätte Cryptic vielleicht sogar die Chance, zu den Großen aufzuschließen.

The Elder Scrolls Online - “Be Who You Want to Be”

Zu denen gehören derzeit auch die Zenimax Online Studios. Zumindest verfügt man dort über ein großes Budget sowie einen großen Namen. Kein Wunder also, dass The Elder Scrolls Online nach wie vor zu den Favoriten des kommenden Jahres gehört, wenngleich man aus der geschlossenen Betaphase nicht viel Gutes hört und auch von offizieller Seite in letzter Zeit eher magere Infos nach außen gelangt sind.

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Umso erfreulicher, dass uns Zenimax jetzt zumindest ein kleines Video beschert, in dem man ein paar Details zur Charakterentwicklung verrät. Die soll den Spielern Zugriff auf eine rassen- und eine klassenbasierte Skill-Reihe bieten, dazu kommen noch allgemeine Skill-Reihen in die sich mit jedem Levelaufstieg Punkte frei verteilen lassen. Zudem gibt es Attributpunkte, mit denen sich nebenbei noch Überlebensfähigkeiten, Magietalente und waffenbasierte Eigenschaften ausbauen lassen. Und dann wären da noch die Skills, die man “by doing” lernen kann.

Nach wie vor im Dunkeln lässt man uns allerdings in Sachen Welten-PvP. Dessen Mechaniken wurden bislang nur grob erklärt - viele Detailfragen sind noch offen und die Bedenken, dass es zu ähnlichen Problemen kommen könnte wie im Welten-PvP von Guild Wars 2 konnten bislang auch noch nicht aus der Welt geschafft werden. Hier hat Zenimax noch einige Aufklärungsarbeit zu leisten.

Trove - Trion erntet nichts als Spott

Aufklären wollte auch Trion in Bezug auf das jüngste Machwerk. Das trägt den Titel Trove und wird von vielen Spielern mittlerweile als dreiste Kopie von Cube World beschimpft. Das liegt einerseits am minimalistischen Aussehen des 8-bit-Sandkastens, andererseits aber auch an den Ideen, die eben nicht auf Trions eigenem Mist gewachsen sind.

Erste Berichte von Spielern und Journalisten klingen auf jeden Fall nicht so, als handle es sich bei Trove überhaupt um ein Spiel, an das man zu hohe Erwartungen knüpfen sollte. Und bei aller Liebe zu kultigen Retro-Games, scheint bei den Spielern zumindest in der Alpha nicht einmal ansatzweise so etwas wie ein atmosphärisches Wohlgefühl aufkommen.

Eldevin - zurück zu den Anfängen

Weit uriger ist da schon Eldevin geraten, ein Spiel, das gerade Release feiert und das ich beinahe übersehen hätte, weil ich mich gemeinhin nicht sonderlich für Browsergames interessiere. Eldevin allerdings besitzt einen ganz eigenen Charme, der mich an die Ultima-Reihe erinnert - bei der Schriftart angefangen über die Landkarte bis hin zur Freiheit bei der Skill-Vergabe.

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Dazu kommt der interessante, unterschwellige Humor des Spiels, die spielerische Komplexität bei gleichzeitiger Übersichtlichkeit sowie der augenscheinliche Feinschliff. Wer ein Herz für Retro-MMOs hat, sollte auf jeden Fall mal einen Blick riskieren - das Spiel ist kostenlos, stellt keine Ansprüche an die Hardware und erfordert nahezu keine Download-Zeit. Ein Spiel für Liebhaber eben.

Ever, Jane

Ein Liebhaberspiel wird wohl auch Ever, Jane werden, das wir vor einigen Wochen anlässlich einer angelaufenen Kickstarter-Kampagne vorgestellt hatten. Die ist mittlerweile abgeschlossen und hat der Chefentwicklerin Annabel Smyth mit 110.000 Dollar fast zehn Prozent mehr beschert, als sie sich eigentlich erhofft hatte.

Ever, Jane greift die Romane von Jane Austen auf und spielt nicht etwa in einer Fantasy-Welt, sondern in unserer eigenen Vergangenheit - in der Zeit des Regency zwischen 1811 und 1820. Statt zu kämpfen wird mit harten Bandagen verhandelt, getratscht und intrigiert - statt Raids werden Bälle organisiert, statt Dungeons warten Dinner Parties auf die machthungrige Zivilbevölkerung.

Internet Spaceships are serious business!

Und wer sich derweil der leidenden Zivilbevölkerung auf den sturmgeplagten Philippinen annehmen möchte, jedoch nicht über die nötigen Finanzmittel verfügt, das via Spendenkonto zu tun, sollte in diesen Tagen mal darüber nachdenken, ein paar Missionen in EVE Online zu fliegen oder anderweitig ISK zu scheffeln. CCP hat nämlich aktuell einen Spendenaufruf gestartet, in dem man mit seinen Finanzmitteln aus EVE direkt helfen kann, indem man sich via Vertrag an den offiziellen CCP-Charakter “CCP PLEX for GOOD” wendet.

Eine tolle Sache, wie ich finde und für mich ein Grund, an diesem Wochenende mal wieder New Eden zu besuchen und gemütlich eine Plex zu farmen und mich darüber zu freuen, dass Internet Spaceships in der Tat eine verdammt ernsthafte Angelegenheit sein können.

Update

Und um eine verdammt ernsthafte Angelegenheit, nämlich das möglicherweise größte, offenste und atemberaubendste aller Massively Multiplayer Online Games, geht es dann in der kommenden Ausgabe. Bis dahin - frohes Farmen!