Kaum ist die Kältewelle vorüber, kündigt sich die sonnige Jahreszeit an. Und diesmal gilt das nicht nur fürs Wetter - auch auf unseren Monitoren scheint bald die Sonne, denn es stehen mehr qualitativ hochwertige Neuerscheinungen auf dem Kalender als je zuvor. Da wird es langsam Zeit für den Frühjahrsputz auf der Festplatte. Doch welche Welten bleiben und welche verschwinden im ewigen Datennirwana?

Seit bei den meisten Onlinespielen die Abopflicht weggefallen ist, haben spielerisch veranlagte Naturen ein Problem: Chaos auf der Festplatte. Auf dem gebeutelten Datenträger sammelt sich der Muff der letzten Jahre. Kleine Titel, alte Titel, schlechte Titel, mittlerweile eingestellte Titel und jede Menge Beta-Clients belegen unnötig Platz.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Und mehr als das - sie frustrieren auch, denn die meisten von ihnen sind ein Zeugnis der Unfähigkeit, mit der die verantwortlichen Entwickler in den letzten Jahren zu Werke gegangen sind. Sie zeigen, dass ein Spiel, das zum Release schlecht war, in den seltensten Fällen überhaupt noch repariert oder ausreichend ausgebaut werden kann. Die Hoffnung, dass man das Spiel auf der Platte reifen lassen könnte wie einen guten Käse, blieb bis auf eine Ausnahme unerfüllt.

Und noch etwas lässt sich feststellen. Je mehr Symbole auf dem Desktop liegen, desto schwieriger fällt die Entscheidung. Wie oft habe ich mich in den vergangenen Monaten dabei erwischt, dass ich ein Spiel starte und nach dem unvermeidlichen Patchvorgang gleich wieder schließe, weil ich nicht genügend Motivation aufbringe, überhaupt zu spielen. Klar - bis man alle Titel auf dem aktuellen Stand hat, ist der Abend auch vorüber, doch spannende Unterhaltung sieht anders aus.

Wiped! - Die MMO-Woche - MMO-Frühjahrsputz

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Bleibt vom Frühjahrsputz verschont: Star Wars: The Old Republic.
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Star Wars: The Old Republic - auf der sicheren Seite

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Der ganze Käse hatte lange genug Zeit zu reifen und bevor sich noch der Schimmel ausbreitet, starte ich den großen Frühjahrsputz - im Haus und auf der Platte. Was nichts taugt oder seit Monaten nicht angerührt wurde, landet in der Tonne. Im Umkehrschluss rettet das all jenen Welten, in denen ich zumindest ab und zu mal unterwegs war.

Auf der sicheren Seite ist da auf jeden Fall Star Wars: The Old Republic. Zwar reißt das Spiel in Sachen Tiefgang und Meta-Game keine Bäume aus, allerdings bietet es wirklich unterhaltsames Arena-PvP. Und dass es genau dieser Teil des Spiels sein würde, der besonders viele Abonnenten bindet, überraschte jetzt selbst die Verantwortlichen bei BioWare.

BioWare träumt vom e-Sport

Immerhin hatten sie den Schwerpunkt einst auf die PvE-Elemente gelegt und das PvP allenfalls als nettes Beiwerk verstanden. Verschätzt hatte man sich allerdings in Bezug auf die durchschnittliche Spielzeit der Zocker, die sich, nachdem sie alle namhaften Mobs durchgenudelt haben, auch gerne mal gegenseitig die Lichtschwerter um die Ohren hauen.

Umso erfreulicher, dass das PvP-Team bei BioWare jetzt auf Hochtouren daran arbeitet die Gladiatoren der Alten Republik mit neuen Inhalten zu füttern. Creative Director James Ohlen spricht sogar schon davon, die Entwicklung des Spiels in Richtung e-Sport voranzutreiben. Diese, wenngleich späte Erkenntnis und das anstehende Update im April wecken in mir immerhin genügend Hoffnung, dass noch ein Fünkchen Macht in BioWare steckt. Das Spiel bleibt also auf der Platte.

