So gemütlich es in der MMO-Branche früher einmal zuging, so gehetzt scheint man dort in diesen Tagen zu sein. Rekorde werden nur noch aufgestellt, um möglichst schnell gebrochen zu werden und wer heute noch solide Spielerzahlen aufweist, kann morgen schon wieder von der Bildfläche verschwunden sein. Dabei gibt es ein Patentrezept für ahnungslose Entwickler: die wöchentliche Lektüre von wiped! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt man nämlich am besten die Community oder fachkundige Redakteure.

Arbeiten denn da nur noch Idioten?

Wer sich regelmäßig auf einschlägigen MMO-Teamspeak-Servern herumtreibt, wird die Frage nach dem Geisteszustand von Entwicklern schon hundertmal gehört und wahrscheinlich auch selbst gestellt haben. Und tatsächlich kommen eine Vielzahl von Entscheidungen, die in den Studios der Branche getroffen werden, der berühmten mittelschweren Katastrophe gleich.

Da werden missglückte Spielmechaniken aus mehr oder weniger gescheiterten Titeln der Vergangenheit blind übernommen, Game-Engines genutzt, die schon durch ihre begrenzten technischen Möglichkeiten für die gewünschten Zwecke überhaupt nicht geeignet sind, und Patches aufgespielt, die immer neue Probleme hervorbringen, statt die alten erst mal zu beseitigen.

Prädikat: besonders kreativ

Kreativität beweisen die Studios auch meist erst, wenn das digitale Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und wenn immer neue Ausreden nötig werden, von denen man sich erhofft, dass sie die aufgebrachte Fangemeinde besänftigen können. Schwierigkeiten mit größerem Spieleraufkommen? Nein - damit hat man nun wirklich nicht rechnen können, wenn man eine Engine einsetzt, mit der schon unzählige andere Titel ähnliche Probleme hatten.

Performance-Einbrüche in ganz bestimmten Gegenden? Ach was, die meisten Zonen funktionieren ja und die Mehrheit beschwert sich auch nicht, folglich liegt das mit Sicherheit am Low-End-Rechner des Spielers. Eine fehlende Balance bei den Fraktionen und nicht funktionierendes offenes PvP? Macht ja nichts, denn der PvE-Content funktioniert doch weitgehend und außerdem bringen wir bald ein Bugfix für das Bugfix...

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 3: Bugfix vom Bugfix

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 74/761/76
Old Republic ist ein klasse Spiel, aber für Bioware bleibt noch einiges zu tun.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Unverhofft kommt oft

Nein, liebe Entwickler, wir Spieler sind nicht kleinlich - uns fehlt schlichtweg das Verständnis dafür, dass ihr über Probleme stolpert, die ein halbwegs erfahrener Spieler blind im Voraus erahnen kann. Wenn der nächste Patch vorab im Teamspeak mit “Die werden doch nicht etwa...” diskutiert wird, können wir mittlerweile sicher sein: doch, die werden!

Mittlerweile solltet ihr doch gelernt haben, dass Ideen, die in der Theorie wundervoll klingen, in der Praxis nicht zu verwirklichen sind. Und wenn euch das nötige Verständnis von den Mechanismen des Onlinespiels fehlt, weil ihr als gebeutelte Entwickler keine Zeit oder Lust zum Zocken habt, dann holt euch verdammt noch mal den Rat von Experten. Und nein - der Gelegenheitsspieler, der fünf Charaktere auf Stufe 20 gebracht hat ist definitiv kein guter Ratgeber.

Star Wars: The Old Republic - Hochmut kommt vor dem Fall

Nein, Star Wars: The Old Repubic ist kein schlechtes Spiel - im Gegenteil. Es spricht nicht nur Star-Wars-Fans an und hät der Ära des Stumm-MMOs ein für allemal ein Ende gesetzt. Es macht die versprochenen 200 Stunden lang wirklich großen Spaß und hat sich seine 88 Punkte verdient. Umso trauriger ist es derzeit zu sehen, wie unbeholfen BioWare und Electronic Arts mit dieser potentiellen Cashcow und ihren Fans umgehen.

