Da sind wir eigens für euch ins Zentrum des Bösen gepilgert, haben unsere Seele einer dubiosen Geheimorganisation verkauft und Tag und Nacht gegen allerlei skurrile Wesen gekämpft, um mehr über eine äußerst gut gehütete Welt zu erfahren. Und dann - wird doch tatsächlich von uns verlangt, dass wir den Mantel des Schweigens darüber legen. Doch wie heißt es so schön? Man kann nicht nicht kommunizieren. Wiped! schon mal gar nicht.

Ach, wir von der Games-Presse haben es so richtig gut. Wenn wir mal nicht im Büro vor unserem Mega-Rechner sitzen und das Spiel des Jahres “testen”, hocken wir mit coolen Entwicklern und hübschen PR-Ladys zusammen, speisen nach Herzenslaune, trinken und zocken um die Wette und tratschen dabei stundenlang über die zweitschönste Sache der Welt.

Ein Tag in einer geheimen Welt

Etwas in der Art hatte ich mir vorab auch von dem kleinen Stelldichein versprochen, zu dem die Jungs von Funcom in der vergangenen Woche eingeladen hatten. Darüber, dass der Tag in und mit ‘The Secret World’ ausgerechnet in der deutschen Niederlassung der Origin-Verzapfer von Electronic Arts stattfinden sollte, war ich ausnahmsweise einmal bereit großzügig hinwegzusehen.

Nicht einmal der Strafzettel, den mir die aufmerksamen Kölner Ordnungshüter zu nachtschlafender Stunde als Andenken unter den Scheibenwischer gesteckt hatten, konnte meine Laune auf dem Weg zum Rheinufer trüben. Erst als mir die Lady im EA-Hauptquartier freundlich lächelnd einen Zettel unter die Nase hielt, klappte mir nicht nur sprichwörtlich die Kinnlade runter.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 45: The Secret World - zu geheim für diese Welt?

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Frank mit den Secret-World-Machern: So geheim, dass wir (noch) nicht drüber reden dürfen.
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Ich seh etwas, das du nicht siehst...

Sobald ich durch jene Tür gehen würde, aus der es schon verführerisch nach gutem Kaffee und frischen Brötchen duftete, müsste ich über alles, was ich dort sehen und erleben würde, den Mantel des Schweigens legen. Bisweilen wird es Verschwiegenheitsvereinbarung genannt, NDA oder auch Embargo - ich nenne es Folter.

Für jeden mitteilungsbedürftigen Vollblut-Journalisten wäre die Aussicht auf eine Runde Waterboarding in diesem Augenblick wahrscheinlich weniger beängstigend gewesen als die Vorstellung, dass ich nichts und niemandem von meinen Erlebnissen berichten dürfte, ohne befürchten zu müssen, dass bald die Herren von der Origin-Geheimstaffel in Schwarz bei mir auftauchen würden, um mich in eines dieser geheimen EA-Testlabore zu stecken, wo ich den Rest meines Lebens als Versuchsperson grauenvolle Games zocken müsste.

Im vielleicht schwierigsten Kampf meines Lebens rang ich also für einige endlos währende Sekunden mit meinem inneren Schweinehund. Am Ende obsiegte diese Schimäre in mir und ich unterschrieb mit zitternden Fingern doch fix diesen Wisch, weil ich gerade eine hübsche Lady mit einer nicht minder hübschen Platte Frühstücksbuffet durch die besagte Tür schweben sah.

Verschwiegen wie ein Grab

Und so begann mein Tag in Köln, der für euch leider genau an der Stelle endet, an der es spannend geworden wäre. Ich darf euch also nicht davon erzählen, wie ich mich durch London und Kingsmouth geschlagen habe, wie ich im Team mit Kollegen und Entwicklern einige Bosse erlegt und wir uns dann aufseiten der Templer gegen Illuminati und Dragon zur Wehr gesetzt haben.

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So viel dürfen wir sagen: Wir haben gespielt!
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Für einige Tage bin ich noch zum Schweigen verdammt. Derzeit darf ich euch wahrscheinlich nicht mal sagen, dass das leckere Buffet bald nebensächlich wurde und ich The Secret World nach dem Tag in Köln verdammt gerne weitergespielt hätte - und dass Funcoms jüngster Streich, aller Geheimniskrämerei zum Trotz, eines der vielversprechendsten MMOs des kommenden Jahres werden dürfte.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sobald das Embargo gefallen ist, halten wir eine Vorschau und ein ausführliches Interview für euch bereit. Darin werdet ihr umso mehr über Funcoms so streng gehütete Welt erfahren, in der sich quasi alle Märchen, Sagen und Horror-Storys, die in unserer Welt je erzählt wurden, auf einen Schlag manifestieren.

Unveiled: The Supernatural - Konkurrenz für CCP und Funcom?

Überhaupt scheint es, als hätten die Gamer dieser Erde nur darauf gewartet, dass sich die Studios endlich von Orks und Elfen abwenden und sich den ernsteren Gefilden der Fantasy widmen würden. Nicht nur haben CCP mit World of Darkness und Funcom mit The Secret World aussichtsreichen Grusel-Horror in der Mache - auch in den Maverick Studios in Südkorea arbeitet man schon seit geraumer Zeit an diesem Thema.

