Die jüngsten Ereignisse in Japan erschüttern die Welt und hinterlassen ihre Spuren auch in der MMO-Branche. Nicht nur zahlreiche Atomkraftwerke werden als Folge vorläufig vom Netz genommen, sondern auch einige MMOs. In einem anderen herrscht dafür eine rege Betriebsamkeit, denn man hat einen Weg gefunden, wie man durch virtuelle Tätigkeiten real helfen kann.

Ein Erdbeben, ein Tsunami, ein Vulkanausbruch und ein zerstörtes Atomkraftwerk - was Japan in dieser einen Woche abbekommen hat, bringt selbst an apokalyptische Zustände gewöhnte Hardcore-Zocker ins Grübeln. Mehr noch - man will irgendwie helfen. Einige MMO-Publisher haben die Not der Menschen in Japan und die Anteilnahme der internationalen Spielergemeinschaft erkannt und entsprechende Hilfsprogramme gestartet.

EVE Online - mit Raumschiffen gegen die Not in Japan

Die wahrscheinlich interessanteste und wirksamste Initiative geht von CCP aus, wo man als Betreiber von EVE Online auf ganze Flotten von Raumschiffen setzen kann. Die existieren zwar nur virtuell, generieren jedoch schon seit einigen Jahren reales Geld – vorausgesetzt, man ist bereit, rund 400 Millionen ISK im Spiel gegen eine Einheit PLEX zu handeln. Die kann man dann in einen Monat Spielzeit umwandeln - oder eben spenden -, mit einem realen Wert von knapp 15 Euro.

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EVE Online: Sammeln für den guten Zweck.
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Rund 100.000 Dollar haben die Piloten von EVE Online seit 2004 schon für gute Zwecke zusammengetragen - allein 63.000 Dollar konnten dabei über das PLEX-System erwirtschaftet werden. Besonders Spieler, die sich auch ihre eigene Spielzeit über PLEX im Spiel erfarmen, weil sie über keine nennenswerten finanziellen Mittel verfügen, scheinen besonders hilfsbereit und legen in ihren Raumschiffen in diesen Tagen bereitwillig Extraschichten für Notleidende in Japan ein.

Beim Publisher legt man großen Wert darauf festzustellen, dass es allein die Spieler von EVE sind, die das Geld dieser Spendenaktionen zusammentragen. CCP selbst stellt dabei lediglich das bewährte PLEX-System zur Verfügung, koordiniert die Abläufe und überweist die Spenden dann umgehend weiter an das Rote Kreuz, das in den Krisenregionen aktiv ist.

Final Fantasy - von der Realität eingeholt

Selbst mitten in die Krise geraten ist der bekannte japanische Publisher Square Enix. Dabei sind es bislang nicht einmal finanzielle Probleme, von denen die Spieleschmiede mit Sitz in Tokio geplagt wird, sondern die Folgen des Erdbebens. Die Server der beiden MMOs Final Fantasy XI und XIV mussten in Japan vorerst heruntergefahren werden - die aktuelle Rationierung der Elektrizität im Land machen den Betrieb derzeit unmöglich. Auch mit den angekündigten Updates ist vorerst nicht zu rechnen.

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Von der Krise am härtesten getroffen: japanische Publisher wie Square-Enix.
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Weit tragischer als das sind allerdings die persönlichen Verluste der Mitarbeiter. Zwar konnte das Hauptquartier von Square Enix kurz nach der Katastrophe vermelden, dass alle Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt des Erdbebens in den Büros der Haupstadt verweilten, wohlauf sind, doch viele haben Angehörige in jenen Gebieten, die von dem Tsunami verwüstet wurden oder von einer nuklearen Katastrophe bedroht sind.

Wie stark sich Letztere noch auf die Weltwirtschaft und damit letztlich auch auf die MMO-Branche auswirken wird, ist derzeit kaum abzuschätzen. Fest steht lediglich, dass wir innerhalb der nächsten Wochen und Monate vorerst mit keinen großen Veröffentlichungen aus Japan rechnen dürfen.

Tera - Entwarnung aus Seoul

Bislang glimpflich davongekommen sind Japans direkte Nachbarn in Südkorea. In der Hauptstadt Seoul verfolgt man die Geschehnisse auf der japanischen Insel zwar mit großer Anteilnahme, arbeitet gleichzeitig aber unbeirrt weiter an Tera, das in Südkorea schon seit einigen Wochen spielbar ist und für wahre Begeisterungsstürme unter den Online-Spielern sorgt.

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Kommt Tera wie geplant zuerst nach Japan? Fraglich.
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Äußerst fraglich ist angesichts der aktuellen Lage allerdings, ob das Erfolgs-MMO tatsächlich, wie ursprünglich geplant, zuerst nach Japan exportiert wird, bevor man in Nordamerika und Europa an den Start geht. Ein offizielles Statement vonseiten der Entwickler steht noch aus. Dafür veröffentlichte man ein paar neue Details zu den Monstern, die uns aus zahlreichen Tera-Sitzungen mittlerweile hinlänglich bekannt sind.

