Immer wenn auf gamona vermehrt Vokabeln wie PvP, AoE, NPC oder Lag auftauchen, reibt sich der Noob verwundert die Augen und klickt schnell weiter. Der MMO-Veteran weiß jedoch genau, dass es wieder einmal an der Zeit ist, die persistente Brille aufzusetzen und uns auf der Suche nach der virtuellen Erfüllung zu begleiten.

Dass wir die im deutschen Hauptquartier von Square-Enix nicht finden würden, wussten wir bereits vor Antritt unserer Reise nach Hamburg. Doch immerhin eine Antwort erhofften wir uns - eine Antwort auf die Frage, die zigtausend Käufern von Final Fantasy XIV derzeit auf dem Herzen brennt: Wie konnte das passieren?

Technisch ist der jüngste Online-Spross der Erfolgsserie zwar auf dem neuesten Stand, doch in Sachen Spieldesign scheint in Japan die Zeit seit acht Jahren stehengeblieben zu sein. In der Führungsetage des Publishers scheint man mittlerweile begriffen zu haben, dass schwerwiegende Fehler begangen wurden, die es schnellstmöglich zu bereinigen gilt.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 47: Wer nicht MMOt, der nicht gewinnt

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Stimmungsvoll sieht's ja aus, aber was ist schiefgelaufen? Die Entwickler versuchten, Antworten zu geben.
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Final Fantasy XIV – Entwickler im Büßergewand

Die Entsendung von Hiromichi Tanaka und Sage Sundi zu den weltweiten Außenposten erscheint uns da beinahe wie der Gang nach Canossa. Die beiden Japaner gaben sich bei unserem Treffen unerwartet reumütig, baten die Fans um Geduld und versuchten, Erklärungen zu finden, warum der Titel derzeit nicht besonders gut ankommt. Von Bugs ist da die Rede - und unerwarteten Problemen mit der Struktur des Programms.

Die Fans allerdings scheinen derzeit ganz andere Probleme zu haben. Sie vermissen schlicht und einfach das Spiel innerhalb der schwer zugänglichen Welt von Final Fantasy XIV. Für Hiromichi Tanaka und Sage Sundi ist das sicherlich schwer nachzuvollziehen, denn sie selbst spielen keine MMOs. Als Entwickler hat man dazu wahrlich keine Zeit und außerdem besteht die Gefahr, dass man von so etwas süchtig wird.

Wer nicht spielt, kann nicht gewinnen

Von Activision-Chef Bobby Kotick hätte man solche Worte vielleicht erwartet – aus dem Munde eines Mannes, dessen Beruf die Entwicklung virtueller Spielwelten ist, klingen sie hingegen wie ein schlechter Scherz. Wer könnte sich einen Pfarrer vorstellen, der selbst nicht glaubt, einen Koch, der nicht gerne isst, oder einen Musiker, der selbst keine Musik hört?

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Final Fantasy XIV: An der Community vorbeientwickelt.
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Beruf kommt von Berufung und wer Computerspiele entwickeln will, sollte dafür auch selbst eine gewisse Begeisterung entwickeln können. Niemand verlangt, dass ein Chefentwickler in seiner kargen Freizeit auch noch diverse Avatare perfekt ausstattet oder zum König einer virtuellen Welt aufsteigt. Ein paar Stündchen pro Woche muss er aber für die eigene Zockerei abzwacken, um zu wissen, was die Konkurrenz in den letzten Jahren so entwickelt hat und was nicht.

Will man als Entwickler verstehen, wovon die Spieler träumen, muss man Spieler bleiben, sonst verliert man die Leidenschaft an der Sache und entwickelt an den Wünschen und Bedürfnissen der Fans vorbei – genau wie bei Final Fantasy XIV geschehen. Und dann helfen auch neue Klamotten, Monster und ein paar bereinigte Bugs wenig dabei, die Enttäuschten wieder zurück ins schwankende Boot zu holen.

DC Universe Online – Willkommen in Gotham City!

Doch Hiromichi Tanaka ist längst nicht der einzige Entwickler, der keine Zeit zum Spielen findet. Auch die Jungs von Sony Online Entertainment erzählten uns im letzten Jahr, dass sie selbst keine Zeit zum Zocken hätten. Trotzdem sind sie überzeugt davon, dass ihnen mit DC Universe Online der ganz große Wurf gelingen wird. Immerhin entwickelt man für PC und Playstation 3 gleichzeitig und verfügt außerdem über eine starke Lizenz.

DC Universe Online - Rundflug über Gotham City2 weitere Videos

Eine solche kurbelt zwar die anfänglichen Verkäufe an, hält allerdings niemanden langfristig im Spiel. Im Gegenteil: Die Lizenz weckt bei den Fans konkrete Hoffnungen, denen das Spiel dann meist nicht gerecht werden kann. Ein Effekt, der SOE eigentlich schon durch Star Wars: Galaxies bekannt sein dürfte.

