Noch vor einer Woche schien es, als seien die Macher der virtuellen Welten in eine Art Winterschlaf gefallen. Allzu tief kann der allerdings nicht gewesen sein, denn aller weihnachtlichen Feierei zum Trotz arbeitet die Branche mittlerweile wieder auf Hochtouren und beinahe jedes namhafte Studio bereitet sich darauf vor, im kommenden Jahr ein eigenes MMO-Feuerwerk abzufackeln.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein unausgesprochenes Gebot seine Wirkung verlor und die Agonie nach dem Kataklysmus mit einem Mal ein Ende fand. Und am Himmel taten sich Risse auf und enthüllten eine dunkle Prophezeiung, bis sich die Erde erhob und die Halbgötter der alten Mythen für ein neues Eden kämpften.

Nichts verstanden? Dann noch einmal ausführlich...

In der Zeit um Cataclysm war wohl jedes Bemühen, einen Branchenvertreter ans Telefon zu bekommen, zum Scheitern verurteilt. Außer der netten Lady am Empfang schien wirklich jeder Urlaub zu haben, der einem irgendwie hätte weiterhelfen können. Und die wusste nur: „Nein, gar nichts Neues, niemand da. Ja, die Verschwiegenheitsvereinbarung ist noch wirksam. Nein, Sie dürfen nicht über die laufende Beta berichten.“

Okay, was den Urlaub der Kollegen betrifft - er sei ihnen gegönnt. Vielleicht planen die Jungs und Mädels ein paar besinnliche Tage in Azeroth. Oder noch besser: Vielleicht tanken sie Kraft in Vorbereitung auf all die Dinge, die man für das kommende Jahr geplant hat. Doch welchen Wert hat in Zeiten von Wikileaks und Forentrollen eigentlich die Verpflichtung zur Verschwiegenheit, auch NDA genannt?

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Stille N(d)acht, heilige N(d)acht, alles schweigt, keiner sagt's...

Möchte man verhindern, dass andere Studios abkupfern? Unwahrscheinlich, denn kaum ein Titel, den man aktuell durch die NDA zu „schützen“ versuchte, bot wirklich Innovatives. Außerdem: Wollten Konkurrenten eine Beta ausspionieren, könnten sie sich einfach über einschlägige Quellen wie gamona.de einen Key besorgen und still und unerkannt durch die Tests toben. Doch tatsächlich tragen Entwickler Scheuklappen und werkeln meist stur am eigenen Titel, ohne sich für andere Welten zu interessieren. Leider.

Oder möchte man vielleicht verhindern, dass verbissene Anhänger anderer Spiele den neuen Titel vorab in den Dreck ziehen? Dann ist die NDA erst recht unwirksam, denn weil sich der echte Fanboy erst gar nicht für irgendwelche anderen Beta-Tests registriert, kann ihm beim Flamen auch niemand den Mund verbieten, während gleichzeitig derjenige, der diesen Titel gerne weiterempfehlen würde, zur Verschwiegenheit verdammt ist und den Trollen nicht einmal Paroli bieten darf.

Ein Studio, das einen qualitativ hochwertigen Titel auf seinen Servern laufen hat, sollte so einen Firlefanz wie die NDA nicht nötig haben. Diese Regelung mag manchen Zweifler zum Schweigen bringen, hilft aber insgesamt nicht dabei, das Vertrauensverhältnis zwischen Spielerschaft und Studio zu stärken. Zudem stellt sie einen Eingriff in die Meinungsfreiheit dar, womit ernsthafte rechtliche Konsequenzen bei Nichtbeachtung ohnehin kaum denkbar sind.

Rift - zwei Fraktionen und ein Déjà-vu

Auch in Bezug auf Trion Worlds erstes MMOG Rift bestand bis vor wenigen Tagen noch der, die oder das NDA. Obwohl man schon zwei halboffene Betatests hinter sich gebracht hatte, durften weder die Fans noch wir aus Telara berichten. Mittlerweile kündigte der Publisher die dritte Testphase an und gleichzeitig wurden alle Spieler von ihrer Verschwiegenheitsverpflichtung entbunden – auch die Presse.

Doch auch wenn wir auf die in den letzten Wochen immer wieder gestellte Frage „und - wie isses?“ mittlerweile eine konkrete Antwort geben dürften - wir können es nicht. Zu kurz waren die Betaphasen, zu beschränkt die Möglichkeiten, das Spiel wirklich ausgiebig in Richtung Endgame zu testen. Auch der Test zwischen den Jahren wird wieder nur einen kleinen Einblick bieten – obwohl dann immerhin schon mal Charaktere beider Fraktionen bis auf Stufe 20 spielbar sein werden.

