Entwickler klauen, Studios klagen und Fans streiten über Grundsätzliches. In der vergangenen Woche war das Klima in der MMO-Branche so unfreundlich wie das Wetter draußen. Uns schreckt das allerdings nicht ab – und so waren wir für euch mal wieder mittendrin im Branchengeschehen und haben in der siebten Ausgabe von Wiped! die wichtigsten Ereignisse zusammengetragen.

Monat für Monat hauen die Publisher weltweit neue MMOs auf den Markt. Trotzdem sucht der eingefleischte Fan vergeblich nach Innovationen und selbst die schönste neue Welt wirkt oft nur wie ein müder Versuch, an vergangene Erfolge anderer Studios anzuknüpfen. Dabei könnte es so einfach sein, denn das Rad muss gar nicht neu erfunden werden. Es gibt da draußen unzählige Spiele mit grandiosen Elementen. Diese wieder auszugraben und in einem Spiel zu vereinen, ist die Kunst, die einen neuen Bestseller hervorbringen kann.

Umso erfreulicher ist es, dass einige Entwicklerteams offenbar schon zu graben begonnen haben. Die Jungs hinter TERA besinnen sich eigener Leistungen und nutzen die funktionierenden Elemente aus Lineage 2 als Fundament für den neuen Titel. Funcom setzt derweil auf mehr Levelkomfort und spickt bei den isländischen Kollegen von CCP, die wiederum tief in der hauseigenen Ideentruhe wühlen und die wohl spannendste Art von Abenteuern reaktivieren. Doch bevor wir uns mit beinahe antiken Innovationen befassen, werfen wir einen Blick auf die Spielerschaft.

Nie wieder WoW – was spielen die Abtrünnigen?

Die versammelt sich zwar immer noch bevorzugt in blizzardschen Gefilden – jedoch längst nicht mehr ausschließlich. Branchenexperten glauben vielmehr, dass World of Warcraft trotz Vorreiterstellung langfristig positiv auf den Markt wirkt, da es Millionenschaften neuer Spieler in die Welt der Onlinespiele lockt. Früher oder später wird sich dann selbst der größte WoWler auch mal anderweitig umsehen und Azeroth möglicherweise gar den Rücken kehren.

Und genau diese Sorte von Spielern haben sich die Marktforscher der NPD Group angeschaut. Rund 19.000 ehemalige WoW-Zocker aus den Vereinigten Staaten wurden in einer Studie auf ihr Spielverhalten hin analysiert. Besonders interessant dabei war die Frage, was die Abtrünnigen denn nach WoW so spielen. Das Ergebnis: Noch immer liegt das Free-to-play-Browsergame Runescape in der Spielergunst vorne. 13 Prozent der ehemaligen Einwohner Azeroths finden dort kurzweiligen Ersatz.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 19: Themen u.a.: Was spielen WoW-Abtrünnige? Neues von SWTOR, Guild Wars 2 und EvE

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 82/861/86
Was spielen WoW-Abtrünnige? Studie der NPD Group.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mit elf Prozent folgt auf dem zweiten Platz dann Dungeons and Dragons Online, das seit der Umstellung auf gebührenfreies Spielen in den USA gehörig zulegen konnte – danach steht Guild Wars mit immerhin neun Prozent auf dem Programm der Aussteiger. Erst auf den Plätzen vier und fünf folgen mit Final Fantasy XI und Age of Conan Spiele mit monatlichen Gebühren – eine klare Tendenz also in Richtung free to play, die sich durchaus auch auf den europäischen Markt übertragen lässt.

Guild Wars 2 – lebendige Welt

Eine Tendenz, die den Jungs von NCsoft und Arena.net mit dem Nachfolger zu Guild Wars durchaus einen Erfolg bescheren dürfte. Guild Wars 2 wird auf alte Tugenden setzen und wie der Vorgänger auch komplett ohne Monatsgebühren auskommen. Doch man hat auch durchaus Innovatives in der Schublade, wie Entwickler Colin Johanson jüngst verriet.

