Wenn gute Unterhaltung und professionelle Geschäftsführung aufeinanderprallen, endet das meistens mit einem Totalschaden auf mindestens einer der beiden Seiten. Insbesondere die letzten Jahre waren von derart gewaltigen Fehlentscheidungen und Pleiten geprägt, dass sich die großen Firmen neu sortieren müssen. Die kleinen ziehen derweil mit gehörig Rückenwind durch die Community an der etablierten Konkurrenz vorbei - auch und vor allem, weil sie vieles richtig machen.

Mittlerweile vergeht keine Woche mehr, in der wir nicht von Chris Roberts Space-Projekt Star Citizen berichten. Und das liegt nicht einmal mehr an der persönlichen Vorliebe des Autors - doch wenn sich die Nachrichten einmal mehr überschlagen, kommen auch wir nicht umhin, die MMO-Gemeinde regelmäßig über den Stand der Dinge zu informieren.

Wiped! - Die MMO-Woche - Lektionen in Offenheit

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Das ist ja der Wahnsinn - es wird schwere Rüstungen geben in The Elder Scrolls Online!
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The Elder Scrolls Online - es ist nicht alles Gold, was glänzt

Dabei liegt genau darin der Unterschied zwischen einem Indie-Spiel wie Star Citizen und den ganz großen Titeln. Während Chris Roberts und sein Team nicht müde werden, die Fans mit täglich neuem Futter zu versorgen, schaffen es Studios wie ZeniMax immer wieder, Wochen ins Land gehen zu lassen, in denen man überhaupt nichts aus Tamriel hört.

Und wenn dann auch noch so bahnbrechende Neuigkeiten wie die aktuelle durch das Netz geistern, in der drei “glänzende” Artworks von schweren Rüstungen präsentiert werden, kommen plötzlich selbst beim größten Fanboy Zweifel auf. In längstens 16 Wochen soll The Elder Scrolls in den Regalen stehen - und die Entwickler drücken nichts weiter raus als ein paar lächerliche Artworks?

Artworks? Nicht schon wieder…

Zwei mögliche Gründe kommen mir dafür in den Sinn, die beide kein sonderlich gutes Licht auf ZeniMax werfen: Entweder sind PR- und Community-Manager wahre Dilettanten, die glauben, dass die Community tatsächlich noch auf derlei Selbstverständlichkeiten abfährt oder man hat so kurz vor Release tatsächlich noch immer nichts Überzeugenderes zu präsentieren. Das erscheint dann ähnlich alarmierend wie die noch immer noch strikte Verschwiegenheit, die ZeniMax all jenen abverlangt, die Tamriel schon jetzt erkunden dürfen.

Dabei ist es gar nicht schwierig, die Fans von einer Entwicklung zu begeistern, wie die Indie-Studios immer wieder beweisen - obwohl sie bei weitem nicht über die personellen Kapazitäten von Giganten wie ZeniMax verfügen. Die Grundregel bei der Pre-Release-Präsentation lautet nämlich: Gameplay kommt vor Grafikpracht. Artworks und Landschaften kommen, wenn überhaupt, bitte allenfalls als Snack für zwischendurch infrage und auch nur dann, wenn man zum Vergleich auch aussagekräftige Eindrücke aus dem Spiel selbst präsentieren kann.

Star Citizen - die gläserne Produktion

Das Team hinter Star Citizen macht das überaus geschickt, lässt Artworks meist nicht für sich alleine stehen, sondern schiebt sie allenfalls als Zwischenmahlzeit zwischen die schwergewichtigen Nachrichten und Videos. Letztere sollten mindestens in monatlichem Rhythmus erscheinen und in erster Linie das Gameplay zeigen - also mit der Engine selbst erstellt werden, wie bei den Videos zu Star Citizen der Fall. Der CGI-Trailer von ESO ist episch, doch die Fans sind nicht blöd und wissen, dass dieser Film nichts, aber auch gar nichts mit dem Spiel zu tun haben wird.

Bei Star Citizen hingegen halten sich die Infohäppchen, die Kosmetisches betreffen mit denen, die Spielrelevantes präsentieren zumindest die Waage. Die epischen Trailer, die einen Blick auf die Möglichkeiten der Engine erlauben, werden umrahmt von Dutzenden Filmclips und Streams, in denen das Projekt Star Citizen zu einer Art gläsernen Produktion wird und die Entwickler zu so etwas wie Freunden werden, denen man bei ihrer Arbeit beistehen möchte.

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Versprochen ist versprochen!

Wenn die Fans also eine weitere Million zahlen, um die PvE-Wing-Commander-Erfahrung noch epischer zu machen, macht Roberts nicht den Fehler, sich brav zu bedanken und die Sache dann abzuschließen - er zeigt den Spielern die Gesichter derer, denen das Geld zugutekommt und lässt sie selbst erklären, warum die Kohle beim Team von Foundry 42, dem übrigens auch Chris Roberts Bruder Erin angehört, gut angelegt ist.

So ist es dann wohl auch zu erklären, dass Star Citizen seit der letzten Ausgabe von Wiped von knapp 30 auf 33 Millionen hochgeschnellt und Roberts mit den Dankesbriefen kaum noch hinterhergekommen ist. Für das Geld bekommen die Fans eine Reihe weiterer Schiffe ins Spiel gepackt - darunter Schürf-, Schmuggel- und Tankschiffe - ein neuer, extrem ausbaufähiger Transporter kommt dann mit der 34. Million.