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Zumindest schön sieht's aus, dieses Rift.
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Was man aber bereits jetzt sagen kann, ist, dass das Spiel auf den erfahrenen MMOler wie ein andauerndes Déjà-vu wirken muss – ob das gut oder schlecht ist, sei vorerst einmal dahingestellt. Dass es nicht nur uns so ging, konnte man dem Chat während der Beta entnehmen, in dem beinahe jeder Neuankömmling verwundert kundgab, dass Rift ja genau wie WoW sei. Ganz falsch ist das nicht, wobei es sich eigentlich noch etwas eher nach Warhammer Online anfühlt.

Ist das alles nur geklaut?

Klar – geklaut wird in der Branche, seit sie existiert. Blizzard hat, anders als mancher Fan glauben mag, weder die Grundelemente der Echtzeitstrategie, noch die des modernen MMOs erfunden, sondern nur bekannte Bausteine jeweils zu einem etwas neuen Paket zusammengeschnürt. Dass Trion ähnlich vorgeht, kann man ihnen also kaum vorwerfen.

Allerdings wirkt die Ähnlichkeit zu anderen Titel bei Rift bisweilen etwas arg dreist. Von der Schriftart, über die Animationen, bis hin zu den Stellungskriegen auf der Map und den dazugehörigen Aufträgen gibt es nichts, was man nicht schon mal irgendwo gesehen oder gespielt hätte.

Dabei spielt es sich längst nicht so flüssig wie World of Warcraft. Das mag teilweise an der durchaus ansehnlichen und stimmungsvoll inszenierten Umgebung liegen. Die Grafik der Landschaften rangiert qualitativ irgendwo zwischen Warhammer Online und Age of Conan, während die Charaktermodelle technisch weit hinter dem zurückbleiben, was man vor allem von asiatischen Titeln wie Aion so gewohnt ist.

Folge dem weißen Kaninchen

Spielerisch könnte Rift in den unteren Stufen linearer kaum sein. Man wird von Beginn an bei der Hand genommen und durch die Landschaft geführt, hangelt sich von Quest zu Quest und mit den neuen Aufgaben dann in die nächste vorgesehene Regionen. Wer auf Sandbox hofft, braucht bei Rift also gar nicht erst zu suchen.

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Tja, aber taugt's auch was?
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Die Rifts, das Kernstück des Spiels, sind in der Praxis leider längst nicht so spektakulär, wie es in Trions Meldungen bisweilen klang. In etwa sind sie das, was man in Warhammer Online als öffentliche Quests kennengelernt hat – nicht mehr und nicht weniger.

Wer soll das alles spielen!?

Rift scheint kein schlechtes Spiel zu werden, das kann man schon jetzt erahnen. Doch anders als angekündigt, ist es nicht innovativ und schon gar nicht revolutionär. Ob es genügend Elemente gibt, die den Spieler langfristig in Rift halten, muss sich erst zeigen, doch in dieser Hinsicht wird auch die dritte Betarunde noch keine verlässlichen Antworten liefern.

Eine Frage kam uns während des Tests sofort in den Sinn: Für welche Zielgruppe möchte Trion da eigentlich entwickeln? Sowohl WoW-Spieler als auch die Fans von Age of Conan werden ordentlich mit Quests versorgt und keinen Grund finden, warum sie wechseln sollten. Ebenso wenig werden die verbliebenen Spieler von Warhammer Online oder Aion abwandern, denn auch in Sachen PvP hält Rift keine neuen Konzepte bereit. Und der Rest hofft oder spielt längst ein Sandbox-MMO oder eben free to play.

Black Prophecy - die Prophezeiung wird konkret

Letzteren Weg beschreitet auch Reakktor Medias Black Prophecy. Der Titel, den man wohl am ehesten als Online-Space-Shooter bezeichnen kann befindet sich schon seit einer ganzen Weile in der Beta, war bislang allerdings ebenfalls durch die NDA mehr oder weniger wirksam verhüllt worden.

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Black Prophecy: Freelancer lässt grüßen.
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Jetzt haben die Kollegen von gamigo die NDA endlich aufgehoben und wir werden bald ausführlich über das Spiel berichten. Vorab sei kurz gesagt: Black Prophecy fühlt sich ein wenig nach Freelancer an, bietet technisch verlockende und spielerisch kurzweilige Weltraum-Gefechte, auch im Team. Ein echtes MMOG allerdings, da brauchen wir uns keine großen Hoffnungen machen, wird es nicht.

DC Universe Online - Action statt Tiefgang

Ähnlich sieht es auch mit DC Universe Online aus, das eher Freunde gepflegter Action-Unterhaltung ansprechen soll und weniger klassische MMOG-Fans. Für das Spiel wurde nun endlich ein konkreter Release-Termin angekündigt. Und der liegt in nicht allzu weiter Ferne. Am 11. Januar nämlich sollen die bekannten Superhelden von DC durch die virtuellen Weiten streifen – und das nicht nur via PC, sondern auch mit der Playstation 3.

