Wenn das virtuelle Zuhause trotz Regenwetter einer Geisterstadt gleicht und selbst zuverlässigste Gildenkumpel ohne Leben nicht mehr im Teamspeak einloggen, muss etwas Schreckliches passiert sein. Furchtlos wie wir sind, haben wir uns auf die Suche nach der Ursache des Unheils begeben, sind dabei auf alten Bekannte gestoßen, neue Gefahren und große Hoffnungen.

Da haben wir gerade noch darüber philosophiert, dass MMOGs die Zukunft gehört und dann das. Völlig gleich, auf welchen der unzähligen Teamspeak-Server ich mich in der vergangenen Woche auch einloggte – dort hockten ein paar einsame Gestalten, die die Welt nicht mehr verstanden. „Wo sind denn alle hin?“, war wohl die beliebteste Frage in diesen Tagen. Ja, wohin sind sie nur?

Geht das MMO in die Sommerpause?

Die Antwort könnte erschütternder nicht sein: Sie gehen fremd. Mitten in der Regenzeit haben sie die ihnen angestammten Welten verlassen und sind zu den Sternen gefahren, um dort ihr Wiedersehen mit der Königin der Bor..., pardon – der Klingen und ihrer Horden zu feiern. 1,8 Millionen sollen StarCraft 2 gleich am ersten Tag gekauft haben. Verrückt. Wie viele Millionen noch folgen, ist kaum abzusehen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW30: Blizzard pfeift auf das Weihnachtsgeschäft

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Andrang beim StarCraft 2 Midnight Opening in Berlin
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Dabei waren die Zerg schon fast in Vergessenheit geraten. Nur wenige Veteranen erzählten noch von den alten Tagen. So brachten sie dann auch den Namen der ebenso gefährlichen wie dümmlichen Spezies mit in ihr persistentes Refugium. In beinahe jeder Onlinewelt muss sich eine zahlenmäßig überlegene Gilde den Beinamen „Zerg“ gefallen lassen. Und plötzlich sind die echten Zerg zurück und zeigen, wie man effizient virtuelle Bevölkerungen ausrottet.

Doch wie konnte das geschehen? Kommt nach dem rasanten Aufstieg des MMOs jetzt schon der Fall? Läutet StarCraft 2 das große Comeback der Echtzeitstrategie ein? Oder gehen die virtuellen Welten nur in die Sommerpause, bis die Zerg einmal mehr besiegt ist? Sicher ist eines: Blizzards Marketingmaschine läuft wie geschmiert. Und auch das Timing hätte man nicht besser hinbekommen können.

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Blizzard pfeift auf das Weihnachtsgeschäft und räumt ab.

Denn wo man auch einloggt, stößt man auf gelangweilte MMOler, die schon jetzt zwischen mehreren Welten hin- und herhüpfen und die irgendwie alle auf die große Erfüllung warten. Doch ob es sich nun um ein Update oder einen neuen Titel handelt – das gelobte Land liegt derzeit noch in so weiter Ferne, dass ein kleiner Abstecher in die Echtzeitstrategie doch nicht schaden kann, oder?

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Mit Cataclysm hat Blizzard dieses Jahr noch ein weiteres Eisen im Feuer
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So denkt der Spieler jetzt und verhält sich damit genau so, wie es die Bosse von Blizzard vorhergesehen haben. Die suchten nämlich längst nach einer Möglichkeit, die Fluktuation der Spielerzahlen in den Griff zu bekommen, die immer dann auftaucht, wenn eine WoW-Erweiterung ausgebrannt, die nächste aber noch nicht erschienen ist. Dank StarCraft 2 braucht man sich darum allerdings nicht mehr zu sorgen, denn ab sofort serviert man den geneigten Gästen einfach einen kleinen Snack und behält sie so bis zum nächsten Menügang am Tisch.

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Damit läuft auch Blizzards Finanzplanung bis zum großen Kataklysmus wieder rund und man riskiert nicht, dass abtrünnige Spieler in die Versuchung kommen, bei allzu interessanten Konkurrenten zu naschen. Und dank der frechen Aufsplittung in drei Kampagnen funktioniert diese Strategie gleich mehrfach. StarCraft 2 ist zum Joker im Blatt des Mega-Publishers geworden und ich bin mir selbst als Genre-Fan nicht länger sicher, ob ich mich darüber wirklich freuen sollte.

Exteel – NCsoft bringt das nächste Opfer

Denn wenn das Geld der Branche vorwiegend eine einzige Kasse klingeln lässt, bleibt die ersehnte erfrischende Abwechslung letztlich auf der Strecke. Unzählige Studios müssen schon seit einigen Jahren von den Kurzbesuchern leben, die sich zwischen den Erweiterungen des Giganten mal für ein Weilchen anderswo umsehen. Und wenn Blizzard die jetzt auch noch abfängt, bleibt so manches innovative Nischenprodukt auf der Strecke.

