Es begann so vielversprechend und fiel dann unglaublich tief ins Sommerloch: das erhoffte “Jahr der MMOs”. Doch wenn der Sommer schon eine echte Enttäuschung ist, könnte wenigstens der Herbst noch heiß werden, denn Bioware hat seinen Trumpf ausgespielt und will die die Tore zur Alten Republik schon bald öffnen. Die anderen Publisher sind jetzt im Zugzwang und stehen einmal mehr unter genauer Beobachtung von Wiped.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die Welt und das Gameplay erklärtEin weiteres Video

Doch eigentlich ist Biowares große Ankündigung, der wir uns etwas später zuwenden wollen, längst nicht so spektakulär wie eine ganz kleine Randnotiz aus dem Hause Frogster. Dem deutschen Publisher ist nämlich mal so eben ein ganz großer Schlag geglückt, der sich äußerst positiv auf die gesamte MMO-Branche auswirken könnte.

Die Geißel aller virtuellen Welten

Vor allem MMOG-Veteranen kennen das Problem der Goldfarmer noch. Dahinter stecken mehr oder weniger professionelle Unternehmen aus Fernost, die sich darauf spezialisiert haben, virtuelle Währung zu farmen und Charaktere zu verticken. Lukrativ ist dieses Geschäft vor allem dank an Sklaverei grenzender Arbeitsbedingungen und durch den Einsatz spielerleichternder Fremdsoftware.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 29: Wenn der Frosch den Bauern besiegt

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Der Frosch quakt - und bekommt Recht. Frogster gelang ein wichtiger Schlag gegen den illegalen Handel in MMOs.
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Und während die professionellen Armutszocker seit Erfindung der Instanzen ganz prima im Geheimen farmen können, rauben sie den Fans von offenen Welten den letzten Nerv, blockieren wichtige Zonen, Bosse und zerstören den fragilen Markt. Ohne die Goldfarmer gehörte Lineage 2 mit Sicherheit heute zu den erfolgreichsten MMOGs am Markt, doch NCsoft West verlor den Kampf gegen die illegalen Horden und damit einen grandiosen Titel.

Frogster - wenn der Frosch den Bauern besiegt

Weit mehr Kampfgeist hat da schon der deutsche Publisher Frogster bewiesen. Insbesondere beim Free-to-play-MMO Runes of Magic trieben Farmerhorden von Beginn an ihr virtuelles Unwesen, schädigten die Spielwelt und machten dem Publisher seine Einnahmen streitig. Ähnlich wie bei NCsoft schien die Situation anfangs ausweglos, doch die Berliner ließen sich nicht beirren.

Sie engagierten mit Dr. Andreas Lober einen Rechtsanwalt, der früher selbst als Games-Redakteur gearbeitet hat und der mit der Materie vertraut genug war, um dem Gericht aufzuzeigen, was Goldfarmer und Goldverkäufer überhaupt sind und welchen Schaden diese beiden frischgebackenen Berufsgruppen durch ihr gemeinhin unerwünschtes Tun anrichten.

Mit Erfolg: In der vergangenen Woche hat das Landgericht Hamburg die Betreibergesellschaft eines kommerziellen Forums und deren Geschäftsführer dazu verurteilt, es bei Androhung von Ordnungsgeld oder -haft zu unterlassen, Ingame-Währung, Accounts, Cheats, Hacks und Bots für “Runes of Magic” anzubieten, in den Verkehr zu bringen oder zu bewerben. Nebenbei wurden die Übeltäter zu Schadensersatz verpflichtet.

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Kein Account- und Goldgemauschel mehr um RoM? Wir werden sehen.
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Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Urteil undenkbar gewesen, da sich die deutsche Rechtsprechung gemeinhin schwer damit tut, der rasanten technischen Entwicklung zu folgen. In einer virtuellen Spielumgebung begangene Handlungen real zu verurteilen, war bislang nicht möglich. Mit diesem aktuellen Urteil allerdings bekommt die gesamte Branche eine Waffe in die Hand gelegt, mit der sich zumindest den westlichen Zwischenhändlern die Geschäftsgrundlage entziehen lässt.

Tera – Lineage-2-Veteranen atmen auf

Positiv auswirken dürfte sich das auch auf das heißersehnte Tera, das in Europa von Frogster gehostet wird und das als inoffizieller Nachfolger von Lineage 2 längst im Fokus der organisierten Goldfarmer steht. Schon vorab warnten einige L2-Communitys eindringlich vor dem Einfluss, den Goldseller auf ein Spiel mit einem fragilen politischen System haben könnten.

