Es ist wieder Samstag und so mancher Nerd freut sich sicherlich schon auf seine wöchentliche MMOG-Lektüre und darauf, mal nicht den Namen Karl-Theodor zu Guttenberg in einem Artikel lesen zu müssen. Auf diese Hoffnung können wir allerdings keine Rücksicht nehmen, denn diesmal geht es immerhin um Doktoren, Cheater und schweres Kriegsgerät.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Doch bevor wir uns dem Mann mit dem nicht mehr ganz so langen Namen zuwenden, wollen wir einen Blick auf die Folgen von beinahe 15 Jahren MMOG-Gezocke werfen. Und machen wir uns nichts vor – so spaßig es auch ist, sein Abbild auf der Jagd nach Erfahrung, Gold und Ausrüstung durch virtuelle Lande zu klicken – die Ausflüge sind nicht spurlos an uns vorübergegangen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 8: Was spielt eigentlich ein Verteidigungsminister? Doktorspiele? Oder doch eher World of Tanks?

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15 Jahre MMO-Zocken hinterlässt Spuren.
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Da werden die Extremitäten bisweilen von gichtartigen DoT-Attacken geplagt, der Rücken paralysiert uns regelmäßig mit fiesen Hexenschüssen und die unaufhaltsam wachsende Plautze bringt unsere Konstitution auf bedenkliche Werte, mit denen man in der rauen Wirklichkeit wahrscheinlich von einer gemeinen Kanalratte gepwnt würde, weil man weder die nötigen Kampfwerte aufbringt, das Tier der Stufe 1 zu erlegen, noch den Runspeed hat, dem Nager zu entkommen.

Ach, wäre man doch all die Kilometer, die unsere Avatare virtuell zurückgelegt haben, selbst gelaufen. Hätte man die gegnerischen Horden nur mit eigener Hände Kraft erschlagen und wäre jeder Sprung mit der Leertaste ein echtes, kinetisches Körperevent gewesen – wir hätten über die Jahre hinweg massig Kalorien verbrannt und derart viel Muskelmasse aufgebaut, dass wir es mit der PvP-Party hätten aufnehmen können, die jeden Tag am Hauptbahnhof spawnt.

Land of Lords Online – selbst gehüpft ist doppelt gewonnen

Doch noch ist es nicht zu spät, denn im fernen Peking arbeitet man bei Jin Gang Network emsig an einer Lösung der gesundheitlichen Misere. Das Rezept soll den unscheinbaren Namen Land of Lords Online tragen und sieht auf den ersten Blick aus wie ein herkömmliches MMOG. Von denen unterscheidet es sich allerdings durch ein entscheidendes Detail. Denn LoLO, wie wir den Titel fortan liebevoll abkürzen wollen, setzt auf Bewegungssteuerung.

Für welches Gerät man da genau entwickelt, will man bei Jin Gang zwar noch nicht verraten – ein Sprecher des Unternehmens versprach jetzt allerdings, dass der Spieler seinen Charakter mittels Bewegungssteuerung nicht nur durch die Welt bewegen, sondern damit auch Monster töten und Zauber auslösen kann. Ein Video zu den genauen Abläufen soll im März veröffentlicht werden.

Marathonläufer? Nein, MMOG-Zocker!

Und tatsächlich könnte hier eine kleine Revolution für den Alltag eines Onlinezockers bevorstehen. Ein MMOG schreit, mit seinen eher langsamen und langwierigen Spielabläufen, wie kaum ein anderes Spiel nach einem sinnvollen Ganzkörpereinsatz. Über Bots und Cheats braucht man sich dann vorerst keine Gedanken mehr zu machen und Chinas Goldfarmer werden endlich aus ihren Grindgehegen befreit.

Spätestens mit dem nächsten EKG wird auch der kritischste Hausarzt nichts mehr gegen durchzockte Nächte sagen können. Wenn Microsoft dann noch Kinect für den PC umgesetzt hat, klingeln die Kassen, denn neben Otto Normalspieler warten noch mindestens 20 Millionen MMOGler darauf, diverse Monströsitäten durch reale Kicks in den Respawn zu schicken und parallel zum Avatar auch noch den durch all die Zockerei verkümmerten und vergessenen, ureigenen Körper wieder aufzubauen.

DC Universe Online – verraten und verkauft?

Möglicherweise gewinnt man so auch ganz neue Spieler, die bislang noch nichts mit MMOGs am Hut hatten. Dass die Branche durchaus noch Ausbaufähig ist, hat immerhin Sony Online Entertainment mit DC Universe Online bewiesen. Das Superhelden-MMO verkauft sich nicht nur auf dem PC wie geschnitten Brot – auch die Verkaufszahlen der Konsolenversion können sich sehen lassen.

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Ein solcher Erfolg mit einer völlig neuen Zielgruppe birgt allerdings auch gewisse Risiken, wie sich aktuell an den Reaktionen in einschlägigen Foren zeigt. Der durchschnittliche Konsolero ist es nämlich gewohnt, ein Spiel für einige Tage bis zum Erbrechen zu zocken, um es dann noch möglichst gewinnbringend zu verhökern.

