Endlich haben wir die lange Zeit der Flops und Flauten hinter uns gebracht und blicken voller Spannung auf die kommenden Wochen und Monate. 2011, so viel steht fest, wird ein großartiges Jahr für MMOs, in dem nicht nur spannende Erweiterungen anstehen, sondern auch einige potenzielle Blockbuster ihren Release feiern. Eines gilt auf jeden Fall auch für das neue Jahr: Wer regelmäßig Wiped! liest, der weiß stets, was gespielt wird!

Doch wie kommen wir, mag sich jetzt mancher Erstleser fragen, in dieser Kolumne überhaupt dazu, die Zukunft so optimistisch zu sehen – nachdem doch die Branche in den vergangenen Jahren so eindrucksvoll bewiesen hat, dass man bei der Entwicklung von persistenten Online-Spielen weder kreativ noch lernfähig ist und zudem über eine ausgesprochen hohe Beratungsresistenz verfügt?

Treffen der Generationen

Den Grund für unsere Euphorie liefert der zweite Blick auf die aktiven Entwicklerteams und die Generation, der sie angehören. Zur Jahrtausendwende war die Welt noch in Ordnung. Die erste Generation rekrutierte sich aus den Pionieren der Branche – allesamt Quereinsteiger, die ihr Hobby zum Beruf machen wollten. Aus den Träumen dieser Menschen wurden einige wenige innovative Titel geboren, wie Ultima Online, Everquest, Lineage oder auch Dark Age of Camelot.

Wiped! - Die MMO-Woche - KW 1: Ein fantastisches MMO-Jahr 2011 steht bevor

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MMO der zweiten Generation: Star Wars Galaxies.
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Die zweite Generation arbeitete dann schon bedeutend professioneller und gleichzeitig eingeschränkter. Man hatte ein üppiges Budget, stattliche Teams und experimentierte mit neuer Technik. Und so waren Titel wie Star Wars Galaxies, und Lineage 2 technisch allesamt recht überzeugend, doch beim Design wie auch im Tagesgeschäft wurden gravierende Fehler begangen, die den großen Durchbruch verhinderten. SWG wurde mit einem ungeschickten Patch grausam ermordet und L2 fiel in der westlichen Welt den Goldfarmern zum Opfer.

Blizzard muss man rückblickend zu den neu eingestiegenen Nachzüglern der zweiten Generation zählen. In Kalifornien beobachtete man das Treiben in der jungen Branche, entwickelte geduldig und nahm sich die Zeit, die man brauchte. Als die dann reif schien, machte man zwar nichts neu, aber alles grundsolide und unkompliziert.

Back to the roots!

Die Entwickler der dritten Generation stammen meist frisch von der Hochschule. Sie arbeiten unter miesen Bedingungen, spielen selber keine Spiele und tun nur das, was ihnen aufgetragen wird: ein Erfolgskonzept in möglichst kurzer Zeit möglichst gut kopieren. Release ist dann, wenn es die Chefetage fordert. Die gescheiterten Versuche der Studios, die mit solchen Mitteln arbeiten, mussten wir in den letzten zwei Jahren über uns ergehen lassen.

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Verhoben: Die Entwickler von FFXIV.
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Doch jetzt kommt wieder Bewegung in die Branche. Entwickler der ersten Generation schließen sich mit ihren gescheiterten Nachfolgern zusammen und besinnen sich der alten Werte. Man streift endlich die Zwangsjacken der großen Publisher ab und entwickelt wieder unter Eigenregie, will bisweilen sogar die Mitarbeiter am Erfolg beteiligen, statt sie nach dem Release zu entlassen.

Beinahe unbemerkt ist mit dem vorläufigen Ende der Wirtschaftskrise das vierte Zeitalter in der MMO-Entwicklung angebrochen und jetzt, zu Beginn des Jahres 2011, wirft es bereits mächtige Schatten voraus.

Rift – „Wir sind nicht mehr in Azeroth“

Dabei zählt Rift eigentlich noch nicht zu den MMOs der vierten Generation. Und trotzdem hat das Spiel in den vergangenen Wochen bereits für großen Wirbel gesorgt. So solide und fehlerfrei wie bei Trion Worlds wurde wohl in den letzten Jahren bei kaum einem Studio gearbeitet. Doch denken wir mal zurück: Auch Funcoms Age of Conan sorgte bei der Community seinerzeit während der Beta noch für Stürme der Begeisterung. Erst nach Release erkannten die Fans, dass Hyboria ein Meta- oder Endgame fehlte.