Wer Herrscher über den Server werden möchte, so glauben die Veteranen, wird weder Mühen scheuen noch Kosten und im Zweifelsfall auch reale Sümmchen investieren, um es auf den Thron zu schaffen. Das aktuelle Urteil macht den Communitys Mut und sorgt für etwas mehr Vertrauen dem europäischen Publisher gegenüber, dem man einen solch radikalen Schritt gar nicht zugetraut hätte.

Eligium - der Frosch ist weiter auf dem Vormarsch

Frogster selbst traut sich derweil eine ganze Menge zu und zieht, obwohl der mutmaßliche Mega-Titel Tera hierzulande noch gar nicht veröffentlicht ist, schon das nächste Spiel aus der Schublade. In Eligium - der Auserwählte stehen, neben Heerscharen von Dämonen, offenbar auch die Konflikte zwischen den Spielern im Vordergrund.

Das F2P-MMOG wird vom chinesischen Publisher Shanda Games entwickelt und soll von Beginn an mit düsteren Dungeons, anspruchsvollen Bosskämpfen, Schlachtzug-Instanzen und einem ausgeklügelten PvP- und Ranking-System locken und, was Veteranen gemeinhin aufhorchen lässt, Open-World-Events. Erste Details zu Eligium will Frogster auf der gamescom enthüllen.

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Das erste Bild zu Eligium - Der Auserwählte. Frogsters Neuer.
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Bis spätestens zur Spielemesse wollen die Berliner dann auch verraten haben, wann denn nun endlich mit Tera in Europa zu rechnen ist. Der Fan hofft derweil, dass der Frosch auf seinem rasanten Vormarsch nicht ins Straucheln gerät und man in Berlin nicht vergisst, dass Tera eben kein Free-to-play-Titel ist und Qualität beim Publishing mindestens ebenso wichtig ist wie die Arbeit der Entwickler in Südkorea.

Rift - was Scott Hartsman partout nicht leiden kann

Was die Abneigung gegenüber den Goldsellern betrifft, so steht Frogster nicht alleine da. Auch Rift-Entwickler Scott Hartsman hat in der vergangenen Woche Stellung bezogen und ist mit den Goldverkäufern zumindest verbal hart ins Gericht gegangen. In einem Interview mit den Kollegen von Gamasutra warnte er die Spieler eindringlich davor, mit diesen Unternehmen Geschäfte zu machen.

Das Problem seien die skrupellosen Goldfarmer, die ihre Kunden regelmäßig abzockten, indem sie sich artig bedanken, das erworbene Gold liefern und dann die Daten weiterverkaufen oder einfach mit der Kreditkarte neue Accounts registrieren. Die Unsummen, die in den Kampf gegen diese Typen gesteckt werden, wären in der Entwicklung weit besser aufgehoben, so Hartsman.

Und auch wir haben uns vor kurzem im Rahmen einer Pressekonferenz mit Scott Hartsman unterhalten. Was der Chefentwickler von Rift sonst noch so zu erzählen hat und wie die kurz- bis mittelfristige Planung Trions so aussieht, erfahrt ihr in Kürze in einem gesonderten Artikel.

End of Nations - genügend “massively” im MMORTS?

Langfristig steht bei Trion vor allem End of Nations auf dem Programm. Der Titel wird eigentlich von Petroglyph entwickelt, einem kleinen Studio, das immerhin auf eine solide Vergangenheit im Segment der Echtzeitstrategie zurückblicken kann. So werkelten einige der Entwickler schon an Age of Empires, andere an Command & Conquer, Asheron’s Call und Eye of the Beholder. Unerfahren ist man bei Petroglyph also nicht.

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End of Nations - doch nur ein Strategiespiel mit Online-Anbindung?
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Und trotzdem ist die Euphorie der MMOler verhalten, denn noch vermisst man das “massively” im Spiel. Auch der aktuelle Trailer, der von den beiden Fraktionen erzählt, die sich im erbitterten Kampf um die Endzeit gegenüberstehen, ändert daran nichts. Tatsächlich wundert sich so mancher kritische Beobachter, ob End of Nations nicht doch nur ein Echtzeitstrategiespiel mit Online-Optionen wird.

