Der Erfolg der Zockermesse E3 in Los Angeles in diesem Jahr ließ bereits erahnen, was Marktforscher jetzt in einer Studie bestätigen: Die Branche boomt und immer mehr Menschen nutzen die digitale Form der Unterhaltung. Vor allem die Sparte der Online- und Browsergames wächst wie nie zuvor. Wenn alles und jeder zockt, ist das ein Segen für Publisher und Fans gleichermaßen, möchte man meinen. Doch die Realität sieht ganz anders aus.

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Masse statt Klasse

Insgesamt bringen wir es allein in Deutschland, das hat die Gesellschaft für Konsumforschung jetzt herausgefunden, mittlerweile auf stolze 12,4 Mio. Onlinezocker – Tendenz steigend. Gleichzeitig mit dem Boom ging allerdings der Onlineumsatz innerhalb eines Jahres von 222 Mio. Euro auf 204 Mio. Euro zurück. Irgend etwas in der Branche läuft also nicht ganz rund.

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Spiele wie The Old Republic sollen der Branche neue Impulse geben.
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Beim Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware freut sich Geschäftsführer Olaf Wolters indes schon auf das kommende Jahr, denn man erwartet „eine Reihe neuer Titel, mit denen wir wieder an den Wachstumstrend der vergangenen Jahre anknüpfen können“. Klar, auf all diese Titel freuen auch wir uns. Doch das eigentliche Problem ist hausgemacht und wird durch das wachsende Angebot nur noch vergrößert.

Weniger ist mehr

Die Spielerschaft wächst nämlich längst nicht mehr proportional zum Angebot an schillernden neuen Welten. Und mit jedem neuen Titel verlieren alteingesessene Welten einen Teil ihrer Bewohner. Besonders das üppige Angebot an kostenlos spielbaren Browser- und Onlinegames bindet die Aufmerksamkeit der Masse immer wieder aufs Neue.

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F2P-Spiele wie Cabal Online graben den traditionellen Spielen das Wasser ab.
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So erklärt es sich dann auch, dass von ehemals 910.000 deutschen Spielern mittlerweile nur noch 770.000 bereit sind, eine monatliche Gebühr für ihr Hobby zu berappen. Die Zeit lässt sich ja auch mit buntem Murks prima kostenlos vertreiben und wenn ein Spiel langweilig wird, pflanzt man seine Mohrrüben einfach auf einer anderen Farm. Nicht nur Bundesbürger tun sich derzeit noch recht schwer damit, bare Münze gegen optionalen Extrakomfort einzutauschen.

Für Laralyn McWilliams, einen der Köpfe hinter Free Realms bei Sony Online Entertainment ist die Sache klar: Man müsse umdenken, nach einer Phase, in der Projekte immer kostspieliger und Teams immer größer wurden, nur um jetzt von ganz kleinen Spielen wie Farmville überholt zu werden. Jetzt sei es für die Entwickler an der Zeit, Innovationen zu präsentieren, während sich Spieler daran gewöhnen müssten, ihre Geldbörsen zu öffnen. Aha.

Entwicklungen kosten Geld – Freiwillige vor!

Doch McWilliams liegt mit seiner Einschätzung genauso daneben wie Olaf Wolters. Die Spieler müssen nämlich überhaupt nichts. Die neue Masse an Nachwuchszockern spielt, solange es kostenlos möglich ist. Werden sie dann zur Kasse gebeten, wechseln sie das Spiel. Das Angebot ist schier unerschöpflich. Nur ein kleiner Teil der Spielerschaft, vorwiegend die alten Hasen, wird noch bereit sein, regelmäßig Geld für ihr liebstes Onlinespiel auszugeben.

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AoC hat dazu gelernt: Nur Spiele mit genug Endgame-Content werden überleben.
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Dieses Geld landet dann bei den wenigen Titeln, die echte Qualität bieten – das sind Welten mit Tiefgang und abwechslungsreichem Endgame, in das es sich zu investieren lohnt. Doch von dieser Sorte gibt es nicht viele am Markt. Und das wird sich auch in den nächsten fünf Jahren kaum ändern. Doch woher sollen die Vertreter der Studios, Publisher und Branchenverbände das wissen? Sie selbst zocken ja schon lange nicht mehr – falls sie das je getan haben.

Warhammer Online – ab sofort ohne Josh Drescher

Echte Urgesteine, die Spiele noch aus Leidenschaft entwickelten, gibt es in der Branche kaum noch. Sie sind längst abgewandert oder wurden wegrationalisiert. Auch Josh Drescher, seines Zeichens Gamedesigner bei EA Mythic, hat es jetzt erwischt. Der promovierte Entwickler und Produzent war seit den Tagen des legendären Dark Age of Camelot bei Mythic beschäftigt. Jetzt sucht der „umwerfend attraktive, altbewährte Produzent und Designer“ einen neuen Job und die Fans von Warhammer Online nach einer Antwort darauf, ob EA überhaupt noch jemanden an dem Titel arbeiten lässt.

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Der Godslayer verspricht eine verspätete Blütezeit für Age of Conan.
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Age of Conan: Rise of the Godslayer – erfolgreich stabilisiert

Etwas solider scheint man da derzeit bei Funcom zu arbeiten. Game Director Craig „Silirrion“ Morrison nimmt sich sogar hin und wieder die Zeit, einigen unzufriedenen Trollen im offiziellen Forum persönlich den Wind aus den Segeln zu nehmen und zu bestätigen, was wir seit unserem ausgiebigen Test wissen: König Conan hat sich mit dem Godslayer stabilisiert und kann sich seit dem letzten Update am Markt behaupten. Es sei allerdings noch viel zu verbessern, gibt Morrison zu und verspricht, den Titel auch über die nächsten Jahre hinweg noch ausgiebig weiter auszubauen.

