Eine knappe Woche liegt der wahrscheinlich größte Mitternachtsverkauf in der Geschichte des Computerspiels nun schon zurück, und wer etwas auf sich hält, hat längst die neue Levelgrenze erreicht. Schon jetzt wird deutlich: Es gibt noch andere Leben nach oder neben Cataclysm, und das kommende Jahr wird in Sachen persistenter Unterhaltung zudem längst nicht so düster wie das vergangene.

Während bei den Fans von Cataclysm in diesem Jahr längst Bescherung gefeiert wurde, weiß der MMO-Außenseiter noch immer nicht so recht, was er dem Weihnachtsmann überhaupt auf den Wunschzettel kritzeln soll. Die drögen Spiele der vergangenen Jahre haben die Community derart mürbe gemacht, dass man dort kaum noch an einen neuen und wirklich spannenden Titel glauben möchte.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 49: Ein Agent kommt nie zu spät. Oder doch?

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WoW: Cataclysm ist da. Wie schön. Aber was macht der Rest, der kein WoW spielt?
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2011 - Anno MMO

Dabei stehen die Vorzeichen mittlerweile gar nicht mal so schlecht, dass im kommenden Jahr so manche Überraschung ansteht, und vielleicht ist - die nötige Geduld vorausgesetzt - sogar der klassische Gutschein vom benachbarten Konsumtempel diesmal die optimale Idee für den leeren Wunschzettel.

Dabei ist es nicht einmal BioWares Alte Republik, die sich in diesen Tagen besonders weit ins Rampenlicht schiebt. Es sind vielmehr zwei Titel, die man bislang eher belächelt hatte und mit deren Erfolg selbst jetzt noch kaum jemand rechnet. Außer jenen Spielern, die sich vorab - welch ein Glück - in den entsprechenden Betatests ein eigenes Bild machen dürfen. Doch genau diese tapferen Tester dürfen - welch ein Unglück - kein Wort über die Spiele verlieren.

Durch die als NDA bekannte Verschwiegenheitserklärung wurden sie allesamt vertraglich dazu verpflichtet, die Klappe zu halten. Da wir es allerdings selbst nicht in die Testrunden geschafft haben, brauchen wir uns auch nicht um derlei Firlefanz zu scheren und dürfen munter spekulieren. Gemeinsam mit jenen Spielern, denen Hackerethik und Freiheitsrechte so wichtig sind, dass sie den Eingriff in die Meinungsfreiheit nicht hinzunehmen bereit sind.

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Vielleicht mal Rift ausprobieren?
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Rift - die andere Seite

Eigentlich ergibt das durch den Publisher erzwungene Stillschweigen weder rechtlich noch strategisch Sinn. Vor allem dann nicht, wenn die Beta rund läuft und der Titel bei der Mehrheit der Tester wahre Begeisterungsstürme auslöst, wie jüngst bei Trion Worlds’ Rift geschehen. Das Spiel ist zwar wirklich so linear, wie vorab befürchtet wurde, doch scheint es dafür auch tatsächlich so spannend zu sein wie erhofft.

Umso erfreulicher für die Fans, dass es am 17. in die zweite Runde geht und sie diesmal die ersten 20 Level aufseiten der Wächter erkunden dürfen. Wer noch keinen Zugang hat, darf sich weiterhin auf der offiziellen Seite um einen Key bemühen, unterzeichnet damit allerdings auch die Verschwiegenheitserklärung, darf fortan also nur noch zocken, aber nicht mehr reden.

DC Universe Online - nachgebessert und für gut befunden

Nicht minder verschwiegen waren bislang diejenigen, die sich vorab als Superheld in DC Universe Online verdingen durften. Und obwohl die NDA mittlerweile aufgehoben wurde, hört man nicht viel über das Action-MMO aus dem Hause Sony Online Entertainment. Das, was man hört, hat es allerdings in sich.

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Eigentlich sollten die Superhelden schon im vergangenen November durch Gotham und Metropolis flattern, doch bei SOE hielt man ein paar weitere Testläufe samt diverser Korrekturen für angebrachter als einen schnellen Release. Das ist dem Titel außerordentlich gut bekommen. Noch immer vermelden die Tester hier und da kleinere Fehler, insgesamt scheinen die Fans aber durchaus angetan davon, in dem auf Action getrimmten Superhelden-MMO Autos, Parkbänke oder Mitspieler durch die Gegend zu schmeißen.

The Agency - ein Agent kommt nie zu spät...

