2011 scheint als ‘Jahr der MMOs’ langsam aber sicher gefährdet. Die Entwicklung der heißesten Titel ist ins Stocken geraten. Die Investoren werden schon mal behutsam auf ein Release im nächsten Jahr vorbereitet - die Community lässt man hingegen im Dunkeln tappen. Doch Wiped! bringt wie immer Licht in die dunkle Welt der Onlinespiele.

Was hatten wir uns auf dieses Zockerjahr 2011 gefreut, das eigentlich gar nicht so übel begonnen hat. Erst sorgte DC Universe Online mit seinem actionreichen Gameplay für eine positive Überraschung, dann bot Rift mit seinem soliden Design ein paar Wochen Spielspaß. Die Hoffnung allerdings, mit diesen beiden Titeln die Wartezeit bis zu Star Wars: The Old Republic und Guild Wars 2 überbrücken zu können, wurde nicht erfüllt.

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DC Universe Online - zurück in Gotham City

Spätestens seit der zweiwöchigen Zwangstrennung scheinen Gotham City und Metropolis komplett ausgestorben zu sein. Auf unserem jüngsten, einstündigen Flug durch die Häuserschluchten der beiden Großstädte begegnete uns nicht mehr als ein trauriges halbes Dutzend Spieler. Und in den anderen Welten von SOE sieht es derzeit kaum anders aus.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 20: Guild Wars 2 folgt der Alten Republik

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Der Letzte macht das Licht aus: nur noch wenige Spieler in DCUO.
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Die Hack-Attacke gegen Sonys Netzwerk hat das Vertrauen in den Publisher erschüttert. Dass der Publisher jetzt verkündete, den Verteidigungswall ausreichend verstärkt zu haben, half da wenig. Wer nicht schon längst nebenbei ein anderes MMO spielte, tut es spätestens jetzt. Die meisten Abgewanderten sind bislang noch nicht zurückgekehrt und wahrscheinlich werden sie das auch nicht mehr tun.

Sony Online Entertainment durchlebt in diesen Tagen den wirtschaftlichen Super-GAU. Ohne eine gewaltige Finanzspritze aus dem Mutterkonzern und die schnellstmögliche Entwicklung qualitativ hochwertiger neuer Titel wird der Publisher nicht mehr so bald auf die Beine kommen.

Rift - Trion kämpft

Auch bei Newcomer Trion kämpft man derzeit erbittert. Zwar hat man kein Datenleck, doch irgendwie scheint es die Spielerschaft derzeit ebenso schnell aus Telara zu ziehen, wie sie Anfang April dort hineingeströmt ist. Dabei wird die Werbetrommel ordentlich gerührt und die Updates kommen eigentlich auch erfreulich schnell. Doch die meisten Spieler der ersten Stunde bekommen das schon nicht mehr mit, denn die durchschnittliche Verweildauer der Spieler liegt mit geschätzten acht Wochen viel zu niedrig.

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Trotz kontinuierlicher Updates schwächelt Rift.
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Trion wird das eigene Gamedesign zum Verhängnis, das zu stark in Richtung Themepark geht und zu wenig Sandbox-Elemente enthält, die langfristig für Motivation sorgen. Design Director Simon Ffinch soll jetzt retten, was zu retten ist. Der erklärte Liebhaber von Sandbox-Games will Rift schnellstmöglich in diese Richtung ausbauen und unter anderem Häuserbau ermöglichen.

Hoffentlich ist sich Ffinch darüber im Klaren, dass Housing allein noch keine Sandbox aus Rift macht und überhaupt niemanden begeistern wird, wenn die fertigen Bauwerke nicht irgendwie sinnvoll in die Spielabläufe integriert werden und beispielsweise von Spielern oder Riss-Monstern erobert oder zerstört werden kann. Rift hat noch immer ein enormes Potential, allerdings muss Trion dringend für echte Herausforderungen sorgen, statt das Spiel immer mehr für Gelegenheitsspieler anzupassen.

Age of Conan - kostenlos durch den Mai

Auch Age of Conan ermöglichte bereits zum Release den Bau einer ganzen Gildenstadt. Interessiert hat das letztlich niemanden, weil die geplanten Belagerungen nicht mal richtig funktionierten. Mittlerweile hat sich jedoch eine ganze Menge getan. Age of Conan hat längst einen neuen Game Director, der das Spiel derart umgekrempelt hat, dass man es nach drei Jahren weiterer Entwicklungszeit kaum noch wiedererkennt.

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Age of Conan: erfindet sich alle paar Monate neu.
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Umso mehr lohnt sich dann auch ein erneuter Besuch bei König Conan für all jene, die das Barbaren-MMO zum Release frustriert in die Ecke geworfen haben. Anlässlich des dritten Geburtstags öffnet Funcom die Tore - ohne Wegzoll zu kassieren, den ganzen restlichen Mai hindurch. Immerhin eine weitere Gelegenheit, die Warterei auf die neuen Titel zu verkürzen.

Guild Wars 2 - folgt der alten Republik

Und die Zeit wird trotzdem noch quälend langsam vergehen, denn nachdem schon Bioware vorsichtig angedeutet hatte, dass Star Wars: The Old Republic möglicherweise erst im Januar 2012 erscheinen wird, schließt nun auch ArenaNet nicht aus, dass wir uns erst im kommenden Jahr in die Gildenkriege stürzen dürfen. Immerhin, so beruhigen die Entwickler im gleichen Atemzug, dürfen wir dann in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres mit diversen Betatests rechnen.