Auch ohne Rassen über den Rasen rasen

Das allerdings lässt SOE nicht zu, denn wie bei jedem klassischen MMOG ist auch bei der PS3-Version von DC Universe Online der Schlüssel zum Glück nach der ersten Registrierung verwirkt und die Packung letztlich nichts mehr wert. Wer also auf dem Flohmarkt eine entsprechende Packung entdeckt, braucht sich gar keine Hoffnungen auf ein Super-Schnäppchen zu machen.

Ob und wie Sony die wütenden Controller-Freaks wieder in den Griff bekommt, ist derzeit noch ungewiss. Vielleicht hilft ja das aktuell aufgespielte erste Update, mit dem immerhin ein paar neue Beschäftigungsmöglichkeiten für 30er-Superhelden ins Spiel gekommen sind, darunter eine Instanz, die acht Spieler in Batmans heilige Höhle führt, und neue Rennen – und nicht Rassen, wie man „Races“ in verschiedenen deutschen Medien falsch übersetzt hat.

Doctor Who – das inoffizielle Guttenberg-MMO

Doch wo Medien gemacht werden, passieren Fehler, denen bisweilen selbst Politgrößen wie Doktor a.D. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg zum Opfer fallen. Umso erfreulicher, dass ausgerechnet der britische Sender BBC den bundesdeutschen Schandfleck reinigen und ein zum Minister passendes MMOG veröffentlichen will, das nebenbei zufällig auch noch den Namen einer bekannten Serie trägt.

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Der zeitreisende Doktor wurde über die Jahre von wechselnden Schauspielern dargestellt.
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Doctor Who hat es durch seine Umsetzung für die Flimmerkiste bis ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft als die am längsten laufende und erfolgreichste Science-Fiction-Serie aller Zeiten. Die handelt von einem mysteriösen Zeitreisenden, der genau wie Guttenberg nur als „der Doktor“ bekannt ist. Der Minister macht demnach nicht nur als Namensgeber des neuen MMOGs Sinn, sondern wird auch im Spiel seine Freude finden. Dort darf er dann nämlich durch die Zeit reisen, um sein dissertationales Corpus Delicti neu zu verfassen.

World of Tanks: Weltrekord

Und sollte unser Verteidigungsminister tatsächlich noch zurücktreten, so darf er sich zumindest virtuell weiterhin um schweres Kriegsgerät kümmern. Zwar steckt das russische Action-MMO World of Tanks noch mitten in der Betaphase, doch in das eben erwähnte Buch der Rekorde hat man es auch so schon geschafft.

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World of Tanks schießt sich ins Guinness-Buch der Rekorde.
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Mit 91.311 gleichzeitig eingeloggten Accounts registrierte man die höchste Spielerzahl, die es bis dato auf einen einzigen Server geschafft hat. Bislang galt EVE Online, das außer dem Testserver ebenfalls nur eine einzige Welt kennt und zur Spitzenzeit im vergangenen Januar 63.000 Spieler beherbergte, in dieser Hinsicht als unantastbar.

Age of Conan – eine Welt für ganz Harte

Unantastbar ist in den meisten MMOGs auch die Ausrüstung eines Spielers nach dessen Ableben. Das ist zwar äußerst unlogisch, bringt aber ein Gefühl der Sicherheit ins Spiel. Veteranen allerdings kritisieren diese Sicherheit bisweilen, denn sie sind der Ansicht, dass ein Spiel an Bedeutung verliere, wenn der Tod keine Konsequenzen mit sich bringt.

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Bei AoC kommen nur die Harten in den Garten... äh, auf den neuen Server.
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Genau diese hartgesottene Spielergruppe will Funcom jetzt bedienen, indem man einen neuen Server aufsetzt, auf dem keine Gesetze gelten. Dort sind die Stadtwachen außer Dienst und wer stirbt, darf geplündert werden – ganz wie zu Zeiten des altehrwürdigen Ultima Online. Dort allerdings war die Ausrüstung weniger entscheidend und verhältnismäßig leicht zu bauen. Ob und wie Funcom die Regeln in dieser Hinsicht noch überarbeitet, wird sich spätestens im Mai zeigen, wenn der Server online geht.

Mortal Online – Star Vault wird mutiger

Wer schon vorab wissen möchte, wie sich ein Spiel mit offenem PvP und Plünderung so spielt, darf das jetzt auch an Mortal Online testen. Der Titel fand bislang kaum Beachtung und war nach seinem Release im Juni 2010 derart fehlerbehaftet, dass man bei Star Vault auf eine kostenlose Probezeit verzichtete.

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Stock und Mut steh'n ihm gut.
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Mittlerweile hat man das Spiel allerdings ein wenig weiter geschliffen und bringt jetzt den Mut auf, den Spielern einen kostenlosen Einblick zu gewähren. Immerhin zwei Wochen lang darf man durch die gnadenlose Welt toben, die als Nischenspiel in direkter Konkurrenz zu Darkfall und dem gerade veröffentlichten Earthrise steht.

Letzteres werden wir uns in der kommenden Woche mal ganz ausführlich anschauen, wenngleich uns das nicht ganz leicht fällt. Denn noch jagen wir voller Begeisterung über einen der koreanischen Server von Tera, von dem wir mittlerweile sagen können, dass es zumindest von der spielerischen Grundmechanik her alles andere als ein Flop werden wird. Doch das ist eine andere Geschichte und soll in einer anderen Ausgabe von Wiped! erzählt werden. Bis dahin wisst ihr immerhin schon mal, welches Spiel unser Verteidigungsminister spielt.

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