Für potenzielle Käufer würde sich dann die Frage stellen, wodurch man sich von den unzähligen anderen Titeln des Genres unterscheiden möchte und ob überhaupt eine monatliche Gebühr gerechtfertigt wäre. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, denn auf ein echtes Strategie-MMO, bei dem nicht nur auf kleinen instanzierten Karten, sondern in einer großen Welt gekämpft wird, warten die Fans seit Ewigkeiten.

Star Wars: The Old Republic – Pre-Order – September-Tests, Oktober-Release? Weihnachtsgeschäft.

Und während die Strategen voraussichtlich noch lange warten müssen, hat das Warten für die Fans von Star Wars bald ein Ende. Bioware hat sich endlich erbarmt und nicht nur die ersten offenen Beta-Runden angekündigt, sondern auch noch gleich den Vorverkauf eröffnet. Doch kaum ist die frohe Botschaft überbracht, kommen den Kritikern auch schon wieder die ersten Zweifel.

Denn eigentlich war man mittlerweile fest davon ausgegangen, dass Bioware den Titel erst gegen Ende des Jahres fertigstellen würde - man hatte sich zeitweise sogar mit einem Verkauf ab Januar abgefunden. Dass jetzt doch alles so schnell gehen soll und das Spiel schon in ein paar Wochen spielbar sein wird, kommt recht überraschend. Hat hier Electronic Arts auf einen schnellen Release gedrängt? Was passiert, wenn es bei den Stresstests zu Schwierigkeiten kommt?

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Kommt Biowares Old Republic früher als gedacht?
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Immerhin setzt Biowares straffer Zeitplan die Branche gehörig unter Druck. Die Konkurrenz läuft Gefahr, das begehrte Weihnachtsgeschäft an Jedi und Sith zu verlieren. Die Jungs von ArenaNet werden es kaum schaffen, Guild Wars 2 noch rechtzeitig zu vollenden, und so können jetzt eigentlich nur noch Frogster und EnMasse aktiv werden und möglichst bald mit dem Release von Tera nachziehen.

ArcheAge - sechs Minuten echte Welt

Mit ArcheAge dürfen wir in diesem Jahr auf jeden Fall nicht mehr rechnen, denn noch immer fehlt es dem “Sandpark-MMOG” an einem offiziellen Publisher in der westlichen Hemisphäre. Zwar ist man unlängst eine Kooperation mit dem Publisher Take-Two Interactive eingegangen, doch dürfte der momentan kaum über die nötigen Ressourcen verfügen, um ein MMOG erfolgreich zu hosten.

Ungeachtet dessen sammelt man bei Take-Two und XLGames schon mal Ideen für weitere MMOs. Die erste, die man tatsächlich umzusetzen gedenkt, ist allerdings nicht Grand Theft Auto, sondern eine andere Erfolgsserie. Die Südkoreaner werden sich ab sofort neben ArcheAge an die Entwicklung eines Civilization-MMOs machen und rekrutieren dafür gerade Entwickler aus allen Bereichen im ganz großen Stil.

Marvel MMO - Bill Roper wird zum Joker für Disney

Einen, den sie bei ihren Rekrutierungsbemühungen derzeit allerdings nicht zu fragen brauchen, ist Urgestein Bill Roper. Der ist, nach seinem schweren Absturz mit den Flagship Studios, nämlich gerade erst wieder die Karriereleiter nach oben gepurzelt und von der Disney Interactive Media Group zum Vice President des Marvel Franchise ausgerufen worden.

Zwischenzeitlich war Roper bei den Cryptic Studios im Sonderrang eines ‘Chief Creative Officer’ tätig, wo er sich offensichtlich das nötige Hintergrundwissen in Sachen Superhelden verschaffen konnte. Bei den Fans von Champions Online fand Roper mit seiner Arbeit allerdings wenig Anerkennung und auch bei Cryptic selbst scheint man ihn nicht allzu sehr zu vermissen.

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Der Countdown läuft

Und während wir noch immer ein wirklich unterhaltsames neues MMOG auf unserer Festplatte vermissen, rückt mit Biowares überraschender Ankündigung doch immerhin schon mal ein potenzieller Kandidat in greifbare Nähe. Wenn sich jetzt noch der Sommer entschließt, endlich aus seinem Versteck zu kommen, vergehen die paar Wochen bis zum September wie im Flug. Und damit euch die Zeit bis dahin nicht zu lang wird und ihr immer wisst, was wann, wo und warum gespielt wird, sorgen wir zwischendurch einfach mit den kommenden Ausgaben von Wiped für etwas Unterhaltung.