Seit Warhammer Online von Electronic Arts abgeschaltet wurde, leiden viele Anhänger von Ordnung und Chaos unter schweren Entzugserscheinung. Doch das muss nicht sein, denn mittlerweile gibt es ein Heilmittel. Warhammer: End Times - Vermintide ist zwar kein vollwertiges MMORPG, bietet aber die Warhammer-Essenz und das, was Warhammer Online nicht hatte - ein ebenso einfaches wie herausforderndes Kampfsystem.

Ja, ich bin bekennender Indie-Fan. Warum? Weil nahezu jedes Studio, dem es gelang, echte Innovation zu bieten und bisweilen ein eigenes, neues Genre zu erschaffen, eine Indie-Schmiede war. Und weil uns all die Indie-Studios da draußen in den letzten Monaten außerordentliche Perlen für vergleichsweise wenig Geld beschert haben: ARK: Survival Evolved, Rocket League, Prison Architect und Warhammer: End Times - Vermintide.

Warhammer: End Times - Vermintide - schwieriger Name, den man sich merken sollte

Bei letzterem ging es mir wie bei so vielen guten Indie-Titeln, die beinahe täglich auf dem Markt aufschlagen - ich hätte es beinahe übersehen. Doch dann wurde ich auch Twitch darauf aufmerksam, schaute ein paar Streamern beim Zocken zu und traute meinen Augen nicht. Was ich da sah, ließ echtes Warhammer-Feeling aufkommen - vermischt mit einer Prise Left 4 Dead.

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Statt Zombies sind es allerdings die Skaven, mutierte Rattenmenschen, die zu Tausenden über die mehr oder weniger zivilisierte Welt von Warhammer herfallen. Die wird von einem letzten Aufgebot verteidigt - einer Gruppe unerschrockener Helden. Aktuell sind es Witch Hunter, Bright Wizard, Dwarf Ranger, Waywatcher und Empire Soldier die sich mit unterschiedlichen Nah- und Fernkampfwaffen durch die Rattenbrut schnetzeln.

Easy to learn, hard to master

Mehr Klassen sind für spätere DLCs ebenso denkbar wie neue Typen von Gegnern. Die Warhammer-Welt hat da noch eine Menge auf Lager und die Entwickler scheinen bewusst nicht gleich alle Register ziehen zu wollen und erst einmal an den Grundlagen zu arbeiten, bevor man zu sehr in die Tiefe geht - zudem die meisten Spieler mit den unterschiedlichen und zum Teil echt knackigen Schwierigkeitsgraden derzeit ohnehin noch alle Hände voll zu tun haben.

Doch ganz so sehr wie bei einem MMO kommt es auf die Klassen auch gar nicht an. Im Vordergrund stehen nämlich nicht unzählige Mechaniken und Dutzende Skills, sondern das clevere Positionieren, der richtige Einsatz von durch Munition limitierten Schüssen aus der Ferne und ein Mindestmaß an Movement- und Aiming-Talent. Anders als bei gängigen MMOs ist man diesmal mittendrin, statt nur dabei.

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Action mit allen Sinnen

Vermintide erinnert vom generellen Konzept her ein wenig an Warframe, Destiny und Konsorten, spielt sich jedoch durch sein mittelalterliches Fantasy-Setting und die typische Skaven-Mentalität etwas anders. Als Treffpunkt und Lobby dient ein Wirtshaus, in dem man auch seine Ausrüstung anpassen, ein rudimentäres Crafting betreiben und seine Beute sortieren kann. Das Herz des Spiels sind allerdings seine unglaublich gut inszenierten Karten, in denen die Welt von Warhammer nicht nur so gefährlich ist, sondern auch erstmals genau so aussieht, wie ich sie mir immer ausgemalt habe.

Da läuft man durch die düsteren Gassen der Stadt, klettert in schwindelerregende Höhen empor und treibt sich in einer Kanalisation herum, die in höchster Auflösung so realistisch umgesetzt wurde, dass einen die Sinne täuschen und man glaubt, den Gestank der Brühe und der heranstürmenden Ratten wahrnehmen zu können. Jetzt fehlt nur noch die Unterstützung für VR-Geräte wie das Oculus Rift!

Mit gutem Beispiel voran

Natürlich ist Warhammer: End Times - Vermintide lange noch nicht perfekt. Crafting und Beutesystem scheinen noch nicht final - ein paar mehr Klassen und Gegnerfraktionen würden für etwas mehr Abwechslung sorgen. Und obwohl die schwedischen Entwickler von Fatshark, die zuletzt mit Bloodsports.TV positiv aufgefallen sind, ausgesprochen professionell zu Werke gehen, merkt man Vermintide hier und da an, dass es sich um ein Indie-Projekt handelt - insbesondere was die Optimierung für schwächere Systeme betrifft.

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Insgesamt jedoch beweist Vermintide eindrucksvoll, dass auch mittelalterlich angehauchte Fantasy nicht immer langsam und schwerfällig ablaufen muss, sondern dass man als Entwickler durchaus mal ein wenig mutiger an der Action-Schraube drehen und Shooter-Elemente einbauen muss. Anders, als man das immer wieder aus den MMO-Studios hört, ist der Spieler eben nicht davon überfordert, sondern wächst an den Herausforderungen.

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