Während man in weiten Teilen Deutschlands jeck geworden ist und ausgelassen die fünfte Jahreszeit feiert, herrscht unter den Betreibern persistenter Online-Welten zusehends frostige Stimmung. Bemerkbar macht sich das vor allem dadurch, dass in der vergangenen Woche auf jede halbwegs gute Nachricht mindestens zwei schlechte folgten.

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Wer die Welt der MMOs in den vergangenen Jahren beobachtet hat, wird festgestellt haben, dass es immer mal wieder Zeiten gab, in denen die Uhren etwas langsamer tickten und die Geduld der Fans bisweilen auf eine harte Probe gestellt wurde. Doch es gab gute Nachrichten und zahlreiche Hoffnungsschimmer, mit deren Hilfe sich die darbenden Spieler gegenseitig motivierten.

Massively-Multiplayer-Winterdepression

In diesem Herbst allerdings ist die Branche auf einem Tiefpunkt angekommen. Die Stimmung ist im Keller, die nächste persistente Erfüllung nicht einmal genau datiert. In vielen Studios stehen trotz der bevorstehenden Weihnachtszeit noch Entlassungen an und selbst Hollywood verliert langsam aber sicher das Vertrauen in die junge Branche und zieht ursprünglich vielversprechende Lizenzen zurück.

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Winterdepression in der MMO-Branche? Kein Old Republic, kein Rift oder Tera in Sicht? Nun, wenigstens gibt's Tera Patrick.
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Unsere Prognose für die Spieler ist nicht minder deprimierend: Wer bis jetzt noch kein virtuelles Zuhause gefunden hat, in dem er sich wirklich wohlfühlt, der wird in diesem Winter auch keins mehr finden. Viele Spieler werden den MMOs zumindest für eine Weile den Rücken kehren und sich in den vergänglicheren Welten umsehen. Wer will es ihnen verübeln?

Doch mit Wiped! halten wir für euch die Stellung, denn früher oder später verstummt der Call of Duty und auch das fablehafteste Solo-Abenteuer verliert seinen Reiz. Dann kommen sie alle wieder online. Wer einmal echtes MMO-Blut geleckt hat, den wird es immer wieder in persistente Gefilde ziehen. Und den Anreiz muss dann nicht einmal unbedingt ein brandneuer Titel schaffen. Denn während so mancher ehemals umjubelte Titel den harten Winter nicht übersteht, könnten einige ältere Welten nach der anstehenden Winterinspektion durchaus in neuem Glanze erstrahlen.

EVE Online – das Eindringen kommt vor der Fleischwerdung

Besonders New Eden könnte in naher Zukunft weiter wachsen. Die Welt von CCP scheint im Laufe der Jahre nicht älter, sondern reifer geworden zu sein. EVE Online bereitet sich schon zum achten Mal auf den Jahreswechsel vor und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der Sci-Fi-Sandkasten 2011 zu schwächeln beginnt.

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CCP hat noch viel vor mit Eve Online.
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Immerhin dürfen sich die Fans mit Incarna im kommenden Sommer endlich ihrer Kapseln entledigen und mit einem echten Avatar durch die Flure der gigantischen Stationen wandeln. Außerdem steht die Verknüpfung mit MMO-Shooter Dust 514 an, dessen Spieler als verlängerter Arm der EVE-Corporations dienen und in sich in deren Auftrag durch fremde Raumstationen schießen sollen.

Damit dieser ehrgeizige Plan auch aufgehen kann, erwartet uns in diesem Winter mit Incursion so etwas wie ein Zwischen-Update. Das wird in drei Stufen, beginnend am 30 November, auf den Server aufgespielt und bringt bis zum Januar nicht nur CCPs neue Software zur Charaktergenerierung ins Spiel, sondern sorgt auch inhaltliche für eine kleine Revolution im Sandkasten.

Der Sandkasten bekommt Förmchen

Nach all den Jahren, in denen das Weltraum-MMOG vor allem vom Drama zwischen Spielern, Corps und Allianzen getragen wurde, bekommt die Simulation jetzt zusätzliche PvE-Inhalte spendiert, die es möglicherweise in sich haben. Damit sind nicht einmal die 80 neuen Storyline-Missionen gemeint, sondern die neue Bedrohung durch die Sansha-Piraten.