Call of Duty MMO – im Bereich des Möglichen

Derweil träumt man bei Activision Blizzard neben WoW schon von einem zweiten großen Standbein. In einem Interview mit den Kollegen vom Wall Street Journal gibt Firmenchef Bobby Kotick zu Protokoll, dass man für Call of Duty am liebsten schon morgen schon eine Variante mit Gebührenmodell zur Verfügung hätte. Immerhin bringen es die CoD-Spieler via Xbox Live mittlerweile auf über 1,7 Milliarden Spielstunden. Das nötige Kleingeld für einen persistenten Einberufungsbefehl sollte man bei Activision Blizzard auf jeden Fall aufbringen könne.

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Kaum zu glauben: Startet SW:TOR wirklich schon jetzt in die Closed Beta?
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Star Wars: The Old Republic – Closed Beta macht ihrem Namen alle Ehre

Einberufen wurden jetzt offenbar auch die ersten Jedi und Sith in Star Wars: The Old Republic. Denn sollten die Beweisbilder, die derzeit durch die Szene geistern, nicht im Photoshop entstanden sein, ist tatsächlich vom 25. bis zum 27. Juni eine erste geschlossene Betarunde gestartet. Ersten Hochrechnungen zufolge kann es sich allerdings um maximal 200 Einladungen handeln. Da in einem solchen Fall alle Beteiligten zu höchster Verschwiegenheit verpflichtet sind, können wir zwar keine nennenswerten Informationen erwarten, doch deutet sich immerhin an, dass Bioware mit dem heiß ersehnten Titel recht komfortabel im Zeitplan liegt.

DC Universe Online – Superhelden zahlen regelmäßig

Mehr Informationen zum genauen Zeitplan von DC Universe Online werden wir wohl erst zur kommenden Sony Online Entertainment Fan Faire im August erfahren. Immerhin wissen wir schon mal, wie sich das Spiel finanzieren soll. Beinahe unerwartet nimmt SOE bei den Superhelden jetzt Abstand vom Free-to-play-Modell. Den Superhelden will man die gewohnten monatlichen Kosten von unter 15 Dollar auferlegen. Die Community zeigt sich ausgesprochen zufrieden mit dieser Entscheidung, spielt doch gerade angesichts des Einsatzes von Superkräften das Balancing eine schwerwiegende Rolle.

All Points Bulletin – unsanfte Berieselung?

Nicht ganz so zufrieden sind derzeit die Fans von All Points Bulletin. Das MMO, das sich vom Gameplay her stark an dem Erfolgstitel Grand Theft Auto orientiert, ist durch sein komplexes Bezahlmodell in die Kritik geraten. Neben Monatsgebühren darf ein Spieler auch begrenzte Spielzeit buchen. Außerdem soll an verschiedenen Stellen im Spiel Werbung eingebaut werden.

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All Points Bulletin muss sich erst noch beweisen.
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Beim Wechsel der Zonen bekommt der Spieler im Abstand von mindestens drei Stunden dann Werbung in die integrierte Voice-Kommunikation eingespielt. Wer das verhindern möchte, schaltet die akustische Berieselung dann gegen Cash ab – für wahlweise 30, 90 oder 180 Tage. Ob das funktioniert oder nervt und wie sich All Points Bulletin insgesamt so spielt, werden wir in den nächsten Wochen für euch herausfinden. Das Spiel startet am 29. Juni – und wir sind natürlich mal wieder mittendrin im Großstadtkampf.

Mythos – ein echter Mythos lebt für immer

Wer sich bin dahin langweilt, sollte unbedingt einen Blick auf die neue offizielle Webseite von Mythos werfen. Ja – es wird noch immer an diesem Titel gearbeitet, dessen Zukunft nach dem Untergang der Flagship Studios mehr als ungewiss war. Der südkoreanische Publisher HanbitSoft hat sich letztlich durchgesetzt und besitzt nun alle Rechte an dem verloren geglaubten Spiel, das sich durch Mikrotransaktionen finanzieren soll und von Beginn an die Liga der Diablo-Spieler begeisterte.

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Webseite gestartet: Fallout Online.
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Fallout Online – PLEASE STAND BY

Nicht ganz so üppig aber umso erfreulicher erscheint uns die aktuell gestartete Webseite von Fallout Online, dessen Zukunft nach dem Rechtsstreit zwischen Interplay und Bethesda ebenfalls nicht mehr sicher schien. Zwar lassen sich der Seite bislang kaum nennenswerte Informationen zum Spiel entlocken, doch echte Fans der Fallout-Reihe haben das auch gar nicht nötig. Sie haben längst eine Vorstellung davon, wie eine persistente Endzeit auszusehen hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Entwickler den hohen Ansprüchen gerecht werden können, denn nachhaltige Erfahrungen mit Onlinespielen hat Bethesda bekanntermaßen noch nicht sammeln können.

Dafür wächst unsere Erfahrung stetig weiter, denn auch in der kommenden Woche werden wir wieder unzählige Charaktere in ebenso vielen Spielen voranbringen, bis die Maus glüht, damit wir für euch aus der Welt der Welten berichten können. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird – eine heiße WM im kühlen Südafrika.