Warum sind MMO Trailer für gewöhnlich so schlecht? Wie soll man so richtig Freude an einem MMO haben, wenn es ein rundum depressives Flair versprüht? Und was treibt eigentlich Apokalyptiker Dean Hall in diesen Tagen? Drei von zahlreichen Fragen, mit denen sich unser Kolumnist in dieser MMO-Woche beschäftigt hat.

Immer wenn ein neuer Titel präsentiert wird oder die nächste Erweiterung zu einem der üblichen Verdächtigen ansteht, fahren die Publisher ganz große Geschütze auf, heuern die Magier von BLUR an, die ein CGI-Feuerwerk abfackeln, bei dem den Fans die Herzen aufgehen. Auf jeden Fall haben diese Dinger einen ordentlichen Unterhaltungswert, sind wunderschön anzusehen. Leider jedoch haben sie oft wenig bis gar nichts mit dem eigentlichen Spiel zu gemein.

Effekthascherei

Doch BLUR kann nicht immer alles übernehmen, was an Videos so anfällt, dafür reicht schlicht das Budget der Publisher nicht. Also müssen die eigenen Teams ran und allerlei Videos zu Update 08/15 oder zu großen Osterhasen-Events und Valentins-Gedöns basteln. Dafür schnippeln sie dann Klamotten, Kämpfe oder Landschaften aus dem Spiel so uninspiriert zusammen, dass man zumindest weiß, warum man das Spiel dereinst deinstalliert hatte.

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Destiny 2, powered by BLUR. Auch Activision lockt gerne mal mit epischem, aber spielfernem CGI-Feuerwerk.
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Dabei verstehen die Video-Artisten ihr Handwerk zum Teil recht gut. Doch wie sollen sie Kreativität zeigen, wenn sie persönlich überhaupt kein Interesse am Spiel und seinen Updates haben, es in ihrer Freizeit nicht anrühren würden und am Arbeitsplatz keine Zeit zum Zocken haben, weil sie eben permanent neue Videos zusammenklöppeln?

Warum macht man da nicht einfach die Not zur Tugend und lässt einfach die Community ans Werk gehen. Dort ist man nicht minder talentiert in der Videobearbeitung und man hat zumindest ein Gefühl dafür, was Fans des Spiels und solche, die mal welche werden könnten, wirklich anspricht. Die immer gleiche Gruppe, die in einen Dungeon rennt und im nächsten Schnitt auf einen austauschbaren Helden eindrischt, ist es sicher ebensowenig wie der Überflug über die brandneue Wüstenlandschaft oder die pinkfarbenen Bunny-Kostüme.

Dual Universe - Aufbruch ins All

Wie ein ordentlicher Trailer auszusehen hat, zeigt aktuell ein Fan von Dual Universe. Mit einfachsten Mitteln und bewegten Bildern aus dem Spiel hat er einen Trailer gebastelt, der auf den Punkt bringt, was Dual Universe einmal ausmachen soll. Die Szenen, unterlegt mit passenden Klängen, folgen einem erkennbaren roten Faden.

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Dazu kommt ein von den Profis oft vernachlässigtes Schlüsselelement: der Erzähler. Ein professioneller und wirklich ordentlich eingewiesener Sprecher, wie man ihn im Video zu hören bekommt, kostet nicht einmal viel Geld, weckt beim Betrachter zudem eine Abenteuerlust, die weit eher frisches Blut ins Spiel holt und Aussteiger zur Rückkehr animiert als die paar Kampfszenen einer neuen Klasse, wie man sie permanent präsentiert bekommt.

EVE Online - der Herzschlag von New Eden

Und während ich so den letzten Absatz in die Tastatur hämmere, bekomme ich, frisch vom EVE-Fanfest in Island, einen neuen Trailer zur altehrwürdigen Weltraum-Sandbox ins Postfach geschoben. Einen Trailer, der passender nicht sein könnte, beweist er, dass es eben doch noch Publisher gibt, deren Video-Artisten ihr Handwerk verstehen und über die Jahre hinweg perfektioniert haben.

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In aufpolierter Spielgrafik, die BLURs CGI-Szenen mittlerweile in nichts mehr nachsteht und mit gewohnt mächtig weiblicher Stimmgewalt erklärt CCP nicht nur, was EVE Online so alles drauf hat. Man transportiert vor allem auch eine tiefere Botschaft: EVE ist eine pulsierende Welt, lebendig durch kleine und gigantische Schiffe, die eben nicht nur kalter Stahl sind, wie so oft in der Science-Fiction, sondern so viel mehr. Doch seht, hört und interpretiert am besten selbst.