Die Entwickler haben ihre liebe Not, gravierende Fehler aus dem Spiel zu bekommen und die für die Branche untypisch zögerlichen Patch-Versuche und ihre teils katastrophalen Auswirkungen tragen kaum dazu bei, die Fangemeinde zu beruhigen. Das wäre halb so wild, würde mittlerweile nicht sogar die Finanzwelt davon Wind bekommen, dass die Alte Republik langfristig vielleicht gar nicht so gewinnträchtig ist, wie man sich das vorab erhofft hatte.

Finanzexperten - auf der dunklen Seite der Macht?

Und so hörte man in der vergangenen Woche selbst aus Kreisen von Börsen-Analysten, dass sich langsam Bedenken einschlichen, The Old Republic betreffend, dass nicht nur der Verkaufsstart hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, sondern auch die gelegentlichen Beobachtungen des Spiels selbst dazu führten die Lage neu zu bewerten. Die Folge: die Aktie von EA gab um beinahe drei Prozentpunkte nach.

Ja, die Zeiten ändern sich und mitterweile ist wahrscheinlich sogar der eine oder andere Finanzexperte im sogenannten “Endgame” angekommen und fragt sich, wie BioWare die Spieler auf mittelfristige Sicht halten will. Kein Wunder also, dass böse Zungen behaupten, es sei kein Zufall, dass die Account-Verwaltung auf der offiziellen Webseite ausgerechnet just zum Ablauf des Freimonats rumzickt und es vielen Spielern unmöglich macht, ihr Abo zu kündigen, das ihnen zur Registrierung aufgezwungen wurde.

Doch wiped! ist nicht der Ort, um über einen einzigen Titel zu referieren und so werde ich in einem Special demnächst noch in aller gebührenden Ausführlichkeit über meine Erlebnisse in und mit Star Wars: The Old Republic berichten und vor allem Endgame, PvP und BioWares Umgang mit dem MMOG genau unter die Lupe nehmen.

Warhammer 40k: Dark Millennium Online - das dunkle Jahrtausend

Möglicherweise gar nicht mehr unter die Lupe werden wir Warhammer 40k: Dark Millennium Online aus dem Hause THQ nehmen können. Der Publisher scheint in eine schwere finanzielle Schräglage geraten zu sein, aus der ihn wahrscheinlich nur ein finanzkräftiger Investor zu retten vermag. Zwar ist Dark Millennium Online offiziell noch nicht ganz vom Tisch, doch die Chancen stehen nicht sonderlich gut.

Und es wäre schade um das zweite Warhammer-MMO, denn immerhin sind es die Jungs von Vigil Games, die hinter dem Projekt stecken. Die haben zwar noch nie ein MMOG entwickelt, doch mit Darksiders immerhin eine äußerst gute Arbeit abgeliefert und bewiesen, dass sie immer für eine Überraschung gut sind und vergleichsweise sparsam arbeiten können.

Star Wars: The Old Republic - Bald in SWTOR2 weitere Videos

Rift - Einsatz bald verdoppelt

Recht sparsam gearbeitet hat man einst auch bei Trion Worlds. Rift soll, so heißt es zumindest in Expertenkreisen, nicht viel mehr als 50 Millionen Dollar gekostet haben. Umso größer ist die Freude bei Trion in diesen Tagen darüber, dass durch Rift mittlerweile mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz in die Kassen gespült wurden, obwohl die Vermarktung in Asien erst noch bevorsteht.

Zwar zeichnete sich das Erstlingswerk des aufstrebenden Studios nicht unbedingt durch Innovation und Langzeitwert aus, gehört aber unbestritten zu den am besten betreuten und gepflegten MMOGs am Markt und dürfte spätestens jetzt in der Gewinnzone gelandet sein, was angesichts der einbrechenden Spielerzahlen auch höchste Zeit sein dürfte.

