Für Deutschlands Nationalelf ist der Traum vom Titel für die nächsten vier Jahre leider ausgeträumt. Macht aber nichts, denn Fußball ist nicht alles und unser Traum vom perfekten MMOG hat gerade erst begonnen. Also legen wir die Vuvuzela zurück in die Schublade, verdunkeln wieder die Fenster und werfen einen Blick auf all das, was im Leben eines Zockers wirklich zählt.

Real ID – liefert Blizzard den WoW-Killer jetzt selbst?

Wo man früher als Journalist besonders zur Sommerzeit noch spannenden Meldungen hinterherjagen musste, fühlt man sich heutzutage fast, als würde man selbst von den Ereignissen gejagt. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht mindestens eine Meldung für Freude, Erstaunen oder Zorn bei den Zockern sorgt. Und für Gefühlsausbrüche der besonderen Art sind seit vergangenem Mittwoch die Jungs von Blizzard verantwortlich.

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Dort hat man sich mit der sogenannten Real ID ein System ausgedacht, bei dem Mitglieder des Battle.net künftig nur noch unter echtem Namen in den Foren in Erscheinung treten dürfen. Man möchte, so begründet Blizzard die Aktion, Forentrollen und Flamern das Handwerk legen. Doch rechtfertigen solch eherne Ziele die radikalen Mittel, zu denen Blizzard hier greift?

Keineswegs, findet die Mehrheit der Community und geht aggressivst auf die Barrikaden. Kaum dass die Hiobsbotschaft veröffentlicht war, warfen die ersten aufgebrachten User die Suchmaschinen an und demonstrierten am Beispiel von Community Manager Bashiok, mit welchen Folgen bei einer solch radikalen Offenlegung der vollen Identität zu rechnen ist. Mithilfe der Real ID waren auch die persönlichsten Daten von Bashioks Familienmitgliedern im Handumdrehen in Erfahrung gebracht und seine Familie darf nun durchaus mit dem einen oder anderen unerfreulichen Besuch aus Fankreisen rechnen.

Das Ende des Rollenspiels?

Trotz des Aufbegehrens der Community hält Blizzard scheinbar weiterhin an den radikalen Plänen fest. Doch welcher Teufel hat die Verantwortlichen da geritten, dass sie mit einer solchen Idee den Zorn der Spieler und Konflikte mit dem Datenschutz heraufbeschwören? Hat man sich im Hauptquartier des Publishers schon so weit von den Fans entfernt, dass man nicht einmal mehr verstehen kann, dass gerade das Abtauchen in die Anonymität einer alternativen Identität eines der wichtigsten Elemente von Onlinespielen ist? Verabschiedet man sich jetzt komplett vom Konzept des Rollenspiels?

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Gerade in Kombination mit den Informationen, die man schon jetzt via Browser zu den Geschehnissen in Azeroth abrufen kann, hätte eine Verknüpfung des Avatars mit der Person hinter dem Bildschirm verheerende Konsequenzen. Prominente WoW-Zocker wären enttarnt. Partnerinnen würden bald herausfinden, dass sich der Ehegatte statt der vorgeschobenen Überstunden eigentlich virtuelle Techtelmechtel leistet und dem Chef wird endlich klar, an welchem Debuff sein ständig übermüdeter Mitarbeiter eigentlich leidet.

Schon jetzt haben unzählige Spieler Klage eingereicht. Da die Offenlegung ihrer Identität allerdings an die Nutzung der Foren gebunden ist, besteht nur geringe Aussicht auf einen gerichtlichen Erfolg. Viel höher als die Gefahr eines Rechtsstreit dürfte für Blizzard allerdings der wirtschaftliche Druck durch die zu erwartende Kündigungswelle sein. Nur wenige Spieler sind, das bestätigen auch erste Umfragen, tatsächlich dazu bereit, den nicht immer vernunftgesteuerten Mitspielern ihren realen Namen preiszugeben.

Update: Mittlerweile hat Blizzard seine Entscheidung überdacht und rückgängig gemacht. Mehr dazu in unserer News.

Mehr als Schall und Rauch!

Derweil wittert die Konkurrenz bereits ihre große Stunde. Mehrere Publisher haben verkündet, dass sie von einem System wie Real ID Abstand nehmen und man ihre Titel vollkommen anonym spielen kann. Die Bloggerszene spekuliert derweil rein vorsorglich schon mal voller Schadenfreude darüber, dass der seit Jahren ausstehende „WoW-Killer“ jetzt endlich fertig sei – von Blizzard selbst unter dem Namen Real ID herausgebracht.