Die Sansha machten bislang vor allem durch ebenso unmotivierte wie unproblematische Überfälle auf einsame Erzschürfer von sich reden. In Zukunft jedoch entwickeln die Piraten eine völlig neue Form der künstlichen Intelligenz, die den Bewohnern von New Eden bald einige Kopfzerbrechen bereiten dürfte und die gleichzeitig darauf hindeutet, dass CCP über ein mächtiges neues Spielzeug zur Generierung von Inhalten verfügt.

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Die unendlichen Weiten des Eve-Universums sollen bald noch weiter sein.
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Die Piraten fallen nämlich nicht nur durch Wurmlöcher in die Spielersektoren ein, sie machen sich außerdem unverzüglich daran, die Zugangstore zu blockieren, Anwohner mit technischen Spielereien zu piesacken und militärische Außenposten in den befallenen Systemen zu errichten. Schließen sich die Spieler in kleinen, mittleren und großen Raids erfolgreich zusammen und vernichten diese Außenposten, taucht ein Mutterschiff der Sansha auf, dessen Vernichtung das System für einige Zeit von der Plage befreit und den Beteiligten eine fette Belohnung verspricht.

NPCs machen den Evolutionssprung

Was CCP hier so beiläufig angekündigt hat, wirkt nur auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Raid. Tatsächlich handelt es sich um ein System, das PvE-Inhalte dynamisch in die riesige Welt integriert, ohne dass ein Skript für jeden einzelnen Vorgang erstellt werden muss. Hier haben die Jungs in der Abgeschiedenheit Islands ein Programm entwickelt, das die gefürchteten inhaltlichen Löcher aller virtuellen Sandkästen stopfen könnte.

Dass CCP längst auf die Entwicklung von Modulen setzt, ist bekannt. Auch der Charakter-Editor soll für weitere Titel eingesetzt werden. Der Verdacht liegt also nahe, dass mit dem neuen Tool künftig nicht nur die Sansha-Piraten zum Evolutionssprung ansetzen, sondern auch die Kämpfer in Dust 514 und die Untoten in World of Darkness.

All Points Bulletin – auferstanden von den Toten

Ein wenig untot scheint auch das Action-MMO All Points Bulletin, das von Realtime Worlds mit Vollgas vor die Wand gefahren wurde, nachdem man es kurz vor Release vom ursprünglich geplanten Free-2-Play-Konzept auf Stundenpreis umgestellt hatte. Wie es scheint, hat nicht Codemasters, sondern K2 Network den Titel für einen Spottpreis von 1,5 Millionen Pfund erworben.

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In diesem Jahr unter der Flagge von K2 Network wieder am Start: das kürzlich gescheiterte APB.
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Noch in diesem Jahr soll APB wieder an den Start gehen – diesmal mit aller Wahrscheinlichkeit free 2 play. Wirklich zufrieden scheinen die verbliebenen Fans jedoch nicht, denn sie befürchten, dass bisher gezahlte Gelder damit endgültig verloren sind. Außerdem befürchtet man, dass das Netzwerk beim Neuzugang ebenso lasch mit Cheatern umgeht wie beim bisherigen Vorzeigetitel WarRock.

Stargate Worlds – Rechtsstreit gewonnen, Lizenz verloren

Noch unglücklicher steht es um Stargate Worlds, vor zwei Jahren noch Hoffnungsträger der Sci-Fi-Fans. Zwar konnte sich das insolvente Studio in einem Rechtsstreit gegen Dark Comet Games und Fresh Start Studios behaupten und verfügt weiterhin über die Rechte am bisher entwickelten Material, doch hat Metro-Goldwyn-Mayer mittlerweile die Stargate-Lizenz für SGW gekappt.

Zwar darf Cheyenne noch immer den Übergangstitel Stargate Resistance anbieten, doch der ist derzeit nicht viel mehr als ein Minispiel und wird die verbliebenen Jungs aus Arizona langfristig kaum ernähren können.

