Obwohl die E3 mittlerweile locker als Fachmesse für Konsolengames durchgehen könnte, stapeln sich rückblickend die News aus der MMO-Ecke bis unter die Zimmerdecke. Das Genre wächst rasanter denn je und kaum ein Spieler weiß überhaupt noch, welches Studio wann welches Spiel veröffentlichen will. Und wer es doch weiß, liest wahrscheinlich regelmäßig wiped!

Seit Jahren predigen Publisher und sogenannte Branchenexperten, dass der PC als Spieleplattform bald ausgedient hätte. Dabei lassen sie nichts unversucht, damit sich die Prophezeiung auch erfüllt. Sie setzen auf exklusive Entwicklungen, geheime Deals und Propaganda. Sie pushen die Konsolen, wo es nur geht und bemühen sich, auf Messen wie der E3 die Konsolen in den Vordergrund zu rücken und damit deutlich Farbe zu bekennen.

Rückständig und inkompatibel

Doch all die Mühen scheinen nichts zu nützen. Nicht nur wird der Büroknecht nach wie vor zum Zocken missbraucht - er generiert auch noch Umsätze, von denen die Konsolen-Liga nicht einmal zu träumen wagt. Zu rückständig und zu inkompatibel sind die kleinen Kästen, zu uninteressant für geniale Indie-Entwickler und zu eingeschränkt, was die weltweite Vernetzung betrifft.

Nein, der PC hat nicht ausgedient - er hat sich trotz der mächtigen Gegner besser denn je als Spieleplattform am Markt positioniert und für so manchen konsolenvernarrten Publisher wird es höchste Zeit, den Denkfehler zu erkennen und sich entsprechend neu auszurichten. Die E3 als Großveranstaltung mit Schwerpunkt Konsolenspiele mutete in diesem Jahr umso mehr an wie ein Relikt aus alten Tagen.

Eine neue Ära

Das sieht auch Lars Buttler ähnlich. Der gebürtige Deutsche verdient seine Brötchen als Chef von Trion Worlds derzeit ausschließlich mit PC-Spielen. Zwar plant Trion die Veröffentlichung des MMO-Shooters Defiance auf PC und Konsolen gleichermaßen, doch sieht Buttler letztere längst auf dem absteigenden Ast und erklärte, dass man die Zeichen mittlerweile klar erkennen könne und es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die besten Entwickler von den Konsolen verabschiedeten.

Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass sich die auf PC ausgerichteten Studios bald über talentierte Neuzugänge freuen könnten - über Entwickler, die aus einer ganz andere Ecke des Gamedesigns kommen. Dort wartet auf jeden Fall ein Erfahrungsschatz, der das oft allzu kreativlos wirkende MMO-Genre mit Sicherheit außerordentlich bereichern würde.

The Secret World - gemütliche Nische

Mit welchen Zahlen man mittlerweile vor allem bei den Onlinegames am PC rechnen kann, zeigt auch eine Randnotiz der vergangenen Woche. Funcom vermeldet darin, dass bereits 1,3 Millionen Gamer für die Betatests von The Secret World registriert seien. Bedenkt man, dass das Spiel bislang vergleichsweise wenig beworben wird, ist das an sich schon eine gewaltige Zahl.

Noch eindrucksvoller erscheint sie aber, wenn man sich daran erinnert, dass Funcom keineswegs die breite Spielermasse anlocken möchte, sondern eigentlich ein ganz spezielles Nischenpublikum anvisiert. Anders als noch bei Age of Conan scheint das Motto diesmal eher: wem das spezielle Konzept gefällt, der wird es lieben. Wer so etwas nicht mag, der lässt es einfach.

Ein prima Motto eigentlich, denn zu unterschiedlich sind bei unser aller Lieblingshobby die Geschmäcker, als dass man es allen recht machen könnte. Nur wer den Mut aufbringt, jenseits ausgetrampelter MMO-Pfade zu wandeln, hat auch die Chance, einen Schatz zu heben. Und was die Nische betrifft - mit über 1,3 Millionen Interessierten, kann man es sich als Publisher darin eigentlich recht gemütlich machen.