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Sogar bei Blizzard scheinen sich die Mitarbeiter nicht ganz einig zu sein. Noch immer ist unklar, auf wessen Mist die Idee eigentlich gewachsen ist. Mittlerweile geistern unbestätigte Gerüchte durch die Community, in denen davon die Rede ist, dass sich auch bekannte Größen – im Gespräch sind Namen wie Chris Metzen und Sam Didier – gegen den Zwang zur Real ID ausgesprochen hätten.

Wie auch immer der Streit um die Real ID ausgeht – bei Activision Blizzard hat man in diesen Tagen durch eine einzige Entscheidung über die Köpfe der Fans hinweg einen bedeutenden Vertrauensverlust erlitten. Für die moderne Community im Zeitalter der Suchmaschinen ist der echte Name nämlich, anders als noch für Goethes Faust, weit mehr als Schall und Rauch, und man ist längst noch nicht dazu bereit, sich real für seine virtuellen Taten zu verantworten.

All Points Bulletin – virtuelle Idole statt realem Abbild

Dabei wäre der große Ärger vermeidbar gewesen, hätte man sich bei Blizzard nur vorab mal etwas in der Branche umgeschaut. Da bietet beispielsweise das MMO All Points Bulletin einen grandiosen Editor zur Charaktergenerierung an, der es tatsächlich erlaubt, sich selbst wirklichkeitsnah ins Spiel zu bringen.

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Doch kaum ein Spieler von APB kommt auf eine solche Idee. Stattdessen werden coole Idole und heiße Girls gebaut und mit kreativen Spitznamen versehen – von realen Identitäten keine Spur. Wir haben die Community des GTA-MMOs befragt und immer wieder zu hören bekommen, dass man die Spielgestalt gerade nicht an der realen Identität ausrichten möchte, weil man so, angesichts der möglichen kriminellen Aktionen im Spiel, in einen moralischen Konflikt geraten könnte.

In einen Konflikt mit der wertenden Presse sind dafür die Entwickler von APB geraten. Obwohl es bis dato noch nicht viele Testberichte gibt, erwartet Dave Jones von Real Time Worlds insgesamt eher durchwachsene Reviews. Schuld sei vor allem die Lernkurve des Titels sowie die Tatsache, dass es sich um ein Multiplayer-Spiel handelt. Was uns betrifft, kann Dave Jones da unbesorgt sein, denn weder kommt uns die Lernkurve besonders steil vor, noch haben wir Probleme mit dem Teamplay. Ob wir trotzdem Dave Jones' Befürchtungen bestätigen, erfahrt ihr schon bald in unserem ausführlichen Testartikel.

EVE Online – CCP verbannt gewähltes Mitglied aus dem Spielerrat

Gegen die Erwartungen der Fans hat in der vergangenen Woche auch Publisher CCP verstoßen. Dort hat man 'Ankhesentapemkah' kurzerhand ihres Amtes als ordentlich gewähltes Mitglied des Council of Stellar Management enthoben. Der CSM als offizieller Spielerrat von EVE Online war in der jüngeren Vergangenheit mehrfach in die Kritik geraten, weil den Vertretern mit ihren Anliegen nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wurde, die man sich im Vorfeld erhofft hatte. Insbesondere die jetzt entmachtete Vertreterin galt in dieser Hinsicht als ungemütlich.

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Bei CCP beruft man sich derweil auf einen Verstoß gegen die Verschwiegenheitserklärung (NDA) durch 'Ankhesentapemkah', die sich allerdings in ihrem Blog massiv gegen die Anschuldigung wehrt. Gestärkt wird die Vertreterin der Spielerschaft nicht nur von ihren eigenen Wählern, sondern auch von großen Teilen der übrigen Community.

Wer der Spielerschaft ein Mitwirken an der Entwicklung eines MMOG anbietet, müsse auch zu seinen Versprechungen stehen, so der Vorwurf der aufgebrachten Spielerschaft. Es scheint ganz so, als habe ein Wandel in den bislang eher passiv konsumierenden MMOG-Communitys stattgefunden. Man nimmt längst nicht mehr jede Schikane von Seiten der Entwickler hin und ist bereit, für sein Spiel zu kämpfen, es notfalls auch zu verlassen. Eine durchaus positive Entwicklung, denn: Wir sind das Spiel!

