Elfen und Orks sind in, Science-Fiction ist out. So bewerteten Experten die Lage zumindest in den letzten zehn Jahren und machten die Branche über Nacht zu einem zweiten Mordor. Doch plötzlich hat sich das Blatt gewendet. Die Science-Fiction hat eine ganz große Zukunft vor sich, glauben namhafte Analysten plötzlich und belegen das wie immer mit einer Unzahl von Zahlen. Wiped ahnt schon jetzt, was das in letzter Konsequenz für MMO-Fan bedeutet.

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Es liegt in der Natur der Sache: Investoren verfügen meist über extrem viel Geld. Manche haben es geerbt, andere hatten Glück, einigen muss man sogar ein gewisses Talent im Umgang mit dem Mammon zugestehen. Letzteren meist angeboren ist jenes wundersame Talent, das Geld so geschickt zum Fenster rauswerfen zu können, dass es kurze Zeit später zum anderen Fenster wieder reingeflattert kommt - samt sattem Zuwachs.

Das große Zocken mit der Zockerei

Möglich ist das vor allem in solchen Industriezweigen, in denen man sich sicher sein kann, dass die investierten Scheinchen auch wirklich zu einem Höhenflug ansetzen, statt mit dem nächsten Crash am Boden zu liegen. Die Gaming-Branche scheint ein solcher Industriezweig, dem grenzenloses Wachstum nachgesagt wird. Selbst und vor allem in Krisenzeiten finden die Spiele reißenden Absatz, denn je schlechter es den Menschen geht, je gestresster sie sind, desto eher wollen sie sich vom tristen Alltag ablenken.

Problematisch ist allerdings, dass die Damen und Herren Krösusse zwar gerne viel Geld in der so vielversprechenden Branche anlegen möchten, jedoch meist keine Ahnung davon haben, was dort eigentlich so vor sich geht. Macht aber nichts - dafür gibt es ja jene Agenturen und Institute, die im Handumdrehen berechnen können, was Spieler gerne mögen und was in den nächsten Jahren dem digitalen Untergang geweiht ist.

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Die Zukunft abgeschaltet

Das haben sie auch vor rund zehn Jahren getan und das ehemals florierende Sci-Fi-Genre damit quasi über Nacht zum Tode verurteilt. Die Umfragen und Studien der Analysten deuteten damals klar darauf hin, dass der werte Kunde sein Geld künftig nicht mehr in Raumschiffe investieren, sondern lieber Orks und Elfen spielen würde. Dass die Ergebnisse jener Umfragen und Erhebungen jedoch durch den Erfolg der Trilogie um Gandalf und Konsorten kurzfristig verfälscht wurden, interessierte damals niemanden.

Plötzlich ging alles ganz schnell - Investoren zogen sich aus dem Science-Fiction-Genre zurück, Spiele wurden eingestellt oder schnell noch halbfertig auf den Markt geworfen. Das ehemals so glorreiche Genre versank in der Bedeutungslosigkeit, die Fans wurden zu Exoten abgestempelt und in die Randgruppenecke abgeschoben.

Kein Interesse an Randgruppen

Dass es einige unabhängige Studios wie Egosoft mit der X-Reihe oder CCP mit EVE Online trotz magerer Budgets schafften, mit Sci-Fi erfolgreich zu sein, interessierte spätestens ab dem Zeitpunkt niemanden mehr, an dem Blizzard mit World of Warcraft die Theorien der Analysten untermauerte. Der Erfolg von Azeroth schien der Beweis: Fantasy ist eine Goldgrube.

Doch Blizzards Segen wurde für alle Sci-Fi-Fans zum Fluch. Wir wurden jahrelang in lieblose Fantasy-Welten gezwungen und mit Orks und Elfen zugemüllt. Den wenigen Sci-Fi-Titel, auf die wir zeitweise hofften, ging unterwegs das Geld aus und ihr Misserfolg bestätigte nur, was die Analysten ja längst bewiesen hatten: Sci-Fi will niemand spielen.

Volle Kraft zurück!

Jetzt allerdings, wo World of Warcraft seine beste Zeit hinter sich gelassen hat, wo Hunderte Fantasy-Projekte gescheitert sind und das Genre auch in den Kinos nicht mehr so richtig in Gang kommen will, rudern die Analysten plötzlich wieder zurück. Newzoo, eine Consulting-Firma, gibt schon erste Hochrechnungen heraus.

Nach denen haben 36 Prozent der europäischen Spielerschaft schon Spiele mit Sci-Fi-Hintergrund gespielt und scheint sich demzufolge für das Genre zu interessieren. Der Firmenchef von Newzoo erwartet mit Blick auf Biowares anstehenden MMO-Launch auch schon einen "signifikanten Aufwind für die vielen Sci-Fi-Titel".

In weiser Voraussicht

Natürlich liegt der Analyst mit dieser Prognose richtig. Und natürlich werden die Ahnungslosen mit dem Geld jetzt aufhorchen und auf diesen und andere Propheten der Branche hören. Ja - der Science-Fiction gehört die Zukunft. Super erkannt, liebe Analysten - und vielen Dank auch. Denn bald werden die Gelder wieder mit der gleichen Ignoranz in das wiederentdeckte Sci-Fi-Genre gepumpt, mit der man einst auf den Fantasy-Zug aufspringen wollte.

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Wie gut kommt Sci-Fi made by Bioware an? In wenigen Wochen wissen wir es.
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"Fantasy ist out - Sci-Fi ist in!", wird es bald überall heißen. Für die Studios ist das kein großes Problem - man konzeptioniert einfach fix um. Und bald wir werden dann in knallbunten Raumschiffchen durchs lustige All rudern und nach gleichem Muster allerlei Space-Getier wegbashen. Darauf haben wir Science-Fiction-Fans seit langer Zeit gewartet.