Trotzdem kommt man als Fan der bekannten Superhelden nicht umhin, schon vorab ein gewisses Interesse an DC Universe Online zu entwickeln. Denn auch wenn sich die Entwickler, was das Gamedesign betrifft, verdächtig bedeckt halten, so zeigen sie wenigstens, dass sie gute Kulissen bauen können und in der Lange sind, die aus Comics und Filmen bekannte Welt so ins Spiel zu bringen, wie wir sie in Erinnerung haben. Willkommen in Gotham City!

Pirates of the Burning Sea – sticht verspätet in die freie See

Doch noch bevor Gotham City tatsächlich für die Allgemeinheit geöffnet wird, möchte SOE die virtuelle Freibeuterei auch real zu einer solchen machen und Pirates of the Burning Sea auf das Free-to-Play-Geschäftsmodell umstellen. Dem Titel, der durchaus als derzeit bestes Piraten-MMO bezeichnet werden darf, täte die damit einhergehende Spielerflut mit Sicherheit gut.

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Free-2-Play-Modell: keine schlechte Idee für PotBS.
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Doch so schnell wie bei SOE erhofft schießen die Kanonen der Entwickler dann auch wieder nicht. Statt noch vor Weihnachten ein fehlerbehaftetes Spiel zu veröffentlichen, will man sich bei Flying Lab die nötige Zeit nehmen und die Umstellung auf solide Planken stellen. Die Fans bewerten das einstimmig positiv.

EVE Online – klare Worte zum Thema Mikrotransaktionen

Weniger freundlich waren die Spieler von EVE Online gestimmt, als CCP vage Andeutungen darüber machte, dass man „nicht zum Dinosaurier werden“ wolle und sich künftig mehr mit Mikrotransaktionen beschäftigen werde. Die allerdings, das befürchteten die Fans sofort, könnten die Balance der auf PvP und Spielerpolitik ausgerichteten Welt empfindlich stören.

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CCP kündigte an, sich mehr mit Mikrotransaktionen zu beschäftigen.
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Umso erfreulicher, dass CCP jetzt beschwichtigend erklärt, dass man weder etwas anbieten werde, das den Skill-Zuwachs beschleunigt, noch irgendwelche Gegenstände, die einen Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Man denke vielmehr darüber nach, mit dem kommenden Update „Incarna“ besondere Gegenstände kosmetischer Natur, wie Kleidung und Möbelstücke, anzubieten oder die Möglichkeit zu eröffnen, ein Logo am Schiff anzubringen.

Eher positiv wurde auch die Ankündigung aufgenommen, dass man mit dem Patch zu Weihnachten die umstrittenen „Learning-Skills“ abschaffen und den Skill-Zuwachs generell anheben werde. Die investierten Punkte bekommen die Gebildeten dann gutgeschrieben. Und nachdem die Fans dann auch noch den neuen Trailer zum anstehenden Update begutachtet hatten, waren sämtliche Wogen um EVE Online wieder geglättet.

Tera – die Tücken des Feudalismus

Einige Wogen hatte auch der jüngste Trailer zu Tera ausgelöst, der bislang nur in der koreanischen Version verfügbar war. Dass im Video ein Exarch mit seiner exklusiven Ausrüstung zu sehen ist, war bereits bekannt. Was uns die Stimme im Hintergrund zu sagen hatte, konnte man allerdings nur erahnen. Umso erfreulicher, dass Europa-Publisher Frogster jetzt eine deutsche Version des Videos nachlegt, die mehr offenbart als ein paar stimmungsvoll inszenierte Szenen aus dem Spiel.

„Ist das die Story von Tera?“, fragten in der vergangenen Woche Tausende von Interessierten in unzähligen Foren. Nein, das ist nicht die Story von Tera, sondern eine mögliche Variante von unendlich vielen. Zu achten ist nämlich auf den Erzähler im Hintergrund, der kurz und knapp die Möglichkeiten des politischen Systems darlegt und vor dem warnt, was einen allzu ambitionierten Exarch während seiner Regentschaft erwartet.

Rift: Planes of Telara – Blick ins Heiligtum

Viel stärker auf die Story des Spiels ausgerichtet ist da schon der neue Trailer zu Rift, dem der Untertitel Planes of Telara mittlerweile weitgehend abhandengekommen ist. Das Video eröffnet einen ersten Blick auf das Sanctum, das vom Bund der Wächter bewacht wird und von wo aus man im Laufe des Spiels immer wieder in den Kampf geschickt wird.

Doch wenngleich Rift einen grandiosen optischen Eindruck hinterlässt, hegt die Community doch gewisse Zweifel, ob der Titel, der sich sichtbar an gewissen Erfolgstiteln orientiert, auch spielerisch genügend Abwechslung zu bieten hat.

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Die Antwort auf diese Frage findet ihr spätestens am 03. Dezember selbst, wenn das Spiel in die Closed-Beta-Phase eintaucht. Und falls ihr bisher noch keinen Schlüssel zum Glück habt, dann solltet ihr schleunigst einen beantragen.

Wir sehen uns dann also am kommenden Freitag im Sanctum – oder spätestens am Samstag wieder bei einer neuen Ausgabe von Wiped! Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.