Wir schreiben das Jahr der Superhelden. Sarah Dingens kämpft sich mutig durch den Dschungel und rettet eine ganze Nation vor dem sicheren Fernsehschlaf. Der Konsolero bewahrt derweil Gotham City und Metropolis vor einer außerirdischen Invasion und wir von Wiped! rechnen nicht nur mit Cheatern ab, sondern auch mit deren heimlichen Unterstützern.

Korrupte Politiker, arglistige Bänker, gedopte Leistungssportler - so sehr sich die Gesellschaft auch seit Jahrtausenden bemüht, ein wenig Ordnung und Moral in das Leben auf unserem lustigen kleinen Server Erde zu bringen, so viele Rückschläge und Niederlagen muss man doch tagtäglich erleben. In der Evolution ist für Moral kein Platz und wer sich einen Vorteil im Leben verschaffen kann, der tut das auch.

Der Ehrliche ist immer der Dumme

Wen wundert es da, dass es auch in den virtuellen Welten Menschen gibt, die sich weder an die Regeln des Spiels noch an die des Anstands halten. Und während sich der ehrliche Zeitgenosse wundert, warum man es nötig haben könnte, in einem Spiel zu betrügen, stellt das Schlitzohr die Gegenfrage: „Warum sollte ich denn nicht cheaten? Ist doch nur ein Spiel, du Noob!“.

Dabei sind die Betrüger bestimmt keine Exoten. Wer sich mal die Mühe macht und im Bekanntenkreis über Spiele jeder Art unterhält, wird schnell merken, dass er von kriminellen Naturen umgeben ist.

Da wäre der Pfarrer, der sich bei einer Runde Monopoly während der Konfirmandenfreizeit heimlich an der Kasse bereichert, die kleine Schwester, die ihre Sims grundsätzlich zu Millionären macht, und der Vereinskollege, der seine Studiengebühren von einer Reihe Bots im führenden MMO erwirtschaften lässt.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 4: „Ist doch nur ein Spiel, du Noob!“

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Wenn man bei google nach "Cheater" sucht, kommt dieses Bild. Keine Ahnung, warum.
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Virtuell kriminell

Dass insbesondere Letzterer seinen Mitspielern das Spielvergnügen ruiniert und nebenbei noch das Gefüge einer virtuellen Wirtschaft gefährdet, scheint den angehenden Juristen nicht zu interessieren. Und die Sorge, gebannt zu werden, hat der erfahrene Cheater längst abgelegt. Seit Jahren gab es keine Probleme, und selbst wenn – die Accounts haben sich ohnehin seit Jahren amortisiert.

Doch wie kann es sein, dass die GMs nichts von dem Treiben mitbekommen? Seit Jahren erheben die Spieler unterschiedlicher MMOs schwere Vorwürfe gegen die Betreiber, die offensichtlich mehr als nur ein Auge zudrücken und Cheater gewähren lassen, weil ein Publisher als profitorientiertes Unternehmen nicht auf diese Sorte verzichten kann - und weil es jene seltsame Spielergruppe gibt, die das virtuell erfarmte Vermögen auch noch für teure Euros zu erwerben bereit ist.

„Der GM hat gesagt, die Software hat gesagt, dass dieser Mensch kein Mensch ist!“

Dazu kommen rechtliche Querelen, denn wenn ein Kunde erst einmal für seine Spielzeit bezahlt hat, darf ihm ein Publisher den Zugriff auf die Server nur dann verweigern, wenn er ihm eindeutig definierte Regelbrüche nachweisen kann. Doch dieser Nachweis ist in der Praxis schwer zu erbringen, und es wird sich kaum ein Richter finden, der Verständnis für das Leid der ehrlichen Bewohner einer Spielwelt haben wird.

Außerdem fehlt es an Gutachtern, die einen solchen Betrugsfall nachvollziehbar auswerten könnten. Das Protokoll der hauseigenen Scan-Software oder eine Aussage des Support-Mitarbeiters wird kaum als Beweis genügen, und angesichts des Prozessrisikos geben die meisten Publisher bereits klein bei, wenn man ihnen nach dem Bann mit einem Anwalt droht.

APB Reloaded - das Geschäft mit den Cheatern

Wie skrupellos die Publisher bisweilen sind, brachte aktuell die Übernahme von All Points Bulletin durch GamersFirst ans Licht. Zwar sei Realtime Worlds als ehemaliger Betreiber durchaus in der Lage gewesen, die Aimbots von Tausenden Cheatern im Spiel zu orten, doch habe man nicht auf die Einnahmen verzichten können und musste die Betrüger deswegen gewähren lassen, gab jetzt der CEO des neuen Eigentümers zu Protokoll.

GamersFirst verspricht immerhin, die bestehenden Probleme mit der Anti-Cheat-Software PunkBuster zu beheben und das Programm wieder gezielt gegen Aimbots einzusetzen. Bei der Strafverfolgung geht man allerdings auch bei GamersFirst nicht gerade mit aller Härte vor. Ein erstes Vergehen wird lediglich mit einem temporären Bann bestraft. Erst bei wiederholtem Betrug wird eine dauerhafte Sperrung des Accounts in Erwägung gezogen.

