Der Sommer geht, das Weihnachtsgeschäft naht. Für die Publisher beginnt das alljährliche Wettrüsten. Eine erste Bestandsaufnahme bestätigt allerdings, was Branchenexperten längst befürchtet hatten: Neue MMOGs wird man in diesem Jahr vergeblich in den Regalen der Händler suchen. Dafür stolpert man wieder mal über die altbekannten Paletten...

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, was sich am 07. Dezember um Mitternacht weltweit in den einschlägigen Konsumtempeln abspielen wird. Wieder einmal wird Blizzard die Muskeln spielen lassen und eindrucksvoll demonstrieren, dass nicht nur der ergebene Fan, sondern auch der Handel springt, wenn der Mega-Publisher pfeift.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 40: Der Schneesturm tobt

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Zittern vor dem Schneesturm: Viele MMO-Publisher haben ihre Spiele angesichts des nahenden WoW-Add-ons verschoben.
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Wie schon die letzten Titel aus Irvine passt auch das neue Azeroth, das wird der nächtliche Konsument dann auf den ersten Blick erkennen, nicht in ein schnödes Regal. Es wäre einer echten Blizzard’schen Naturkatastrophe auch kaum zumutbar, neben den minderwertigen Machwerken anderer Hersteller zu stehen.

Macht aber nichts, denn die Verkaufsfläche der Großmärkte, die normalerweise bis auf den letzten Quadratmeter verplant ist, lässt sich von den emsigen Mitarbeitern offensichtlich ohne großen Aufwand mal eben mitten in der Nacht umgestalten, damit die wichtige Palettenware angemessen aufgetürmt werden kann.

Während man tagsüber vergeblich nach einem Fachberater Ausschau hält, um bei Erfolg höchst unfreundlich abgefertigt zu werden, spawnt der gemeine Markt-NPC zu besagter Geisterstunde plötzlich an jeder Ecke und strahlt wie das Himmelsross persönlich – als würde er sich am liebsten jede Nacht auf diese Art um die Ohren schlagen. Das ist auch kein Wunder, denn natürlich spielt auch die Belegschaft in den Pausen ausschließlich World of Warcraft.

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Lange dauert es nicht mehr. Das Add-on Cataclysm ist ab dem 7. Dezember verfügbar.
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Dass Blizzard mit Cataclysm einen erneuten Erfolg landen wird, steht schon seit langem außer Frage. Jetzt allerdings müssen selbst optimistischste Prognosen nach oben korrigiert werden, denn in diesem Jahr machen sich die Mitbewerber rar - wie selten zuvor. Alle namhaften Konkurrenztitel wurden entweder gleich für 2011 angekündigt oder kurzfristig dorthin verschoben. Jeweils scheint die Entwicklung ganz knapp am Weihnachtsgeschäft vorbeigeschrammt zu sein. So ein Jammer.

Doch der Verdacht liegt nahe, dass eine gewisse Ehrfurcht in den Chefetagen der Konkurrenten vorherrscht. Man will Cataclysm nicht in die Quere kommen. Man traut sich nicht, das Marketing hochzufahren, während Blizzard den Handel überrennt. Man möchte sein Produkt nicht ins Regal stellen, wenn die Horde zum Raid auf die WoW-Paletten bläst. Lieber verzichtet man auf das eigentlich so wichtige Weihnachtsgeschäft.

Dominanz statt Vielfalt

Kurzfristig gießen die Jungs von Blizzard noch Öl ins Feuer und feiern mit zwölf Millionen Abonnenten scheinbar beiläufig einen neuen Rekord – trotz der verhältnismäßig langen Dürreperiode in Azeroth. Umso besser, dass die mit Cataclysm vorerst ein Ende haben soll. Das Update gilt inhaltlich als besonders üppig und wird wie geplant Abtrünnige reaktivieren und gleichzeitig eine neue Generation von Spielern gewinnen.

Angesichts fehlender Alternativen zur Weihnachtszeit und dank der freundlichen Unterstützung von Handel, Spielerschaft und Konkurrenz kann Blizzards perfider Plan nur gelingen. Experten rechnen schon jetzt damit, dass sich mindestens drei weitere Millionen Spieler dem Phänomen anschließen, während im kommenden Frühjahr dann unter den anderen Publishern ein erbitterter Kampf um die Gunst der wenigen Spieler entbrennt, die sich nicht im neuen Azeroth herumtreiben wollen.

DC Universe Online – selbst Superhelden machtlos

Doch wie soll ein ahnungsloser Spieler Vertrauen in einen neuen Titel haben, wenn der entsprechende Publisher keins zu haben scheint? Selbst Super- und Batman sind angesichts der Urgewalt eines Kataklysmus machtlos. Die Superhelden von DC Universe Online waren eigentlich für den November angekündigt. Der Titel wurde als einer der Favoriten für 2010 gehandelt.