Age of Conan - die Graue Eminenz

Ebenfalls unangetastet bleibt Age of Conan. Die groben Schnitzer, die das Spiel und den Ruf des Studios zum Release beschädigt hatten, sind längst beseitigt. Das norwegische Unternehmen hat nicht nur personelle Konsequzenzen gezogen, sondern auch in Sachen Design ordentlich zugelegt. Age of Conan ist in meinen Augen das spielerisch und atmosphärisch beste PvE-MMOG auf dem Markt und auch die Umstellung auf free to play hat der Entwicklung des Titels nicht geschadet.

Im Gegenteil, denn nachdem man sich mit dem PvE-Content Prädikatsnoten verdient hat, knöpft sich der seit Gaute Godagers Ausscheiden amtierende Game Director Craig Morrison das Crafting vor, überarbeitet es nicht nur, sondern entwickelt es von Grund auf neu und setzt dabei, ähnlich wie beim neuen Titel The Secret World, auf Sandbox-Mechaniken.

Auch was das PvP betrifft, teilt Morrison hin und wieder den einen oder anderen Traum, macht aber nicht den Fehler allzu überhastete Versprechen zu machen und sichert sich so den Ruf, einer der letzten Perfektionisten der Branche zu sein. Dennoch ist zu erwarten, dass sich gerade in Sachen PvP noch eine ganze Menge tun wird. Auch oder gerade nach vier Jahren blitzt und glänzt Age of Conan wie ein nagelneuer Titel. Den Platz auf der Festplatte hat es sich damit mehr als verdient.

EVE Online - Rückbesinnung auf alte Werte

Bei der Sci-Fi-Sandbox EVE Online schien das vor ein paar Monaten nicht einmal so sicher, denn zwischenzeitlich arbeiteten fast alle Entwickler aus dem Hause CCP an den beiden Neuentwicklungen Dust 514 und World of Darkness. EVE Online zählte allenfalls noch ein gutes Dutzend Entwickler, die obendrein, nach Ansicht der Fans, in die falsche Richtung entwickelten. Und dann war da noch das Debakel mit der geleakten Mail des Firmenchefs, der den Titel ganz offensichtlich in Richtung Itemshop führen wollte.

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Doch derlei Bemühungen wollten sich die Fans von EVE Online nicht gefallen lassen. Sie drohten nicht nur mit Kündigung, sie taten es auch und setzten CCP-Chef Hilmar Pétursson die Pistole auf die Brust. Der bestellte umgehend den Spielerrat nach Island, gestand reumütig seine Fehler ein, reorganisierte das gesamte Unternehmen und brachte die Weltraum-Sandbox wieder auf den Kurs, den die Spielerschaft bestimmte.

In wichtiger Mission

Mittlerweile haben sich die Spielerzahlen erholt und EVE scheint für die Zukunft gerüstet. CCP hat bewiesen, dass man tatsächlich auf die Spielerschaft hört. Wie und ob sich Hilmar Pétursson von seinem ganz persönlichen Gang nach Canossa erholt hat, wird wohl eines der spannendsten Themen auf dem diesjährigen Fanfest sein, das am nächsten Wochenende in Reykjavík stattfindet.

Dort wird man dann auch erstmals Dust 514 spielen dürfen, jenen Konsolen-Shooter, der das EVE-Universum um eine bislang unverstellbare Facette erweitern wird. Zwei Spiele, eine Welt - das ist ein Konzept, mit dem CCP tatsächlich Geschichte schreiben könnte. Und da Geschichte auch aufgeschrieben werden muss, darf natürlich gamona nicht fehlen. Die Koffer sind gepackt und ihr dürft in diesem Jahr wieder mit ein paar heißen Infos aus dem kalten Norden rechnen. Ach ja - und den Frühjahrsputz übersteht EVE Online zum sage und schreibe neunten Mal!

Aion - pay to win

Nicht ganz so sicher war ich mir bei Aion. Das habe ich zwar für eine ganze Weile durchaus intensiv gespielt, doch halte ich die von Gameforge konzipierte Umstellung auf free to play für misslungen, denn in den kostenlosen Variante ist der Zugang zu den Instanzen arg beschränkt. In der Praxis bedeutet das, dass die zahlende Spielerschaft ihren Vorsprung, vor allem was die PvP-Ausrüstung betrifft, immer weiter ausbauen kann.

