Dass diese Ausgabe von Wiped! überhaupt erscheint, grenzt an ein kleines Wunder, denn der Autor wurde von einer besonders ehrgeizigen Gruppe von Entwicklern in das wahrscheinlich unwirtlichste Land auf dem Planeten entführt. Rund 3000 Kilometer von euch entfernt hockt er jetzt zwischen Vulkanen und Geysiren im ewigen Eis und kämpft erbittert um jede Sekunde Internetzugang.

Die Verbindung zur zivilisierten Welt war nämlich pünktlich zum Zeitpunkt der Ankunft in den zugewiesenen Räumlichkeiten ausgefallen und wäre ohne die eindringliche Androhung übelster Konsequenzen auch nicht wieder in Gang gesetzt worden. Immerhin haben die Wikinger dabei ein paar entscheidende Brocken Deutsch gelernt und wissen jetzt, dass man Gamern nicht ungestraft den Stecker zieht.

The Sisters of EVE

Als Anlass des kleinen Ausflugs nach Island diente übrigens, neben dem ausgeprägten Interesse für die heimische Flora und Fauna, noch das diesjährige EVE-Online-Fanfest. Das trägt diese spezielle Bezeichnung möglicherweise zum letzten Mal. Lauscht man nämlich dem Raunen der Fangemeinde, vernimmt man vor allem zwei Namen, die zumindest nicht direkt mit dem Weltraum-MMO in Verbindung stehen: Dust 514 und World of Darkness.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 12: Im Zweifel hilft nur deutsches Bier

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 74/771/77
Was gibt's Neues zu World of Darkness? Demnächt mehr bei uns.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Hoffnung, dass CCP in diesem Jahr erste brauchbare Informationen zu mindestens einem der heiß ersehnten Titel preisgibt, ist groß. Und die Anwesenheit mehrerer Vertreter aus dem Studio in Shanghai, das auf Hochtouren an dem EVE-Online-Spin-off Dust 514 arbeitet, trägt kaum dazu bei, die Aufregung der Fans zu beseitigen.

Im Zweifel hilft nur deutsches Bier

Was genau uns die Chinesen da mitgebracht haben, wissen auch wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht, denn die wesentlichen Veranstaltungen stehen noch bevor. Wir haben jedoch schon erste vorsichtige Kontakte geknüpft und geloben bei unserer Zockerehre, dass wir nichts unversucht lassen, die Geheimnisträger aus Fernost um ihre schwere Bürde zu erleichtern.

Wie stark Island von den internationalen EVE-Fans gezeichnet ist, was die deutsche Community vor Ort so treibt und welche Szenen sich hier abspielen, berichten wir dann gesondert, da der Rest der Branche auch in dieser Woche ohne Rücksicht Neuigkeiten produziert hat, die wir euch natürlich nicht vorenthalten können.

Rift - der Streit ums Endgame

Diskutiert wurde und wird in diesen Tagen vor allem über Rift. Nicht nur in einschlägigen MMO-Foren, sondern auch auf dem EVE-Fanfest in Island ist Trions neues MMO ein Thema. Von den anwesenden Journalisten sitzen nicht wenige gerade an einem Review und diskutieren hitzig darüber, welche Wertung man Rift geben sollte.

Bilderstrecke starten
(49 Bilder)

Immerhin 85 Prozentpunkte vergaben wir und kritisierten nicht zuletzt, dass Rift zum jetzigen Zeitpunkt noch das vermissen lässt, was gemeinhin als Endgame bezeichnet wird. Darüber, was dieses Endgame ausmacht, scheiden sich allerdings die Geister. Es ist nicht einmal sicher, ob überhaupt ein MMOG derzeit so etwas wie ein Endgame besitzt.

Scott Hartsman steht uns Rede und Antwort

Umso interessanter ist dieses Thema für uns und so werden wir uns in den kommenden Tagen und Wochen auf die Ideensuche begeben, werden unsere Gespräche auf dem EVE-Fanfest in diese Richtung lenken und sofort nach unserer Rückkehr mit Scott Hartsman sprechen, der als ausführender Produzent für Rift verantwortlich zeichnet und sich bereiterklärt hat, zu diesem Thema Stellung zu nehmen.

Hartsman weiß, dass Rift dringend neue Inhalte benötigt, die für die nötige Langzeitmotivation sorgen. Umso erfreulicher, dass er diesen Missstand ab dem 30. März zumindest kurzzeitig beseitigen will, indem er Alsbeth die Streitsuchende auf Telara loslässt und eine Raid-Zone für 20 Spieler eröffnet. Auch ein brandneues Video hat uns der gute Mann versprochen.

Age of Conan - Licht und Schatten

Auch zu Age of Conan gibt es ein neues Video. In dem geht es leider nicht um so etwas wie ein Endgame, das auch Funcoms Barbaren-MMO immer noch fehlt, sondern um die Grafik, insbesondere um Licht- und Schatteneffekte. Die waren zwar schon immer überdurchschnittlich ansehnlich, erforderten jedoch auch eine überdurchschnittliche Hardware.

