Dem Sommerloch zum Trotz blüht die Spielebranche in diesen Tagen richtig auf. Unzählige Titel befinden sich in der Entwicklung, Dutzende gehen in die Testphase und einige werden in diesen Tagen veröffentlicht. Entwickler und Publisher sind optimistischer denn je. Doch in der Community teilt man diesen Optimismus längst nicht uneingeschränkt. Man ist kritisch geworden und lässt sich nicht mehr jeden Murks andrehen. Gut so, finden wir und machen auch in dieser Woche alles noch viel schlimmer.

Das betriebswirtschaftliche Perpetuum mobile

Oh, wie einfach ist doch die Entwicklung eines MMOG, wenn man das Rezept kennt: Man erwerbe die Rechte an einem berühmten Namen, zimmere mit einer Hundertschaft an Designern ein paar Jährchen lang eine bunte Welt zusammen, platziere einige tausend Monster, dazu Hunderte NPCs, die das Abschlachten ebendieser Kreaturen belohnen. Danach öffne man die Welt, lasse die Million Fans hinein und erfreue sich an deren monatlichen Überweisungen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW26: Warhammer 40K Online - nur ein weiterer WoW-Klon?

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Braucht wie Welt wirklich noch mehr WoW-Klone?
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Was in der Vergangenheit noch halbwegs funktionierte, ist mittlerweile überholt. Zu viele Welten bieten den gleichen spielerischen Einheitsbrei. Und mit dem lässt sich längst kein erfahrener Zocker mehr abspeisen – schon gar nicht für teuer Geld. Doch wie es scheint, braucht es noch einige Jährchen und ein paar Pleiten mehr, bis diese Erkenntnis auch bei den Studios und Publishern angekommen ist.

Die legen nämlich gerade erst so richtig los und kündigen voller Euphorie ihre neuen Titel an. Besonders auffällig treten dabei all jene Studios in Erscheinung, die bislang noch so gar keine Erfahrung mit MMOGs sammeln konnten, sich aber trotzdem sicher sind, dass ihr Spiel auf jeden Fall genau das bietet, wonach sich die Fans schon immer gesehnt haben. Dabei findet man die Unterschiede meist nur noch im Detail.

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Fans freuen sich über die Ankündigung von War40K Online - doch macht sich auch Skepsis breit.
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Bei Bioware ist es die durchgängige Vertonung, die den durchweg spannenden Missionen das Sahnehäubchen aufsetzen soll, bei Fallout wird es dann die gnadenlose Endzeit sein und bei Warhammer 40k: Dark Millennium Online ist es – ja, was wird man eigentlich bei Vigil Games und THQ aus der Schublade ziehen?

Warhammer 40k: Dark Millennium Online – eine Million reicht!

Wirklich brauchbare Infos zum Gameplay der gerade erst angekündigten Online-Versoftung von Warhammer 40k haben uns die Entwickler bislang noch nicht präsentieren können oder wollen. Das allerdings hielt THQ Vizepräsident Danny Bilson nicht davon ab, in einem Interview mit den Kollegen von CVG schon mal im Voraus den sicheren Erfolg des Titels zu feiern.

Warhammer 40.000: Dark Millennium - E3 2010 Trailer - Name des War40K-MMO enthüllt und erste Spielszenen2 weitere Videos

Dabei traut sich der Produzent doch tatsächlich, genau das zu sagen, was eigentlich kein eingefleischter Zocker wirklich gerne hören möchte: Er habe jede Menge Zeit in World of Warcraft verbracht, sei ein echter Fanatiker, versichert Bilson. 40K werde, verspricht er weiter, dem WoW-Spieler sehr vertraut vorkommen. Dass mit einer solchen Ausrichtung schon reihenweise MMOGs vor die Wand gefahren wurden, interessiert ihn offensichtlich wenig.