Wer nicht zahlt, sammelt in letzter Konsequenz auch weniger Abyss-Punkte und dient im PvP allenfalls als Kanonenfutter für die voll ausgestattete Elite. Allein dem mit großer Spannung erwarteten Update 3.0 mitsamt dem Housing ist es zu verdanken, dass Aion in diesem Jahr noch mal auf der Festplatte verbleiben darf, doch ich ahne bereits, dass ich meinen Gladiator spätestens beim nächsten Frühjahrsputz zu Grabe tragen werde.

Lineage 2 - Musterbeispiel für die Branche

Weit besser macht es da schon der russische Publisher Innova mit dem altehrwürdigen Lineage 2. Dort sind die Inhalte tatsächlich kostenlos verfügbar, alles was gekauft werden kann, bekommt man auch problemlos im Spiel selbst. Außerdem scheint man bei Innova wirklich daran interessiert zu sein, das Spiel frei von Bottern und Cheatern zu halten - bisweilen werden sogar Wettbewerbe ausgerufen, in denen Spieler, die illegale Machenschaften melden, belohnt werden.

Lineage 2 bietet, im Rahmen der zweiwöchentlich stattfindenden Belagerungen, die wahrscheinlich eindrucksvollsten Massenschlachten, die man überhaupt in einem MMOG erleben wird. Mehrere tausend Charaktere kann keine moderne Engine bewältigen - hier hat Lineage 2 mit der Unreal Engine 2.x noch immer und vielleicht auch für alle Zeit die Nase vorn. Dank Innova hat es Lineage 2 überhaupt erst wieder auf die Festplatte geschafft und darf natürlich bleiben.

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Rift wird weiterhin mit großen Updates versorgt.
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Rift - Zeit für einen zweiten Blick?

Ein Jahr ist seit dem Start von Rift vergangen und Trion hat mit Rift 100 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaftet. Ob das gut oder schlecht ist, kann niemand genau sagen, doch so langsam dürfte sich der Titel, von dem man weiß, dass er “über 50 Millionen Dollar gekostet” hat, der Gewinnzone nähern. Eine Cashcow, wie sich das mancher Investor angesichts des klassischen Themepark-Designs erhofft hatte, hat man sich auf jeden Fall nicht herangezüchtet.

Doch man kann über das Spiel sagen, was man will - Trion hatte vor einem Jahr einen guten Start hingelegt und Rift auf ein solides Fundament gestellt. Zwar wanderten zwischenzeitlich viele Spieler zur Alten Republik ab, doch einige sind bereits zurückgekehrt, denn Trion schaufelt neuen Content bedeutend schneller nach, als BioWare das derzeit vermag.

Auch ich logge hin und wieder mal in Rift ein, kann man dann aber nicht motivieren, lange zu verweilen. Doch vielleicht sollte ich das einfach mal konsequent tun, meinen verlassenen PvP-Server räumen und in eine gut bevölkerte PvE-Welt umziehen. Vielleicht ist es Zeit für einen zweiten Blick. Ich möchte Rift wirklich mögen und vielleicht schaffe ich es ja doch noch einmal.

Und tschüss!

Grausam, aber wahr - der Rest fliegt runter. Besonders hart erwischt es dabei Sony Online Entertainment, von denen kein einziger Titel mehr auf meinem Computer verbleibt. Auch Turbine hat es schwer, mich als Spieler zu überzeugen. Zu PvE-lastig sind deren Titel und mittlerweile sind sie auch zu angestaubt.

Leid tut es mir ein wenig um Star Trek Online, das durchaus ein gewisses Potential hatte, mich als Wiedereinsteiger jedoch mit seinem gnadenlosen Information Overflow abschreckt. Dem Rest weine ich tatsächlich keine Träne nach, denn angesichts der mutmaßlich grandiosen MMOGs, die in diesem Jahr darauf warten, installiert zu werden, bleibt ohnehin kaum Zeit, das alles noch zu updaten, geschweige denn zu spielen.

Der Frühjahrsputz ist vollbracht. Und siehe da - ich kann meinen Desktop-Hintergrund wieder erkennen und bei sechs Titeln, die ich zur Auswahl habe, hilft mir im Zweifelsfall ein handelsüblicher Würfel bei der Entscheidungsfindung. Zumindest für ein paar Wochen, denn lange lassen die vielen brandneuen Titel nicht mehr auf sich warten. Bis dahin wisst ihr zumindest, was spätestens seit diesem Frühjahrsputz nicht länger gespielt wird.