Woche für Woche werden neue MMOs auf den Markt gepumpt. Doch der hat seine Kapazitätsgrenze längst erreicht und schwappt langsam über. Mit jedem neuen Titel, der erscheint, scheint es zwei ältere über den Rand zu spülen. Wer angesichts der täglichen Veränderungen da noch den Überblick behält, ist entweder der totale Nerd oder er liest regelmäßig Wiped!

In den vergangenen Jahren waren die schlauen Köpfe der Branche davon ausgegangen, dass man jeden Titel, sollte er mit Monatsgebühr nicht rentabel genug sein, notfalls auf free-to-play umstellen und die Kassen damit wieder füllen könnte. Diese Philosophie sorgte für eine unbeschwerte Haltung bei den Publishern und Investoren, die das Wort ‘Risiko’ überhaupt nicht mehr hören wollten.

Auf den Spuren eines Auserwählten

Man gründete unzählige Studios, züchtete sich in eigenen Akademien ganze Klon-Armeen von Entwicklern heran, die bereit waren, nach dem High-Speed-Studium in ihrer ganz eigene Zelle in einem heimeligen Großraumbüro um die Wette zu programmieren - genau wie einst das große Idol Thomas A. Anderson, der es als ‘Neo’ später bis zum Auserwählten brachte.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 44: Das Fass läuft über

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Der Vorreiter: Nach dem Umstellen auf free2play schrieb Bounty Bay Online schwarze Zahlen.
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Doch es kann nur einen Auserwählten geben und die Klone in ihren Büro-Zellen bekommen in diesen Tagen nicht etwa Morpheus’ Handy vom Postboten auf den Schreibtisch gelegt, sondern die Kündigung. Man strukturiert nämlich um in der Branche, setzt neue Prioritäten, richtet sich neu aus. So in etwa wird es zumindest in den entsprechenden Meldungen genannt, die von den Pressesprechern beinahe täglich rausgejagt werden und die immer klingen, als werde jetzt endlich alles gut.

Wer das Fass bestellt hat, sollte auch die Zeche zahlen!

Dass es dabei zu gewissen ‘Kollateralschäden’ kommt, dass Titel eingestampft werden, in die eifrige Communitys ihr Vertrauen gesetzt hatten, wird übergangen. Auch dass ganze Hundertschaften von Entwicklern ihren Job verlieren, muss man den werten Kollegen erst aus der Nase ziehen. Dabei ist gerade das äußerst tragisch, denn was erwartet einen hochgezüchteten Leveldesigner mit zwei Jahren Berufserfahrung, wenn er beim Arbeitsamt vorstellig wird?

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Der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ? Mythos wurde unlängst eingestellt.
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Machen wir uns nichts vor: die Branchenchefs haben gehörig Scheiße gebaut. Sie haben in den letzten Jahren Milliarden sinnlos verbraten und dabei nicht nur uns Spieler abgezockt, sondern auch ihre eigenen Angestellten. Sie haben Erfolge versprochen, für die keine realistische Grundlage existierte. Die Wirtschaftslage habe sich verändert, heißt es jetzt - man werde die Konsequenzen ziehen und entsprechend schnell und richtig darauf reagieren. Na, dann sind wir ja beruhigt.

Nein - ‘Plan B’ funktioniert längst nicht mehr. Man kann nicht mehr einfach nur das Gebührenmodell umstellen und glauben, das Spiel ließe dann plötzlich die Kassen wieder klingeln. Die Spieler zocken nicht mehr jeden Mist - eine Lektion, die jetzt selbst Casual-Giganten Zynga einholt und all nebenbei all jene komplett verunsichert, die einst ihr Geld so munter in diese anscheinend risikofreie Branche steckten.

Gameforge und Frogster räumen auf

Und so traf es in dieser Woche nicht nur das MMOG Troy Online, das Ende des Monats wegen einer “nicht zu vertretenden Zahl an Bugs und und Fehlern” komplett eingestellt werden soll, sondern auch einen deutschen Publisher - streng genommen sogar zwei: Gameforge und Frogster. Seitdem die beiden offiziell zusammengehören, wird natürlich auch hier umstrukturiert und neu ausgerichtet.

Und wo gehobelt wird, fallen bekanntlich auch Späne - wie so oft in Form von Entlassungen. 100 Angestellte will man auf die Straße setzen. Außerdem sollen gleich zwei Titel dem Rotstift zum Opfer fallen. Treffen könnte es dabei sogar das fast vollendete Star Trek: Infinite Space - ein Browser-MMO, das wir uns auf der diesjährigen FedCon bereits ansehen durften und das einen durchaus vielversprechenden Eindruck hinterließ.

Mehr Geld in die Titel, weniger in den Markt

Was auch immer zu den Kürzungen geführt hat - sie werfen kein gutes Licht auf die beiden vereinten Publisher. Einmal mehr stellt sich die Frage, ob man das erwirtschaftete Geld nicht lieber in gute Titel gesteckt hätte, statt sich mit der ehrgeizigen Übernahme eines Wettbewerbers möglicherweise gehörig zu übernehmen.

