Langsam aber sicher nähern wir uns den letzten Wochen des Jahres und mittlerweile können wir mit Bestimmtheit sagen, dass 2011 nicht als das ‘Jahr des MMOs’ in die Geschichte eingehen wird. Im Gegenteil - mittlerweile erreichen uns mehr Hiobsbotschaften als positive Nachrichten. Die Branche ist ins Wanken geraten und viele Publisher schicken ihre Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit statt ins gesegnete Weihnachtsfest.

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Erst in der vergangenen Woche verabschiedete sich der isländische Publisher CCP von immerhin zwanzig Prozent der Mitarbeiter - vorwiegend Leute, die im Studio in Atlanta am Vampire-MMO World of Darkness gearbeitet hatten. Wenige Tage später hörte man dann von NCsoft, dass vielen Mitarbeitern die Entlassung bevorstünde, weitere Leute aus Texas in die Zentrale nach Seoul verlegt würden.

Weniger Leute, mehr Service?

Die Begründung klingt wie immer nichtssagend: Man werde sich noch stärker auf die von NCsoft West entwickelten Spiele und den langfristigen Service konzentrieren. Man werde auch die Entwicklungen aller Studios weiterhin voll unterstützen - und so weiter und so fort. Klar - man entlässt Leute und alles wird gut.

Dabei geht es hier eigentlich gar nicht um Profit. Hier geht es vor allem um interne Streitigkeiten zwischen Ost und West, an denen NCsoft schon seit Gründung des westlichen Ablegers krankt. NCsoft West war nie sonderlich daran interessiert, Spiele wie Lineage und Aion im Westen allzu erfolgreich werden zu lassen. Stattdessen war man äußerst bemüht, sein Talent mit eigenen Titeln unter Beweis zu stellen - mit wenigen Erfolgen und vielen Pleiten.

Jetzt entfernen sich NCsoft West und NCsoft Korea noch weiter voneinander. Lineage 2 bekommt ein Hybrid-Geschäftsmodell verpasst und wird einem russischen Publisher überstellt. Was aus Aion wird, steht noch in den Sternen. Erst kürzlich wurde die geplante Tour durch das aktuelle Update zuerst verschoben und dann komplett abgesagt. Das Unternehmen sei, so wurde uns mitgeteilt, von einer Grippeepidemie heimgesucht worden. Na dann - gute Besserung!

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Vernachlässigt NCsoft die Aion-Fans?
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Kunden erster und zweiter Klasse?

Schon auf der gamescom fiel auf, dass man für die Titel aus Fernost nicht einmal einen einzigen Computer bereitstellen wollte - dafür pushte man mit WildStar lieber einen Titel, der sich noch in der frühen Entwicklungsphase befindet und verpasste Guild Wars 2 gleich zwei Stände. Dort trafen wir dann auch reihenweise Fans von Aion und Lineage 2, die sich mehr als enttäuscht darüber zeigten, dass man sie offensichtlich vergessen hatte.

Haben ArenaNet, Carbine und Paragon den Kampf gegen den Mutterkonzern gewonnen? Lässt Korea sie jetzt in Ruhe schalten und walten ? Oder sind der Rückzug der Koreaner und die Entlassungen nur der Anfang und stehen weitere Hiobsbotschaften ins Haus? Was wird aus Aion und Lineage - wird der Service künftig noch schlechter? Werden wir Blade & Soul bald auf russischen Servern spielen?

Der MMO-Markt ist ins Wanken geraten - vor allem im Westen. Auch die Umstellung auf free-to-play macht die Spieler nicht spendabler. Im Gegenteil - die Spieler hüpfen von einem Titel zum nächsten und spielen kein MMO intensiv genug, um dafür noch Geld ausgeben zu wollen. Immer mehr Publisher müssen unter sich aufteilen, was vor einigen Jahren noch in die Kassen einiger weniger Unternehmen gespült wurde.

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Ist wieder da: APB.
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Nur Bares ist Wahres

Noch vor kurzem warf man mit Erfolgsmeldungen nur so um sich und vermeldete ‘Kundenzahlen’ in mehrstelliger Millionenhöhe. Einer dieser aufstrebenden Publisher war auch GamersFirst. Innerhalb weniger Monate erweiterte man das Portfolio um APB Reloaded und Fallen Earth - zwei Titel, die nach der Übernahme auf das ach so überragende Free-to-play-Geschäftsmodell umgestellt wurden.

Doch offenbar ist kostenlos doch nicht gewinnträchtig genug, denn auch bei GamersFirst wurden in der vergangenen Woche zahlreiche Mitarbeiter entlassen - vor allem im Bereich des ohnehin schon vernachlässigten Supports. Klar ist - der Druck auf die Unternehmen wird immer größer. Man kann die fehlenden Einnahmen nicht mehr länger dadurch rechtfertigen, dass sich unzählige Menschen irgendwann mal auf einer Webseite registriert haben.

Am falschen Ende gespart

Auch wenn man als Betreiber eines MMOs von Mikrotransaktionen leben möchte - entscheidend ist nicht, dass man viele Spieler zählt, sondern dass sich eine nennenswerte Community bildet, die dem Spiel auch langfristig treu bleibt. Das passiert aber nur, wenn ein Titel ein Mindestmaß an Qualität bietet und das Studio dazu parallel noch einen ordentlichen Support liefert.

