In der MMO-Branche herrscht wieder einmal Krieg. Da streiten sich zwei ehemalige Partner um die Endzeit, ein Großgrundbesitzer sagt seinen Bauern den Kampf an und ein kopfloser Frosch stemmt sich mutig gegen das unorganisierte Verbrechen. Wer jetzt noch Fragen hat, sollte einfach weiterlesen.

Dass Namen nur Schall und Rauch sind, weiß der Mitteleuropäer, seit Goethe seinen Faust die Gretchenfrage beantworten ließ. Da man Faust und Mephisto in den USA allerdings nur als Superhelden in DC Universe kennt, mag man verstehen, warum es dort immer wieder zu erbitterten Streits kommt, wenn es darum geht, wer welchen Namen wie nutzen darf.

Fallout - Kampf auf dem falschen Schlachtfeld

Aktuell sind es mal wieder Bethesda und Interplay, die sich um das endzeitliche Fallout balgen wie zwei kleine Jungs um ihr Lieblingsspielzeug. „Wir besitzen die Rechte am MMO. Wir besitzen die Rechte am gesamten Fallout. Die Lizenz gehört uns. Fallout gehört uns.“, wiederholt Bethesda-Vize Pete Hines immer wieder gerne sein ureigenes Mantra. Für schlichtweg „absurd“ hält man diese Ansicht bei Interplay und man ist bereit, um die Endzeit zu kämpfen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 5: Hype, Release, Absturz

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Ob Fallout Online noch so aussieht, weiß keiner. Ob es bei all den Querelen zwischen Bethesda und Interplay jemals erscheint, ist ebenso ungewiss.
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Wir erinnern uns: Interplay hatte die Fallout-Reihe im Jahre 2007 für insgesamt 5,75 Millionen Dollar an Bethesda verkauft und sich dann selbst die Rechte an der Entwicklung eines Fallout-MMOs gesichert - unter gewissen Auflagen. Die jedoch sieht man bei Bethesda nicht erfüllt und klagt. Wollen die RPG-Experten vielleicht selbst auf den MMO-Zug aufspringen? Verfügen sie überhaupt über das nötige Know-how?

Hype, Release, Absturz

Für den durchschnittlichen Fan, dem das Chaos um Fallout schon immer relativ egal war, stellt sich derweil die Frage, was dieser Kleinkrieg eigentlich soll. Fallout ist unbestritten eine erfolgreiche Reihe, doch ist es wirklich der Name, der im Falle einer MMO-Umsetzung den Erfolg garantiert? Haben wir in den letzten Jahren von Spielen wie Warhammer Online, Star Trek Online oder Stargate Worlds nicht gelernt, dass ein großer Name allein noch kein großes Spiel macht?

Im Gegenteil - erwirbt man eine Lizenz, ist man als Entwickler auch an die Auflagen gebunden, die damit einhergehen. Das stört nicht nur den kreativen Prozess bei der Entwicklung, es schafft auch eine konkrete Erwartungshaltung bei den eingefleischten Fans, der kein Studio der Welt gerecht werden kann. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert und auf den anfänglichen Hype folgt der schnelle Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Der Klügere gibt nach

Es ist an der Zeit, dass die Branche aus ihren Fehlern lernt. Wer ein MMO entwickeln will, braucht ein spielerisches Konzept, keinen großen Namen. Entscheidend ist die Idee, der Traum von einer perfekten virtuellen Welt, wie es sie noch nicht gibt und wie man sie selbst gerne erleben würde. Designer, die diesen Traum in der Vergangenheit träumten, erschufen grandiose Welten. Alle anderen gingen baden.

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Verfügte man bei Interplay und Bethesda über ein echtes Konzept, hätte man es kaum nötig, diesen erbitterten Namensstreit zu führen, der langsam aber sicher ins Lächerliche abdriftet. Die Fans der Serie gehören gewiss nicht zur dümmsten Spielerschicht. Einem nagelneuen Endzeit-MMO aus einer der beiden Spieleschmieden würde man auch und gerade dann mit großer Hoffnung begegnen, wenn es sich um einen völlig neuen Titel handelte. Für den Fall Fallout gilt wieder mal: Der Klügere gibt nach!

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Blizzard reicht Beschwerde gegen PayPal ein, das gern für Cheatereien missbraucht wird.
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World of Warcraft - Blizzards späte Erkenntnis

Nachgegeben hat auch Blizzard gerne mal, wenn es um die Bekämpfung von Cheatern in World of Warcraft ging. Nicht immer wurden und werden die bekannten Vergehen so geahndet, wie es sich der ehrbare Spieler gewünscht hätte, und bisweilen kommt der Verdacht auf, dass das Unternehmen durchaus mit den zusätzlichen Einnahmen durch die Professionellen rechnet.

Umso unerwarteter kommt da die aktuelle Strategie des Publishers. Man hat eine Beschwerde beim Bezahlsystem PayPal eingereicht, das besonders gerne für die Abwicklung der unerlaubten Schiebereien genutzt wird. Wer den Goldverkauf nicht stoppt, so droht zumindest der Publisher, laufe Gefahr, seinen Account bei PayPal zu verlieren.

Für die unzähligen Unternehmen, die sich mittlerweile um diese rechtliche Grauzone herum angesiedelt haben, könnte diese neue Strategie des Publishers tatsächlich existenzbedrohend sein, denn World of Warcraft gilt unter Gold-Sellern als der lukrativstes Geschäftsbereich überhaupt. Und den, so erwarten Experten, werden sich die Unternehmen nicht einfach so aus der Hand nehmen lassen. Die Fans fragen sich derweil, warum Blizzard erst jetzt, sechs Jahre nach Release, zu dem vielleicht wirksamsten Mittel greift.

