Während wir uns in der letzten Ausgabe von Wiped! vorwiegend über die Flops der Vergangenheit geärgert haben, wollen wir in dieser Woche zur Abwechslung wieder mal etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Ein paar gute Nachrichten aus der Welt der MMOs kommen uns da gerade recht.

„Ihr werdet es mir nicht glauben. Ich sollte ich es euch eigentlich nicht sagen. Es gibt Geheimnisse, die nimmt man besser mit ins Grab. Sie sind unter uns. Sie haben die absolute Kontrolle. Sie sind schon immer hier gewesen, führen ihre Kriege im Geheimen. Sie verschlingen, was auch immer sich ihnen in den Weg stellt […] Sie werden dich holen. Nach deinem Tod fängt alles an...“

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World of Darkness – hat die Welt darauf gewartet?

Ein wenig klingen sie, als stammten sie aus der Feder von Stephen King – jene Worte, die das erste Video zu CCPs neuem Titel einleiten und die künftig durch die Träume der Online-Spieler geistern dürften. Obwohl das MMO-Genre schon jetzt überquillt und angesichts der mutmaßlich starken Titel des kommenden Jahres niemand mehr so recht weiß, wo er anfangen und wo aufhören soll zu spielen, hat es CCP geschafft, in aller Stille einen neuen Hype in Gang zu setzen.

Weiß der Teufel, was wir 2011 so spielen – 2012, das weiß zumindest der Zocker schon jetzt, tauchen wir in die World of Darkness ein. Dem Publisher kann man in dieser Hinsicht nicht einmal einen Vorwurf machen. Das neue MMOG wurde nicht mit dem branchenüblichen Feuerwerk angekündigt. Auch auf die typische Selbstbeweihräucherung scheinen die Isländer zu verzichten. Der Titel wurde stattdessen dezent und im kleinen Rahmen auf der „The Grand Masquerade“-Convention in New Orleans vorgestellt.

Islands kühler Charme

Vielleicht ist es gerade das, was den ganz eigenen Charme von CCP so ausmacht. Wie oft wurde das Sci-Fi-MMO EVE Online früher von den Branchengrößen als Randgruppenspiel belächelt? Doch allen Unkenrufe zum Trotz konnte die wahrscheinlich nördlichste Spieleschmiede der Welt ihre Unabhängigkeit bewahren und hat mit über 300.000 laufenden Accounts mittlerweile ein echtes Schwergewicht am Markt.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 38: Es wird düster

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CCP sattelt um: vom dunklen Weltraum in die World of Darkness.
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CCP hat in den letzten Jahren wenig falsch und vieles richtig gemacht, die Spielerschaft nicht für dumm verkauft, sondern auf Tiefgang gesetzt und - wenn es wirklich darauf ankam - auf die Fans gehört. Gewiss ist EVE Online nicht jedermanns Sache, doch es fällt beinahe schwer, die düstere und komplizierte Welt von New Eden und ihren Schöpfern nicht irgendwie ins Herz zu schließen.

Unsterblich sterblich?

Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass das MMOG aus der Welt von White Wolfs Vampire: The Masquerade schon jetzt, gut zwei Jahre vor Release, in aller Munde ist. Man vertraut CCP und obwohl die Isländer bislang noch kein MMOG mit richtigen Avataren erschaffen haben, ahnt man schon jetzt, dass WoD anders wird als die typisch linearen Fastfood-MMOs aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts, die wir in all ihrer Leichtigkeit kaum noch verdauen können.

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Noch weiß keiner genau, wie World of Darkness en détail aussehen wird - lassen wir uns überraschen.
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Wie genau das MMOG aussehen wird, weiß derzeit wahrscheinlich nur ein kleiner Kreis von Entwicklern bei White Wolf und CCP. Auf Spielerpolitik und soziale Interaktion à la EVE will man setzen und sogar vom Risiko eines Permatodes auf bestimmten Servern ist die Rede – einem Element, das es bislang in kein kommerzielles MMOG geschafft hat. Wir halten die Augen für euch offen und werden hoffentlich bald etwas mehr Licht in die finstere Welt bringen.

Nicht minder finster als CCPs Vampirsaga ist das Weltraum-MMO Black Prophecy. Darauf müssen wir allerdings keine zwei Jahre mehr warten, denn die geschlossene Beta ist längst gestartet und mittlerweile haben es sogar einige Leaked-Game-Videos aus den Testläufen auf die Plattform YouTube geschafft.