Vielleicht noch bedeutsamer als Schiffe sind allerdings Roberts Zeilen zum Thanksgiving Day, in denen er eben nicht nur ein paar Artworks abliefert, sondern es nebenbei einmal mehr schafft, die Herzen der Fans höher schlagen zu lassen: “Weil Star Citizen kein Spiel im herkömmlichen Sinne ist. Es ist keine finite Erfahrung, die man für eine Woche spielt und dann weglegt. Star Citizen ist das Versprechen von endlosen Abenteuern in den Weiten des Weltraums. [...] Wir werden euch nicht enttäuschen!”

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Elite: Dangerous - Alpha inc

Ganz so redegewandt ist David Braben bekanntlich nicht und hatte entsprechend etwas größere Mühe, sein Elite: Dangerous finanziell aus den Startlöchern zu bewegen. Mittlerweile allerdings ist auch ein Teil der Star-Citizen-Fangemeinde auf das Projekt aus England aufmerksam geworden und der Erfinder aller Space-Sims und des Mini-PCs ‘Raspberry Pi’ kann sich aktuell darüber freuen, mehr als zwei Millionen Pfund Sterling eingespielt zu haben.

Dass das Geld auch bei Braben gut aufgehoben ist, will der Altmeister jetzt dadurch beweisen, dass er die Unterstützer schon in Kürze in die Alpha lassen möchte. Ähnlich wie Star Citizen wird auch Elite: Dangerous in Modulen entwickelt, die Stück für Stück getestet, frei- und später aneinandergeschaltet werden sollen. Den Anfang macht ein Test des Herzstücks jeder Simulation: Flugsteuerung und und Schiffskampf - zuerst im Solo-Modus, im nächsten Schritt dann im PvP zwischen den Testpiloten. Krasser könnte der Gegensatz zu einer geschlossenen Entwicklung wie bei ESO wohl nicht sein.

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EverQuest Next Landmark - SOE machts richtig

Derweil hat Sony Online Entertainment als einer der ersten großen Publisher gelernt, wie sehr es sich lohnt, die Fans in die Entwicklung eines MMOGs mit einzubinden. Die Entwicklung von EverQuest Next und dem dazugehörige Baukasten Landmark scheint beinahe so offen zu sein wie die eines massenfinanzierten Indie-MMOs und entsprechend wohlgesinnt und hilfsbereit gleichermaßen ist die Community.

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Und auch in Sachen Teaser-Videos kann ZeniMax aktuell eine ganze Menge von SOE lernen. Zwar markiert ein Artwork den Anfang des letzten Timelapse-Videos, doch steht das Bild eben nicht für sich allein, sondern zeigt nur, dass der Phantasie im Spiel selbst später mal keine Grenzen gesetzt sind und das dreidimensionale Ergebnis in der virtuellen Welt der zweidimensionalen Vorlage in nichts nachsteht.

State of Decay - endlich Endzeit

Alles richtig gemacht haben bislang auch die Jungs von Undead Labs. Die wollten eigentlich ein Zombie-MMOG entwickeln und wollen das noch immer - haben sich angesichts der Größenordnung eines solchen Vorhabens dazu entschieden, vorerst ein Solo-Game mit ähnlicher Mechanik für wenig Geld auf den Markt zu bringen - als spielerischer Testlauf und kleine Finanzspritze gleichzeitig.

Dabei ist State of Decay so gut geworden, dass es sich schon auf der Xbox 360 vom Geheimtipp zum Kassenschlager gemausert hatte. Dank der Steam Herbstaktion und des ersten DLC-Updates bekommt es aktuell auch auf dem PC noch einmal einen gewaltigen Schub und das Studio Geld in die Kassen. Das wird dann wohl auch dem geplanten MMOG nützen, das bisher unter dem Arbeitstitel Class 9 geführt wird und auf das die Fangemeinde mittlerweile extrem gespannt ist. Wer also Open-World-Spiele mag und sich von Zombies nicht abschrecken lässt, sollte schnell zuschlagen.

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EVE Online - Party am Ende der Welt

Schnell zuschlagen sollten auch alle Fans von EVE Online, die im kommenden Jahr das Fanfest in Island besuchen wollen. Der Kartenverkauf ist nämlich in dieser Woche gestartet und wie immer gilt: solange der Vorrat reicht. Und dass der bald schon wieder erschöpft sein wird, ist abzusehen, denn der Andrang ist für gewöhnlich größer als die Hotelkapazitäten von Reykjavík.

Zu sehen geben wird es diesmal dann erstmals vier Titel, denn neben EVE Online, Dust 514 und World of Darkness wird jetzt auch die Oculus-Rift-Space-Sim EVE: Valkyrie offziell mit ins Programm aufgenommen. Das Spiel wurde im vergangenen Jahr als Experimentierprojekt einiger Entwickler vorgestellt und kam derart gut bei der Fangemeinde an, dass CCP sich entschlossen hat, ein marktfähiges Spiel daraus zu basteln.

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In die Röhre geschaut

Ach ja - und dann wäre da noch die Serie zu EVE Online, die ebenfalls auf dem letzten Fanfest angekündigt wurde und zu der bis zur kommenden Veranstaltung mit Sicherheit einige handfeste Infos vorliegen werden. Inhaltlich wird die Serie, die sich von der Dramaturgie her an Game of Thrones orientiert, eine Mischung aus der Hintergrundgeschichte von New Eden und den Erlebnissen der Spieler und Corporations bieten - besonders auffällige Spieler finden sich also aller Vorausicht nach bis 2015 auf dem TV-Schirm wieder.

Den Fans von World of Warcraft haben die Kapselpiloten damit etwas voraus, denn die filmische Umsetzung von Azeroth unter der Regie von Duncan Jones nimmt offenbar mehr Zeit in Anspruch als gedacht und wurde gerade erst vom Dezember 2015 auf den 11. März 2016 verschoben. Angesichts des Star-Wars-Sequels vielleicht keine ganz so dumme Entscheidung.