Seit einer Woche diskutieren Fans, Entwickler und Publisher von MMOGs hitzig wie nie zuvor über die Zukunft der Branche. Werden sich künftig alle Onlinespiele über Mikrotransaktionen finanzieren und gehört das monatliche Gebührenmodell der Vergangenheit an? Ist das Free-to-play-Konzept wirklich ein Segen für die Spieler? Wir haben uns die jüngsten Ereignisse etwas näher angeschaut und berichten wie immer garantiert kostenlos...

Kostenlos, aber nicht umsonst!

Veteranen unter uns werden sich wahrscheinlich noch an das verächtliche Kopfschütteln erinnern, das sie noch vor zehn Jahren ernteten, wenn sie von ihrem geliebten Hobby berichteten und monatliche Gebühren für Onlinespiele zur Sprache kamen. Regelmäßig Geld für ein bereits erworbenes Spiel zu bezahlen, war so ziemlich das Letzte, was sich der durchschnittliche Zocker um die Jahrtausendwende vorstellen konnte und wollte. Kein Wunder, dass der Markt der Onlinespiele damals mehr schlecht als recht vor sich hindümpelte.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 23: LotRO wird kostenlos, EvE knackt die 60K

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Als die ersten Spiele Monatsgebühren verlangten, schüttelten Viele noch den Kopf.
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Doch dann kam Blizzard, machte MMOGs in der westlichen Welt auf einen Schlag populär und erhob die Monatsgebühr zum Standard. Mit über elfeinhalb Millionen zahlenden Kunden ist das Spiel mittlerweile eine Goldgrube. So bewerteten es auch die anderen Publisher am Markt. Also versuchten sie ihr Glück mit dem gleichen Konzept und eigenen Titeln. Die besseren davon konnten zwar gewisse Achtungserfolge feiern, lockten aber nie mehr als einige hunderttausend Spieler an. Wo Blizzard tonnenweise Gold schaufelt, muss sich die Konkurrenz um die paar Krümel streiten, die hin und wieder abfallen.

Weit besser erging es dagegen bald all jenen Studios, die qualitativ mitunter sehr schwache Titel zum Nulltarif spielbar machten und dafür gewisse Vorteile oder Gegenstände im Spiel per Mikrotransaktion anboten. Selbst die miesesten Free-to-play-Titel zählen heute meist über eine Million Spieler, von denen sich, so nehmen Experten an, etwa jeder zehnte einen Vorteil gegen bare Münze verschafft.

Der Herr der Ringe Online – Turbine wechselt die Seiten

Wäre es da nicht gewinnbringender, man würde auch die guten Spiele von monatlicher Zahlweise auf einen Free-to-play-Modus umstellen? Diese Frage hat Turbine mittlerweile beantwortet, denn nach dem erfolgreichen Probelauf mit Dungeons & Dragons Online in den USA will man ab Herbst auch Der Herr der Ringe Online als ersten Top-Titel vom Abosystem auf free to play umstellen. Doch während das für manchen Zocker eine tolle Nachricht ist, sehen eingefleischte Fans ihr Lieblingsspiel schon in den Feuern des Schicksalsberges brennen.

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Vom Kellerkind zur Goldmine? LotRO folgt dem Trend und wird f2p.
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Man möchte Mittelerde zu einem noch reichhaltigeren und besseren Erlebnis machen, bemühten sich die Jungs von Turbine schnell zu erklären und verärgerten die Community nur noch mehr. „Wie denn und wodurch denn?“, wollen Kritiker wissen. Mit Millionen von Kindern und Ahnungslosen, die jetzt Tag für Tag auf die Server strömen und die familiäre Stimmung zerstören, durch die sich das Spiel von der Konkurrenz abhebt? Oder durch das chronische Ungleichgewicht, das alle Welten mit Itemshop prägt?

Noch haben die Entwickler keine genauen Angaben zur Preisgestaltung gemacht, doch angesichts der Fülle an angebotenen „Leistungen“ dürfte das Leben in Mittelerde für die meisten Bewohner mit der Umstellung teurer werden als bisher. Kunden, die mit einem lebenslänglichen Account ihre besondere Loyalität bewiesen haben, trifft es besonders hart.

Sie werden mit monatlichen 500 Punkten abgespeist, für die sie im Itemshop zusätzliche Klassen, Quests, Reittiere, Items und anderen Schnickschnack erwerben können. Unzählige Veteranen werden verärgert sein und das Land verlassen, abgelöst durch Fans von Mikrotransaktionen. Fest steht: Turbine wird bald ordentliche Gewinne mit Mittelerde einstreichen. Die Welt bekommt dabei allerdings ein völlig neues Gesicht – und hübscher wird das sicher nicht.