Um diesen Sorgen bei Rift vorzubeugen, lädt Trion jetzt erneut zu einem Testwochenende ein. Bis zum Montag darf man seine Charaktere auf Stufe 29 bringen und erstmals im Fraktionskonflikt um die Vorherrschaft in einer PvP-Zone kämpfen. Wir werden uns natürlich für euch in die Schlacht werfen und darüber berichten, ob Trions PvP-Designer mit den Kollegen vom Marketing mithalten können.

Rift - Pre-Order hat begonnen2 weitere Videos

Die sind nämlich bereits in der Vergangenheit mehrfach durch einen mutmaßlich übertriebenen Optimismus aufgefallen und haben jetzt, rechtzeitig zum Europa-Release am 1. März, im Werbevideo noch einen draufgesetzt. „Wir sind nicht mehr in Azeroth“, lautet die Botschaft, die unmissverständlich Genre-Platzhirsch Blizzard angreift.

Doch möglicherweise ist es ja auch gar kein Seitenhieb, sondern nur ein gut gemeinter Hinweis für alle Verirrten, die angesichts der vielen Ähnlichkeiten im Genre mittlerweile schon gar nicht mehr wissen, in welcher Welt sie sich eigentlich gerade aufhalten. Wer dafür Verständnis aufbringen kann und ebenso optimistisch an Rift glaubt, sollte übrigens mal einen Blick auf Trions Webseite werfen, denn für Europa ist man noch auf der Suche nach einem Propa... pardon... Marketingchef.

Earthrise – noch vier Wochen bis zur Endzeit

Weitgehend abgeschlossen sind hingegen die Rekrutierungsmaßnahmen bei den unabhängigen bulgarischen Masthead Studios. Und das ist auch gut so, denn wie es scheint, geht jetzt alles Schlag auf Schlag. Das postapokalyptische Sandbox-MMO bekommt gerade ein neues Update verpasst und durchläuft dann die letzten Betatests bis zum Release. Das Spiel soll wie geplant bereits am 4. Februar verfügbar sein.

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Das wird "knackig": Earthrise.
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Fans von Sandbox-MMOs, die Wert auf offenes PvP, Wirtschaft und territoriale Kontrolle legen, sollten sich unbedingt auf der offiziellen Seite für die Beta registrieren, denn um sich auch technisch angemessen auf den Release vorbereiten zu können, will Masthead in den nächsten Wochen stufenweise mehr Tester in die endzeitlichen Landschaften einladen.

Ganz unkompliziert wird das nicht, da Earthrise tatsächlich auf einem einzigen Server weltweit laufen soll. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Streich auch in der Praxis gelingt, ob die Spieler von Lags geplagt werden oder die ambitionierten Pläne vom einen Server nicht letztlich doch durch unzählige Instanzen hinfällig werden.

DC Universe Online – sind die Helden doch nicht so super?

Ebenfalls nicht ganz ohne Sorge sind wir in Bezug auf DC Universe Online. Das erscheint schon am kommenden Dienstag, obwohl ein nicht ganz unbeachtlicher Teil der Betatester von massiven Abstürzen berichten, die das Action-MMO bisweilen unspielbar machten. Für Unmut unter den Konsolenspielern sorgt vor allem die Ankündigung, dass die Superhelden ganze 17 Gigabyte schwer sind und damit auf so mancher PS3 für Verstopfung sorgen dürften.

DC Universe Online - Rundflug über Gotham City2 weitere Videos

Sind Sonys Superhelden wirklich bereit für ein Release? Fliegt es sich auf dem PC oder auf der Konsole besser durch Gotham und Metropolis? Sind Konsolenspieler überhaupt für ein MMO zu begeistern? Und bekommt SOE die technischen Probleme noch rechtzeitig in den Griff? So eilig es die Fans verständlicherweise auch haben mögen – angesichts der aktuellen Entwicklung empfehlen wir, noch ein wenig zu warten, um einer möglichen Enttäuschung vorzubeugen.

