In dieser Woche türmt sich ein ganzer Stapel Neuigkeiten aus der MMOG-Branche vor uns auf und wie immer stellt sich die Frage, was davon für euch wohl interessant sein könnte und was besser gleich in den ewigen Datengründen verschwindet. Wie - ihr wollt tatsächlich alles lesen? Gut, dann gibt es diesmal einen Rundumschlag und es geht im Dauerlauf einmal kreuz und quer durch die Branche.

Doch wie ordne ich einen solchen Stapel, der in Zeiten weitgehend papierloser Büros natürlich rein virtuell-digitaler Natur ist, am gescheitesten? “Im Zweifel einfach alphabetisch”, hätte mein altehrwüdiger Chefredakteur an dieser Stelle geraten - Ziffern ganz nach vorne. Doch wird sich wohl kaum ein Computerspiel finden, das ein Zahlzeichen ganz vorne im Namen trägt.

0x10c - ganz im Ernst, Notch?

Na gut - eines hat sich doch gefunden und zwar das jüngste Machwerk von Minecraft-Erfinder Markus ‘Notch’ Persson, das bekanntermaßen den Arbeitstitel (zumindest hoffe ich, dass es ein solcher ist) 0x10c trägt und eine Mischung aus Sci-Fi-Simulation im Stil von Elite und einem Shooter werden soll - MMOG-Elemente und offizielle Server inklusive. Klingt spannend, wirkt in den Videos auf den ersten Blick aber ausgesprochen ernüchternd.

Umso erstaunlicher, dass sich der erfolgsverwöhnte Notch schon jetzt damit beschäftigt, welchem Geschäftsmodell er nach Release den Vorzug zu geben gedenkt. Man werde damit experimentieren, verkündete der Entwickler jetzt und will auch Monatsgebühren für seine lebendige Space-Sandbox nicht komplett ausschließen.

Doch lieber Notch, bedenke bitte: auch wenn eine riesige Fangemeinde hinter Minecraft steht - in der MMOG-Branche weht ein ganz anderer Wind. Und so wie 0x10c derzeit in den Videos rüberkommt, wird es Probleme haben, zwischen den schillernden und ausgefeilten Sandbox-Welten, die uns in den kommenden zwei Jahren erwarten, überhaupt aufzufallen.

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Age of Wulin - Historical correctness

Optisch weit auffälliger ist da schon Age of Wulin, das uns statt kahler Pixelwände immerhin eine hübsche und realistische Welt präsentiert. Wie realistisch, das beweist jetzt ein aktuelles Video, in dem reale Schauplätze in China und ihre jeweilige virtuelle Umsetzung gegenübergestellt werden. Dabei haben die Entwickler größten Wert darauf gelegt, ein möglichst historisch korrektes Abbild des chinesischen Mittelalters zu liefern.

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Interessant dürfte das nicht nur für Anhänger fernöstlicher Geschichte sein - es dürfte auch positiv dazu beitragen, dass man die virtuelle Spielwelt wieder als lebendige Welt begreift. Damit schlagen die Entwickler aus China bewusst einen ganz anderen Kurs ein als die Schöpfer westlicher Erfolgstitel, die uns oft übermäßig stilisierte Dörfer präsentieren, die zwar schön anzusehen sind, in denen einem aber schon die Proportionen ständig vor Augen führen, dass dort niemand wirklich leben könnte.

ArcheAge - die eigenen vier Wände - mit Gittern oder ohne

Überhaupt ist es mit dem Leben in einer virtuellen Umgebung so eine Sache. Seit die Themepark-MMOGs die Oberhand gewonnen haben, ist das Abenteuer in den Vordergrund gerückt und hat die virtuelle Welt als lebenswerte Umgebung derart verdrängt, dass man sie in zahlreichen Lobby-Games konsequenterweise gleich ganz abgeschafft hat.

Dabei zeigen Umfragen, dass sich die Spieler eigentlich danach sehnen, wieder ein virtuelles Leben zu führen. Doch das entwickelt sich nicht mal so eben mit einer Horde Grafiker, Content- oder Level-Designer. Dafür muss ein kreativer Kopf her, der unzählige kleine Systeme entwickelt, die allesamt sinnvoll miteinander verknüpft sind und die den Alltag in der virtuellen Welt so interessant und bedeutsam machen, dass die Lust auf gescriptete Abenteuer dabei in den Hintergrund rückt.