Lebte man im ersten Teil noch in einer weitgehend statischen Umgebung, soll man in Guild Wars 2 erstmals eine „lebendige, atmende Welt“ erleben dürfen, die sich verändert, wenn die Bewohner mit und in ihr interagieren. Die Entwickler versprechen das alte Questsystem komplett zu überarbeiten, und der Veteran darf sich auf so manche Überraschung gefasst machen.

EVE Online: Tyrannis – Attacke, die Gamemaster greifen an!

Überraschungen stehen auch den Piloten in EVE Online bevor. Mit der nächsten Erweiterung Tyrannis planen die Jungs von CCP nämlich wieder selbst in die Kapseln zu klettern und der Spielerschaft gehörig einzuheizen. In Live-Events wird dann die Geschichte von New Eden vorangebracht – eine grandiose Abwechslung zu den eher drögen Auseinandersetzungen mit computergesteuerten Flotten.

Eve Online - Tyrannis Trailer2 weitere Videos

Derzeit deutet alles darauf hin, dass sich die Isländer mit der NPC-Fraktion der Sansha-Piraten zusammengetan haben, die sich mithilfe instabiler Wurmlöcher immer wieder Zugang zu den Zentren der Galaxis verschaffen. Die Offiziellen fliegen dabei allerdings keine Wunderwaffen, noch steht ihnen ein Godmode zur Verfügung. Sie bestücken ihre Schiffe mit genau den Elementen, die auch den Spielern zur Verfügung stehen. Sie sind verwundbar, unterliegen also den Gesetzen von EVE Online – in aller Konsequenz.

MMOG-Veteranen werden sich an dieser Stelle möglicherweise an Ultima Online erinnern, wo Genre-Urvater Richard Garriott dereinst bei einem öffentlichen Auftritt in der virtuellen Welt von einem aggressiven Spieler gemeuchelt wurde. Mit der Neuauflage der Live-Events in EVE könnte CCP bald ebenso Geschichte schreiben, statt nur Geschichten zu schreiben. Umso besser, wenn sich dann Nachahmer in der Branche finden, die sich dieses spannenden Elements bedienen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 19: Themen u.a.: Was spielen WoW-Abtrünnige? Neues von SWTOR, Guild Wars 2 und EvE

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 82/861/86
Godslayer macht auf Offline-Leveln möglich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Age of Conan: Rise of the Godslayer

Bei Funcom in Oslo scheint man die Nachbarn von CCP schon jetzt ganz genau zu beobachten. Immerhin experimentiert man in der aktuellen Erweiterung Rise of the Godslayer erstmals mit dem Leveln offline und sorgt damit in der Community für hitzige Diskussionen. Der eine liebt es, der andere hasst es – die Frage ist vor allem, ob es auch funktioniert. Das und jede Menge mehr werden wir demnächst in unserem Langzeittest enthüllen.

Star Wars: The Old Republic – das Warten geht weiter

Um Enthüllungen ging es in der vergangenen Woche auch bei Electronic Arts und Bioware. Letztere gaben nicht nur die Unterklassen der Sith-Krieger bekannt, sondern bestätigten auch die Rattataki als zweite spielbare Spezies neben den Menschen. Die Stimmung in der Community könnte also durchaus prächtig sein, wäre da nicht noch eine zweite Enthüllung, die John Riccitiello als CEO von Electronic Arts höchstpersönlich vorgenommen hat.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 19: Themen u.a.: Was spielen WoW-Abtrünnige? Neues von SWTOR, Guild Wars 2 und EvE

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 82/861/86
Die Ratataki sind eine weitere spielbare Spezies im SWTOR-Universum.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch wenn der Konzernchef die Alte Republik nicht namentlich erwähnte, verkündete er doch, was Fans längst befürchteten: dass das in der Entwicklung befindliche MMO nicht vor dem kommenden Finanzjahr erscheinen wird. Das beginnt am 1. April kommenden Jahres – der Releasetermin für das heiß ersehnte „Star Wars“-MMOG wird in jedem Fall danach angesetzt werden.