Sony hat damit die Nase vorn, was die Veröffentlichung von modernen MMOs auf der Konsole betrifft. Entwickler wie Cryptic, die mit ihren Titeln auf die Xbox 360 gesetzt hatten, sind damit vorerst abgehängt. Die Schuld daran tragen sie dabei nicht einmal selbst, sondern Microsoft, die mit den nötigen Rahmenbedingungen nicht in die Pötte kommen. Wie DC Universe Online wirklich auf beiden Systemen funktioniert und ob es tatsächlich schon reif für die Veröffentlichung ist, werden wir also bald wissen.

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Earthrise - bald geht die Erde in Bulgarien auf

Und falls uns die Superhelden von DCUO nicht lange genug beschäftigen, wartet schon bald der nächste Knaller. Die Masthead Studios haben nämlich mit Iceberg Interactive endlich einen Publisher gefunden und ihr Sandbox-MMO weitgehend fertiggestellt. Darauf deutet zumindest die Ankündigung hin, in der von einem Release im Februar die Rede ist.

Allerdings müssen wir, so scheint es, vorerst mit der internationalen englischen Version Vorlieb nehmen. Lokalisierungen sind zwar geplant, die Arbeiten werden allerdings noch nicht zum Release abgeschlossen sein. Echte Fans von Sandbox, Territorialkriegen und Full-Loot wird das aber kaum stören. Wir hoffen darauf, dass im Januar dann offene Testläufe stattfinden werden, in denen wir uns ein erstes konkretes Bild von Earthrise machen dürfen.

EVE Online - Wunschzettel an CCP

Dass sich die Besucher einiger Kinos in den USA ein Bild von EVE Online in Leinwandgröße machen durften, berichteten wir schon in der vergangene Ausgabe von Wiped! Der Clip, den die Zuschauer vor den eigentlichen Film Tron: Legacy in diesen Tagen bewundern, ist zwar ausgesprochen kurz, dürfte auf der Leinwand aber durchaus begeistern.

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Wer diesen Film auch mal im Kino seines Vertrauens sehen möchte, darf im offiziellen Forum von EVE jetzt einen Wunschzettel an die Jungs von CCP senden. Die behalten sich dann vor, die entsprechenden Kinos wegen der Aktion zu kontaktieren. Ein dickes Kompliment an die Isländer für die Idee, auch beim Marketing Hand in Hand mit der Community zu arbeiten!

Undead Labs - Mehr als nur Weihnachtsgeld

Ein Kompliment haben auch die Chefs der neu gegründeten Spieleschmiede Undead Labs verdient. Dort möchte man der branchenüblichen Abzocke ein Ende bereiten und Entwicklern tatsächlich auch das zukommen lassen, was sie verdienen. Man möchte all jene belohnen, die über lange Zeit für das Unternehmen arbeiten und hat dafür einen konkreten Plan ausgearbeitet, nach dem man die Mitarbeiter an den Erfolgen beteiligt und ihre Treue auch finanziell belohnt.

Die Firma Undead Labs ist nach ArenaNet das zweite Unternehmen, das von Jeff Strain gegründet wurde. Und es ist kaum verwunderlich, dass die Firma fast vorwiegend aus ehemaligen Mitarbeitern der NCSoft-Tochter besteht, die sich Strain angeschlossen haben, um einen alten Traum zu erfüllen und endlich ein echtes Zombie-MMO für die Konsole zu entwickeln.

Wann das Spiel fertig werden soll und wie es heißen soll, ist bis dato noch nicht bekannt. Dass aber ein besonders erfahrener Haufen Entwickler an dem Titel sitzt, steht außer Frage. Und wenn die dann auch noch bekommen, was sie verdienen, kann wohl nicht mehr viel schiefgehen.

Mythos - großes Gemetzel zwischen den Jahren!

Und was treiben wir so zwischen den Jahren? Klar – wir werden uns wieder nach Telara begeben, um den Rifts auch noch die letzten Geheimnisse zu entlocken. Doch das ist längst nicht alles. Mythos - der längst verloren geglaubte Titel der untergegangenen Flagship Studios wurde bekanntlich von HanbitSoft übernommen und weiterentwickelt.

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Möglicherweise wurde er sogar vollendet, denn jetzt ist Mythos reif für den Stresstest, der noch am 28. Dezember beginnen und so lange dauern soll, bis die Jungs von Frogster alle nötigen Informationen gesammelt haben, die sie für einen reibungslosen Betrieb der Server brauchen.

Mit der kommenden Ausgabe von Wiped! fängt dann das neue Jahr gleich gut an . Bis dahin seid ihr hoffentlich gut versorgt und wisst, was gespielt wird.