Conan Exiles - fährt schweres Gerät auf

Da können die Norweger nicht wirklich mit den Kollegen aus Island mithalten, wobei man zu Funcoms Verteidigung sagen muss, dass man dort aktuell wirklich viele Trailer zu Conan Exiles produziert, zudem das Spiel noch für ein knappes Jahr im Early Access sein wird, bevor man es veröffentlichen will.

Nahezu jedes Update bekommt einen eigenen Film. Die Clips profitieren dabei von der stimmungsvollen Welt und der ziemlich epischen Musik. Was fehlt, ist jedoch eine Stimme, die direkt aus der barbarischen Welt zu kommen scheint und den Spieler in ebendiese hineinzieht. Und doch schaut man sich den Trailer zu Update 23 gerne an, immerhin fährt Funcom dafür endlich das seit langem versprochene schwere Gerät auf.

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Seitdem fliegen die Fetzen in Conan Exiles. Und nicht nur die: Kaum war die neue Waffe ins Spiel gebracht, setzten sich natürlich auch die ersten Spieler in den Wurfkorb und ließen sich über die vorher unüberwindbaren Mauern schleudern, um erfreut festzustellen, dass ein kurzes Aus- und Einloggen dafür sorgt, dass man unbeschadet innerhalb der gegnerischen Festung landet. Macht aber nichts - dafür ist der Early Access ja da und im Mittelalter lief bei der Einführung der Trebuchets sicherlich auch nicht alles auf Anhieb glatt.

Stationeers - mach’s noch einmal, Dean!

Anfangs ziemlich glatt lief es für Dean Hall. Der landete mit DayZ einen bemerkenswerten Hit und hätte auch langfristig ein ziemlich grandioses Game abliefern können. Doch irgendwie ging ihm auf halber Strecke die Puste aus und er verabschiedete sich von dem Projekt. DayZ ist bis heute eine ewige Baustelle und wird langsam, aber sich von seinen unzähligen Herausforderern überholt.

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Dann plötzlich kündigte Hall Ion an, ein Sandbox-MMO, inspiriert von EVE Online und Space Station 13. Seine Fans überschlugen sich vor Vorfreude, bis Anfang März dann immer offensichtlicher wurde, dass längst niemand mehr an Ion arbeitete. Doch das Aus für Ion bedeutet längst nicht, dass Dean Hall das Handtuch geworfen hat.

Aktuell preist der Super-Modder sein neustes Projekt an. Das trägt den Namen Stationeers und erinnert auf den ersten Blick frappierend an Ion. Ist es aber nicht, will zumindest Hall klargestellt wissen, verweist dennoch vorsorglich mal darauf, dass auch Stationeers von Space Station 13 inspiriert wurde. Es sei auf jeden Fall ein Hardcore-Nischen-Game, an dem er seit zehn Jahren arbeite. Vielleicht also doch Ion, das er möglicherweise aus lizenzrechtlichen Gründen nicht mehr so nennen darf, denn die Atmosphäre von Space Station 13 scheint es ihm ja angetan zu haben.

The Black Death & Life is Feudal - nichts für Depressive

In Sachen Atmosphäre ist auch The Black Death ziemlich außergewöhnlich, wenngleich das nicht unbedingt nur positiv sein muss. Zumindest ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob ein solch harsches und düsteres Szenario, wie es die Macher von The Black Death entwerfen, nicht kontraproduktiv ist und einem an sich interessanten Spiel damit der Erfolg verbaut wird. Der aktuelle Trailer lässt erahnen, worauf die Kritiker anspielen, zeigt er doch das Spiel einmal mehr von seiner dunkelsten Seite.

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Wobei The Black Death nicht der einzige Titel ist, der auf eine betont düstere Atmosphäre setzt. Auch Life is Feudal möchte das Leben im Mittelalter in seiner ganzen Brutalität simulieren und lockt gerade dadurch eine kleine, aber ausgesprochen treue Community an und immerhin über 1.000 Spieler gleichzeitig während der Tagesspitze.

Zu denen könnten sich bald mehr gesellen, denn soeben hat Steam zum ersten mal seit langem ein verhältnismäßig großes Update auf meine Platte gezogen. Nach intensiver Arbeit, so heißt es von offizieller Seite dazu, sei man erfreut, dass man alle größeren Veränderungen aus dem MMO auch für Life is Feudal: Your Own übernommen habe.

Konkret bedeutet das: Jede Menge Veränderungen und Neuerungen und vielleicht die beste Gelegenheit, mal wieder einen Blick auf das passionierte Langzeitprojekt zu werfen, dessen Trailer immer noch dem Genre-Standard entsprechen - im negativen Sinn. Doch das ist dann eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

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