Seit einigen Jahren hocken selbst die erfahrensten MMO-Designer in einem tiefen Kreativloch. Umso eifriger hingegen ersinnen die Leute vom Marketing immer neue, äußerst kreative Methoden, den ohnehin schon frustrierten MMOlern auch noch den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Unser Tipp an Design und Marketing: Wiped! lesen und Büros tauschen...

In der MMO-Branche sind harte Zeiten angebrochen. Seit Jahren floppt ein großer Abo-Titel nach dem anderen. Selbst große Publisher sehen sich mittlerweile gezwungen, ihren ehemaligen Top-Titel zum Nulltarif anzubieten und dafür via Itemshop abzukassieren. Doch auch die kostenlos zockende Community ist mittlerweile verwöhnt und lässt sich längst nicht mehr jeden Murks andrehen – schon gar nicht gegen Geld.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 46: Talfahrt im Schlaraffenland

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Champions Online will euch. Lebenslänglich. Für schlappe 299 Dollar.
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Champions Online – der Kampf ums Überleben

Umso skurriler erscheint da das unschlagbare Angebot, das die Cryptic Studios jetzt allen verbliebenen Online-Champions unter dem Motto „Fight for your Life: Just $299!“ anbieten. Wer das angehende Free-to-Play-MMO „für immer“ spielen möchte, ganz ohne dafür eine monatliche Gebühr zu bezahlen, der sollte sich doch bitte vorab noch schnell die „Lifetime Subscription“ holen – Kostenpunkt: unschlagbare 299 Dollar!

Dafür ist man dann Gold-Mitglied und freut sich im Spiel über so etwas wie des Kaisers neue Kleider. Und damit nicht genug – Cryptic lässt sich diesmal nicht lumpen und legt trotz Vorzugspreises sogar noch einen drauf: Im exklusiven „VIP-Room“ darf sich Krösus nämlich – unter Ausschluss des gemeinen Volks – mit nicht minder bekloppten Superhelden-Herrchen über Cryptics jüngsten Scam austauschen. Beneidenswert...

Star Trek Online – Hilfe zur Selbsthilfe

Anders als Champions Online soll Cryptics Star Trek Online vorerst noch nicht aufs Free-to-Play-Modell umgestellt werden. Dabei fehlt es gerade dem MMO-Ableger der legendären Serie noch immer an herausragenden Inhalten. Die meisten Missionen sind zu kurz, zu platt, zu aufgesetzt und zu eintönig, als dass sich der Spieler tatsächlich in der geliebten Sci-Fi-Welt heimisch fühlen könnte.

Doch statt ein paar talentierte Schreiberlinge für teuer Geld zu engagieren, macht das Studio die Not zur Tugend und will der Spielerschaft bald den hauseigenen Missionseditor der Entwickler zugänglich machen. Wer nicht mit den vorgesetzten Inhalten zufrieden ist, soll sich eben selbst ein Abenteuer zimmern. In City of Heroes hat das ja auch funktioniert.

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Die Community soll tätig werden: Das Entwicklerteam macht den Missinseditor zugänglich
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Und tatsächlich könnte Cryptics Plan aufgehen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Trekkies gelten zwar oft als Nerds, sind zumeist aber mit einem Mindestmaß an Phantasie gesegnet – gepaart mit einer ordentlichen Portion technischem Verständnis. Dazu kommt, dass sie oft unverheiratet und bereit sind, ihren kompletten Jahresurlaub für lau in den Dienst der Menschheit zu stellen.

Generell sollten kleinere Studios darüber nachdenken, ob sie nicht ebenfalls diesen Weg einschreiten sollten. Kein Entwicklerteam der Welt kann den Spielhunger eines durchschnittlichen Online-Gamers dauerhaft stillen – Tausende gelangweilte Mitspieler könnten das hingegen spielend. Lässt man die von Spielern generierten Missionen dann noch im Spiel von denen bewerten, die sie durchgezockt haben, und belohnt den Architekten durch virtuelle Goodies oder kostenlose Spielzeit, profitieren tatsächlich alle Beteiligten.

Free to play – Talfahrt im Schlaraffenland

Vielleicht ist es auch gut so, dass Cryptic weiterhin zögert und STO nicht aufs Free-to-Play-Modell umstellen möchte. Denn aller Rekordmeldungen zum Trotz scheint auch im virtuellen Schlaraffenland nicht alles Gold zu sein, was aus der Ferne glänzt. Trotz relativ soliden Produktsortiments im Bereich der Free-to-Play-Spiele vermeldete der Publisher Perfect World Entertainment aktuell einen Rückgang der Gewinne um beinahe 30 Prozent. Und damit steht man nicht mehr alleine da.

Erstmals sehen auch die ersten Analysten die Entwicklung des Marktes kritisch und vermelden einen eindeutig negativen Trend bei den Spielen ohne Monatsabo, der sich wohl auch durch anstehende Neuerscheinungen kaum aufhalten lässt. Mit anderen Worten: Der Markt wurde in den letzten Jahren künstlich aufgebläht und ist jetzt hoffnungslos übersättigt.

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Immer noch da: Herr der Ringe Online.
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Der Herr der Ringe Online – kein Ende in Sicht

Selbst die ganz großen ehemaligen Abo-Titel haben es im neuen Segment nicht ganz leicht. In einschlägigen Foren hat sich mittlerweile herumgesprochen, wie man mit möglichst wenig Geldeinsatz möglichst viel Mittelerde freischalten kann – ganz ohne Einschränkungen. Dabei legen die Spieler oft eine stressige Betriebsamkeit an den Tag, wie man sie nicht einmal aus Zeiten der Monatsgebühren kannte. „Nur schnell durch!“, lautet das Motto – doch umso eher stellt sich die Frage, wofür man das alles macht.