Die Mobs verfügen über eine künstliche Intelligenz, wie man sie sonst in kaum einem MMOG findet. Dabei bewegen sich die computergesteuerten Gegner geschickt um den Spieler herum, sehen Angriffe kommen und weichen ihnen aus, nur um dem gemeinen menschlichen Eindringling kurz darauf ihre eigenen speziellen Attacken um die Ohren zu hauen.

Earthrise - auf dem Weg in die Spielbarkeit

Nicht halb so vollendet fühlt sich das derzeit noch bei Earthrise an, das hierzulande zwar schon veröffentlicht wurde, jedoch noch immer rege nachgebessert wurde und wird. Das ist auch nötig, denn so richtig stabil ging es während unserer ersten Ausflüge noch nicht zu. Wir wurden von grausamen Lag-Attacken geplagt und zahlreiche Funktionen, die für das Funktionieren der Sandbox eigentlich wichtig sind, wurden noch nicht ins Spiel integriert.

Bei den Masthead Studios arbeitet man jetzt auf Hochtouren daran, die gröbsten Probleme zu beseitigen und häppchenweise die fehlenden Funktionen ins Spiel zu bringen, darunter auch das Craften eigener Fahrzeuge sowie die so oft gepriesene Möglichkeit zur territorialen Kontrolle. Bis Earthrise also tatsächlich auf soliden Beinen steht, werden wir unseren geplanten Erlebnisbericht aussetzen.

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Rift - Müßigkeit ist aller Datenbanken Anfang

Beinahe fertig ist hingegen unserer Test zu Rift, das sich längst in die Top 5 der Vollpreis-MMOs gedrängt hat. Der Erfolg hat allerdings auch Schattenseiten. Und die bekommen die Spieler derzeit vor allem dann zu spüren, wenn sie sich in der Abendzeit durch Telara schlagen wollen. Dann nämlich herrscht ein großer Andrang auf den Servern und Wartezeiten von mehr als einer Stunde sind keine Seltenheit.

Umso erfreulicher, dass die Community während dieser Zeit nicht abwandert, sondern sie eifrig nutzt, um Datenbanken aufzusetzen oder Events zu veranstalten. Das wahrscheinlich größte ist derzeit die Telara-Saga, eine wöchentliche, von Fans organisierte Veranstaltung, zu der auch noch regelmäßig ansprechende Filmchen gedreht werden. Ob all der Trubel um Rift überhaupt gerechtfertigt ist, wem das Spiel Spaß machen wird und wem nicht, das erzählen wir euch dann in den nächsten Tagen in unserem ausführlichen Test.

Star Wars: The Old Republic - emotional mitreißend?

Und wer bislang noch gezögert hat, sich das eine oder andere neue MMO anzusehen, weil er den Release von Star Wars: The Old Republic nahe wähnte, darf diese Haltung getrost noch einmal überdenken. TOR-Finanzchef Eric Brown höchstpersönlich nahm nämlich aktuell all jenen Fans den Wind aus den Segeln, die gehofft hatten, noch vor dem 01. Juli in der umkämpften fernen Galaxie durchstarten zu dürfen.

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Old Republic erst zum Weihnachtsgeschäft? Wird immer wahrscheinlicher.
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Jetzt allerdings verbreitet sich die Befürchtung, Electronic Arts könnte mit dem Release auf das kommende Weihnachtsgeschäft setzen, das Konkurrent Blizzard in diesem Jahr vergleichsweise wenig blockieren dürfte. Damit wird ein Release des Titels im November immer wahrscheinlicher.

12 Millionen potenzielle Spieler

Umso sicherer ist man beim Mutterkonzern EA, dass Bioware ein glückliches Händchen mit der Alten Republik beweist. Frank Gibeau, seines Zeichens Chef von EA Games, vergleicht die Spielmechanik von Hauptkonkurrent World of Warcraft jüngst mit dem Abarbeiten einer Einkaufsliste. In seinem Spiel hingegen ginge es darum, mit Charakteren zu reden, die Welt zu erleben, sich einzubringen und emotional mitgerissen zu werden.

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Zumindest haben sich schon 1,5 Millionen Spieler für die Beta angemeldet.
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Dass SW:TOR für den Publisher auch finanziell mitreißend wird, daran zweifelt zumindest in der Führungsriege von Electronic Arts und Bioware niemand. Immerhin freut man sich aktuell darüber, dass sich 1,5 Millionen Spieler für die Beta registriert haben. Mit gar zwölf Millionen potenziellen Spielern kalkuliert schon jetzt EAs Finanzchef Eric Brown. Dass allerdings selbst solch gewaltig anmutende Zahlen allerdings noch kein Garant für Erfolg sind, sollte man aus der Pleite mit Warhammer Online gelernt haben.

Und was wir so alles aus der Vergangenheit gelernt haben, berichten wir dann wieder am nächsten Samstag zu gewohnter Zeit - dann direkt aus dem frostigen Island, wo wir das diesjährige EVE-Online-Fanfest und die Büros von CCP besuchen werden, um dem Publisher einige geheime Informationen zu den kommenden Titeln Dust 514 und World of Darkness zu entlocken. Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt und wie gespendet werden kann.