Tera – 11.1.11 – eingängige Geburtsstunde

Etwas einfacher haben wir es da schon in Bezug auf das ebenfalls actionlastige MMOG Tera. Das wird zuerst in Südkorea erscheinen. Damit bleibt uns noch die Möglichkeit, vorab zu sehen, ob und wie der Titel bei den Fans ankommt. Den Geburtstag von Tera hätten die Jungs von den Bluehole Studios kaum eingängiger festlegen können, denn das Spiel erscheint am 11.1.11.

Garniert wird das Release dort mit einem neuen Trailer, in dem man unter anderem auch einen Eindruck davon bekommt, wie sich die PvP-Arenen spielen, in denen man übrigens serverübergreifend gegen andere Teams antreten darf.

TERA - So schön wird TERA2 weitere Videos

Leicht abgewandelt wurde übrigens aktuell die Definition des heiß diskutierten Zielsystems. Das wurde jetzt von „non-targeting system“ in „free targeting system“ umbenannt. Spielerisch soll sich dadurch allerdings nicht viel ändern, wenngleich man bei Bluehole großen Wert darauf legt, dass Tera als actionreiches MMOG verstanden wird und nicht als Actionspiel.

Noch ist nicht bekannt, wann Tera bei uns erscheinen wird. Angesichts der Veröffentlichung in Südkorea dürfte sich der Release in Europa allerdings auch nicht mehr allzu lange hinziehen. Bei Frogster in Berlin arbeitet man auf jeden Fall bereits auf Hochtouren und richtet die Server für die Betatests her.

World of Tanks – stattliche Zahlen

Mit derlei Dingen beschäftigen sich in diesen Tagen auch die Entwickler des etwas anderen MMOs World of Tanks. Für die Beta haben sich immerhin über 700.000 Spieler registriert – 74.536 haben ins Spiel gefunden – und zwar gleichzeitig, auf einem einzigen Server.

World of Tanks macht durch witzige Trailer auf sich aufmerksam.Dank dieser eindrucksvollen Zahlen feiern sich die Jungs von Wargaming.net selbst und freuen sich, dass sie sogar EVE Online abgehängt haben, das mit knapp über 60.000 eingeloggten Spielern auf einem Server bislang einer der in dieser Hinsicht führenden Titel ist.

Das wird er allerdings auch bleiben, denn anders als in EVE befinden sich die Spieler in World of Tanks nicht in einer riesigen Welt, sondern vorwiegend in ihrer Garage, von der aus sie sich direkt in verschiedene Szenarien begeben. Gleichwohl der Titel schon jetzt gehörig Spaß macht, ist die Bezeichnung MMOG durchaus irreführend.

Der Herr der Ringe Online – Erfolg mal drei

Unbestritten erfolgreich ist allerdings das Free-to-play-Konzept – zumindest wirtschaftlich. Den Beweis liefert jetzt einmal mehr Turbine, wo man sich gerade darüber freut, dass sich der mit dem Herrn der Ringe Online erzielte Gewinn seit der Umstellung mittlerweile verdreifacht hat.

Die Zukunft sieht also tatsächlich rosig aus für Mittelerde, denn die Entwickler versprechen, den Geldsegen auch entsprechend zu nutzen, um den Weg nach Moria massiv auszubauen und noch öfter neue Inhalte in die virtuelle Welt zu schaufeln. Verständlich, denn genau daran verdient der Publisher das viele neue Geld.

APB Reloaded – die neue Hoffnung

Dass free to play für manche Titel besser funktioniert, dürfte auch die Neuauflage von All Points Bulletin bald beweisen. GamersFirst hatte das Spiel vor einigen Monaten übernommen und arbeitet auf Hochtouren sowohl am Ausbau der umkämpften Stadt als auch an der Umstellung auf die Finanzierung durch Mikrotransaktionen.

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APB wird als Reloaded-Version wieder auferstehen.
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Die Hoffnung auf ein MMO im Stil von Grand Theft Auto brauchen wir also noch nicht ganz aufzugeben. Dass APB ein enormes Potential hat, ist unbestritten und die Geschwindigkeit, mit der das neue Team zu Werke geht, kann sich ebenfalls sehen lassen. Die Beta soll, wenn alles wie geplant läuft, schon im Februar starten.

Rift, DCUO, Earthrise, WoT... wir haben in den nächsten Tagen und Wochen also alle Hände voll zu tun. Welcher von diesen und anderen Titel es dann tatsächlich schafft, unser Gamerherz zu erobern, erzählen wir dann in den nächsten Ausgaben von Wiped! Bis dahin wisst ihr ja, was gespielt wird.