Die Geiz-ist-geil-Mentalität hat die Welt der MMOs erreicht. Eine Beta hier, free to play da - immer mehr Spieler wollen immer weniger für das digitale Vergnügen zahlen. Die Publisher hat der Konkurrenzdruck längst in eine Zwickmühle getrieben. Und von dort aus füttern sie die hungrige Spielermeute ständig weiter an.

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Eigentlich befindet sich die MMO-Branche in einer ausgesprochen glücklichen Lage, denn jeden Tag entdecken neue Konsumenten die Online-Welten als mögliche Freizeitbeschäftigung. Und wer einmal persistentes Blut geleckt hat, bleibt dem Genre meist auch langfristig treu. Das allerdings muss längst nicht heißen, dass die Studios bei der Entwicklung eines MMOs auf ein sicheres Pferd setzen. Denn mittlerweile befinden sich viel zu viele Pferde im Rennen, und die meisten traben zumindest für lau.

Wer als MMO-Publisher die Gunst der Spieler gewinnen will, kommt in diesen Tagen nicht mehr umhin, die Karten auf den Tisch zu legen und zu zeigen, dass der eigene Titel es wert ist, gespielt zu werden. Damit ist dann jedoch längst noch nicht sicher, ob der Spieler obendrein auch noch gewillt ist, für sein Vergnügen zu zahlen. Lieber hüpft er von einem Titel zum nächsten und spielt immer nur so lange, bis er zur Kasse gebeten wird.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 7: Bungie, bitte kein WoW im All, ja?

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Das Free-to-play-Modell wird immer reizvoller. Hier: Champions Online.
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Mindestens haltbar bis: Beta des nächsten Titels

Überhaupt scheinen gerade Neu- und Gelegenheitsspieler oft die Mentalität zu besitzen, dass Computerspiele generell nichts kosten dürfen. Auf die Idee, einem etablierten MMO mit Monatsgebühr eine Chance zu geben, würde man in diesem Lager wohl im Leben nicht kommen. Man wartet einfach, bis das interessante Spiel aufs Free-to-play-Modell geeicht wird. Und die Chancen stehen nicht mal schlecht.

Mittlerweile hat ein durchschnittliches Abo-MMO keine hohe Lebenserwartung mehr. Selbst große Titel wie Herr der Ringe Online, Everquest 2 und Champions Online laufen mittlerweile mit alternativen Gebührenmodellen und generieren auf diese Art mehr Umsatz als je zuvor. Wenn von zwei Millionen Spielern nur die Hälfte ab und zu mal fünf Euro in den Shop schmeißt, bringt das eben mehr Geld ein als ein Zehner monatlich von 100.000 Spielern.

Dazu kommt, dass ständig neue Spieler auf die Server gespült werden - im Gegensatz zum Abo-MMO, in dem die Spielerzahl vom Tage der Veröffentlichung an immer weiter nach unten geht, bis das virtuelle Leben auf dem Server langsam einfriert. Wäre da nicht das Problem mit dem Item-Shop, der nicht selten jegliche Fairness aus dem Spiel nimmt, könnte man sich bisweilen fast mit dem Free-to-play-Modell anfreunden.

Champions Online - tausendprozentige Sache

Dem Veteranen unter den MMOlern fällt das allerdings schwerer als den Publishern. Die können ihr Glück oft kaum fassen, wenn die Spielerzahl nach der Umstellung eine Millionengrenze nach der anderen durchbricht und sich der Titel plötzlich nicht nur gerade so trägt, sondern fette Gewinne abwirft, wie jetzt auch Champions Online.

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Seit der F2P-Umstellung ist Champions Online erfolgreicher denn je.
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Das Superhelden-MMO war schon seit langem nicht mehr gut besucht und musste mit dem Release von DC Universe Online quasi als Überlebensmaßnahme umgestellt werden. Da Sony mit dem Hybridtitel für PC und Konsole deutlich die Nase vorn und damit wohl auch noch den letzten Bewohner von Millennium City auf dem Gewissen haben würde, brachte Cryptic die Champions einfach aus der Gefahren- und in die Gewinnzone.

Und von dort aus freut sich Firmenchef John Needham derzeit über einen nicht enden wollenden Zustrom an Spielern, die eine Ertragssteigerung von unglaublichen tausend Prozent mit sich bringen. Angesichts dieser Zahlen ist wohl zu erwarten, dass man auch bei Star Trek Online die Monatsgebühren bald streichen wird.

Age of Conan - schleichend zum kostenlosen Conan?

Auch bei Funcom scheint man sich langsam ein Hintertürchen für eine eventuelle Umstellung von Age of Conan offen zu halten. Zumindest bringen die Jungs aus Norwegen, die nebenbei vor allem an The Secret World arbeiten, schon jetzt immer neue Gegenstände nach Hyboria, die man via Item-Shop gegen harte Währung erstehen kann.