Ein Stück vom Kuchen

Er spekuliert, viel lieber darauf, dass man Blizzards Erfolgstitel einfach ein paar Spieler abzieht und davon zufrieden leben kann: „Die haben 14 Millionen Spieler! Gebt mir eine Million und ich bin zufrieden! Wir stehen doch ziemlich gut mit einer Million, oder? Es muss ja nicht gleich jeder umziehen. Wir brauchen nur ein paar von denen. Und ich bin davon überzeugt, dass wir sie bekommen werden.“

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Dark Millennium weckt Erinnerungen an das wenig erfolgreiche WAR.
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Ach, wenn es doch so einfach wäre. Mit all seinem unerschöpflichen Optimismus erinnert Bilson fast ein wenig an die Jungs bei EA Mythic, die noch vor zwei Jahren ihre Warhammer-Welt im Voraus feierten und auf genügend WoW-Abtrünnige setzten. Die allerdings waren ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie anfangs aufgetaucht waren. Seither dümpelt Warhammer Online mehr schlecht als recht vor sich hin und die Optimisten von damals wurden längst entlassen.

Also, Mr. Bilson – bitte hören Sie auf unseren gut gemeinten Rat: Die Welt braucht keinen weiteren WoW-Klon. Wer Blizzards Titel liebt, wird eh kaum wechseln. Und wer Azeroth verlässt, der tut es gerade deswegen, um mal wieder etwas Abwechslung zu bekommen. Aber bis zum Release von Warhammer 40k: Dark Millennium Online gehen wahrscheinlich noch ein paar Jährchen ins Land. Genug Zeit für Danny Bilson und das Team von Vigil, auf die Warnungen der Fans zu hören und herauszufinden, dass die Kombination von Innovation und Tiefgang über Erfolg und Misserfolg eines Titels entscheidet und nicht das Nachkochen eines vermeintlichen Erfolgsrezepts.

World of Warcraft: Cataclysm – Konkurrenz aus Nippon?

Dabei ist Blizzards Rezept längst noch nicht optimiert und bedarf ständiger Verfeinerungen, von denen Cataclysm wahrscheinlich eine der bisher spannendsten werden könnte. Wann genau die große Katastrophe über Azeroth hereinbricht, wird in den Gerüchteküchen dieser Welt schon seit einer Weile gehandelt. Jetzt allerdings überrascht Blizzard mit einer geschlossenen Testphase samt offener Informationspolitik.

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Die Cataclysm-Beta hat diese Woche begonnen!
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Optimisten sehen darin ein erstes Anzeichen dafür, dass die nächste Erweiterung doch früher als ursprünglich erwartet ins Haus stehen könnte. Als Grund vermuten viele Fans das auf den 30. September datierte Release von Final Fantasy XIV, das in diesem Jahr als einzig ernstzunehmender Konkurrent für WoW gehandelt wird. Fürchtet Blizzard tatsächlich die Fortsetzung des Erfolgstitels, mit der Square Enix erstmals auch verstärkt den Westen ins Visier nimmt?

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Final Fantasy XIV – kein Herz für Familien

Der Titel aus Japans erfolgreicher Spieleschmiede gerät allerdings schon früh in die Kritik, denn trotz Monatsgebühr will Square Enix die bisherige Preispolitik beibehalten und nur einen einzigen Charakter plus „Mulechar“ gestatten. Jeder weitere Charakter wird dann mit 3 Euro monatlich berechnet – weitere Hilfscharaktere kosten immerhin noch jeweils einen Euro. Vielspieler werden, so dürfte zumindest der Publisher kalkulieren, durchaus auch mal mehr als 20 Euro monatlich für das Spielvergnügen ausgeben.