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Unveiled: The Supernatural heißt der Titel aus Fernost, der nicht nur vom Namen nach, sondern auch optisch beinahe so anmutet, als stamme er ebenfalls aus der Feder von White Wolf. Doch die Jungs von Maverick sind tatsächlich neu im Geschäft und haben dennoch Großes vor: vier Klassen, blutige Ästhetik und eine klare Fokussierung auf die Konflikte zwischen Spielern.

Lego Universe - aus der Traum

Angesichts der derzeitigen Marktlage mag eine solche Ausrichtung auch sinnvoll erscheinen, denn längst haben die Spieler keine Lust mehr auf Kinderkram. Die zunehmend erwachsene Zielgruppe möchte auch altersgerechte Kost geboten bekommen und keine kunterbunten Klötzchenwelten. Und genau das mussten jetzt auch die Jungs hinter Lego Universe einsehen.

Das kindgerechte Spiel generierte einfach zu wenig Einnahmen, denn offenbar besitzen die Nachwuchszocker doch zu wenig Interesse an virtuellen Gütern, um extra dafür beim Papa betteln zu gehen. Und da das Spiel mittlerweile komplett von der LEGO Group übernommen wurde, die ihre Umsätze ohnehin eher mit Plastikspielzeug generiert, kommt die angekündigte Abschaltung der Server nicht einmal unerwartet.

Äußerst unerfreulich ist diese Angelegenheit allerdings für NetDevil, jenes kleine Entwicklerstudio, das vor Lego Universe bereits Auto Assault gehörig in den Sand gesetzt hatte und von dem man mittlerweile nicht einmal mehr weiß, ob es unter der Flagge von Gazillion Entertainment überhaupt noch existiert. Nach dem neuerlichen Flop müssen wir uns wahrscheinlich damit abfinden, dass wir die Evolution des genialen Sci-Fi-MMOs Jumpgate nicht mehr erleben werden.

Lineage Eternal: Twilight Resistance - eine Fortsetzung im Zwielicht

Dafür werden wir erleben, womit wohl niemand mehr gerechnet hätte: die Lineage-Reihe wird tatsächlich fortgesetzt. Und wie man das von den Koreanern gewohnt ist, scheinen zwischen dem Beginn der Entwicklungsarbeiten und der aktuellen Ankündigung schon einige Monate zu liegen, denn ein aktuelles Video zeigt, was man sich unter dem nächsten Teil der legendären Saga vorstellen kann und muss.

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Mit Lineage Eternal setzt NCsoft auf eine isometrische Ansicht, die eher an Lineage erinnert als an den zweiten Teil. Bei der Steuerung beschreitet man ganz neue Wege: damit sich Massenkämpfe stilvoll in Szene setzen lassen, steuert der Spieler seinen Avatar mit einer ‘drag-and-hold’ Mechanik, mit man die Skills nicht einfach nur per Klick ausführt, sondern auf den Bildschirm malt - eine Technik, die immer mal wieder in Spielen eingesetzt wurde, sich jedoch nie wirklich durchsetzen konnte.

Was NCsoft in Sachen MMOG-Mechanik mit dem dritten Teil der Reihe vorhat und ob er überhaupt die Komplexität seiner Vorgänger erreicht, ist noch unklar. Auch die isometrische Ansicht ist unter Fans mehr als umstritten. Allerdings deutet das Video darauf hin, dass die Engine wirklich geeignet ist, unglaubliche Massen an Gegnern zu bewältigen - ein Traum, wenn man an die Kriege zwischen den Clans denkt, die bei Lineage und Lineage 2 immer schon im Mittelpunkt standen.

Aion - die Vision rückt näher

Überhaupt scheint man bei NCsoft Korea mittlerweile wieder Gas zu geben. Das ist vor allem bei Aion nötig, in dem die obere Liga zwischen den Updates zwischen den Dredgion-Runs bisweilen schon mal Däumchen dreht. Damit dürfte allerdings vorerst Schluss sein, wenn Aion 3.0 aufschlägt. Dann nämlich hält das Housing endlich Einzug im Spiel.

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Dabei dürfen Häuser dann nicht nur gebaut werden - sie werden natürlich auch entsprechend eingerichtet. Dass man das entsprechende Mobiliar weder einfach noch billig bekommen wird, kann man jetzt schon ahnen. Immerhin ist man bei der Einrichtung ausgesprochen flexibel und das aktuelle Video zu Aion 3.0 zeigt, dass NCsoft bei der Umsetzung durchaus alle Register zieht und die Messlatte im Genre möglicherweise bedeutend höher setzen wird.

Und spätestens mit Aion 3.0 werden dann wohl auch wir wieder die Messlatte rausholen und das Spiel neu bewerten müssen. Bis dahin werden allerdings noch ein paar Monate ins Land gehen und wer weiß - vielleicht haben wir bis dahin ja tatsächlich eine echte neue MMO-Erfüllung gefunden. Wir geben unsere erbitterte Suche auf keinen Fall auf und durchleuchten auch in der kommenden Woche wieder die Branche, damit ihr bald wieder wisst, was außer Skyrim noch so gespielt werden kann.