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Jake Song hat mit Lineage 1 bewiesen, dass er weiß, wie eine Sandbox funktioniert und sein neuer Titel ArcheAge gehört mittlerweile nicht umsonst zu den meistgenannten Hoffnungsträgern der Branche - obwohl ein Release im Westen kaum vor 2014 zu erwarten sein wird. Doch der stete Strom an neuen Videos aus der aktuell laufenden Betarunde sorgt dafür, dass ArcheAge nicht in Vergessenheit gerät.

Parallell zu Südkorea arbeitet man an der Veröffentlichung des Titels in China. Die Betatester haben dort unter anderem schon das Housing-System unter die Lupe genommen, das ganz der Tradition von Ultima Online folgt und das Eigenheim der Spieler nicht in eine unbedeutende Instanz katapultiert. Vielmehr baut sich der Spieler sein Häuschen in der offenen Welt auf und trägt so aktiv dazu bei, dass sich die Umgebung mit der Zeit verändert und sogar Spielerstädte entstehen, in denen Menschen ihrem virtuellen Tagwerk nachgehen.

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Grundsteuer inklusive

Je nachdem, wo man seine eigenen vier Wände sehen möchte, wird ein entsprechender Betrag als Miete für das Grundstück fällig - danach darf man nach Belieben anfangen zu zimmern. Wer nicht regelmäßig zahlt, wird sein Häuschen früher oder später in Trümmern liegen sehen. Von der Lehmhütte über Pfahlbauten auf dem Wasser bis hin zu ganzen Burgen - der Phantasie sind in ArcheAge keine Grenzen gesetzt und jedes Objekt darf nach den eigenen Vorstellungen errichtet werden.

Ein weiteres Sandbox-Element, das ausgiebig getestet wurde, sind Verbrechen und ihre Konsequenzen. Wer Böses tut, landet vor Gericht. Dort stimmen die Geschädigten darüber ab, ob man für seine Tagen zur Rechenschaft gezogen wird. Lassen sie keine Gnade walten, landet man für eine Weile im Knast - erste Straftäter berichteten von 120 Minuten, in denen sie im Gefängnis Strafarbeiten verrichten mussten, Fußball spielten oder gleich einen Ausbruchsversuch unternahmen.

Guild Wars 2 - Spielzeugmacher Tixx im Anmarsch

Solch interessante Möglichkeiten bietet der Alltag in Guild Wars 2 leider nicht. Umso härter müssen die Entwickler daran arbeiten, immer wieder neuen Content ins Spiel zu schaufeln, um die Spieler bei der Stange zu halten. Denn leere Server sind, selbst ohne Monatsgebühr, ein Signal, das sich kein Publisher heutzutage noch leisten kann - zudem wir mehrfach erlebt haben, dass NCsoft auch nicht zögert, entvölkerte Welten gnadenlos zu schließen.

Davon ist Guild Wars 2 natürlich noch weit entfernt. Und damit das auch so bleibt, arbeitet man eifrig am Wintertag-Event, das am 14. Dezember beginnen soll. Dann nämlich “freut sich Löwenstein auf einen ganz besonderen Wintertags-Ehrengast - den asurischen Spielzeugmacher Tixx”. Ganz ehrlich Jungs - das ist so ziemlich die unmotivierendste Vorstellung überhaupt und wenn es nicht der Job von mir verlangte - ich würde den Teufel tun, während der Weihnachtstage dem asurischen Spielzeugmacher Tixx zu begegnen.

Cabal 2 - schwere Vorurteile

Wobei da draußen wahrscheinlich weit schlimmere Dinge auf uns Spieler warten als Tixx der asurische Spielzeugmacher. Cabal 2 zum Beispiel, zu dem ich fairerweise sagen muss, dass ich es bislang noch nicht selber gespielt habe. Und irgendwie habe ich auch kein gesteigertes Bedürfnis, das zu tun - auch und schon gar nicht nachdem ich mir das aktuelle Video angesehen habe.

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Das zeigt zwar, dass die zweite Liga der asiatischen Spieleentwickler mittlerweile technisch zugelegt hat und von den Lineage 2 Klonen immerhin schon mal optisch bei Aion angelangt ist, spielerisch allerdings, diese Prognose wage ich, fällt Cabal 2 nach wie vor hinter beiden Titeln zurück und es ist kaum anzunehmen, dass dem Spiel mit dem offensichtlich statischen Kampfsystem im Westen ein wirtschaftlicher Erfolg vergönnt sein wird.