Guild Wars 2 - Bescherung zu Thanksgiving

Mit einer Nische gibt man sich bei ArenaNet derweil nicht mehr zufrieden, denn Guild Wars 2 schickt sich längst an, alle Rekorde zu brechen, was Vorfreude und Hype bei den Fans betrifft. Umso größer war die Enttäuschung, dass auch die E3 keine näheren Informationen zum Release des Titels zutage förderte - so sehr mancher Kollege im Interview auch bohrte.

Derweil scheinen südkoreanische Broker schon mehr zu wissen. In deren Kreisen geht man mittlerweile fest davon aus, dass die offizielle Ankündigung unmittelbar bevorstehe und das Spiel noch vor Thanksgiving erscheine - also vor dem 08. Oktober und damit zu einem Zeitpunkt, der zumindest in den USA für ordentliche Umsätze sorgen dürfte. Und wer sich nun fragt, warum südkoreanische Börsenunternehmen möglicherweise solch detaillierte Infos haben, sollte sich ins Gedächtnis rufen, wem ArenaNet gehört.

WildStar - alles außer WoW

NCsoft nämlich, die ihren Sitz in Seoul haben und denen übrigens auch die Carbine Studios gehören, wo in diesen Tagen unzählige ehemalige Blizzard-Angestellte ihre Brötchen verdienen und dafür eifrig an WildStar arbeiten, einem im vergangenen Jahr angeküdigten MMOG, das vom optischen Stil her unverkennbar in die Fußstapfen des Marktführers tritt.

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Und doch soll WildStar ganz und gar anders werden. Das war man auch auf der E3 immer wieder zu unterstreichen bemüht. Seit sechs Jahren, so versichterte Executive Producer Jeremy Gaffney jüngst, sei man sich darüber einig, dass man “alles außer WoW” machen wolle. Angesichts der Videos und Bilder, die man zu WildStar so zu sehen bekommt, keimen jedoch gewisse Zweifel auf, dass sich der Wille bei der Entwicklung nicht immer ganz hat durchsetzen können.

Age of Wulin - kämpft sich durch

Was sich auf jeden Fall in der Branche durchsetzen wird, ist das Kampfsystem ohne Target-Lock. Bei DC Universe Online und Vindictus konnte ich mir einen ersten Eindruck davon verschaffen, was im Genre möglich sein wird, bei TERA habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich es nicht mehr missen möchte und bei Age of Wushu werde ich meine Skills weiter ausbauen.

Tatsächlich hat sich der Titel aus Fernost zu einem meiner Geheimfavoriten entwickelt, denn neben dem skillbasierten Kampfsystem scheinen die Entwickler aus China ein Gespür dafür entwickelt zu haben, wonach sich der MMOG-Veteran sehnt. 32 Gebiete warten auf neue Herrscher und können individuell bebaut werden.

Das Crafting orientiert sich an Oldschool-Sandkästen wie Ultima Online und wer aus dem Spiel ausloggt, überlässt seinen Charakter dem Server, der ihn derweil als NPC im Spiel arbeiten lässt - nach den Vorgaben des Spielers. Wären da nicht gewisse Sorgen, was das free-to-play-Konzept und Gala Networks als Euro-Publisher betrifft, ich würde glatt meinen SWTOR-Account verwetten, dass dieses Spiel genial wird.

Star Wars: The Old Republic - steuert auf die dunkle Seite zu

Nein, ich bin nach wie vor kein Freund vom kostenlosen Spielspaß, der viel zu oft viel zu viel kostet und die meisten Publisher dazu animiert, immer neue Fässer ohne Boden in ihren Shop zu stellen, in die Spieler ihr sauer Erspartes dann allenfalls virtuell gewinnbringend investieren können. Umso trauriger bin ich darüber, dass man in der größten Not wohl auch bei Electronic Arts über dieses Geschäftsmodell nachdenkt.