Ob die Filme dort noch lange verfügbar sein werden, ist nicht sicher, denn noch ist die übliche Verschwiegenheitserklärung in Kraft, die es den geladenen Gästen eigentlich verbietet, derartiges Material zu verbreiten. Wer sich allerdings nicht im Spiel befindet, hat auch keine Vereinbarung mit dem Publisher getroffen und darf sich auf der Videoplattform unbesorgt selbst ein Bild vom Titel machen, bei dem uns alten Cockpit-Veteranen schon das Wasser im Munde zusammenläuft.

Star Wars: The Old Republic – und so beginnt es!

Und als hätten die Sci-Fi-Freunde damit nicht schon genug, worauf sie sich freuen können, gibt es jetzt auch noch erste Anzeichen dafür, dass BioWares Star Wars: The Old Republic in die nächste Testrunde gestartet sein könnte. Zwar verkündete man von offizieller Seite, dass die offene Betaphase noch nicht begonnen habe, streitet jedoch nicht explizit ab, dass sich derzeit Spieler auf dem Server befinden.

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NDA, überall NDA. Keiner darf was sagen - so ein Mist.
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Die allerdings wollen und dürfen nicht sagen, was sie da wirklich spielen, da sie schon damit gegen die NDA verstoßen würden. Doch wer die Macht in sich trägt, dem ist auch das Glück meist hold, und eine Anmeldung auf der offiziellen Seite kann auf keinen Fall schaden. Vielleicht sieht man sich ja demnächst auf Coruscant, Alderaan oder Hoth.

Tera – keep your Distance!

Weniger geheim sind die zwei neuen offiziellen Klassenvideos, die uns die Entwickler von Tera in dieser Woche beschert haben. Vorgestellt werden Bogenschütze und Zauberer, die naturgemäß beide aus der Distanz heraus agieren. Interessant sind die Videos vor allem vor den Hintergrund, dass Tera ohne Target-Lock auskommt.

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Dadurch kommt auf jeden Fall mehr Bewegung ins Spiel. Möglicherweise, das hofft vor allem die wachsende Gruppe der PvP-Freunde, verlangt Tera auch etwas mehr „Skill“ als herkömmliche MMOs, bei denen vorwiegend Zahlenwerte darüber bestimmen, ob man einem gegnerischen Feuerball nun ausweicht oder ihn mit voller Wucht ins Gesicht bekommt.

Rift: Planes of Telara – Augenschmaus und Spielergraus?

Anders als Tera setzt Rift: Planes auf Telara auf eine Mechanik, die so traditionell zu sein scheint, dass die Entwickler sich mit ausgiebigen Präsentationen noch immer zurückhalten. Viel lieber beweisen sie, dass sie stimmungsvolle Landschaften zaubern können. Doch reicht das heute noch aus – in einer Zeit, in der die Spieler schon durch Dutzende Urwälder und Feuerhöhlen gezogen sind?

Trion Worlds ist eine unbekannte Größe auf dem Markt. Das Studio muss noch beweisen, dass man mehr kann, als Bäume und Brücken zu bauen. Und der Beweis sollte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, denn schon wird Rift in eine Schublade mit Titeln wie Alganon gesteckt, das als schlechter WoW-Klon zu den absoluten Flops des vergangenen Jahres gezählt werden muss – in einer Reihe mit All Points Bulletin.

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All Points Bulletin – EA überrascht mit der Geld-zurück-Garantie

Letzteres war einfach zu durchschnittlich, um sich am Markt zu halten, und wurde, wie bereits in der vergangenen Ausgabe berichtet, abgeschaltet. Daran hat sich auch nichts geändert. Die Wut mancher Spieler allerdings hat sich etwas gelegt.

Distributor Electronic Arts verspricht jedem, der das Spiel dort bezogen hat, freien Ersatz aus dem Online-Sortiment. Angesichts einiger starker Titel ist das durchaus eine akzeptable Lösung. Wer diese Möglichkeit nicht hat, sollte All Points Bulletin unbedingt wieder in den Laden tragen, in dem er das Spiel erworben hat, und im Streitfall den Anwalt konsultieren. Angesichts der gesetzlichen Regelungen stehen die Chancen auf Erstattung von Kauf- und Abopreis nicht schlecht.

Wir protestieren derweil ebenfalls – allerdings virtuell in Turbines Mittelerde. Denn noch immer hat deren Partner Codemasters es nicht bewerkstelligt bekommen, das Spiel hierzulande aufzuschalten. Außerdem genießen wir die neuen Inhalte von Aion 2.0, die das Spiel durchaus aufwerten und den Grind wenn schon nicht abschaffen, dann doch zumindest abwechslungsreicher erscheinen lassen. Bis zur nächsten Woche haben wir auf jeden Fall gut zu tun - und auch ihr wisst vorerst wieder, was gespielt wird.