Dass der Tod Bin Ladens allerlei Verschwörungstheorien hervorbringen würde, war abzusehen. Dass die allerdings bis in die Welt der Online-Spiele reichen würden, ist eine kleine Überraschung, die wieder mal die Bedeutung virtueller Welten für den modernen Menschen unterstreicht. Wiped freut über diese Entwicklung, verpasst jedoch gleichzeitig allen Stümpern und Pfeiffen der Branche eine Ohrfeige.

Osama bin Laden ist tot. Erschossen wurde der Terroristenführer am vergangenen Montag von einer Spezialeinheit der US Navy - den Navy SEALs -, Monate nachdem man den Aufenthaltsort des wohl meistgesuchten Verbrechers der Welt in Erfahrung gebracht hatte. Es stellt sich also die Frage, warum man derart lange gewartet hatte, bevor der Zugriff erfolgte. Akribische Planungsarbeit?

Sony Offline Entertainment

Zocker zweifeln an der Darstellung des amerikanischen Geheimdienstes, denn aus unzähligen virtuellen Einsätzen weiß man, dass die Planung nie länger dauert als der Einsatz. Außerdem kann jeder, der die Tagespresse verfolgt, eins und eins zusammenzählen: Zuerst musste Sonys Playstation Network down sein, damit die Elitesoldaten überhaupt ausrücken konnten und wollten.

Damit steht für Freunde des radikalen Konstruktivismus ebenso fest, dass der mysteriöse Hacker, der für Sonys Totalausfall verantwortlich ist, ‘einer von denen’ sein muss. Na, Gott sei Dank! Dann sind unsere Daten ja sicher und wir können uns zur Tagesordnung zurückzocken, oder? Kaum, denn ebenso wie der Tod des Terrorchefs wird auch der Datenklau bei Sony noch so manche unangenehme Überraschung mit sich bringen.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 18: “...bitte mal Ihr Geburtsdatum.”

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Kein Call-of-Duty-Mehrspielermodus schon seit Wochen. Die Mütter sind ratlos: Was ist nur mit dem kleinen Kevin los - und warum ist er seitdem so aggressiv?
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Gerade Vielspieler können die Zahl ihrer Registrierungen bei irgendwelchen Publishern kaum noch überblicken. Merken kann sich all die Login-Daten ohnehin niemand und ein handgeschriebener Zettel könnte von der Freundin gefunden werden, die ohnehin längst auf eine passende Gelegenheit wartet, die Zeitfresser allesamt zu löschen. Und so entscheiden sich viele Spieler für die einfachste Variante: den Generalschlüssel - ein Login und ein Passwort für alle Spiele. Wer sollte auch auf die Idee kommen...

Pfuscherei und Dilettantismus

Moderne MMO-Hacker kommen allerdings auf so ziemlich jede Idee, denn bei ihnen handelt es sich selten um Einzeltäter mit kriminellem Tatendrang, sondern um organisierte Gruppen, für die das Plündern von Accounts mittlerweile ein Millionengeschäft geworden ist. Umso erstaunlicher ist es, dass sich ein Unternehmen wie Sony nicht besser gegen derlei unlautere Gesellen zur Wehr setzt. Außerdem hat man, wie jetzt langsam ans Licht kommt, Sicherheitslücken im eigenen Netzwerk trotz Warnungen einfach so ignoriert.

Den Schaden, der dabei durch die Fahrlässigkeit der Japaner entstanden ist, werden nicht nur Sony und SOE auszubaden haben, sondern die Branche insgesamt. Vor allem das Geschäft mit den Monatsgebühren setzt auf das Vertrauen der Nutzer, das längst durch diverse kleinere Hack-Attacken angekratzt war und jetzt ernsthaft beschädigt wurde.

“...bitte mal Ihr Geburtsdatum.”

Ob und wie viele Accounts nun tatsächlich in Gefahr sind und was die Datendiebe sonst so alles mit unseren Informationen anstellen können, wagen wir uns gar nicht auszumalen. Immerhin reicht die Übermittlung von von Name, Adresse und Geburtsdatum oft aus, um elektronisch rechtsverbindliche Verträge zu schließen oder zu kündigen und mit Ämtern zu kommunizieren.