EVE Online – 60 Riesen im Garten Eden

Es wäre wohl nicht auszudenken, was mit New Eden passieren würde, käme CCP auf eine ähnliche Idee wie Turbine. Gott sei Dank scheint den Isländern derzeit nichts ferner zu liegen als ein Free-to-play-Konzept. Immerhin zählten sie gleich nach der aktuellen Erweiterung Tyrannis erstmals 60.453 gleichzeitig eingeloggte Spieler auf dem einzigen Server. Eine neue, ausgesprochen stattliche Höchstmarke, mit der der bisherige Rekord um mehr als 4400 Piloten gebrochen wurde.

Jumpgate Evolution – es geht wieder voran

Von solchen Spielerzahlen dürften auch die Jungs von NetDevil träumen, die schon seit Ewigkeiten an dem vergleichsweise actionbasierten Jumpgate Evolution schrauben. Angesichts der irritierend langen Funkstille war manch ein Anhänger von Weltraum-Simulationen mittlerweile davon ausgegangen, dass das Spiel überhaupt nicht mehr vom Stapel laufen würde. Dabei steht es wohl gar nicht so schlecht um den Titel, verkünden die Entwickler jetzt und erklären ihr mysteriöses Schweigen.

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Jumpgate wurde nochmal komplett überarbeitet.
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Man habe das Spiel noch einmal komplett überarbeitet und war sich zeitweise nicht einmal mehr sicher, welche der ursprünglich geplanten Elemente man übernehmen würde und welche nicht, heißt es in der Nachricht. Deswegen habe man es vorgezogen, vorerst ganz zu schweigen. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Die Entwicklung scheint Formen anzunehmen und bei NetDevil bereitet man sich jetzt darauf vor, mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit zu treten. Man darf also gespannt sein, was die Netzteufel auf den diesjährigen Spielemessen so präsentieren.

End of Nations – Schlachtschiff auf Rädern

Generell scheinen die Studios so langsam aus dem Winterschlaf zu erwachen. Angesichts der E3 2010, die in der kommenden Woche in Los Angeles stattfinden wird, tauchen jetzt auch vermehrt Videos zu Titeln auf, denen man bislang wenig Beachtung schenkte. Einer davon ist End of Nations, ein Strategie-MMO aus dem Hause Petroglyph, das sichtbar an Command & Conquer angelehnt ist, jedoch auch ganz prima ohne Übelwicht Kane auskommt, wie der aktuelle Trailer eindrucksvoll beweist.

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Final Fantasy XIV – unheimlich heimlich

Nicht ganz so episch, dafür unter lebensgefährlichen Bedingungen entstanden, ist das neue Video zu Final Fantasy XIV. Darin bekommt man erstmals einen Eindruck von der Charaktererstellung, die vorwiegend auf vorgegebenen Mustern basiert und damit leider nicht ganz so üppig ausfällt, wie man das von vielen anderen Titeln mittlerweile gewohnt ist. Echte Fans von Nippon-MMOGs dürfte das allerdings wenig kümmern.

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Guild Wars 2 – Adrenalin im Blut

Etwas martialischer als im MMO von Square Enix geht es indes bei Guild Wars 2 zu. Diesen Eindruck erweckt zumindest die gerade wieder aktualisierte offizielle Webseite, auf der die Jungs von ArenaNet jetzt auch erste Infos zum Krieger veröffentlichen – samt einiger Videosequenzen, in denen der starke Allrounder im Einsatz zu bewundern ist.

Guild Wars 2 - Der Krieger in Aktion2 weitere Videos

Kingdom Heroes – ein Königreich für einen Helden!

Und wer bei all den Ankündigungen und Videos Lust bekommen hat, mal wieder etwas Neues zu zocken, der sollte sich unbedingt mal die offizielle Seite zum fernöstlich angehauchten Free-to-play-MMO Kingdom Heroes ansehen. Dort darf man sich seit einigen Tagen für die offene Beta registrieren und gleich ins Spiel einsteigen.

Doch genug von all der Zockerei. Da unten in Afrika wird immerhin eine Weltmeisterschaft ausgetragen. Und da die GEZ leider noch nicht auf free to watch umgestellt hat und eine fette Monatsgebühr verlangt, solltet ihr in den kommenden Tagen zumindest ab und zu die Flimmerkiste anschalten und das Großereignis genießen. Wir sind dann wieder rechtzeitig am nächsten Samstag für euch da. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.