Wer immer schon mal wissen wollte, was Barbaren im Sommer, Gefangene im Knast und Raumfahrer außerhalb ihres Schiffes erwartet, sollte jetzt weiterlesen. Und dass man dabei, wie in jeder Ausgabe von Wiped, nebenbei auch noch erfährt, was die Elite unter den Zockern in Sachen MMOG so erwartet, versteht sich mittlerweile von selbst.

Free to play ist ganz groß in Mode. Unterhält man sich mit einem durchschnittlich erfahrenen Online-Zocker, so kann der im Normalfall mindestens drei kostenlose MMOs aufzählen, in denen er unterwegs ist oder war. Fragt man allerdings nach Abonnements, erntet man meist nur verwunderte Blicke und Kopfschütteln. Monatsgebühren kommen nicht einmal für den gut betuchten Gelegenheitsspieler in Frage.

Geld ausgeben für ein Spiel? Nie im Leben!

Dass es qualitativ extreme Unterschiede zwischen den einzelnen Titeln gibt, weiß ein solcher Spieler oft gar nicht, weil er es nie geschafft hat, über seinen kostenlosen Horizont hinauszublicken. Für die F2p-Publisher zählt er damit zu den x-Millionen Registrierten, die man zwar stolz erwähnt, die wirtschaftlich allerdings vollkommen uninteressant sind, da sie ohnehin kaum Spaß am Spiel entwickeln und die Motivation, mal ordentlich in der Item-Truhe zu wühlen, entsprechend niedrig ist.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 21: Geld ausgeben für ein Spiel? Nie im Leben!

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Dem aktuellen F2P-Trend folgend, wird auch das Barbaren-MMO bald kostenlos.
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Den F2p-Publishern darf man also getrost vorwerfen, dass sie der Branche langfristig einen Bärendienst erweisen, denn sie schrecken mit ihren kostenlosen aber oft auch wertlosen Lockangeboten potenziell zahlungswillige Spieler ab und verhindern gleichzeitig, dass hochwertige Titel mit Gebühr ihrer Qualität entsprechend wachsen können. Will man die Branche nicht nachhaltig schädigen, sind dringend Veränderungen im Bereich der Free-to-play-Spiele nötig.

Age of Conan - König Conan kostenlos

Federführend bei der Erarbeitung neuer Ansätze sind bezeichnenderweise nicht die traditionellen Anbieter kostenloser MMOs, sondern eher jene Studios, die am meisten unter der Lage am Markt leiden. Funcom ist ab sofort eines dieser Studios, denn noch in diesem Sommer will man das Barbaren-MMOG mit Age of Conan: Unrated auf ein neues Geschäftsmodell umstellen.

Wir erinnern uns: Mit dem Release von Age of Conan vor drei Jahren hatte sich Funcom keinen Gefallen getan. Der Titel wandelte sich innerhalb weniger Tage vom umjubelten WoW-Killer zum Hassobjekt. Der Produzent wurde mittlerweile zwar ausgetauscht und das Spiel zu einem der besten MMOGs am Markt gemacht, doch ist das Vertrauen in ein Spiel erst einmal zerstört, lässt es sich so schnell auch nicht wieder aufbauen. Funcoms Hoffnung auf eine Rückkehr der Veteranen blieb unerfüllt und Neuspieler interessieren sich kaum für einen ‘alten’ Titel, der zudem noch Monat für Monat Geld kosten soll.

Der zweite Frühling für Hyboria

Das Abrücken von der Monatsgebühr ergibt für Funcom also durchaus Sinn, denn eine kostenlose Verfügbarkeit würde nicht nur manchen einst Enttäuschten in Versuchung bringen, sondern Millionen von Neuspielern anlocken, die sich das virtuelle Hyboria mal unverbindlich durchstreifen wollen, nachdem sie im Kino den neuen Conan erlebt haben.

Zwar hat Funcom noch keinen genauen Termin für Age of Conan: Unrated genannt, doch wird man aller Voraussicht nach zeitgleich mit dem Kinostart im August umstellen. Um möglichst viele Fans abzufangen arbeitet Funcom auch inhaltlich auf Hochtouren. Der Kinogänger soll aus dem Kinosessel aufstehen, nur um am heimischen PC sofort wieder in exakt dem gleichen Hyboria zu versinken.

Frisches Blut in Hyboria

Sollte die Neuauflage im Kino tatsächlich ein Erfolg werden, wird Age of Conan seinen zweiten Frühling erleben. Das Spiel gehört zu den besten Vollpreis-MMOGs am Markt - mit einem cleveren Geschäftsmodell könnte Funcom die Kassen wieder klingeln lassen und würde gleichzeitig den Free-to-play-Sektor durch einen völlig neuen Qualitätsstandard in arge Bedrängnis bringen.

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Einen genauen Termin für die F2P-Umstellung gibt's noch nicht.
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Dabei muss Age of Conan nicht einmal komplett kostenlos werden. Mit der Entscheidung, bestimmte Annehmlichkeiten und vor allem Inhaltspakete gegen Geld anzubieten, konnte auch Turbine schon bei Herr der Ringe Online punkten. Die eingefleischten Fans, die Age of Conan über all die Jahre die Treue gehalten haben, freuen sich auf jeden Fall darauf, bald frisches Blut in Hyboria fließen zu sehen und dem ahnungslosen F2p-Zocker zu zeigen, wie gut ein MMOG sein kann.

