Nun, da sich alle Welt auf einen neuen Titel eingeschossen hat, möchte unser Kolumnist ein paar Dinge rund um den großen Hype und seinen Schöpfer klarstellen. Denn der jüngste Erfolg von PUBG hat die Branche gehörig ins Schleudern gebracht und das Regelwerk, mit dem die großen Publisher seit Jahren arbeiten, an das sie sich so eisern klammern, hat endgültig ausgedient.

Ihr habt PUBG noch nie gespielt? Dann werft einen Blick in das gehypte Battle-Royal-Spiel:

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Letzte Woche durchbrach PlayerUnknown's Battlegrounds die Millionengrenze, verwies Defense of the Ancients 2 (DotA 2) und Counter-Strike: Global Offensive auf die Plätze zwei und drei der Steam-Charts. Heute zählt man noch einmal gut 15 % mehr Aktive. Während ich diese Zeilen schreibe, schauen auf Twitch mehr Zuschauer bei PUBG-Matches zu, als bei League of Legends, Dota 2, World of Warcraft und World of Tanks zusammengerechnet.

Warum ist der Spieler unbekannt?

Der Vormarsch von PUPG geht also weiter. Die Zahl meiner Steam-Freunde, die sich noch nicht in den Early-Access des Last-Man-Standing-Shooters eingekauft haben, wird von Tag zu Tag kleiner. Der Hype ist in vollem Gange, ohne überhaupt von Entwicklerseite geschürt worden zu sein. Bei den großen Publishern reibt man sich mit Sicherheit gerade verwundert die Augen und versteht die Branche nicht mehr, die man sich seit Jahrzehnten so mühsam herangezüchtet und die man bestimmt hat. Wie kann ein einziger Mann etwas derart Gewaltiges auf die Beine stellen? Und wer ist überhaupt dieser PLAYERUNKNOWN?

Wiped! - Die MMO-Woche - PLAYERUNKNOWN’S Lektionen

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Während die Publisher Hundertschaften an Technikern anheuern, die am Spielspaß vorbei entwickeln, treffen geschickte Modder direkt ins Herz der Community
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Tatsächlich handelt es sich bei dem Menschen hinter diesem Platzhalter-Nick und seinem Battlegrounds um keinen professionellen Entwickler, sondern einen Modder, der in seiner Freizeit mit ARMA 3 herumgebastelt und im stillen Kämmerlein Mods entworfen hat. Kleine Games aus dem Baukasten also, auf die man schließlich in Südkorea aufmerksam wurde. Die Bluehole Studios, bislang bekannt durch das MMORPG TERA, boten dem talentierten Bastler prompt eine Stelle an, ein Büro und ein Team.

Die ersten Million ist die härteste, heißt es

Und nein, entgegen zahlreicher Gerüchte, ist PLAYERUNKNOWN kein Südkoreaner, sondern ein Ire namens Brendan Greene, der sich zuvor finanziell eher schlecht als recht über Wasser gehalten hatte und der schließlich Blueholes Ruf nach Asien gefolgt war, um seine Mods dort auf eigene Beine zu stellen und, so hoffte er damals noch, irgendwann vielleicht mal eine Million Versionen an den Spieler zu bringen.

Bei Bluehole versuchte man anfangs noch, Greene in seinem Optimismus ein wenig zu bremsen, rechnete mit 200.000, vielleicht 300.000 verkauften Versionen nach einem Jahr. Eine Million, so ließ man ihn wissen, würde irgendwann mal ziemlich viele Gesichter im Büro strahlen lassen. Damals konnte niemand ahnen, dass Greene, der seinen eigenwilligen Modder-Namen beibehielt, dafür nicht viel länger als zwei Wochen brauchen würde und mittlerweile über zehn Millionen Neugierige PUBG erworben haben.

IceFrog 2.0?

Inspiriert wurde Brendan Greene übrigens weder von Daybreaks H1Z1 noch von den Tributen von Panem, sondern vom japanischen Kultfilm Battle Royale aus dem Jahr 2000. Der Rest ergab sich dann aus den Möglichkeiten, die Greenes eher durschnittlichen Kenntnisse als Modder sowie die ARMA-Engine zuließen. Ein Mann mit einem Traum von einem Spiel, das es nicht gab und eine besondere Portion Verbissenheit - mehr brauchte es also gar nicht.

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Wie schon DotA zuvor ist auch PUPG eine Art MMORPG im Schnelldurchlauf, bedient sich allerdings eher im Shooter-Genre als bei der Echtzeitstrategie. Kein dicker Wälzer, sondern eine knackige Kurzgeschichte
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Das erinnert fast schon ein wenig an die Geschichte von IceFrog, einen der genialen Modder hinter der Warcraft-3-Mod Defense of the Ancients (DotA), der später von Valve angeheuert wurde, um Dota 2 zu entwickeln, eines der erfolgreichsten Spiele dieser Tage und das Spiel mit den höchsten Preisgeldern im gesamten E-Sport.

Nun lassen sich aus dem Erfolg von Spielen wie Dota 2 und PUPB einige Lektionen ableiten, die man insbesondere in den großen Häusern mit ihren Milliardenbudgets zum Pflichtprogramm machen sollte. Auch wenn es den einen oder anderen Strategen dort schmerzen wird, seine eigene Unfähigkeit und Ahnungslosigkeit vor Augen geführt zu bekommen.

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