Defiance - funktioniert das in Europa?

Wichtig ist das für Trion vor allem deswegen, weil es nicht bei diesem Spiel bleiben soll und man noch weitere MMOs in der Entwicklung hat, darunter das Strategie-MMO End of Nations und das Sci-Fi-MMO Defiance, das zeitgleich mit der gleichnamigen TV-Serie starten und auf noch nicht bekannte Weise damit interagieren soll.

Doch genau da ist der Haken, denn wie beispielsweise deutsche Spieler in den vollen Genuss dieser Kombination kommen sollen, ist unklar. Es ist kaum anzunehmen, dass die Sci-Fi-Serie hierzulande rechtzeitig startet und die Folgen via Megaupload zu schauen, ist mittlerweile leider auch keine Option mehr.

TERA - alles neu macht der Mai

Doch bis all das spruchreif wird, vergehen vielleicht noch Jahre. Weit weniger Zeit vergeht hingegen, bis wir uns TERA anschauen können, das nun endlich einen konkreten Release-Termin verpasst bekommen hat. Das Spiel soll am 01. Mai in den USA und am 03. Mai hier bei uns erscheinen - wie geplant als Vollpreistitel mit Monatsgebühren.

Die Freude der MMOG-Communitys auf TERA ist, so scheint es zumindest, trotz der Verzögerung um ein ganzes Jahr, ungebrochen. Gerade weil die Titel des vergangenen Jahres jegliche Endgame-Inhalte vermissen ließen, legen Vielspieler große Hoffnung in das fraktionsfreie Spiel mit dem politischen System, das die südkoreanischen Entwickler ersonnen haben und das hoffentlich bis zum Mai auch wie geplant funktioniert.

AoC und TSW - Funcom legt nach

Damit wird TERA zumindest terminlich in direkte Konkurrenz zu Funcoms The Secret World treten, doch die belebt bekanntlich das Geschäft. Zudem lockt The Secret World ohnehin eine ganz andere Zielgruppe an, denn anders als die Südkoreaner, die gerne mal mit Sandbox-Elementen arbeiten, setzt man in Norwegen auf die klassische MMOG-Mechanik, legt den Schwerpunkt auf die Story der insgesamt drei Fraktionen und vertont komplett.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 3: Bugfix vom Bugfix

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 74/761/76
Tera, nur eine blasse Schöheit oder auch mit Engame-Inhalten?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dass Funcom darin mittlerweile äußerst geübt ist, beweist auch das jüngste Update zu Age of Conan. Und das wäre wohl kaum der Erwähnung wert, wenn man sich nicht ganz offensichtlich alter MMO-Werte besönne und einen Teil des Hauses von Crom als offenes Gebiet anlegte, in dem sich manche Probleme nur dann lösen lassen, wenn sich gleich mehrere Gruppen koordinieren. Man experimentiert also wieder mit Spielmechaniken aus alten Tagen. Das ist gut und lässt auch für The Secret World hoffen.

Ausblick

Und wer mit SWTOR auch schon durch ist und keine Ahnung hat, was er bis zum Frühjahr so spielen soll, dem geben wir zum Abschluss noch zwei Tipps mit ins Wochenende: Star Trek Online ist ab sofort kostenlos spielbar und auf jeden Fall einen Blick wert, denn es hat sich seit Release eine Menge getan - nicht zuletzt durch die treuen Fans, die mit den mächtigen Foundry-Werkzeugen unzählige, teils unglaublich spannende Kampagnen ins Spiel eingebaut haben.

Und ab Donnerstag steht euch mit Aion dann auch noch eines der besseren MMOs am Markt unter dem Banner von Gameforge offen. Doch ob diese Umstellung für die Community tatsächlich Sinn macht und wie teuer das Spielvergnügen damit künftig wird, werden wir uns dann beizeiten etwas genauer anschauen. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.