Darkfall: Unholy Wars - Griechen bekommen grünes Licht

Weit weniger statisch geht es da schon in der heißersehnten Neuauflage von Darkfall mit dem Beinnamen Unholy Wars zu. Mit jedem neuen Video, das die Klassen im Einsatz zeigt, steigt die Vorfreude der hartgesottenen Community, die es nach all den Jahren kaum fassen kann, dass das griechische Studio endlich nachlegt und den Titel - immerhin eines der wenigen halbwegs funktionierenden Sandbox-MMOGs - neu auflegt.

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Und je mehr man vom neuen Kampfsystem zu sehen bekommt, desto stärker erinnert es an Spiele wie DotA, bei denen man mit wenigen Skills auskommt, von denen einer als “Ultimate” nur selten zur Verfügung steht, dafür aber besonders stark ist. Ob es die Jungs von Aventurine wirklich schaffen, die unheiligen Kriege noch in diesem Jahr beginnen zu lassen, wird in weiten Teilen der Community zwar bezweifelt, doch steht man trotzdem bemerkenswert geschlossen hinter dem kleinen Studio aus Hellas und beweist das, indem man dem Titel in der Greenlight-Aktion auf Steam grünes Licht gibt.

DayZ - Mut zu mehr MMOG

Grünes Licht hat DayZ längst. Immerhin gehört der Titel zu den beliebtesten Mods überhaupt und hat einen wahren Survival-Boom nicht nur unter den Shootern-Fans, sondern auch in Rollenspieler-Communitys ausgelöst. Deren Träume von einem persistenteren Weltuntergangserlebnis scheinen zumindest teilweise in Erfüllung zu gehen, denn Dean Hall, Schöpfer von DayZ, möchte das Spiel tatsächlich in eine neue Richtung entwickeln - weg vom Mod-Dasein und hin zur eigenständigen Version samt neuer Engine und eigener Server.

Damit allerdings tritt DayZ dann auch in direkte Konkurrenz zu WarZ, das als Klon zwar bedeutend jünger ist, in Sachen Eigenständigkeit der Software und Servertechnologie jedoch um einige Schritte voraus ist. Beiden Titel gemein ist leider die arg eingeschränkte Spielerzahl, die ein Server verträgt und die noch immer weit von dem entfernt ist, was man gemeinhin benötigt, um die Bezeichnung “massively” zu rechtfertigen.

End of Nations - das Ende der Nationen?

Auch das Echtzeitstrategiespiel End of Nations gehört nicht gerade zu den klassischen MMOGs, auch wenn es hin und wieder so bezeichnet wird. Ungeachtet seiner Zuordnung wartet eine stattliche Anzahl von Veteranen auf den Titel, dessen Schöpfer mit Dune II und Command & Conquer immerhin ein neues Genre erfunden haben, das im Laufe der Jahre leider nur noch wirtschaftlich genutzt und kaum sinnvoll erweitert wurde.

Die Hoffnung, dass End of Nations einen neuen Evolutionssprung im Genre einleiten könnte, muss jedoch noch ein wenig ruhen, denn Trion hat aktuell mitgeteilt, dass die offene Beta vorerst nicht stattfinden werde und man eventuell entrichtete Zahlungen zurückerstatte. Gründe für diese Entscheidung wollte man bislang nicht nennen und so brodelt es gewaltig in der Gerüchteküche.

Am wahrscheinlichsten erscheint noch die Annahme, dass End of Nations bei den Spielern der Closed Beta nicht den erhofften Zuspruch gefunden hat und man das Spiel um einige Elemente erweitern möchte, die für zusätzliche Motivation sorgen sollen. Dass Trion Entwickler von End of Nations abziehe, um das unter Zeitdruck stehende Defiance zu vollenden, ist abwegig, da End of Nations von Petroglyph entwickelt wird und nicht von Trion Worlds selbst.

EVE Online - moderne Kunst

Ebenfalls abwegig ist der Gedanke, dass es ein Computerspiel in ein Kunstmuseum schaffen könnte. Doch genau ist jetzt passiert. Wie das New York City Museum of Modern Art mitteilte, arbeite man an einer eigenen Ausstellung, in der künstlerisch bedeutsame Computerspiele vorgestellt werden. Und was noch überraschender ist: eines davon soll das Weltraum-MMOG EVE Online sein.

