Es wird Frühling! Und diesmal hat es nicht nur die reale Sandbox da draußen erwischt - auch die virtuellen Welten erblühen in einer Pracht und Vielfalt, mit der wir nach der langen Dürreperiode kaum noch umgehen können. Was von alldem sollen wir spielen? Was beschert uns die Branche im verheißungsvollen Jahr 2011? Wiped! weiß und weist wie immer den rechten Weg.

Und der führt uns derzeit kaum am PC vorbei - auch wenn man in den vergangenen Jahren immer wieder von Spielern hörte, die ihren PC nur noch als Kommunikationsmedium nutzen und für die Zockerei komplett auf die Konsolen umsteigen wollten. Die meisten Controllerfreaks sind schon zurück, haben ihren PC aufgerüstet und schmeißen nur noch gelegentlich die Konsole an.

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Kaufen, kaufen, kaufen!

Gestützt wird dieser Eindruck auch durch die aktuellen Zahlen der PC Gaming Alliance, die für den PC-Spielemarkt ein Umsatzplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr ermittelt hat. 16,2 Mrd. Dollar steckten die Gamer aller Nationen allein im vergangenen Jahr real oder via digitaler Distribution in PC-Spiele – eine klare Ansage an Investoren und Publisher, die nicht ungehört bleiben wird.

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PC- und PS3-Spieler in trauter Zweisamkeit.
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Berücksichtigt man dabei noch die Tatsache, dass 2010 kein besonders üppiges Jahr für das MMOG-Genre war und 2011 die wirklichen Knaller auf den Markt kommen, darf man getrost annehmen, dass es mit dem Wachstum mindestens auf diesem Niveau weitergeht. Der PC, so viel steht fest, hat als Medium für Zocker nicht ausgedient, sondern sichert sich gerade eine neue Vormachtstellung gegenüber den Konsolen.

DC Universe Online – man kann nicht nicht kommunizieren... oder?

Wer sich den Hybridtitel DC Universe Online mal auf PS3 und PC angesehen hat, versteht die Gründe für den Erfolg des Computers. Obwohl es sich de facto um den gleichen Titel handelt, fühlen sich Gotham und Metropolis auf beiden Plattformen wie zwei völlig unterschiedliche Spiele an.

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Während PC-Spieler gemeinsam spielen, bleiben PS3ler lieber solo.
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Auf dem PC finden Spieler viel eher zu Gilden zusammen, kommunizieren über Teamspeak und Chat, während die Superhelden auf der Konsole das MMOG eher wie ein typisches Konsolenspiel betrachten und als Einzelgänger unterwegs sind. Obwohl auf der Konsole vergleichsweise viele Gelegenheitsspieler unterwegs sind, hat man das MMO dort bedeutend schneller „durch“ und ist obendrein frustriert, weil es sich nicht mehr weiterverkaufen lässt.

Auch das erste aufgespielte Inhaltsupdate trägt wenig dazu bei, den Konsolenspieler davon zu überzeugen, doch bitte ein Abonnement abzuschließen. Im Gegenteil – er versteht die Welt nicht mehr, dass man ihm die bereits bezahlte Welt nach einem Monat unter dem virtuellen Hintern wegzieht. Sony Online Entertainment wird bald feststellen, dass DC Universe Online auf PC und Konsole von den Verkaufszahlen her zwar gleichauf liegen – die fortlaufenden Umsätze jedoch weitgehend durch die PC-Gemeinde generiert werden.

Rift – der gerissene Trion-Chef

Über fette Umsätze fernab von irgendwelchen Konsolen freut sich in diesen Tagen auch Lars Buttler. Der leitet mit Trion Worlds ein Unternehmen, dem selbst eingefleischte MMOler bislang kaum Beachtung geschenkt hatten. Seit einigen Tagen jedoch steht fest, dass sich der Publisher künftig zu den echten Größen im Genre zählen darf, denn mit Rift hat man ordentlich abgeräumt.

Auch wenn die offiziellen Verkaufszahlen noch ausstehen, ist bereits jetzt klar, dass man mit dem Release von Rift sämtliche Veröffentlichungen der vergangenen Jahre um ein Vielfaches übertroffen hat. Mehr noch: Nach einer gefühlt ewigen Zwangspause scheint Rift die Initialzündung zu sein, die das müde Genre mit großer Wucht aus dem langen Winterschlaf reißt.

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Das beste Team des Planeten?

Europa zockt zum Start des Spiels auf insgesamt 41 Welten, in Nordamerika stehen sogar 58 Server zur Auswahl. Als Grund für den Erfolg sieht Unternehmenschef Buttler die Geduld, mit der man zu Werke ging. Zuerst habe man sich all die Zeit genommen, die man brauchte und baute sich die richtige Technologie.

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Rift-Entwickler Trion Worlds spuckt selbstbewusste Töne - bald müssen sie sich beweisen.
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Dann erst habe man das beste Team des Planeten zusammengestellt, um in Ruhe ein fertiges und geschliffenes Spiel zu basteln. Dabei habe man sich, so Buttler weiter, darauf konzentriert, all jene Dinge leicht zu verbessern, die schon großartig in MMORPGs funktionieren, und zusätzlich noch das einzubauen, von dem man annehmen musste, dass es die Spieler bisher vermissten.