Nein, ich freue mich absolut nicht über diese Entwicklung. Nicht alles, was sich um Raumschiffe und außerirdische Lebensformen dreht, ist zwangsläufig Science-Fiction. Eingefleischte Genre-Fans hatten schon mit Starcraft ihre Probleme - sie werden sie auch mit NCsofts WildStar haben und auch Bioware wird sich in Bezug auf Star Wars: The Old Republic auf so manche heftige Kritik einstellen müssen.

Ein zweifelhafter Erfolg

Die Analysten liegen mit ihrer Bewertung richtig und falsch zugleich, denn sie berechnen die Zukunft nicht - sie verändern sie. Sci-Fi ist ganz plötzlich wieder in Mode, weil es nie out war. Es wurde von eben jenen "Experten" für ein Jahrzehnt verbannt und bietet sich nun an, den Investoren als neue Mohrrübe vor die goldene Nase gehalten zu werden, die sie als Folge bald wieder in Dinge stecken, von denen sie keine Ahnung haben.

Ich bin zwar weder Analyst, noch verfüge ich über prophetische Gaben, doch ich wage schon jetzt eine Prognose für die Zukunft abzugeben, wenn ich vorhersehe, dass wir Science-Fiction-Fans uns bald mit großer Wehmut an jene Jahre zurückerinnern werden, in denen wir uns noch als Randgruppe bezeichnen durften.

Lineage 2 - unverhofft kommt oft

Wie schnell Randgruppen plötzlich wieder im Mittelpunkt stehen können, beweist in diesen Tagen übrigens das altehrwürdige Spiel Lineage 2, das bislang selbst vom eigenen Publisher NCsoft gerne als Hardcore-PvP-Game und damit als untauglich für den westlichen Markt abgestempelt wurde und das jetzt, nach seiner Umstellung auf free-to-play, plötzlich wieder in aller Munde ist.

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Der Besucherstrom reißt nicht ab - jede Sekunde erreichen Hunderte neue Spieler das Land.
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In den USA wird auch weiterhin NCsoft das Publishing übernehmen - in Europa hingegen wurde es an Innova abgegeben. Und die haben bereits einen ganz frischen Server aufgeschaltet, der in den wenigen Tagen schon so viele Spieler angelockt hat, dass er aus allen Nähten platzt. Auch ich habe mich auf CORE umgesehen und war positiv überrascht.

In einer Woche zum Castle-Siege

Durch die aktuelle Erweiterung Goddess of Destruction fällt der Aufstieg ins obere Level-Segment nicht mehr schwer. Stufe 40 erreicht man schon in wenigen Stunden über eine ganze Reihe von neuen Quests. Auf jeden Fall kann man jetzt schon binnen weniger Tage in jene Bereiche vordringen, in denen man in einer der berüchtigten Belagerungsschlachten etwas reißen kann - Anschluss an einen Clan natürlich vorausgesetzt.

Der Publisher hat sein Versprechen tatsächlich wahrgemacht und liefert das komplette Spiel zum Nulltarif. Der Itemshop ist optional, die wichtigen Gegenstände, die man dort für echtes Geld bekommen kann, kann man sich auch im Spiel verdienen - von den XP-Boostern einmal abgesehen. Wer weiterhin die Monatsgebühr entrichten möchte, kann das tun, bekommt den XP-Bonus dann permanent und darf zudem noch mehrere Spielclients parallel auf einem Rechner starten.

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Selbst das offizielle Forum platzt aus allen Nähten - dabei hat Europa ein eigenes.
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Schluss mit den Bots

Im Gegensatz zu NCsoft scheint Innova gegenüber Cheatern einen harten Kurs zu fahren. Die Anti-Cheat-Software GameGuard verrichtet wahrscheinlich erstmals in der Geschichte von L2 ihren Dienst nach Vorschrift, FROST überprüft zudem serverseitig das Verhalten sämtlicher Charaktere und meldet es an die GMs weiter, wenn sich ein Charakter allzu monoton verhält.

Und damit diese Meldungen auch gehört werden, sind bei Innova derzeit rund um die Uhr fünf Gamemaster im Einsatz, die sich derzeit beinahe liebevoll darum kümmern, dass den Tausenden Noobies in den Startzonen die wenigen Mobs nicht ausgehen. Alles in allem beweist der russische Publisher ein gutes Gespür für ein Spiel, das auch im Westen hätte erfolgreich sein können, wenn es nur richtig betreut worden wäre.

Ich werde mich auf jeden Fall in den nächsten Wochen auf CORE weiter nach oben arbeiten und bald von den ersten Belagerungskämpfen berichten, die angesichts aktueller Spielerzahlen auf jeden Fall epische Ausmaße erreichen werden. Wer es nicht glaubt, sollte in den nächsten Tagen einfach mal einen Blick in eines der wenigen MMOGs werfen, die über ein ewig motivierendes und vor allem funktionierendes End-Game verfügen.

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Zur gleichen Zeit in Rift...
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Ausblick

Und weil uns ein solches End-Game besonders wichtig ist und wir uns das auch von Arche Age erhoffen, werden wir uns in der kommenden Ausgabe wieder mal etwas ausführlicher mit Arche Age befassen, dessen vierte Betarunde nicht nur spannende Video-Clips, sondern auch einige brandheiße neue Infos zutage gefördert hat. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.