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GamersFirst will das in die Binsen gegangene APB wieder in Schuss bringen.
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Star War: The Old Republic - kein Vertrauensbonus für Electronic Arts

Dabei gefährdet gerade ein allzu milder Umgang mit Cheatern eine virtuelle Welt ganz besonders, denn die Schummler erweisen sich als ausgesprochen aktiv, wenn es darum geht, arglose Spieler zu piesacken, die dann in Folge reihenweise frustriert das Spiel verlassen und das Entwicklerstudio sowie den Publisher in schlechter Erinnerung behalten.

Gerade Electronic Arts bekommt in diesen Tagen zu spüren, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man einen Titel auf diese Art und Weise in den Sand setzt. Die Analysten von Janco Partners glauben, dass sich viele Investoren zurückhalten werden, weil der Publisher mit Warhammer Online und All Points Bulletin nicht gerade ein glückliches Händchen im Genre bewiesen hat.

Dabei reichen die Bedenken der Finanziers über den Verkaufsstart hinaus. Mittlerweile scheinen nämlich auch die Anzugträger genug von der Zockerei zu verstehen, um zu wissen, dass es bei einem MMO nicht unbedingt darauf ankommt, am ersten Tag eine Million Packungen an den Mann zu bringen, sondern die Spieler möglichst lange auf den Servern zu halten. Kleinvieh wirft langfristig gesehen nämlich bedeutend mehr Mist ab.

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DC Universe Online - schnell verkauft, schnell gespielt

Die Frage nach dem langfristigen Erfolg stellt sich in diesen Tagen auch in Bezug auf DC Universe Online. Allen technischen Widrigkeiten zum Trotz haben wir die miserable Account-Verwaltung von SOE besiegt und es mittlerweile sogar in das Spiel geschafft, das schon jetzt als „fastest selling game“ des Hauses gefeiert wird.

Und die Helden von DC Universe verkaufen sich nicht nur schnell, sie spielen sich auch so. Mit einer rasanten Spielmechanik, die an gängige Actionspiele erinnert, fühlt man sich kaum wie in einem MMO. Wie ein echter Superheld fliegt man durch Gotham City oder Metropolis, räumt in den Straßen gehörig auf, wirft sich in ebenso kurzweilige wie spannende Instanzen, prügelt sich mit Anhängern der gegnerischen Fraktion und merkt dabei kaum, wie die Zeit vergeht.

In sieben Tagen um die Welt

Doch gerade weil sich DC UO so rasant spielt, stellt sich bald die Frage nach dem Endgame, die Game-Director Chris Cao gerne mit „Es gibt kein Ende in dieser Art von Spiel“ beantwortet. Doch was soll das heißen? Was bieten die Raids, die erst ab Level 30 verfügbar sind? Wie schnell sorgt SOE für neuen Content, der Vielspieler bei der Stange hält?

Noch haben wir 15 Level und jene Raid-Erfahrung vor uns. Doch wir schlagen uns tapfer, in der Hoffnung, dass DC Universe Online das erste MMO wird, in dem wir das Levelcap erreicht haben, bevor wir uns an den Testartikel setzen. Der Ersteindruck, so viel sei allerdings vorab schon mal verraten, ist durchaus positiv und lässt darauf hoffen, dass Sony Online Entertainment mit Titeln wie DC Universe Online, The Agency und PlanetSide Next endlich wieder zur Spitze der MMO-Publisher aufschließen kann. Und vielleicht hat man dann auch mal etwas Geld für eine neue Webseite übrig...

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Champions Online - die günstige Alternative?

Angesichts der hohen Qualität von DC Universe Online erklärt sich dann auch, warum sich die Cryptic Studios dazu entschlossen haben, die Abo-Gebühr für ihr Superhelden-MMO Champions Online zu streichen. Zwar wird man als Vielspieler auch bei CO langfristig nicht um ein paar Zahlungen umhin kommen, doch gestaltet sich der Einstieg durchaus kostengünstiger als bei der Konkurrenz.

Und dass sich die Champions damit noch lange nicht geschlagen geben, beweist nicht nur der neue Trailer, sondern auch das Versprechen Cryptics, dass man gerade jetzt an massiven Updates arbeiten werde. Fest steht, dass Champions Online seit der Umstellung gewaltigen Zuspruch findet, und es gilt mittlerweile als gesichert, dass die Konkurrenz im Superhelden-Genre das Geschäft beflügelt, denn es findet sich kaum ein Spieler in DC UO, der nicht nebenbei auch einen Champion unterhält.

Rift - sieh an, sieh an!

Überhaupt blüht die MMO-Branche derzeit spürbar auf. Nach einer langen Phase der Stagnation wandelt sich die Stimmung in den Gilden, in denen jetzt täglich darüber debattiert wird, in welchen MMOs man sich denn demnächst niederlassen möchte. Auf jeden Fall ganz vorne mit dabei ist Rift. Das kommt in Sachen Gamedesign zwar bekanntermaßen konservativ daher, beweist durch die stetigen Betatests aber auch, dass man technisch sauber arbeitet.

Rift - Fetziger CGI-Trailer: Spieler gegen Spieler2 weitere Videos

Umso erfreulicher, dass sich Trion jetzt auch dazu durchgerungen hat, einen ordentlichen Cinematic-Trailer zum Spiel zu veröffentlichen, der mit Sicherheit dazu beitragen wird, den Titel der MMO-Newcomer noch populärer zu machen.

Und mit diesen stimmungsvollen Eindrücken entlassen wir euch dann auch ins verdiente Wochenende, das wir natürlich intensiv für unseren Kampf um Gotham und Metropolis nutzen werden. Von dort melden wir uns dann am kommenden Samstag zurück. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.