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Sogar ein vielversprechender Titel wie Star Trek Online steht nun auf der Kippe.
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Und während das für Gameforge möglicherweise noch zu verschmerzen ist, nimmt Frogster direkten Schaden. Der Berliner Publisher ist mit seinen Titeln auf das Vertrauen der Communitys angewiesen. Angesichts solcher Turbulenzen steht der Start von Titeln wie Tera unter keinem guten Stern. Schon jetzt gibt es Spieler, die sich lieber beim US-Publisher En Masse anmelden, statt auf einen möglicherweise unsicheren Drittanbieter wie Frogster zu setzen.

Dragon’s Prophet - Runewakers Evolution

Und dort hofft man möglicherweise sogar schon auf den nächsten großen Deal. Runewaker Entertainment, jenes Studio, das mit Runes of Magic einen Free-to-play-Titel der besseren Sorte entwickelt hat, arbeitet nämlich schon seit einer ganzen Weile an einem neuen Titel. Und der wirkt - zumindest auf den ersten Blick - diesmal auch optisch richtig ansprechend.

Dragon's Prophet - Offizieller Trailer2 weitere Videos

Bedenkt man, wie umfangreich Runes of Magic im Laufe der Jahre geworden ist, könnte es Runewaker mit einem neuen Titel weit bringen. Würde man tatsächlich sämtliche Funktionen und Ideen, die in Runes of Magic nach und nach eingespielt wurden, neu ordnen und von Anfang sinnig in eine neue Welt einbauen, könnte sich das Ergebnis möglicherweise mit den ganz großen MMOs messen.

Doch für derartige Spekulationen ist es eigentlich noch zu früh. Bislang wissen wie nicht viel mehr, als dass die Spieler in der Lage sein werden, Drachen zu fangen und zu zähmen. Die Riesenechsen haben allesamt eigene Statistiken und Attribute, die sich dann auf die Werte des eigenen Charakters auswirken - also weit mehr als ein gewöhnliches Pet. Ob das Spiel eher Sandbox oder Themepark werden soll, ist bislang noch nicht bekannt.

Wildstar - Themepark im Sandkasten - oder andersrum?

Etwas anders sieht das bei Wildstar aus. Der Titel wurde zwar erst im August auf der gamescom präsentiert, doch wissen wir immerhin schon mal, dass er nicht als reinrassiges Themepark-MMO konzipiert wird. Schuld daran ist vor allem Executive Producer Jeremy Gaffney, der offenbar eine recht ausgewogene Sicht der Dinge hat.

In einem aktuellen Beitrag auf der offiziellen Seite betont Gaffney, dass ein von Entwicklern gesteuertes Gameplay selten mit der von Spielern bestimmten Erfahrung harmoniere. Wer sich dabei zu weit in eine dieser Richtungen lehnt, könne dabei dem gesamten Gameplay schaden. Für Wildstar darf man also annehmen, dass uns ein Hybrid-MMO erwartet, dass sich den besten Elementen sowohl von Themepark- als auch von Sandbox-MMOs bedient.

Der Gedankengang ist möglicherweise gar nicht so schlecht, allerdings sollte Gaffney bedenken, dass man in diesem Fall zuerst den Sandkasten errichten und austarieren muss, bevor man ganz vorsichtig dazu übergeht, kleine Attraktionen hineinzustellen. Geht man umgekehrt vor, ist das Vorhaben unweigerlich zum Scheitern verurteilt und die Zugaben würden das freie Spiel im Sand unmöglich machen.

The Secret World - dem Geheimnis auf der Spur

Auch Funcoms aktuelle Neuentwicklung The Secret World scheint sich gewisser Elemente beider Genres zu bedienen. Und obwohl das MMOG bereits im Frühjahr des kommenden Jahres erscheinen soll, macht es seinem Namen alle Ehre. Funcom hat es bislang geschafft, selbst wesentliche Fragen vor der neugierigen Presse geheimzuhalten.

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Demnächst lüftet Funcom den Schleier über der Secret World.
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Aus den Fehlern, die man einst mit einem zu frühen Hype um Age of Conan begangen hat, scheint man in Oslo gelernt zu haben. Auch an den Gerüchten, die aktuell durchs Netz geistern, in denen davon die Rede ist, dass man noch vor Weihnachten in die Open Beta abtauchen dürfte, ist nichts dran. The Secret World wird definitiv erst im kommenden Jahr aufschlagen.

Doch aller Geheimniskrämerei zum Trotz haben wir es geschafft, ein geheimes Treffen mit den Verantwortlichen hinter The Secret World zu vereinbaren. Nicht nur werden sie uns in der kommenden Woche für einige Stunden in die Heiligen Hallen einschleusen, wo wir uns für einige Stunden frei durch TSW bewegen dürfen - sie haben auch versprochen, uns Rede und Antwort zu stehen. Und falls euch bestimmte Fragen auf dem Herzen brennen, registriert euch einfach und schickt sie mir über die Community-Funktionen oder sendet sie direkt an redaktion@gamona.de. Die Antworten findet ihr dann in der kommenden Woche an gewohnter Stelle. Spätestens dann wisst ihr endlich, was gespielt wird.