Insgesamt scheint man bei Sony Online Entertainment wieder stärker auf Qualität zu setzen. Während DC Universe immerhin um ein paar Monate verschoben wurde, kündigte Firmenchef John Smedley jetzt an, dass mit dem Agenten-MMO The Agency nicht vor Jahresende 2011 zu rechnen sei. Doch was ist der Grund für derart radikale Verzögerungen?

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Es soll doch noch kommen: The Agency.
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Es habe einen Augenblick im Unternehmen gegeben, da habe man die eigenen Titel mit klarem Blick gesehen und erkannt, dass man fortan einiges besser machen müsse, erklärte John Smedley in einem Interview. Ein Moment der vorweihnachtlichen Erleuchtung im Hause SOE also, gegen die nicht einmal die wartende Fangemeinde etwas sagen kann - oder will.

Schon seit Jahren werden MMOs nur noch ent-, aber nicht mehr weiterentwickelt. Kaum ein Studio nimmt sich noch die Zeit, ein Spielkonzept zu ersinnen, zu testen und auszufeilen. Stattdessen wird auf bekannte Muster aus der Konserve zurückgegriffen, mit denen sich ein MMO locker in einem Jahr auf den Markt werfen lässt. Sollte Sony Online Entertainment diesen einfachen Pfad tatsächlich wieder verlassen und auf Qualität und Innovation setzen, könnte das die Branche durchaus wachrütteln.

Electronic Arts - das Ende der Abenteuer?

Bei Electronic Arts ist man noch nicht ganz so weit und sucht noch immer nach einem Titel, der es irgendwie auf den MMO-Olymp schaffen kann. Nach den zahlreichen Flops der letzten Jahre liegt nun alle Hoffnung auf BioWare und Star Wars: The Old Republic. Das Spiel werde, glaubt zumindest EAs Finanzchef Eric Brown, nicht nur die nächsten zehn Jahre Bestand haben, sondern auch mit weniger als einer Million Abonnenten wirtschaftlich betrieben werden können.

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The Old Republic: auch mit weniger als einer Million Abonnenten erfolgreich. Glaubt zumindest EA.
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Zumindest in der Finanzabteilung von EA backt man vorerst also kleine Brötchen. Statt auf den Hype zu setzen, will man das Spiel jetzt also doch eher langfristig perfektionieren und stabil am Markt positionieren. Damit beweist CFO Eric Brown ein Gespür für die Branche, das manchem Designer und vermeintlichem Branchenkenner in den letzten Jahren gefehlt hat.

Auch Browns Kollege Frank Gibeau, Präsident des EA-Games-Labels, meldete sich in der vergangenen Woche zu Wort und verriet, dass sich der Konzern in Zukunft verstärkt auf die „verbundene Spielmechanik“ konzentrieren werde. Das „Schieß und vergiss“-Spielkonzept, bei denen man 25 Stunden Spaß hat und dann ausschaltet, gehöre der Vergangenheit an, so Gibeau. Innovation und Action seien online zu finden. Hoffentlich behält Gibeau da Recht und nimmt uns nicht nur spannende Abenteuer, sondern gibt uns dafür auch ausreichend Ersatz.

Jumpgate Evolution: Publisher verklagt NetDevil

Um Rechtliches geht es gerade auch bei NetDevil und Codemasters. Die Partner in Sachen Jumpgate Evolution sind sich nämlich nicht mehr ganz hold und der Publisher hat jetzt Klage gegen das Studio eingereicht. NetDevil sei den vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen und habe das Spiel nicht wie vereinbart zum 24. Februar 2009 fertiggestellt. Codemasters gibt an, 1,4 Millionen Dollar in die Entwicklung gesteckt zu haben.

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Codemasters verklagt die Jumpgate-Entwickler.
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Entschädigung verlangt man außerdem für die entstandenen Kosten für Server, Webseite und Community-Team. Was das insgesamt für die Entwicklung von Jumpgate Evolution bedeutet, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Im schlimmsten Falle müssten NetDevil und Gazillion das geforderte Geld auftreiben, und ob das so ohne Probleme möglich ist, steht derzeit ebenso in den Sternen wie der Release des Sci-Fi-MMOs, an das irgendwie niemand mehr so recht glauben mag.

Auch wir glauben nur, was wir mit eigenen Augen gesehen haben, und werden in der kommenden Woche deswegen das dritte inhaltsschwere Update von Star Trek Online anspielen, mit dem Cryptic wieder mal verspricht, den bislang eher mittelmäßigen Titel in die Oberklasse zu hieven. Bis zum kommenden Samstag wisst ihr immerhin, was gespielt wird.