Fallen Earth – Endzeit für Icarus?

Allzu gut sieht es auch für die Angestellten der Icarus Studios nicht aus. Die mussten sich jetzt von einigen Kollegen verabschieden, die man bislang eigentlich für unverzichtbar gehalten hatte. Umso trauriger sind die Fans, dass es mit dem Endzeit-MMO anscheinend weiter bergab geht.

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Weiterhin auf Publisher-Suche: die Fallen-Earth-Entwickler.
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In den USA hat Fallen Earth mittlerweile eine relativ stabile Fangemeinde um sich geschart. In Europa ist der Titel allerdings bislang noch nicht angekommen, da es dem unabhängigen Studio offenbar noch nicht gelungen ist, einen geeigneten Publisher zu finden. Schade eigentlich, denn in Sachen Endzeit gibt der MMO-Markt bislang nicht viel her.

Battlestar Galactica Online – kann Bigpoint zaubern?

In Sachen Quantität haben Sci-Fi-Fans zwar kaum Grund zu klagen – was die Qualität betrifft, hingegen schon. Umso größer ist die Erwartung, was Battlestar Galactica Online betrifft. Das Spiel soll Erzabbau bieten, PvE und PvP, dazu die Erkundung des Kampfsterns, ebenso wie von Raumstationen und planetaren Stützpunkten – das alles im Browser und free 2 play. Wahnsinn!

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Ein Browser-Spiel bis obenhin vollgestopft mit Funktionen - das ist Battlestar Galactica.
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BGO tritt schon im Dezember in die offene Betaphase ein – gerade mal ein halbes Jahr nach Ankündigung des Titels. So langsam darf man sich fragen, ob die Jungs von Bigpoint eigentlich noch alle Untertassen im Schrank haben. Auf jeden Fall verfügen sie über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, denn auf der vergangenen London Games Conference prophezeite Bigpoints CEO Heiko Hubertz, dass die Herren Doktoren von BioWare mit Star Wars: The Old Republic niemals Profit machen würden.

Star Wars: The Old Republic – Arbeitgeber des Jahres

Auch wenn die Zukunft, zumindest nach Ansicht von Heiko Hubertz, den Free-2-Play-Spielen gehört, scheint man bei BioWare sowohl an das traditionelle Geschäftsmodell als auch an den Titel zu glauben, den der ehemalige Mythic-Mitarbeiter „EA Louse“ jüngst so in Misskredit gebracht hatte, als der bekundete, dass man bei BioWare zwar eine 20 GB große Ansammlung von Sounddateien in der Schublade habe, doch kein nennenswertes Spielkonzept.

In Hinblick auf „EA Louse“ gaben sich die Herren Doktoren Zeschuk und Muzyka jetzt enttäuscht und verwiesen darauf, dass man mit BioWare einen Arbeitgeber-Award gewonnen habe, sich mit Mitarbeitern im Dialog befinde und jedes Feedback willkommen sei. Sollte es Dinge geben, die einer Verbesserung bedürfen, so werde man das tun.

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BioWare arbeitet weiterhin am Feinschliff von SW:TOR.
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Dafür scheint man sich auch im kommenden Jahr noch ausreichend Zeit zu nehmen, denn noch will man bei BioWare nicht sagen, wann die Alte Republik denn nun tatsächlich ausgerufen wird. Im schlimmsten Fall haben also noch ein ganzes Jahr Wartezeit vor uns.

Ideen aus Fernost?

Nicht ganz so lange müsst ihr auf die kommende Ausgabe von Wiped! warten, in der wir dann hoffentlich ein paar bessere Nachrichten zu überbringen haben als diesmal. Auf der Suche danach werden wir uns in der kommenden Woche übrigens mit Hiromichi Tanaka treffen, der als Senior-Vice-President of Software Development gerade ein schweres Los hat, weil er auch für Final Fantasy XIV verantwortlich zeichnet. Und wer weiß – vielleicht hat man in Nippon ja ein paar Ideen auf Lager, wie man dem müden Genre wieder auf die Sprünge helfen kann.