Eines davon ist Exteel, ein durchaus spaßiger Titel, in dem eingefleischte PvPer in Mechs gegeneinander antreten dürfen. Doch die Nische, die das Spiel besetzte, wurde angesichts der Giganten am Markt nur allzu leicht übersehen – selbst vom eigenen Publisher. Dort hat man von Beginn an, wie auch im Fall von Lineage 2, aus unerfindlichen Gründen das Marketing vergessen. Und so folgt Exteel jetzt Tabula Rasa und Auto Assault in die ewigen Datengründe – sehr zum Bedauern der kleinen aber feinen Community.

Doch wer einfach jeden altehrwürdigen Titel einfach so einstellt, verliert bald das Vertrauen der Fans. Die fühlen sich nämlich mächtig veräppelt, wenn sie jahrelang Zeit und Geld in ein MMO investieren, damit ihnen der Publisher dann aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die Welt unter dem Avatar wegzieht. Ob sich ein derart Verstoßener dann jemals in einer anderen Umgebung beim gleichen Publisher ansiedeln möchte, ist höchst fraglich.

EverQuest 2 – das nächste Schwergewicht wird free to play

Bei Sony Online Entertainment scheint man da schon etwas cleverer und spielt seit geraumer Zeit mit den Möglichkeiten des free to play – bisher mit Free Realms im Kleinen, für die Kleinen. Und wenn die schon mit von den Eltern erbettelten Mikrotransaktionen ein kleines Vermögen in die Kassen des Publishers spülen – was sind dann deren Erzeuger bereit zu geben, wenn erst mal der Zugang zu den großen Titeln kostenlos ist?

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So schaut das zukünftige Preismodell von EverQuest 2 aus
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Bei SOE wird man es bald wissen, denn mit EverQuest 2 geht das nächste MMOG Schwergewicht in Richtung free to play. Die neuen Gäste werden dann ab dem 17. August in einer ersten Beta von EverQuest II Extended auf einem eigenen Server toben dürfen – der natürlich auch allen Stammkunden offensteht. Der Zugang zu allen Zonen bis Shadow Odyssey wird dabei kostenlos sein – bestimmte Rassen, Ausrüstung, Tränke und die Level 80 bis 90 können dann gegen Gebühr freigeschaltet werden. Der altehrwürdige Titel dürfte damit eine unerwartete Renaissance erleben – der Publisher freut sich derweil über den Vertrauensbonus bei den Fans.

DC Universe Online – Who do you trust?

Um Vertrauen bittet ganz unerwartet auch ein alter Bösewicht, mit dem sich Superman, Batman und Konsorten in SOEs DC Universe Online befassen müssen. Denn einmal mehr liegt das Schicksal der Erde in den Händen der Superhelden, die im neuen Trailer ein großes Comeback feiern. Und nicht nur die Helden haben einen Grund zum Feiern, sondern auch die Jungs von Blur, die spätestens mit ihrem Trailer zu Star Wars: The Old Republic bei den Zockern bekannt geworden sind und die wieder einmal eine grandiose Arbeit abgeliefert haben.

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Kein Wunder, dass DC Universe Online vor allem in den USA zu den am heißesten ersehnten MMOGs überhaupt gehört. Dort nämlich sind die Superhelden als Beschützer vor den Bedrohungen des Kalten Krieges erfunden worden und es gibt wohl kaum einen Amerikaner, der nicht davon geträumt hätte, einmal selbst Superman sein zu dürfen. Doch kann man den stärksten aller Superhelden überhaupt spielen? Gäbe es dann nicht tausende Supermänner auf dem Server?

Man dürfe Superman spielen, man dürfe allerdings nicht Superman sein, heißt es jetzt von offizieller Seite. Im Spiel findet man ab und an „Sim Cards“. Wer die sammelt, darf dann hin und wieder auch als Superman oder Batman in den PvP-Ring steigen – ansonsten muss man sich aber mit seinem eigenen Superhelden zufriedengeben.

Aion – Brot und Spiele für das genervte Volk

Ganz und gar nicht zufrieden sind derzeit die Fans von Aion. Allzu eintönig ist nämlich die tägliche Farmerei geworden, allzu frustrierend sind die unzähligen missglückten Versuche, das ultimative Rüstungsset zu zimmern. Doch mit dem kommenden Update 2.0 wird alles besser. Diese Hoffnung hat man zumindest in der Community, denn in der Theorie klingen die Neuerungen durchaus spannend. Und sollte auch 2.0 nicht genügend Abwechslung bringen, dann „war es das für uns mit Aion“, versicherten mir die Mitglieder einer großen Asmodier-Gilde einhellig.

Derweil streut NCsoft, nach den etwas holprigen Zusammenlegungen der Server, ein paar Schmankerl unters Volk und verdoppelt diesmal nicht nur die gewonnene Erfahrung, sondern schaltet bis zum Montag auch noch alle ausgelaufenen Accounts wieder frei. Ob der schnellere Erfahrungszuwachs jedoch einen verprellten 50er ins Spiel zurückbringen wird, ist höchst fraglich.

Star Trek Online – Cryptic lockt mit Season 2.0

Ganz ähnliche Probleme hat man auch bei Cryptic. Zwar hat sich Star Trek Online recht ordentlich verkauft, doch hat kaum ein Spieler länger als ein paar Wochen Freude an dem Titel, der nach wie vor kein Endgame vorweisen kann. Umso eifriger arbeiten die Entwickler an regelmäßigen Updates. Das allerdings erweist sich jetzt einmal mehr als ein Kampf gegen Windmühlen.