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Unter dem Radar: Final Fantasy XIV erscheint schon bald.
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Das erzürnt nicht nur all jene Spieler, die gerne mal unterschiedliche Charaktere zocken – hier werden auch Familien, in denen ein Account geteilt wird, ordentlich zur Kasse gebeten. Dass man die für die USA angesetzten 12,99 Dollar monatlich obendrein auch noch eins zu eins in die teureren Euros umrechnet, schürt obendrein die Wut bei den europäischen Fans. Insgesamt schlägt Square Enix damit einen gewagten Kurs ein, in Zeiten des virtuellen Überangebots durch die aufstrebende Free-to-play-Konkurrenz.

GOA – schleichendes Ende oder geordneter Neuanfang?

Aus dem Lager der Free-to-play-Publisher stammt eigentlich auch GOA, hinter denen mit der France Telecom ein mächtiges Unternehmen steht. Dank Mythics Dark Age of Camelot und Warhammer Online konnten sich die Franzosen in den letzten Jahren in Europa einen Namen als Publisher machen. Der scheint jetzt allerdings in Gefahr, denn sowohl Mythic als auch Riot Games, mit DotA-Ableger Leage of Legends, haben die Zusammenarbeit mit GOA beendet.

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Warhammer Online konnte nie viele Fans an sich binden.
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Auch wenn offizielle Bestätigungen bislang ausstehen, sehen Fans den Grund in dem eher mäßigen Service, mit dem GOA in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen und in die Kritik geraten ist. Vor allem seit dem technisch missglückten Start von Warhammer Online scheinen es die Franzosen nicht mehr ganz leicht zu haben, neue Titel an Land zu ziehen.

Warhammer Online – Produzentin schaut nach vorne – trotz allem...

Derweil kümmert man sich bei Mythic fortan selbst um seine Titel. Nebenbei muss man sich allerdings, wie Produzentin Carrie Gouskos jetzt verkündete, noch an die Neufirmierung unter dem schnittigen Namen Bioware Mythic gewöhnen. Ob dieses neue Firmengebilde allerdings dabei hilft, den strauchelnden Titel wieder zu stabilisieren, bleibt fraglich. Die Fans haben das Vertrauen in WAR nämlich weitgehend verloren, denn das Team hinter WAR wurde seit dem Release immer weiter dezimiert.

Torchlight MMO – Solospiel als Inspiration

Solche Probleme haben die Jungs von Runic Games derzeit nicht. Im Gegenteil – nach dem großen Erfolg von Torchlight hat man längst die Rufe der Fans erhört und plant ein entsprechendes MMOG. Das soll, so verspricht Designer Travis Baldree jetzt, keinesfalls zu sehr vom Originaltitel abweichen. Die Fans begrüßen das, denn Torchlight orientiert sich immerhin an den Diablo-Titeln als erfolgreichsten Hack'n Slay-Games aller Zeiten.

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Der Diablo-Klon Torchlight kommt als MMO.
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Finanziert werden soll das MMOG dann über Mikrotransaktionen. Und das ist ein kleines Wunder, denn Baldree gilt als einer der energischsten Gegner von Itemshops. Er selbst, so verkündete er mehrfach, würde nie im Leben jemals einen Gegenstand via Mikrotransaktion erwerben. Nicht anders sieht das die Mehrheit der Spielergemeinde und so schöpft man gerade neue Hoffnung, dass es vielleicht doch einmal ein kostenlos spielbares MMO mit gut ausbalanciertem Shop geben könnte, an dem auch Geizkragen wie Travis Baldree ihre Freude haben können.

Ausblick

Und woran haben wir während der kommenden Woche unsere Freude? Wir werden uns auf jeden Fall in die Open Beta von Need for Speed World stürzen, die am 2. Juli beginnt. Außerdem werden wir wieder einmal ein paar ordentliche Team-PvP-Schlachten in Heroes of Newerth schlagen, das für ehemalige Beta-Teilnehmer übers Wochenende kostenlos spielbar ist. Und dann jagen wir all die Cops zur Hölle, die uns im gerade veröffentlichten GTA-MMO All Points Bulletin den Kampf angesagt haben. Mehr darüber berichten wir am kommenden Samstag. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.

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