Als zusätzliche Einnahmequelle neben dem Abo-Modell erzürnt das derzeit allerdings die Fans, die immer öfter von Funcom fordern, sich doch für ein Modell zu entscheiden. Doch mit dieser Entscheidung tut sich der Publisher allerdings schwer, denn mit der Neuverfilmung von Conan der Barbar, die im Sommer in die Kinos kommen wird, könnte auch Age of Conan eine späte Renaissance erleben.

Warhammer Online - Umstellung oder Untergang

Völlig stur scheint man allerdings bei Electronic Arts zu sein. Obwohl Warhammer Online nur noch ein Schatten seiner selbst ist und auch die jüngsten Server-Fusionen das Aussterben der Bevölkerung lediglich bremsen aber kaum stoppen können, will man sich offenbar nicht die Blöße geben, mit Warhammer Online im Abo-Modell gescheitert zu sein.

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Geht auch EA mit Warhammer Online irgendwann auf die F2P-Schiene?
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Dabei ist der Titel wie kaum ein anderer für das Free-to-play-Modell geeignet, denn er lebt von einer hohen Bevölkerungsdichte und einen Zustrom an neuen Spielern, die in den unteren Segmenten für Ordnung oder Zerstörung in den Krieg ziehen. Und wenngleich PvP-Fans nicht unbedingt große Freunde von Item-Shops sind, individualisieren sie doch gerne ihr virtuelles Abbild und zahlen notfalls auch dafür.

Dass ein kostenpflichtiges Warhammer Online mit Rift im Nacken nicht wieder auf die Beine kommen wird, wissen mittlerweile selbst die verbliebenen Spieler. Jetzt wäre es an der Zeit, dass Electronic Arts ein wenig Fingerspitzengefühl beweist und den Titel mit Bedacht umstellt. Das würde gleichzeitig helfen, das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen - angesichts des in diesem Jahr zu erwartenden Star Wars: The Old Republic mit Sicherheit klüger, als einen Titel langsam am ausgestreckten Arm sterben zu lassen.

Richard Garriott - produzieren Schrott

Welche Konsequenzen so etwas für den Ruf eines Unternehmens und seiner Vertreter haben kann, durfte auch Richard Garriott erleben. Nach seiner Pleite mit Tabula Rasa und dem Streit mit NCsoft hat sich der Altmeister in die Büros seiner neuen Spieleschmiede Portalarium zurückgezogen und erste Erfahrungen mit einem neuen Hype gesammelt.

Garriott arbeitet mittlerweile ausschließlich an einer vergleichsweise leichten Kost, hat zwei Kartenspiele für Facebook gebastelt und will noch in den nächsten Tagen mehr zu seinem neuen Projekt sagen, das in Insiderkreisen als eine Art Ultima Online für Facebook gehandelt wird.

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Lang, lang ist's her. Der Garriott, der mag nicht mehr.
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Trotz seiner jüngsten Vergangenheit halten viele Fans ihrem Lord British die Treue und werden sofort wieder für Ordnung oder Chaos kämpfen, wenn Garriott zum Angriff bläst - selbst wenn es über Facebook sein sollte. Und dass dieser Plattform durchaus ein paar wirklich kreative Köpfe fehlen, weiß nicht nur der Altmeister, wenn er sagt, dass haufenweise kleine Unternehmen Gelder in den Sand setzten, weil sie im wahrsten Sinne des Wortes „Schrott“ produzierten.

Bungie - bitte kein „WoW im All“

Keinen Schrott, sondern nicht weniger als „WoW im All“ will laut Aussage eines anonymen Insiders die Spieleschmiede Bungie basteln, die es mit Halo auf der Konsole zu einigem Ruhm gebracht hat. Schon seit langem wünschen sich die Fans, darunter sogar namhafte wie Blizzards Vize-Designchef Rob Pardo, ein Halo-MMO.

Doch so positiv die Nachricht von der Entwicklung eines neuen MMO auch aufgenommen wurde - die Bezeichnung „WoW im All“ hinterlässt einen äußerst schalen Beigeschmack und die Sorge, dass am Ende eben nicht das dabei herauskommt, was man sich als Halo-Fan unter einem MMO aus dem Hause Bungie so vorstellt.

DC Universe Online - schreibt die Zukunft neu

Was sich die Fans der Superhelden von DC Universe so unter einem MMO vorgestellt hatten, finden sie im Großen und Ganzen bei DC Universe Online. Der Titel kam sowohl bei den Medien als auch bei den Fans positiv an, weist allerdings Lücken im Lategame auf. Doch die will Sony mit monatlichen Updates stopfen.

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Und damit die Fans auch sehen, dass man in dieser Hinsicht keine Kosten und Mühen scheut, zeigt SOE jetzt den Trailer zum kommenden Update, der von den Jungs von Blur wieder einmal grandios in Szene gesetzt wurde und andeutet, dass Lex Luthor wieder einmal nicht mit offenen Karten gespielt hat.

Wir tun das schon - und nicht nur das. Wir spielen derweil obendrein noch ein wenig auf Koreanisch, denn wir haben doch tatsächlich einen Account für Tera in Korea ergattern können und erzählen in der kommenden Ausgabe von Wiped! von unseren ersten Eindrücken im inoffiziellen Lineage 3. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.