2 weitere Videos

Mittlerweile hat man die Dreamworld-Engine auf Version 2.1.5 gepatcht, die trotz neuer optischer Finessen für eine enorme Entlastung der Hardware sorgt. Wer Age of Conan noch aus den fürchterlichen Anfangstagen kennt und die Erweiterung Rise of the Godslayer verpasst hat, sollte spätestens jetzt noch mal einen Blick auf das erwachsene MMO werfen, das optisch und atmosphärisch im Genre die Nase weit vorn hat.

ArcheAge - die Seuche im Sandkasten

Doch während die Grafik eines Age of Conan nicht so einfach zu übertreffen ist, gibt es im Genre längst Bemühungen, zumindest die Atmosphäre, die Hyboria versprüht, noch zu übertreffen. Ein ganz heißer Kandidat ist in dieser Hinsicht ArcheAge, das in Südkorea von einem Team um die Entwicklerlegende Jake Song zur möglichst perfekten Sandbox ausgebaut werden soll.

Song, der mit Lineage eines der erfolgreichsten MMOs aller Zeiten entwickelt hat, möchte in ArcheAge eine Welt erschaffen, die mehr Möglichkeiten bietet als alles, was wir bisher erleben durften. Und da eine realistische Welt nicht nur Annehmlichkeiten kennt, sondern auch Probleme, hat sich Jake Song ein paar besonders seltsame Elemente ausgedacht.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 12: Im Zweifel hilft nur deutsches Bier

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 74/771/77
In Arche Age sollen die Seuchen wüten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eines davon sind Krankheiten, mit denen sich NPCs infizieren können. Kommt man den computergesteuerten Gesellen dann zu nahe, kann sich durchaus auch der eigene Avatar mit der Seuche infizieren. Welche genauen Folgen eine solche Infektion mit sich bringt, ist noch nicht genau bekannt, allerdings eröffnet dieses Element durchaus ungeahnte Möglichkeiten für die Sandbox - von biologischer Kriegsführung bis hin zu dem Berufsstand der Ärzte.

Garriott läutet das dritte Zeitalter des Spielens ein

Und während der klassische Heiler noch immer das tut, was er schon vor Tausenden von Jahren getan hat, können sich die Entwickler von Computerspielen nicht immer auf alte Werte verlassen. Die Uhren in der Gaming-Branche scheinen viel schneller zu ticken. Mittlerweile befinden wir uns, ohne es gemerkt zu haben, schon im dritten Zeitalter des Spielens. Zumindest glaubt das Altmeister Richard Garriott.

In den 80er- und 90er-Jahren spielte man solo, 2000 etablierte sich dann das MMO. Jetzt, so glaubt der Erfinder von Ultima Online, habe das dritte Zeitalter begonnen, in dem es darum gehe, möglichst billig oder kostenlos zu spielen. In jeder Epoche habe sich der Kundenkreis verzehnfacht. Jetzt müsse man sich überlegen, wie man Spieler beider Geschlechter aus allen Altersschichten erreicht und wie 'Casual Online Games' in fünf Jahren aussehen müssen.

Die Gamer selbst sind so gar nicht begeistert von Garriotts neuer Ausrichtung auf das 'Casual Gaming'. Garriott seien schlicht die Ideen ausgegangen, kritisieren altgediente Spieler und werfen Lord British vor, sich aus Profitgier und Bequemlichkeit auf Gelegenheitsspiele zu konzentrieren, statt das Genre wieder auf Kurs zu bringen, das in immer seichteren Gewässern zu dümpeln scheint.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 12: Im Zweifel hilft nur deutsches Bier

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 74/771/77
Black Prophecy auch als Free-2-play-Heuler cool? Gucken wir mal.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer will schon wirklich 'casual'?

Doch solange Jake Song weiter an virtuellen Krankheiten feilt, die Macher von Tera an ihrer Idee vom politischen System festhalten und CCP auch Dust 514 und World of Darkness mit dem von EVE Online gewohnten Anspruch versieht, besteht noch Hoffnung. Und genau aus diesem Grunde begeben wir uns jetzt schleunigst zurück in die größte Sporthalle Islands, um die Unterhaltung mit unseren neuen Freunden aus Shanghai fortzusetzen.

Davon und von unserem Gespräch mit Scott Hartsman berichten wir dann im Laufe der kommenden Woche ausführlich. Und weil der Tag satte 24 Stunden hat, setzen wir uns nach Feierabend noch ins Cockpit unseres Kampfjägers, um endlich ausgiebig zu testen, ob Black Prophecy trotz Umstellung aufs Free-to-play-Modell immer noch hält, was die Entwickler einst versprochen haben. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.