Denn während die ganz Eifrigen zusehends bemängeln, dass Der Herr der Ringe Online über kein nennenswertes Endgame verfügt, gestalten die Entwickler den Weg nach oben immer einfacher – ganz dem Geschmack des durchschnittlichen F2P-Spielers entsprechend. Der allerdings gilt als nicht besonders geduldig und wechselt flugs das Spiel, sobald es nichts mehr zu tun gibt.

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Es gibt viel zu tun in Aion. Spätestens seit dem Update 2.1.
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Aion – vorgezogenes Weihnachtsgeschenk

Über mangelnde Betätigungsmöglichkeiten beschweren sich die Fans von Aion spätestens seit dem Angriff auf Balaurea nicht mehr, der ihnen fünf weitere Level, drei spaßige Solo-Instanzen und jede Menge neue Herausforderungen im oberen Segment beschert hat. Aion reift zwar langsam, doch immerhin sind die Bemühungen von NCsoft spürbar geworden.

Seit dem jüngsten Update 2.1 zeigt sich das vor allem am Inventar, denn die versprochene „drastische“ Erhöhung der allgemeinen Dropraten war eher noch unter- als übertrieben und wirkt wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Wenn wir jetzt noch serverübergreifend in die Dredgion klettern dürften, wären wir vorerst zufrieden.

All Points Bulletin – Problem erkannt, Problem gebannt?

Ausgesprochen zufrieden sind auch die Leute bei GamersFirst, die mit dem verunglückten All Points Bulletin ein potenziell erfolgreiches MMO zum Schnapperpreis an Land ziehen konnten. Noch innerhalb der ersten Jahreshälfte 2011 will man das Spiel unter dem Titel APB: Reloaded neu an den Start bringen. Bis dahin liegt aber noch ein gutes Stück Arbeit vor den neuen Herren der virtuellen Großstadt.

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Wieder zurück unter den Lebenden: All Points Bulletin.
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Die Umstellung auf free to play allein reiche noch nicht aus, um einige fundamentale Probleme des Spiels zu beseitigen, bekannte ein Vertreter des Unternehmens jetzt. Man werde die bislang unveröffentlichten Inhalte sichten und bei der Entwicklung neuer Inhalte eng mit der Community zusammenarbeiten. Die unglaublichen Anpassungsmöglichkeiten, durch die All Points Bulletin von sich reden machte, will man natürlich beibehalten.

Auch wenn der Verkauf von APB an GamersFirst den Untergang von Realtime Worlds kaum aufhalten kann, so bedeutet der Deal doch immerhin, dass den ehemaligen Mitarbeitern die noch ausstehenden Löhne ausgezahlt werden können. Für die Käufer des Originalspiels will man sich dann bei GamersFirst etwas ausdenken. Und wer weiß – vielleicht hat man bei dort ja auch eine Idee, wie man aus dem verkommenen San Paro wieder eine echte Metropole machen kann.

Warhammer Online – warum nicht gleich?

Auch bei BioWare-Mythic hat man ein Problem mit der Bevölkerungszahl. Umso mehr Hoffnung legt der Publisher in den aktuellen Patch 1.4.0, der endlich vier Klassen der Skaven samt neuem Dungeon ins Spiel bringt und für neue Belohnungen und Ausbaumöglichkeiten sorgt. Ganz ungetrübt ist die Freude der Fans allerdings nicht, denn man bittet erneut zur Kasse.

Fünfzehn Dollar soll der Spieler für die beiden RvR-Packs insgesamt bezahlen – eine Frechheit, finden viele Fans und manch einer fordert die Free-2-Play-Umstellung des Titels. Daran, dass der Zusammenschluss mit BioWare langfristig positive Auswirkungen auf Mythics Titel haben wird, glaubt mittlerweile kaum noch jemand.

Tera – neue Szenen aus Seoul

Umso verlockender ist es da, an die Verheißung aus Fernost zu glauben. Um Tera hat sich langsam, aber sicher ein waschechter Hype geformt – mit allen Vor- und Nachteilen. Doch ganz grundlos ist die Begeisterung vorab wohl nicht, denn nicht nur die Videos, sondern auch die stetig neu eingehenden Infos zum Titel haben es in sich.

Besonders interessant sind dabei wohl die Funktionen von Gilden, das PvP und das politische System, mit dem man bei Bluehole das schaffen möchte, was den meisten MMOs fehlt: das Metagame. Dass die einzelnen Provinzen Vanarchs als Landesherren bekommen würden, war schon vorher bekannt. Dass die Vanarchs einen Exarch aus ihren Reihen als eine Art Serverkönig wählen dürfen, der dann Einfluss auf grundlegende Spielfunktionen wie Steuern und Spawnraten haben würde, wussten wir auch schon.

Neu allerdings ist der Trailer, in dem Bluehole einen solchen Exarch mal in voller Montur auf seinem exklusiven Schlachtross zeigt, das man nicht mal eben so für 20 Euro erwerben kann und das nur bekommt, wer im Spiel wirklich Außergewöhnliches leistet.

TERA - Gstar-Trailer2 weitere Videos

Dass Tera einen vielversprechenden Eindruck macht, hat uns wider Erwarten auch Hirochimi Tanaka erzählt. Wir haben den Vater der Final-Fantasy-Reihe im deutschen Hauptquartier von Square-Enix in Hamburg besucht und mit ihm über den missglückten Start und die Zukunft von Final Fantasy XIV gesprochen. Das Interview findet ihr in Kürze auf eurer Lieblingsseite. Den nächsten MMO-Wochenüberblick gibt es wie gewohnt am kommenden Samstag. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.