Und damit unbedarfte Besucher auch verstehen, worum es sich bei den Ausstellungsstücken handelt, arbeitet das Museum derzeit gemeinsam mit Spielern und Entwicklern an eigenen Führungen, in denen auch tatsächlich fachmännisch erklärt werden soll, wie die äußerst komplexe Weltraum-Sandbox funktioniert. Ein Kompliment an die New Yorker Kunstfreunde für diese Aufgeschlossenheit.

Mortal Online - free to play, but not to win

Kaum aufgeschlossen bin ich gegenüber der aktuellen Ankündigung, in der Mortal Online als free to play angekündigt wird. Denn wie so oft in der Branche wird die Bezeichnung missbraucht und führt gewaltig in die Irre. Wer kostenlos spielt, bekommt seine Skills nämlich nur bis zum Maximalstand von 60 freigeschaltet, während sie der zahlende Spieler bis 100 verfeinern kann.

Kostenlose Spielende, die in der harten Welt mit offenem PvP also einem zahlenden Kunden begegnen, werden so nicht den Hauch einer Chance haben, sollte es zu einer Auseinandersetzung kommen. Free to play mag Mortal Online also geworden sein - die Ergänzung “but not to win” oder gleich die Ankündigung einer kostenlosen Testphase wären bedeutend ehrlicher gewesen.

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Pathfinder Online - die letzten Million

Auch den Entwicklern von Pathfinder Online wird mangelnde Ehrlichkeit vorgeworfen, denn sie stellen ihr Sandbox-MMOG nicht zum ersten Mal auf Kickstarter, um dort für Unterstützung zu werben. Beim letzten Mal allerdings habe es sich um die Entwicklung einer Tech-Demo gehandelt, erklärten die Jungs von Goblinworks und das habe man auch deutlich zum Ausdruck gebracht.

Eine letzte Million möchte man jetzt sammeln, um das Spiel zum Abschluss zu bringen. Geplant sei ein Release im Sommer 2014. Bis dahin werde man ein Spiel entwickeln, das darauf ausgelegt sei, über viele Jahre hinweg zu fordern und nicht für ein paar Monate - ein Spiel, bei dem man stets etwas zu tun habe und kein Level-Cap erreichen müsse oder ein Endgame. Das zumindest verprechen die Jungs, die früher einmal für CCP, Cryptic, ZeniMax und Turbine gearbeitet haben. Wir werden genau beobachten, was daraus wird.

PlanetSide 2 - daran scheiden sich die Geister

Auch Sonys brandneuer Titel PlanetSide 2 steht nach anfänglichen Problemen mit dem europäischen Publisher unter genauer Beobachtung. Am Spiel selbst scheiden sich übrigens die Geister und fragt man zwei Spieler nach ihren Eindrücken bekommt man meist grundverschiedene Einschätzungen. Entweder der Spieler liebt PlanetSide 2 oder er hasst es - dazwischen scheint es kaum etwas zu geben.

Auch ich habe mich mittlerweile einige Stunden durch das Spiel geschossen und ich verspüre mittlerweile wenig bis gar keine Lust mehr, wieder in PlanetSide 2 einzuloggen, das mir schlicht eine Nummer zu schnell abläuft und bei dem ich entweder in großer Überzahl unter- oder in gnadenloser Unterzahl überfordert bin.

Es geht auch langsamer

Interessant ist allerdings, wie sehr das Spiel vom Gameplay her nicht nur an Battlefield, sondern vor allem auch an CCPs Dust 514 erinnert. Allerdings spielt sich letzteres etwas langsamer und dadurch möglicherweise taktischer. Zudem darf ich als gelegentlicher Spieler von EVE Online darauf hoffen, dass meine Handlungen in Dust 514 gewisse Auswirkungen auf die Machtverhältnisse in New Eden haben könnten.

Und dann wäre da noch Rift, dessen erste Erweiterung Storm Legion mich hier und da positiv überrascht - obwohl sie natürlich das generelle Problem nicht beseitigen kann, an dem Rift leidet: dem ausgelutschten Spielkonzept an sich, das die längste Zeit wohl hinter sich hat und hoffentlich bald von etwas Neuem abgelöst wird. Und falls sich so etwas ankündigt, werden es die Leser von Wiped natürlich zuerst erfahren.

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