Die nächsten Tage werden wir auf jeden Fall damit verbringen, die gefühlt tausend Game-Accounts zu überarbeiten und mit neuen Passwörtern zu versehen. Und diesmal kommen dann doch wieder zwei längst vergessene Utensilien zum Einsatz, die wir uns eigens aus dem benachbarten Büromarkt beschaffen mussten: Block und Bleistift.

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DC Universe Online - Mummenschanz und Propaganda

Derweil bemüht man sich bei Sony Online Entertainment um Besänftigung der aufgebrachten Gemüter. Im Ausgleich für die gestohlenen Daten verspricht der Publisher einen ganzen Monat kostenlosen Spielspaß auf einem der neuen ‘Superserver’ von DC Universe Online. Und wem das noch immer nicht genügt, der bekommt noch eine originale Bat-Maske für seinen Charakter obendrauf. Wahnsinn!

Doch selbst der durchschnittlichste MMOler ist nicht so dumm, auf Sonys propagandistische Aktion reinzufallen. Die angepriesenen ‘Superserver’ sind nichts anderes als eine klassische Zusammenlegung aus Gründen chronischer Unterbevölkerung. Der kostenlose Monat ist eine Marketingaktion und die Bat-Maske die in diesem Zusammenhang wahrscheinlich dämlichste Geste, die Sony hätte einfallen können. Die Reaktionen der wütenden Spieler ließen nicht lange auf sich warten und immer häufiger wird darin eine Umstellung aufs Free-to-play-Modell gefordert.

Aion - NCsoft hält free to play für Notlösung

Und so gut die in der Vergangenheit schon dem einen oder anderen Titel getan hat - es ist doch nur eine Notlösung. Das glaubt zumindest Jeremy Gaffney von NCsoft, der jüngst erst vorgerechnet hat, dass die Abotitel trotz des aktuellen Free-to-play-Hypes insgesamt noch immer die profitableren sind. Demnach ist auch davon auszugehen, dass NCsoft sein bisheriges Geschäftsmodell für die laufenden Titel beibehalten und für Blade and Soul ebenfalls eine Monatsgebühr erheben wird.

Aion - Das alles wird neu in Aion 2.52 weitere Videos

Enttäuschen wird das auch jene Spieler, die schon immer ein Auge auf Aion geworfen haben und bislang von der Monatsgebühr abgeschreckt wurden. Insgesamt scheint sich Aion dennoch bei einer relativ stabilen Spielerzahl eingependelt zu haben und der Spielerschwund der vergangenen Monate scheint gestoppt. Umso perfekter das Timing hinsichtlich der nächsten Erweiterung 2.5, die jetzt auch in einem eigenen Trailer vorgestellt wird - gespickt sogar mit ein paar Bildern aus Aion 3.0.

Aion 2.5 wird immerhin schon mal einen kleinen Teil der großen Vision aus dem vergangenen Jahr liefern und die Optik von Aion gehörig aufpolieren. Dass sich am Titel spielerisch nicht mehr grundlegend viel ändern wird und die Engine noch immer nicht in der Lage ist, Massen-PvP ordentlich zu bewältigen, damit hat sich die verbliebene Spielerschaft wohl abgefunden und freut sich trotz allem auf das Update, das am 25. Mai aufgespielt werden soll.

Thempark oder Sandbox? Ganz anders: Sandpark

Probleme mit der Cry-Engine und ihren Möglichkeiten zur Bewältigung von Massenschlachten scheinen bei den Entwicklern von Arche Age derweil noch keine allzu große Rolle zu spielen. Noch scheinen die Südkoreaner der deutschen Technologie blind zu vertrauen, die im asiatischen Raum langsam, aber sicher sogar der mächtigen Unreal-Engine Konkurrenz macht.