Noch darf darüber spekuliert werden, ob Buttler mit dieser gerissenen Strategie den Doktortitel von der Universität Bayreuth verliehen bekommt. Klar ist jedoch schon jetzt, dass man das Genre eben doch nicht neu zu erfinden braucht, um einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Wie lange der für Trion allerdings anhält, wird sich erst zeigen, wenn die Fangemeinde beim Endgame angekommen ist. Abo oder nicht Abo, das ist dann die Frage.

Tera – Drama und Intrigen

Weit innovativer als Rift wirkt Tera auf jeden Fall – zumindest auf den ersten Blick. Doch ein Action-Gameplay allein macht noch keinen erfolgreichen Titel, und das weiß auch Brian Knox, seines Zeichens Produzent von Tera. Das ist zwar gerade äußerst erfolgreich in Südkorea gestartet, doch schauen die Spieler im Westen noch immer in die Röhre.

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Tera will innovative Wege bestreiten.
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Macht aber nichts, findet der Produzent, der auf der jüngsten Game Developers Conference sichtlich bemüht war, Fans und Journalisten um Geduld zu bitten. Während Korea die Entwicklung des Titels Stück für Stück miterlebe, erklärte Knox immer wieder, dürfe man sich im Westen auf ein fertiges MMOG freuen, das bis dahin besonders stark vom Endgame leben soll, bei dem viele Elemente einer Sandbox zum Einsatz kommen – in erster Linie das politische System, das von Intrigen und Drama lebt.

Davon haben wir während unserer Ausflüge auf einem koreanischen Server zwar noch nicht viel mitbekommen, doch das liegt eher an unserem schlechten Koreanisch und weniger am Spiel, das mit Sicherheit zu den besten MMOGs gehört, die wir bisher gespielt haben – trotz der für uns vorherrschenden Kommunikationsprobleme.

Star Trek Online und Champions Online – Viva Vivox!

Doch auch manch westlicher Titel leidet an einer gewissen kommunikativen Armut. Vor allem in MMOs, in denen eine Gruppenbildung nicht unbedingt erforderlich ist, wird selten getippt und noch seltener gesprochen, denn nicht jeder Spieler gehört einer Gilde an, die über einen Teamspeak-Server verfügt.

Dieses Problem hat man auch bei Cryptic erkannt und arbeitet schon an einer Lösung. Gemeinsam mit Vivox will man einen Voice-Chat sowohl in Star Trek Online als auch in Champions Online integrieren. Letzteres rangiert seit dem Wegfall von monatlichen Gebühren übrigens im oberen Bereich auf der Hitliste der Free-to-play-Fans.

Allods – ein Publisher kommt zur Besinnung

Dort rangierte einst auch Allods Online, bis der Publisher auf die grandiose Idee kam, die Nachwirkungen des virtuellen Ablebens nur noch via Itemshop zu heilen. Die Spieler fühlen sich ausgebeutet und rebellierten. Den Publisher allerdings scherte das wenig. Man blieb stur und gab sich obendrein beleidigt, weil man sich doch so liebevoll um neue Inhalte kümmerte und die Fans immer nur meckerten.

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Der Tod im Itemshop? Wer hat sich das denn ausgedacht?
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Mittlerweile sind nicht mehr viele Spieler übrig geblieben, die meckern könnten, und so kommt man bei gPotato langsam zur Besinnung und kündigt anlässlich der Gamer Developers Conference an, den Handel mit dem Tod für alle Zeiten zu stoppen. Besser spät als nie, denken sich die verprellten Fans und bereiten schon ihre Rückkehr zu Allods Online vor, das bald auch seinen ewigen Betastatus verlieren soll.

Black Prophecy – Bewährungsprobe für gamigo

Bei Reakktor Media in Hannover hingegen hat man sich in den vergangenen Wochen erst intensiv auf die offene Betaphase von Black Prophecy vorbereitet, die es Weltraumfans ab sofort erlaubt, ins Cockpit zu klettern und feindliche Raumjäger in Sternenstaub zu verwandeln. Technisch rangiert Black Prophecy auf jeden Fall im oberen Bereich des Genres und lässt das ebenfalls gerade gestartete Battlestar Galactica vergleichsweise alt aussehen.

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Black Prophecy wird Alpha.
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Was Black Prophecy vor allem langfristig spielerisch bietet und an welcher Stelle man bei gamigo mit dem berüchtigten Itemshop zuschlagen wird, werden wir in den nächsten Wochen noch in Erfahrung bringen. Für passionierte Weltraum-Piloten ist der Titel auf jeden Fall die vorerst letzte Hoffnung, denn nach den Entlassungen bei NetDevil ist mit Jumpgate Evolution bis auf weiteres nicht zu rechnen.

Spielejournalisten sind echte Workaholics

Irgendwie berührt uns das derzeit allerdings wenig, denn wir haben in den nächsten Wochen wirklich alle Hände voll zu tun, auch alle neuen Titel ausgiebig für euch anzuzocken. Zuerst knöpfen wir uns natürlich Rift vor – naturgemäß als Skeptiker auf dem PvP-Server Trübkopf.

Nebenbei buddeln wir noch ein wenig im Sandkasten von Earthrise, düsen ein paar Runden täglich durch Black Prophecy, feilen an unserem Koreanisch in Tera und schauen uns die Fortschritte an, die Gamersfirst bei der Überarbeitung von APB Reloaded gemacht hat. Wir Spielejournalisten arbeiten eben ganz besonders hart, damit ihr stets wisst, was gespielt wird.

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