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Kommt später: Guild Wars 2.
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Insgesamt legt man bei NCsoft große Hoffnung in Guild Wars 2 und in das Kampfkunst-MMO Blade & Soul. Beide Titel sollen das Wachstum im kommenden Jahr absichern, das in diesem Jahr einmal mehr von den durchweg guten Zahlen in Südkorea ausgegangen ist. Überraschend dabei: Mit 44 Prozent Anteil am Umsatz hat sich Aion mittlerweile als Goldgrube erwiesen, gefolgt von Lineage 1 und Lineage 2.

Lineage 2 - bereit für die Zukunft

In der westlichen Welt wurde Lineage 1 mittlerweile eingestampft. Dafür läuft Lineage 2 umso erfolgreicher. Kein Wunder, denn mit seinem dynamischen Markt und der spielergesteuerten Politik mit den legendären Burgbelagerungen mit Hunderten von Spielern auf dem Schlachtfeld hat das Spiel immerhin ein Endgame, an dem sich manch jüngere Titel ein Beispiel hätte nehmen sollen.

Die beiden Server platzen derzeit aus allen Nähten. Und das wird in Zukunft kaum anders, denn mit ‘Goddess of Destruction’ steht uns die größte Erweiterung bevor, die der Titel in seinen sieben Jahren je verpasst bekommen hat. Eine neue Sub-Klasse, die Anhebung des Level-Caps auf 99, 30 neue Jagdgebiete, 60 neue Bosse und über 400 neue Ausrüstungsstücke dürften die Spieler zwischen dem allgegenwärtigen PvP für eine Weile beschäftigt halten. Wann genau die Erweiterung aufgespielt wird, hat NCsoft allerdings noch nicht verkündet.

ArcheAge - Gott Tank, Sohn Damage Dealer und der heilige Heiler

Dafür verkündeten die ehemaligen NCsoftler, die mittlerweile an ArcheAge arbeiten, dass sie sich von der heiligen Dreifaltigkeit des MMOs verabschieden werden. Lead Designer Kyung-tae Kim vergleicht das Spiel mit der Wirklichkeit, in der ja auch niemand in der Lage wäre, ein riesiges Monster zu tanken. Man würde es viel eher mit List und Tücke besiegen - und so soll das auch in ArcheAge werden.

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Wer Tanks will, soll World of Tanks spielen.
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Wie genau das System dann aufgebaut sein soll und was passionierte Plattenträger dann überhaupt noch tun, darüber schweigt sich der Südkoreaner noch aus. Immerhin 5000 seiner Landsleute werden bald einen ersten Eindruck davon bekommen, wie es sich ohne die Trinität der Klassen so spielt - wenn ArcheAge in die nächste Runde der Closed Beta eintritt.

Tera - das Rad nicht neu erfinden

Etwas anders äußerten sich die Entwickler von Tera jüngst zum gleichen Thema. Bei Bluehole will man die Dreifaltigkeit der Klassen nicht ad acta legen und das Rad neu erfinden, sondern sie durch das actionbasierte Gameplay neu definieren. Anders als bisher ist es nicht mehr ihre einzige Aufgabe, die Attacken der Feinde auf sich zu lenken. Die beiden Tank-Klassen sollen ihre Verbündeten vielmehr aktiv im Kampf beschützen.

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Tera: Baut seine Burgen in die Sandbox.
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Auch die Heilerklasse wird von ihrer bisherigen Rolle als Überwacher der Tank-Gesundheitsbalken entbunden und mitten ins Kampfgeschehen geworfen. Der Heiler gehört, nach allem was wir bisher in Tera erlebt haben, zu den herausforderndsten Klassen und so mancher gemütliche Heiler-Veteran wird zumindest anfangs an seine Grenzen stoßen.

Star Trek Online - zurück auf dem Boden

Ganz anders in Star Trek Online. Das hat bislang nicht einmal Gelegenheitsspieler großartig gefordert. Vor allem die Bodenmissionen waren viel zu einfach und wirkten nicht selten aufgesetzt. Sie waren auch einer der wesentlichen Kritikpunkte der Community. Umso erfreulicher, dass die Cryptic Studios jetzt gerade damit beschäftigt sind, das Gameplay in dieser Hinsicht komplett zu überarbeiten.

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Ob STO mit Season 4 noch zu retten ist?
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Nebenbei bemühen sich die Entwickler noch, relativ eigenständig agierende Offiziere ins Spiel zu integrieren, die man alleine auf Bodenmissionen entsenden oder sie in bestimmten Abteilungen auf dem Schiff einsetzen kann. Außerdem will man das Vivox Voice Chat System im Spiel integrieren, das unkomplizierte Unterhaltungen via Headset mit den Mitstreitern möglich macht.

Allerdings kommt die Ankündigung all dieser schwerwiegenden Veränderungen, die mit Season 4 in Kraft treten sollen, etwas überraschend. Denn wie es scheint, hat Publisher Atari vor, das Studio wieder abzustoßen. Der große Traum vom Einstieg in den vielversprechenden Markt der MMOGs hat sich für Atari also vorerst nicht erfüllt.

Wie es für den Publisher und vor allem für Cryptic nach zwei verlustreichen Jahren jetzt weitergeht, steht noch in den Sternen. Die geplanten Updates von Champions Online und Star Trek Online scheinen allerdings nicht in Gefahr und spätestens mit dem Start von Season 4 im Juli werden wir auf jeden Fall auch wieder einen Blick in das Sci-Fi-MMO werfen.

Bis dahin bleibt auf jeden Fall noch etwas Zeit, unseren 55er-Gladiator ausgiebig durch Aion 2.5 zu jagen, das am kommenden Mittwoch auf die Live-Server aufgespielt werden soll. Darüber und über alles, was die Branche sonst noch so bewegt, berichten wir dann am kommenden Samstag. Und bis dahin wisst ihr eh, was gespielt wird.