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Schick sieht's ja schon mal aus, dieses Arche Age.
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Die Fans vertrauten derweil darauf, dass sich Arche Age in Richtung Sandbox entwickeln würde. Doch ganz so konkret scheinen die Pläne der Macher nicht zu sein. Man entwickle weder eine reinrassige Sandbox noch ein Themepark-MMO. Vielmehr handle es sich bei Arche Age um so etwas wie einen Sandpark. Doch was soll das konkret bedeuten?

Arche Age bietet Quests, klassische Belohnungen aus Monstern und ein Klassensystem - alles Elemente aus Themepark-MMOs. Andererseits entspricht das Crafting eher dem einer Sandbox, es soll ein komplexes Housing ermöglichen, tiefgreifende Rohstoffgewinnung und mehr Betätigungsfelder eröffnen, als man das aus einem Themepark gewohnt wäre.

Tera - mehr Action, weniger Themepark

Noch weniger Sandbox als Arche Age wird wohl Tera bieten, das sich viel eher durch sein actionlastiges Kampfsystem von der Konkurrenz abheben soll und derzeit zu den mit großer Spannung erwarteten Titeln gehört. Ärgerlich ist da die Informationspolitik der westlichen Publisher En Masse und Frogster, die noch immer keine konkreten Termine geliefert haben.

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Tera, wie es leibt und lebt.
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Darüber, dass wenigstens die nächste Betarunde mal langsam angekündigt werden sollte, sind sich die Fans einig. Dafür vermelden die Entwickler aus Südkorea, dass aktuell ein weiterer Vertrag mit Ubisoft geschlossen wurde. Das Unternehmen soll den Titel in die Läden bringen, während sich Frogster nur um die digitale Vermarktung kümmern muss. Als Publisher für Europa und Host bleiben die Jungs von Frogster allerdings weiterhin zuständig.

Endgame oder Endboss?

Bedeutend wichtiger als das Publishing sind den Fans allerdings die spielerischen Aspekte, und so sorgen ein paar Verlautbarungen des amerikanischen Publishers En Masse für Wirbel, in denen davon die Rede ist, dass die Spieler vergleichsweise schnell ins Endgame vorstoßen werden. Die Entwickler seien vorwiegend damit beschäftigt, mehr Inhalte ins Endgame zu schaufeln, heißt es aus dem Hauptquartier von En Masse.

Konkret spielten Dungeons und Begegnungen mit Bossen eine große Rolle, ließ Produzent Brian Knox wissen und enttäuschte damit all jene Fans, die lieber gehört hätten, dass man in großen Schlachten mit gegnerischen Clans um die Vormachtstellung kämpfen darf. Doch Gott sei Dank wird Tera nicht von Brian Knox entwickelt, sondern von Bluehole in Südkorea. Und dort wird man sich schon etwas in Richtung PvP ausgedacht haben, hoffen zumindest die angehenden Fans, die einen baldigen Release kaum noch abwarten können.

Star Wars: The Old Republic - Interview mit Daniel Erickson (Fansite Summit 2011)2 weitere Videos

The Old Republic - doch nicht Spiel des Jahres 2011?

Ebenfalls auf heißen Kohlen sitzt die Anhängerschaft von Jedi und Sith. Und möglicherweise hockt man dort auch noch etwas länger als geplant, denn es könnte durchaus passieren, dass Star Wars: The Old Republic erst im Januar des kommenden Jahres erscheint. Dann wären die Hoffnungen darauf, dass es der Star-Wars-Titel zum MMO des Jahres 2011 bringen würde, natürlich hinfällig.

Doch immerhin wird man sich bis zum Release noch ein genaueres Bild von der Alten Republik machen dürfen, denn die ersten richtigen öffentlichen Tests stehen kurz bevor. In den geschlossenen Testrunden hat der Titel schon vorab für Kritiken gesorgt, die unterschiedlicher kaum hätten ausfallen können. Es scheint fast so, als gelte für Biowares MMO-Erstlingswerk eine ähnliche Regel wie für Blizzards WoW: Entweder man hasst es - oder man liebt es.

Was wir so alles hassen oder lieben, berichten wir dann spätestens in der kommenden Ausgabe von Wiped! Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.