DC Universe Online - Combat - Trailer2 weitere Videos

Jetzt allerdings hat Sony Online Entertainment die Notbremse gezogen und den Titel, der gleichzeitig für PC und Playstation 3 erscheinen soll, kurzerhand auf den Jahresbeginn 2011 verschoben. Blizzard-Paletten sind bis dahin zwar etwas kleiner geworden, dafür müssen sich die Superhelden bis dahin gegen andere, mutmaßlich hochwertige Titel behaupten.

Star Wars: The Old Republic – Dahlberg lässt die Macht hinter sich

Einer davon wird wohl BioWares alte Republik sein. Der Hype um Star Wars: The Old Republic hat im Vorfeld bisweilen schon beängstigende Ausmaße erreicht. Daran nicht ganz unbeteiligt war meist Sean Dahlberg, seines Zeichens Community-Manager bei BioWare. Doch der Mann, dem die Fans vertrauen, will von der Macht nichts mehr wissen.

Dahlberg kehrt BioWare den Rücken und wird fortan als Senior-Game-Systems-Designer an einem Free-to-play-Spiel namens Faxion Online arbeiten. Die Fans sind derweil ebenso verwundert wie untröstlich und fragen sich, ob diese neue Position tatsächlich verlockend genug für Dahlberg sein kann, dass er die alte Republik im Stich lässt – oder ob mit dem neuen Star-Wars-MMOG vielleicht irgendetwas nicht in Ordnung ist.

Jumpgate Evolution – der Sprung zurück

Ganz und gar nicht in Ordnung finden die Fans, was mit dem Weltraum-Action-MMO Jumpgate Evolution so vor sich geht. Erst herrscht ein Jahr komplette Funkstille, dann vermelden die Entwickler eine komplette Kehrtwende: weg von der ursprünglich geplanten Weltraumsimulation - hin zu einem MMO-Shooter.

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Kommt nicht aus dem Knick: Jumpgate Evolution.
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Entsprechend hitzig wurde im frisch aufgesetzten Forum diskutiert, bis die Moderatoren von NetDevil offensichtlich keinen anderen Ausweg mehr sahen, als den Banhammer zu schwingen. Eine solche Aktion ist allerdings gegen reine Forum-Accounts ausgesprochen unwirksam und hat zudem weite Teile der ohnehin schon geschrumpften Community verärgert.

Jumpgate Evolution wurde einst als großer Favorit unter den Weltraum-MMOGs gehandelt. Mittlerweile ist das Vertrauen der Fans allerdings geschwunden. Ob es sich überhaupt als Vollpreistitel mit monatlichen Kosten vermarkten lässt, ist fraglich, denn der Vorsprung, den sich die Konkurrenz aus Hannover erarbeitet hat, scheint mittlerweile gewaltig.

Black Prophecy – auf die Kosten kommt es an

Beinahe still und heimlich hat man bei Reakktor Media nämlich die Server hochgefahren und einige Piloten in die geschlossene Betaphase eingeladen. Das ursprünglich als Vollpreistitel geplante Black Prophecy könnte, so lassen es erste Berichte vermuten, das Raumdock bald verlassen. Gegenüber Jumpgate Evolution hätte man damit nicht nur einen terminlichen Vorsprung.

Denn seit gamigo in das zeitweise leicht angeschlagene Studio investiert hat, will man auf die Monatskosten komplett verzichten und das Spiel stattdessen über die typischen Mikrotransaktionen finanzieren. Ob nun Jumpgate Evolution oder Black Prophecy das Rennen macht, wird nicht zuletzt über das Gebührenmodell entschieden.

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Black Prophecy - eine lohnende Alternative zu Jumpgate Evolution?
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Hier kommt es darauf an, ob den Jungs von gamigo die Gratwanderung zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und spieltechnischer Ausgewogenheit gelingt. Ob Black Prophecy spielerisch hält, was Videos und Screenshots versprechen, wird man wohl erst erfahren, wenn die obligatorische Verschwiegenheitserklärung aufgehoben wurde.

Wir hoffen darauf, dass das bald geschieht, damit wir euch vielleicht schon in der nächsten Woche ein paar erste Eindrücke aus dem Weltraum vermitteln können. Nebenbei arbeiten wir übrigens hart an unserem Gladiator, der hoffentlich bald in die neuen Regionen von Aion 2.0 vorstoßen wird. Außerdem schießen wir uns durch Global Agenda – jenen Online-Shooter, der den deutschen Markt bislang so erfolgreich umgangen hat. Am kommenden Samstag melden wir uns dann wie gewohnt mit den Neuigkeiten aus der Welt der MMOs zurück. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.