Chinafarmer - Gold grinden, statt Steine klopfen

Wie gut MMOGs sind, weiß man auch in China. Außerdem hat man dort längst herausgefunden, dass sich Online-Spiele vortrefflich dazu eignen, ein paar Yuan extra zu machen, weil es auf der Welt immer Menschen gibt, die viel realen und wenig virtuellen Reichtum besitzen und gewillt sind, hier und da ein paar Dollar extra in den Avatar zu stecken.

Natürlich muss das virtuelle Gold auch erfarmt werden und so schätzen Experten, dass mittlerweile über 100.000 Chinesen die virtuelle Farmerei als Vollzeitjob betreiben. Doch damit nicht genug - wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, sollen in China mittlerweile auch Strafgefangene zum Zwangsgrinden verpflichtet worden sein.

Zocken statt Steineklopfen hieß das Motto für die rund 300 Gefangenen, die in Schichten von jeweils zwölf Stunden vor den Monitoren hocken mussten. Wärter sollen davon gesprochen haben, dass sich damit über 650 Euro Gewinn pro Tag machen ließe. Die Gefangenen hatten davon allerdings nichts. Im Gegenteil - entsprach die virtuelle Beute nicht der Vorstellung der Aufseher, wurden die Zwangszocker bestraft.

Square Enix - das Leben nach Final Fantasy XIV

Ob man die armen Seelen zur Strafe an Final Fantasy XIV setzte, ist nicht bekannt. Das sorgte im vergangenen Jahr für jede Menge Wirbel, weil es sich qualitativ mit kaum einem aktuellen MMOG messen konnte - nicht einmal mit seinem indirekten Vorgänger Final Fantasy XI. Und so ist Square Enix noch immer darum bemüht, den vergeigten Titel irgendwie spielbar zu machen und auf dem Markt zu positionieren.

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Final Fantasy XIV war nicht der große Wurf. Dennoch arbeitet Square-Enix schon am nächsten Online-Spiel.
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Umso überraschender erscheint da die jüngste Meldung, dass der Publisher nebenbei schon wieder an einem neuen Titel arbeitet. Nach Aussage von CEO Yoichi Wada gehöre es zur aktuellen Strategie des Publishers, dass man zwei oder drei MMOs gleichzeitig betreibt, um einen starken Kapitalfluss zu gewährleisten. Details zum neuen Titel, der den durch FF XIV beschädigten Ruf von Square Enix wiederherstellen muss, wollte der Firmenchef leider noch nicht nennen.

EVE Online - der Blick in den Spiegel

Dafür zeigt sich CCP als umso mitteilungsfreudiger und präsentiert endlich mal wieder ein Video, in dem man die aktuellen Arbeiten an den Quartieren des Kapselpiloten in ihrer vollen Pracht bewundern darf. Das von Fans oft als unnötig kritisierte neue Feature fügt sich dabei so gut ins Spiel ein, dass man sich bald fragen dürfte, wie man es all die Jahre ohne ein eigenes Quartier in EVE ausgehalten hat.

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Dabei verspricht ‘CCP Zulu’ einmal mehr, dass Incarna nur der erste Schritt von unzähligen weiteren sein wird, mit denen man EVE Online langsam zur ultimativen und tiefgehenden Science-Fiction-Welt machen wird. Und das sind keine hohlen Phrasen, denn auf dem jüngsten Fanfest in Island haben wir gelernt, dass CCP gleichzeitig an unzähligen Funktionen für die frischgebackenen Avatare der Spieler arbeitet, für die der persönliche Kontakt dann Voraussetzung für viele ertragreiche Geschäfte werden wird.

Grand Theft Age - hoffnungsvolle Allianz

Und noch anderswo kam es in der vergangenen Woche zu einem persönlichen Kontakt mit möglicherweise nachhaltigen Folgen. Getroffen haben sich dabei Christoph Hartmann von Take-Two Interactive und Jake Song von XL Games, um ihre seit einem Jahr bestehende, bislang geheimgehaltene Allianz jetzt auch öffentlich zu machen.

Jake Song, der Schöpfer von Lineage, der derzeit auf Hochtouren an der Fertigstellung seines ‘Sandparks’ ArcheAge werkelt, arbeitet nebenbei doch tatsächlich an einem Gemeinschaftsprojekt von XL Games und Take-Two. Um welchen Titel es sich dabei nun genau handelt und ob wir eines Tages wirklich ein GTA-MMO erwarten dürfen, wollten die beiden allerdings noch nicht verraten. Die Allianz an sich lässt jedoch schon mal hoffen.

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Hoffen lässt sie auch im Hinblick auf ein mögliches Publishing von ArcheAge in Europa. Die Kooperation lässt immerhin vermuten, dass Take-Two an einem Einstieg in die MMOG-Branche arbeitet und möglicherweise das heiß ersehnte ArcheAge, für das sich bislang kein Publisher gefunden zu haben schien, hierzulande doch bald erscheinen könnte.

Ausblick

Doch bis dahin werden auch im besten Fall noch Monate vergehen, in denen wir mit dem vorliebnehmen müssen, was der Markt derzeit hergibt. Und so werden wir uns in der nächsten Woche intensiv mit der aktuellen Erweiterung 2.5 zu Aion befassen, die mit all ihren kleinen aber feinen Veränderungen bislang erfreulich positiv von der Community aufgenommen wurde.

Außerdem steigen wir noch einmal ins Cockpit unseres Kampfjägers in Black Prophecy, um die Mai-Erweiterung in Augenschein zu nehmen und für euch in einem Test abschließend über das Spiel zu berichten, das so großes Potenzial hat - aber das ist eine andere Geschichte. Und bis die erzählt wird, wisst ihr schon mal, was gespielt wird.