Die gamescom 2011 steht in diesem Jahr im Zeichen des MMOGs. Mehr Publisher denn je bringen sich für das Mega-Event in Stellung und auch in den Gilden wird schon erbittert darüber gestritten, ob man sich nun bald in Tera, Guild Wars 2 oder Star Wars: The Old Republic ansiedeln sollte - oder vielleicht ganz woanders. Wer Argumente sucht oder wissen möchte, was sonst noch so gespielt wird, kommt um Wiped mal wieder nicht herum.

Als Online-Journalist braucht man schon starke Nerven. Während die Kollegen aus dem Printbereich nach Abgabe ihrer Ergüsse selten mitbekommen, ob überhaupt jemand die mühevoll konstruierten Zeilen liest, und die dezente Kritik des Chefredakteurs oft die einzige Resonanz ist, beginnt bei uns Onlinern das große Zittern direkt nach Erscheinen des Artikels.

Wir nehmen euch ernst, aber nicht persönlich!

Was wird wohl der Fanboy zu der Wertung sagen - was sagt der Hasser? Habe ich auch alles bedacht? Oder habe ich ein wesentliches Element übersehen? Oute ich mich gar irgendwo als Noob, weil ich auf einem der Screenshots das falsche Set trage oder nutzlose Skills in der Leiste habe? Ich wage zu behaupten, dass die Kommentarfunktion bei so manchem Redakteur schon für Magengeschwüre gesorgt hat.

Man kann den Kollegen nur dazu raten, die sicherlich gut gemeinten Worte der oft anonymen Leser nicht allzu persönlich zu nehmen. Dass man die Beiträge jedoch unbedingt ernst nehmen sollte, hat mich Wiped gelehrt. Was wäre die Kolumne ohne die aktive Beteiligung unserer treuen Leser? Ihr habt es bislang noch in jeder Ausgabe geschafft, eine lebhafte Diskussion in Gang zu bringen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 28: Böses Erwachen zur Götterdämmerung

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Hätten die Entwickler von Gods & Heroes mal Wiped gelesen...
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Keine Zeit zum Zocken

Nicht selten lässt sich an euren Beiträgen auch ablesen, was ihr als Spieler von einem MMOG erwartet und was euch enttäuscht hat. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Würde ein Entwickler tatsächlich auf die Idee kommen, die Kommentare zu allen Ausgaben von Wiped zu sammeln, auszuwerten und die Kritikpunkte in die Entwicklung eines MMOGs einfließen zu lassen - es würde ein wirklich geniales Konzept für ein einzigartiges Spiel dabei entstehen.

Doch leider scheint der Chefentwickler von heute weder selbst zu spielen, noch liest er unsere Artikel oder - Gott bewahre - gar die Kommentare darunter. Er schart lieber eine Hundertschaft an Grafik- und Soundkünstlern um sich und macht sich in aller Abgeschiedenheit daran, bunte Welten zu bauen. Das dauert dann ein paar Jahre, verschlingt ein paar Milliönchen, und sollte es das Produkt jemals auf den Markt schaffen, will es keiner spielen.

Gods and Heroes - böses Erwachen zur Götterdämmerung

Uns wundert das nicht, Anthony Castoro hingegen versteht die Welt nicht mehr. Der Chef von Heatwave Interactive hat mit Gods and Heroes ein Problem: Er hat ein Spiel auf den Markt geworfen, das den Standards des ohnehin umkämpften Marktes um mindestens fünf Jahre hinterherhinkt und für das sich folglich niemand interessiert. Hätte er regelmäßig Wiped samt den Kommentaren gelesen, wäre ihm das längst klar.

So allerdings glaubt Castoro noch immer an die Qualität seines Machwerks und macht einfach mal die Leute vom Marketing für die Verkaufsmisere verantwortlich. Es sei jetzt dringend nötig, so der CEO, mit einer Werbekampagne Tausende Spieler ins Spiel zu holen und die Server zum Bersten zu bringen. Man brauche keine 500.000 Spieler, um profitabel zu arbeiten, allerdings reiche die derzeitige Wachstumsrate nicht aus.

Gods & Heroes: Rome Rising - Trailer #22 weitere Videos

Wir sind gespannt, wie Heatwave das vermutete “Bekanntheitsproblem” zu bekämpfen gedenkt, denn in Wirklichkeit mangelt es dem Spiel einzig an Qualität. Wäre die gegeben, verbreitete sich die frohe Botschaft schon von ganz allein in den gut vernetzten MMO-Communitys. In seiner jetzigen Form bleibt Gods and Heroes nur noch der Schritt in Richtung free to play. Doch selbst dafür ist es wahrscheinlich schon ein paar Jahre zu spät.

DC Universe Online - WTF, DLC im Abo-MMO?

Zu spät könnte es auch für DC Universe Online bald sein, dessen aktuelle Spielerzahl gefühlt gegen null zu gehen scheint. Dringend nötig wäre jetzt, dem Spiel so langsam mal neue Inhalte und ein sinnvolles Endgame zu verpassen, um wieder zahlende Kunden in die inhaltlich karge Welt zu locken. Das könnte funktionieren, denn technisch ist an DC Universe Online nun wahrlich nicht viel auszusetzen.

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Doch bei Sony Online Entertainment kommt man auf eine ganz andere Idee zur Rettung von Gotham City und Metropolis: DLC. Downloadable Content kennt man bisher eigentlich nur von F2P- oder Offline-Spielen. Dass man bei SOE nun tatsächlich glaubt, zusätzlich zur Monatsgebühr auch noch Geld für Updates verlangen zu können, beweist einmal mehr, dass bei der letzten Entlassungswelle die falschen Köpfe gerollt sind.