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Nach dem Hacker-Angriff gesteht Frogster gewisse Defizite ein - das LKA ermittelt trotzdem.
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Frogster - versteht die Welt nicht mehr

Nach einem wirksamen Mittel sucht man derzeit auch bei Frogster. Seitdem ein gewisser Cpt.Z3r0 bewiesen hat, dass beim jungen Publisher sicherheitstechnisch etwas im Argen liegt, ist man im Berliner Hauptquartier in Aufruhr. Und obwohl das Landeskriminalamt bereits aktiv gegen den Erpresser ermittelt, scheint man bislang noch keinen Schritt weiter, was Teile der Community hoffen lässt, dass Cpt.Z3r0 bald wieder zuschlägt.

Den Forderungen des Erpressers beugen will man sich bei Frogster zwar auf keinen Fall, allerdings zeigt man sich erstaunlich einsichtig. Das Community-Management sei nicht fehlerfrei und man könne versuchen, sich in diesem Bereich kontinuierlich zu verbessern, erklärte jetzt COO Dirk Weyel und warf in fast mitleiderregender Art und Weise die Frage auf, warum jemand so wütend sei und Frogster und den Usern schaden wolle. Der Tipp der Unzufriedenen an Herrn Weyel: selbst mal aktiv Runes of Magic spielen!

Rift - den Bogen überspannt?

Von der heimatlosen Community aktiv gespielt wird derzeit vor allem Trion Worlds Rift - zumindest wenn gerade mal wieder eine Beta-Phase läuft. Und diese wurden bisher äußerst geschickt aufgeschaltet - gerade mal lange genug, um Neugierigen einen Einblick zu verschaffen und ihr Interesse zu wecken. Immer wenn es dann gerade spannend wurde, war der Spuk auch schon wieder vorbei. Und der Plan geht offensichtlich auf, denn bei Trion freut man sich schon jetzt über eine unerwartet hohe Zahl an Vorbestellungen.

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Mittlerweile steht allerdings bereits die sechste Beta-Phase ins Haus und die ersten Fans scheinen nicht mehr ganz so motiviert zu sein wie zu Beginn. Manch einer wirkt übersättigt und will Telara erst wieder mit Release im März betreten. Vielleicht hätte Trion mit der Beta aufhören sollen, als es am schönsten war, denn mit jeder weiteren Testrunde läuft der Newcomer Gefahr, den Bogen zu überspannen.

Tera - in einer Woche um die Welt

Auch der Tera-Fan 'Dog' hat, nach Ansicht vieler Fans, den Bogen überspannt. Als erster Spieler überhaupt hatte der Südkoreaner bereits eine Woche nach Release die Levelobergrenze von Tera erreicht. Um sich gleich zu Beginn einen Vorsprung zu verschaffen, hat der passionierte Zocker gleich am ersten Tag eine 42-Stunden-Sitzung eingelegt, die wohl auch noch länger ausgefallen wäre, hätten ihn seine Clankumpel nicht in die Ruhepause gezwungen.

Auf seinem Durchmarsch hat 'Dog', der ein erklärter Fan von Teras inoffiziellem Vorläufer Lineage 2 ist, jeden einzelnen Dungeon im Spiel bereist - allerdings hatte er nicht einmal Zeit, die Videosequenzen zu bewundern, geschweige denn sich um die Story zu kümmern.

Auch was das Endgame sowie das politische System betrifft, weiß 'Dog' wenig zu sagen, da es derzeit nicht viele Spieler gibt, die bei Level 50 angekommen sind. Insgesamt sei Tera für seinen Geschmack etwas zu einfach gehalten - allerdings hält sich der Vielspieler mit seiner Ansicht selbst nicht unbedingt für repräsentativ. Außerdem befindet 'Dog', der auch in Starcraft 2 schon in der Top-200 war, das PvP für gelungen und die 50er-Instanzen für wirklich extrem anspruchsvoll.

Star Wars: The Old Republic - Flashpoint: Taral V2 weitere Videos

Star Wars: The Old Republic - 200 Dollar Kosten pro Spieler?

Anspruchsvoll klingt auch Electronic Artsaktuelle Rechnung in Bezug auf BioWares Star Wars: The Old Republic. Mit einer halben Million Spieler könne man die Alte Republik profitabel betreiben, verkündete jetzt EAs CEO John Riccitiello. Wirklich zufrieden sei man allerdings erst, wenn man mehr als eine Million Spieler zählen könne.

Riccitiello rechnet dabei mit äußerst optimistischen 200 Dollar Einnahmen durchschnittlich pro Spieler - über die Zeit des Abonnements hinweg. Um das zu erreichen, muss Bioware allerdings mehr tun, als dem Spiel einen guten Verkaufsstart zu verschaffen. Es müssen langfristige Inhalte her, und ein End- oder Metagame, das dem Titel nach aktuellem Stand der Dinge noch immer zu fehlen scheint. Als mittlerweile gesichert gilt immerhin, dass SW: TOR nach dem 31. März und vor dem 31. Dezember erscheinen wird.

Den Termin für die kommende Ausgabe von Wiped! können wir jedoch schon jetzt ganz konkret nennen. Die nächste MMO-Wochenübersicht erscheint wie gewohnt am kommenden Samstag. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.