Wenn ein Publisher also verkündet, vorwiegend Support-Mitarbeiter zu entlassen, bewahrt das einen Titel kaum vor dem sicheren Untergang. Wahrscheinlich wäre es sogar ratsamer, bei der Entwicklung zu kürzen, ab und zu auf ein Mount oder einen dämlichen, virtuellen Gesichtsausdruck zu verzichten und dafür die Grundmechanik der Titel aufzupeppen. Viele MMOs sind derart überladen mit sinnfreiem Schnickschnack, dass man als Einsteiger beinahe erschlagen wird.

Die Bären sind los

Doch bei all den traurigen Meldungen der vergangenen Wochen wollen wir auch die guten Nachrichten nicht vergessen. Den gewieften Entwicklern von World of Warcraft ist es nämlich gelungen, ein ebenso seltenes wie mächtiges Wesen für die gute Sache zu verpflichten. Ein Tier, von dem man glaubte, es sei beinahe ausgestorben, und das sich jetzt anschickt, nicht nur Azeroth zu retten, sondern die gesamte MMO-Branche.

Gemeint ist natürlich der gemeine Pandabär! Dieses Tier, dessen Niedlichkeitsfaktor kaum zu überbieten ist, mag auf den ersten Blick zwar träge wirken, beherrscht allerdings fernöstliche Kampftechniken und wird es schaffen, binnen kürzester Zeit sämtliche Spielerherzen zu erobern. Wer aus welchem Grund auch immer Azeroth verlassen hat, wird zurückkehren, wenn erst der Pandabär im Spiel ist.

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Mists of Pandaria: Blizzard lässt die Bären los.
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Ein Bär für alle Fälle

Und wie so oft in der Geschichte haben die findigen Tierfreunde bei Blizzard auch diesmal sofort Nachahmer gefunden, die mit auf den Panda-Zug aufspringen und diese geniale neue Idee für sich beanspruchen wollen. Geklaut haben beispielsweise S2 Games, die den kampferprobten Pandamonium als Helden in ihr MOBA Heroes of Newerth gepackt haben.

Auch die CGI-Schmiede DreamWorks war sich nicht zu schade, den ‘Kung Fu Panda’ für ihre Zwecke zu missbrauchen. Und die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) hatte den knuffigen Bären gar schon vor Jahrzehnten aus den blizzardschen Testlabors entführt, um ihn als Maskottchen für sich schuften zu lassen.

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Auch Eligium entfesselt den Panda-Mönch.
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Eligium - präsentiert den Panda-Mönch

Den dreistesten Panda-Klau haben jetzt allerdings die Entwickler von Eligium und ihr Partner Frogster verübt. Nur wenige Tage nachdem die Jungs von Blizzard ihr Herz für Tiere publik gemacht hatten, stellte Frogster die Webseite zum kommenden MMO ins Netz und präsentierte - wer hätte das gedacht - den Panda-Mönch. Der vermag das Chi als Grundenergie des Lebens in sich zu kanalisieren und seinen Widersachern mit aller Wucht entgegenzuschleudern.

Selbiges Chi ist wahrscheinlich auch dafür verantwortlich, dass die Entwickler von Eligium mit unglaublicher Geschwindigkeit arbeiten und bereits wenige Tage nach Blizzards Ankündigung Bildmaterial vom Panda-Mönch im Einsatz zeigen konnten. Geklaut - da lässt sich die treue Community von World of Warcraft mit Sicherheit nicht blenden - wurde auf jeden Fall beim Marktführer.

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Dreistes Plagiat: Selbst der WWF klaute von Blizzard.
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Mehr Spaß fürs Kinderzimmer

Doch mal im Ernst - welcher Teufel reitet die Entwickler in diesen Tagen, das vielleicht dümmste Thema aller Zeiten zu verwursten und überall, wo es möglich erscheint, Pandabären einzubauen? Diese Wesen mögen ja in freier Wildbahn ganz putzig anzusehen sein und könnten prima als Standard-Mob im Startgebiet eines MMOs angesiedelt werden.

Ihr Einsatz als spielbare Rasse in einer virtuellen Welt macht in etwa soviel Sinn wie der einer Kellerassel. Pandabären haben außer der ihnen angedichteten Kampfeskunst keine sinnige Hintergrundgeschichte und rücken jeden Titel, der auf sie baut, zwangsläufig ein Stück näher ans Kinderzimmer heran. Dabei sollten die Studios eigentlich so langsam eingesehen haben, dass die marktrelevante Zielgruppe längst nicht mehr dort wohnt.

Doch neben all den kindgerechten Bären-Games gibt es zumindest ein paar Titel, die das erwachsene Herz höher schlagen lassen. Da werkeln die Undead Labs an einem Zombie-MMO für Konsole, CCP hat die Entwicklung an World of Darkness wenigstens nicht ganz eingestellt und Funcom, ohnehin auf erwachsene Kost spezialisiert, will im kommenden Jahr mit The Secret World aufwarten. Letzteres werden wir in den kommenden Wochen etwas genauer unter die Lupe nehmen. Und bis dahin wisst ihr zumindest schon mal, wo man Pandabären findet.