Das könnte vor allem betriebswirtschaftliche Gründe zu haben. Bedenkt man, unter welchem Druck Riccitiello derzeit mit dem Unternehmen steht, liegt der Verdacht nahe, dass EA wirtschaftlich erst reinen Tisch machen will, um dann mit dem erhofften Erfolgs-MMO voll durchzustarten. Was auch immer der Grund sein mag – mehr Entwicklungszeit hat noch keinem Spiel geschadet – vielleicht hat man Riccitiello diese Lektion mittlerweile gelernt.

Alganon – dreist geklaut ist halb gefloppt

Beim Lernen von Lektionen haben auch die Jungs von Quest Online mit ihrem MMO Alganon die Nase weit vorn. Das führt in deren Fall allerdings nicht zu mehr Erfolg, sondern zu einer Reihe von Peinlichkeiten. Nicht nur, dass man sich vorwerfen lassen muss, das Spiel quasi komplett kopiert zu haben – man greift jetzt auch noch bei der Gestaltung der Pressetexte auf Bewährtes zurück.

Aufmerksamen Fans ist allerdings sehr schnell aufgefallen, dass Alganon in einer offiziellen Mitteilung mit genau jenen Worten angekündigt wird, die sich eigentlich Dr. Ray Muzyka, Mitgründer und CEO von Bioware für Star Wars: The Old Republic ersonnen hatte. Bei Bioware scheint man das allerdings locker zu nehmen und sieht bislang keinen Bedarf für rechtliche Schritte.

Mytheon – wenn Götter streiten...

Weniger locker nimmt hingegen True Games die Verspätung des Götter-MMOGs Mytheon. Der Publisher hat das Warten offenbar satt und leitete jetzt rechtliche Schritte gegen die Spieleschmiede Petroglyph ein. Man erklärt darin, dass True Games seinen Verpflichtungen, ein Spiel zu entwickeln, nicht nachgekommen sei und fordert den Quellcode des Titels. Petroglyph erklärt die Verspätung damit, dass man qualitativ weit besser arbeite, als das ursprünglich geplant war. Für den Fan wäre es auf jeden Fall bedauerlich, wenn der vielversprechende Titel im Streit der Verantwortlichen zerrieben würde.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 19: Themen u.a.: Was spielen WoW-Abtrünnige? Neues von SWTOR, Guild Wars 2 und EvE

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 82/861/86
Das Lego-MMO nimmt weiter Formen an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

LEGO Universe – es darf bestellt werden

Eher positiv sieht es hingegen für die Fans der Bauklötze aus, denn Publisher NetDevil hat das familienfreundliche MMO jetzt zur Vorbestellung freigegeben. Ein Release ist also in Kürze zu erwarten. Das macht nebenbei auch den Weltraumpiloten Hoffnung, die immer noch auf Jumpgate Evolution warten. Die gelbköpfigen Steckfiguren sind nämlich, so wird gemunkelt, der Grund für die Verspätung von JGE, da NetDevil die Ressourcen vorerst an das wirtschaftlich interessantere MMO gebunden hat.

World of Warcraft: Cataclysm – jetzt zur Beta anmelden!

Wirtschaftlich interessant dürfte selbst für Branchengiganten Blizzard die nächste Erweiterung zum Erfolgstitel World of Warcraft werden. Kaum ein Fan, der sich nicht schon jetzt im Spiel vorbereitet oder seine Rückkehr nach Azeroth plant. Und da bis zum Release noch einige Monate ins Land gehen werden, dürfte die Möglichkeit der Anmeldung zur Beta unter Fans für Begeisterung sorgen.

Und wem das alles noch nicht reicht, der sollte einfach am nächsten Sonnabend wieder bei uns reinschauen, wenn wir mit der nächsten Ausgabe von Wiped! eine ganze Reihe spannender Alternativen vorstellen, mit denen sich die Zeit vortrefflich vertreiben lässt. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.

MMO Flash - Ausgabe #8: Die Cataclysm-Alpha ist gestartet!2 weitere Videos