Allods Online – wenn trotz free 2 play die Kosten explodieren

Auch bei Allods Online hat die Stimmung der Fans langsam aber sicher ihren Siedepunkt erreicht. Der Titel, der eigentlich als Free-to-play-MMOG angepriesen wird, hebt sich zwar qualitativ von vielen kostenlos spielbaren Mitbewerbern ab, bittet die Spieler dafür vergleichsweise oft zur Kasse. In Allods Online muss das hin und wieder unvermeidliche virtuelle Ableben mit realem Geld kompensiert werden.

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Kein Wunder also, dass die im jüngsten Patch deutlich angehobene Schlagkraft der Monster genau der Tropfen ist, der das Fass jetzt zum Überlaufen bringt und den Zorn der Fangemeinde heraufbeschwört. Dass für Spieler auf russischen Servern dabei nicht einmal zehn Prozent der Kosten anfallen, die ein Spieler aus dem Westen zu entrichten hat, macht die Sache nicht besser. Sollten die Jungs bei gPotato also nicht bald zur Besinnung kommen und die Preise anpassen, steht auch diesem Titel eine Massenflucht bevor.

Mythos – Frogster bringt den Mythos nach Europa

Dabei steht die Veröffentlichung einiger ganz großer Free-to-play-Titel erst noch bevor. Einer davon ist Mythos – ein Titel, den man eigentlich mit dem Untergang der Flagship Studios abgeschrieben hatte. Doch ein Mythos ist nicht so schnell totzukriegen, vor allem dann nicht, wenn er an eine Legende wie Diablo anknüpfen soll.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW27: RealID - liefert Blizzard den WoW-Killer selbst?

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RoM-Publisher Frogster bringt Mythos nach Europa.
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Zu verdanken ist die Rettung des Titels dem südkoreanischen Publisher HanbitSoft, dem ehemaligen Partner der Flagship Studios für die asiatische Welt. Dort hat man derweil weiter an dem Titel gefeilt und will noch in diesem Jahr die offenen Betatests starten. Das Publishing für Europa übernehmen die Jungs von Frogster, die bereits mit Runes of Magic gezeigt haben, dass man einen qualitativ hochwertigen Free-to-play-Titel zu durchaus fairen Bedingungen betreiben kann.

Star Wars: The Old Republic – nahtlos instanziert?

Mit Monatsgebühren, dafür aber auch mit einem wahnwitzigen Aufgebot an Inhalten will Bioware das heiß ersehnte Star Wars: The Old Republic betreiben. Doch epische Inhalte erfordern, das befürchtet die kritische Community, den massiven Gebrauch von Instanzen. Ersten Berichten zufolge soll der Übergang allerdings selbst für Gruppen recht geschmeidig vonstatten gehen.

Wie genau das im Spielgeschehen aussieht, zeigt jetzt das aktuelle Multiplayer-Video. Kurz nach der ersten Minute ist während des Gesprächs mit dem Kommandanten kurzzeitig ein grüner Kreis auf dem Boden zu sehen. Stehen alle Beteiligten innerhalb der markierten Zone, werden sie unmittelbar in die Instanz versetzt.

Dort dürfen sie sich dann jenen maßgeschneiderten Aufgaben stellen, mit denen die Jungs von Bioware in ihren bisherigen Spielen zu überzeugen wussten – ohne dass man sich mit eventuell unbeteiligten Mitspielern ins Gehege kommt. Sollte diese Methode auch im fertigen Spiel derart übergangslos funktionieren, könnte das selbst erklärte Gegner von Instanzierungen zum Verstummen bringen.

Star Wars: The Old Republic - E3 Multiplayer Video2 weitere Videos

Und auch wir verstummen vorerst wieder – zumindest bis zur nächsten Ausgabe von Wiped! Wer zwischenzeitlich eine Betätigung sucht und schwindelfrei ist, sollte sich bei Steam einloggen und ein Spiel namens Moonbase Alpha herunterladen. Der Titel ist zwar nur eine kostenlose Vorstufe des geplanten Onlinespiels, das die Virtual Heroes in Zusammenarbeit mit der NASA entwickeln, doch schon jetzt macht der Spaziergang ins All Spaß. Vielleicht schweben wir uns dort ja über den Weg. Bis dahin wisst ihr, was gespielt wird.