Denn kaum ist mit Season 2.0 die bislang größte Erweiterung gestartet, drehen schon die ersten Spieler wieder Däumchen und der bemühte Fan fragt sich einmal mehr, wann Studios endlich kapieren, dass man sich Gedanken über ein selbsttragendes Endgame machen muss, bevor man den Titel entwickelt und nicht hinterher. Das Versprechen vom Chefentwickler, dass man ab sofort eher in die Tiefe entwickeln wolle, kommt leider arg spät.

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Auch Age of Conan wird zum Free2Play-Titel - wenn auch vorerst nur in Korea
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Age of Conan – in Korea rollen Köpfe kostenlos

Überhaupt hat die Vergangenheit gezeigt, dass es Entwicklern nur sehr selten gelingt, ehemalige Spieler durch Updates zurück auf die Server zu holen. Funcom hat mit Rise of the Godslayer immerhin einen Teilsieg errungen, denn die Erweiterung überzeugt qualitativ derart, dass sich die Server wieder angenehm besucht anfühlen.

Und auch wenn das Barbaren-MMOG wohl nie wieder an den Hype zum Release vor zweieinhalb Jahren anknüpfen wird, so sind Community und Entwickler doch gleichermaßen zufrieden. Trotzdem experimentiert Funcom in Südkorea schon mal mit einem free to play Modell. Das sollte man zwar nicht überbewerten, da sich in Fernost ohnehin beinahe alles anders finanziert als hier, doch spätestens mit der Umstellung von Der Herr der Ringe Online und Everquest 2 könnte auch King Conans kostenloses Stündchen geschlagen haben.

Der Herr der Ringe Online – Geschenke auf der Gamescom

Und das muss nicht einmal schlecht für den Publisher sein, wie der derzeitige Run auf Mittelerde zeigt. Die begrenzten Zugänge zur kostenlosen Beta von der Herr der Ringe Online sind unglaublich begehrt und auch die drohenden Mikrotransaktionen schrecken die Fans dabei kaum ab.

Auch für die anstehende Gamescom erwarten die Mitarbeiter von Codemasters und Turbine einen entsprechenden Ansturm. Und stürmen wird es dort auf jeden Fall gewaltig, denn allen Besuchern von Halle 9.1, Stand A31 werden Shop-Punkte im Wert von 10 Euro versprochen.

Star Wars: The Old Republic - Bioware hebt ab

Dass man sich eher versprochen habe oder schlicht die Gerüchteküche übergekocht ist, glaubten dafür die unzähligen Fans von Star Wars: The Old Republic. Denn plötzlich war von Raumkämpfen im heiß ersehnten Titel die Rede. Und die wären doch wahrhaftig zu schön, um wahr zu sein – oder nicht? Nein – diesmal haben die Gerüchteköche doch tatsächlich keine Ente zubereitet.

Auf der aktuellen Comic Con verkündete Community Manager Sean Dahlberg dann auch offiziell, dass man sein Schiff auch im Raumkampf einsetzen darf. Man habe die Begeisterung der Fans hinsichtlich einer solchen Option verfolgt und es gab keine Möglichkeit mehr, sich länger mit der offiziellen Ankündigung zurückzuhalten, gab Dahlberg zu. Und tatsächlich toben die Fans vor Begeisterung, dass Bioware den Sprung in die Lichtgeschwindigkeit zum Release gleich mitliefert. Über Details wird allerdings noch spekuliert.

Land of Chaos Online – das Chaos nimmt seinen Lauf

Auch über Land of Chaos Online ist anfangs viel spekuliert worden, denn bei diesem Titel handelt es sich um den wohl exotischsten Neuzugang in der Riege der Ableger des legendären DOTA. Die Entwickler von LOCO haben sich dabei nicht damit begnügt, das Spielprinzip des Urvaters zu übernehmen, sie vermischen es außerdem noch mit den Elementen eines klassischen Shooters. Ob diese Idee wirklich funktioniert und ob der Itemshop ausbalanciert ist, werden wir dann endlich am 03. August ausprobieren, wenn das Spiel in die offene Betaphase eintritt.

Wer bis dahin zwischen seiner Zerghatz noch ein wenig musikalische Unterhaltung sucht und einen leidlich guten Geschmack hat, darf schon vorab eine gute Minute lang das neue Bündnis von Linking Park und Electronic Arts bewundern. Und wer überhaupt keinen Musikgeschmack besitzt, wird zum aktuellen Musikvideo der legendären Gruppe aus „The Guild“ mitschunkeln, das all jenen als abschreckendes Beispiel gereichen soll, die bislang noch glaubten, dass ein exzessives Gildenleben keine Spuren hinterließe.

Mit diesen Klängen entlasse ich euch auf jeden Fall ins verdiente Wochenende, denn ihr wisst ja jetzt, was gespielt wird.

Video: Linking Park / EA

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Video: The Guild - Do You Wanna Date My Avatar

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