Dust 514 - wahrscheinlich free to play

Wenn es nach einigen Fans von EVE Online ginge, müssten auch bei CCP Köpfe rollen - allen voran der von Hilmar Petursson. Der Unternehmenschef hatte in den vergangenen Wochen wegen seiner Free-to-play-Pläne für das Weltraum-MMOG eine handfeste Spielerrevolte ausgelöst. Die konnte man erst durch das Eingreifen des Spielerrats und die Garantie der Entwickler, dass man keine die Stärke verändernden Objekte gegen harte Währung anbieten werde, beilegen.

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Dust 514: offenbar auf dem Free-2-play-Weg.
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Doch kaum haben sich die Wogen etwas geglättet, heizt CCP die Stimmung schon wieder auf. Das Shooter-MMO Dust 514, dessen Spieler durch ihre Handlungen immerhin direkt Einfluss auf das Universum von EVE Online nehmen sollen, soll zum Start zwar nur gegen Gebühr spielbar sein, auf kurz oder lang allerdings möglicherweise free to play und über Mikrotransaktionen finanziert werden. Und dass die dann rein kosmetischer Natur sein werden, glaubt nun wahrlich niemand.

Die Bewohner von New Eden sind auf jeden Fall entsetzt, denn es entspricht nicht unbedingt ihrer Wunschvorstellung, den Lebensraum mit Individuen zu teilen, die sich gewisse Vorteilen verschaffen, indem sie ein paar Hunderter in den Itemshop eines gierigen Publishers schmeißen. Das Drama um CCP geht also in die nächste Runde und man darf gespannt sein, welchen Staub Dust 514 in Zukunft noch so aufwirbelt.

PlanetSide 2 - Wettstreit der Publisher

Die Community der Shooter-Fans spaltet sich derweil schon mal vorsorglich in zwei Lager. Während die einen auf den guten Kern und die Erfahrung des isländischen Studios setzen, hoffen die anderen trotz - oder gerade wegen all der aktuellen Turbulenzen - auf Sony Online Entertainment, denn PlanetSide 2 schlägt ganz offensichtlich in exakt die gleiche Kerbe wie Dust 514.

Zwar denkt man darüber nach, eine PvP-Instanz für PlanetSide 2 einzuführen, in der sich E-Sportler austoben können, doch der Schwerpunkt soll, laut Creative-Director Matt Higby, immer beim freien PvP auf einer riesigen, offenen Karte liegen. Und selbst bei der Kommunikation will SOE nicht hinter CCP zurückstehen und plant ebenfalls die Einbindung von Vivox, wodurch lästige Tippereien entfallen sollen.

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Spannendes Duell: Dust 514 gegen Planetside 2.
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Das Kopf-an-Kopf-Rennen von PlanetSide 2 und Dust 514 dürfte uns Spielern auf jeden Fall kaum zum Nachteil gereichen, denn beiden Publishern dürfte klar sein, dass sich mittelfristig nur ein Titel am Markt durchsetzen und der zweite Sieger auf jeden Fall der große Verlierer sein wird. Und das kann sich derzeit weder CCP noch SOE erlauben.

Darkfall 2.0 - mach neu!

Derweil erlaubt man sich bei Aventurine eine ganze Menge, indem man die Spieler von Darkfall schon mal vorsorglich darauf vorbereitet, dass man mit Patch 2.0 wirklich alles neu machen will. Kein einziger Bereich das Spiels bleibe unangetastet, erklärt Produzent Tasos Flambouras und kündigt an, dass man aus Darkfall ein ganz “neues Spiel” machen werde.

Dieser Schritt sei nötig, weil man all die Dinge einfließen lassen möchte, die man als Publisher im Laufe von über zwei Jahren Darkfall gelernt hat. Das Update wird die Spieler nichts kosten - zumindest kein Geld, denn noch denkt man bei Aventurine darüber nach, ob man den Server nicht komplett wipen sollte, inklusive aller Charaktere darauf. Für Veteranen wäre das ein harter Schlag, für Interessierte hingegen vielleicht die beste Chance, in die gnadenlose Welt von Darkfall einzusteigen.

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Star Trek Online - ein ganz neues Spielerlebnis

Und noch ein anderer Titel bietet möglicherweise auf seine alten Tage ganz neue Anreize. Den Cryptic Studios ist es mit Season 4: Crossfire endlich gelungen, die Außeneinsätze komplett zu überarbeiten und mit einem Shooter-Modus zu versehen, der tatsächlich ein komplett neues Spielerlebnis schafft. Zusammen mit all den anderen Neuerungen und Veränderungen wirkt STO gerade so erfrischend, dass wir kurzerhand einen neuen Captain erstellt haben, um dem Sci-Fi-MMO eine zweite Chance zu geben.

Langweilig wird uns in der kommenden Woche ohnehin nicht, denn wir haben da noch ein Gespräch mit Scott Hartsman in Planung, der mit allen Mitteln gegen den Spielerschwund in Rift kämpft. Außerdem werden wir mit einem Frogster-Gamemaster persönlich zu den spektakulärsten Orten von Runes of Magic hüpfen, das sich mit der jüngsten Erweiterung auch mal wieder einen Testartikel verdient hat. Bis zur kommenden Ausgabe von Wiped! wisst ihr also, was gespielt wird.