Von mehr als 400.000 verlorenen Abonnenten ist bei Star Wars: The Old Republic mittlerweile die Rede und das Spiel droht damit in den Bereich jenseits der Wirtschaftlichkeit zu fallen. Doch da nützt ein alternatives Bezahlmodell ebenso wenig wie die Entlassung von Mitarbeitern. Im Gegenteil - BioWare müsste aufstocken, Inhalte liefern, Sandbox-Elemente und PvP zeitnah ausbauen und so das Vertrauen der Fans zurückgewinnen.

Und da man genau das nicht zu schaffen scheint, wäre eine Umstellung auf f2p keine gute Idee. Immerhin leben derlei Titel davon, dass die Entwickler immer wieder neue Inhalte ins Spiel drücken, die Umsatz generieren. Mit dem aktuellen Spielkonzept und dem reduzierten Team wäre dieses Projekt zum Scheitern verurteilt - falls man Electronic Arts nicht ohnehin schon genau davon ausgeht und es den Managern dort einfach nur noch egal ist, was aus dem, Spiel wird.

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Wizardry Online - Comeback der Vergessenen

Und während man Electronic Arts erneuten Versuch, im MMO-Genre langfristig Fuß zu fassen, durchaus schon als gescheitert ansehen kann, scheint sich ein anderer gefallener Publisher gerade wieder etwas aufzurappeln. Sony Online Entertainment ist es tatsächlich gelungen, das Publishing für ein vielversprechendes MMO-Projekt an Land zu ziehen: Wizardry Online.

Veteranen unter den Rollenspielfans werden jetzt wahrscheinlich aufhorchen - immerhin gehört die Wizardry-Reihe zu den ersten und zugleich besten Rollenspielen überhaupt. Wizardry Online wird in Japan produziert und knüpft an die Tradition der Serie an, die immer schon den Anspruch hatte “hardcore” zu sein. Auf ein MMO übertragen bedeutet das: Friendly Fire, Permatod und Playerkilling.

Wizardry Online - Neue Screenshots zum MMORPGs

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Diese Screenshots zeigen das MMORPG Wizardry Online.

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ArcheAge - es kommt

Überhaupt scheinen mittlerweile die meisten Titel, die auch nur entfernt einen gehobenen spielerischen Anspruch aufweisen, in Asien entwickelt zu werden. Westlichen Studios fehlt offenbar der Mut, die Spieler etwas mehr zu fordern. Auch ArcheAge ist so ein Spiel, an das sich hierzulande wohl kein Entwickler getraut hätte und für das man schwerlich Investoren oder Publisher findet.

Letzteres scheint bislang auch das Problem von XL Games zu sein, denn während man sich in weiten Teilen Asiens auf die letzten Betaphasen vorbereitet, fehlt in der westlichen Welt noch immer ein mutiger Publisher. Die Fans fürchten längst, dass sie in den sauren Apfel beißen und das Spiel auch nach der Beta auf koreanischen Servern spielen müssen.

Auf der E3 allerdings gaben die Entwickler jetzt Entwarnung. Man stünde mit mehreren Publishern in Verhandlung und es sei mittlerweile nur noch eine Frage des Timings. Wir dürfen unsere schlimmsten Befürchtungen also ablegen und davon ausgehen, dass ArcheAge wirklich eines Tages auf westlichen Servern läuft. Dass wir uns bis dahin noch mindestens ein Jahr gedulden müssen, steht allerdings außer Frage.

Ausblick

Doch die Wartezeit ist halb so wild, wenn man mal daran denkt, was uns bis dahin noch an vielversprechenden Titeln und Erweiterungen ins Haus steht. Und irgendwann, davon bin ich fest überzeugt, macht ein Studio alles richtig und bringt das perfekte MMO auf den Markt, das unsere Welt erschüttern wird, weil wir einfach nicht mehr ausloggen wollen. Und da dieser Tag noch nicht gekommen ist, berichtet wiped! auch in der nächsten Woche wieder, was in der Zwischenzeit so gespielt wird.

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