Zwei Ausgaben lang haben wir nun schon den massenfinanzierten Neuigkeiten auf Kickstarter gewidmet, da wird es höchste Zeit, den Blick zur Abwechslung wieder einmal auf die mehr oder weniger etablierten Titel zu richten. Deren Macher bemühen sich derzeit nämlich nach allen Kräften, uns zur Rückkehr zu bewegen. Und warum auch nicht - bis der nächste große Hoffnungsträger bei uns aufschlägt, vergehen mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einige Monate, wenn nicht gar Jahre.

Ein wenig traurig ist es schon, dass uns in diesem Jahr keiner der vorab so verheißungsvoll angekündigten Titel restlos überzeugen konnte. TERA hat ein tolles Kampfsystem und glänzt mit grandiosen Animationen, doch mangelt es dem südkoreanischen Titel an einer auch nur halbwegs erkennbaren Geschichte und sinnvollen Aufgaben.

The Secret World - New York in Trümmern

Bei Funcoms The Secret World verhält es sich genau umgekehrt: Wer die etwas hakeligen Animationen und das altbackene Kampfsystem ertragen lernt, wird mit einer ganzen Reihe von Geschichten belohnt, wie man sie in noch keinem MMOG zuvor erleben durfte. Dazu kommen Updates in einen Rhythmus, den man im Genre absolut nicht gewohnt ist.

Aktuell ist es Ausgabe Nr. 4, in der der frischgebackene Lead Designer Joel Bylos seine Spieler nach New York entführt, um ihnen dort ihren ersten Raid in The Secret World vorzusetzen. Und diese Begegnung hat es nicht nur spielerisch in sich, sie ist auch noch überaus spektakulär inszeniert. Derweil sorgen virtuelle Rollen- und Schauspieler für ein Bühnenprogramm im Albion Theater und Freunde lauter Gartengeräte spielen sich über eine neue Story-Reihe die heißersehnte Kettensäge als Zweitwaffe frei.

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Guild Wars 2 - Die Küste ist verloren

Funcom gibt also gehörig Gas mit seinem Online-Thriller und Spiele wie TERA und Guild Wars 2 wirken mit ihrer improvisierten Story dagegen reichlich blass. Der allgemeinen Leichtgängigkeit und vor allem der Abofreiheit von letzterem ist es dann aber zu verdanken, dass ArenaNet doch nicht alle Fans verloren hat.

Und gerade an diesem Wochenende werden voraussichtlich viele Spieler zurückkehren, um nicht zu verpassen, was um ‘Die Verlorene Küste’ herum im Rahmen des aktuellen und mutmaßlich einmaligen Events so vor sich geht. Laut Ankündigung sollen die Ereignisse nicht ohne Folgen für Tyria bleiben - ein durchaus geschickter Schachzug, um die mittlerweile doch eher inaktive Masse wieder mal an Guild Wars 2 zu erinnern und so an den Erfolg zum Release anzuknüpfen.

Star Wars: The Old Republic - Unsere letzte Hoffnung

Wobei Erfolg durchaus relativ ist und man sich bei BioWare wahrscheinlich freuen würde, wenn Star Wars: The Old Republic ähnliche Spielerzahlen aufweisen könnte wie Guild Wars 2. Doch wenn man die Entwickler fragt, so setzen die noch immer große Hoffnung auf den Titel, dessen Entwicklungskosten von 200 Millionen Dollar gehörig drücken und dringend eingespielt werden wollen.

Diese Hoffnung heißt Free-To-Play und wird in Entwicklerkreisen gern als Werkzeug zur Rettung gefährdeter Titel gehandelt. Doch ein Werkzeug lässt sich nur dann erfolgreich einsetzen, wenn es auch zum Gesamtwerk passt. Und genau da kommen gewaltige Probleme auf BioWare zu, denn die aktuellen Beschränkungen für kostenlos Spielende sind derart krass, dass man das Spiel guten Gewissens weiterhin als Abo-MMOG bezeichnen kann.

Schnell durchgezockt und weggelegt

Star Wars: The Old Republic ist ein durchaus gutes Spiel, doch rechtfertigen die mageren Inhalte, die einen nach Abschluss der Kampagne erwarten, nach wie vor keine Monatsgebühr. Damit liegt nahe, dass alle Sparfüchse eben diese Kampagne mit den nervigen Einschränkungen spielen und das Spiel danach von der Platte werfen werden - wie es schon die Käufer vor einem Jahr getan haben. An welcher Stelle BioWare da das nötige Geld zu verdienen hofft, ist mir schleierhaft.

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Unabhängig vom Geschäftsmodell wäre es vorerst viel wichtiger gewesen ein paar echte Endgame-Inhalte einzubauen, der PvP-Welt Ilum endlich ein sinnvolles Spielkonzept zu verpassen, das Weltraumgeballer auf Schienen durch echte Raumschlachten zu ersetzen und endlich mal massig neue Missionen für die obere Liga ins Spiel zu bringen. Wenn die Story stimmt, würde der Fan dabei auch auf die teure Vertonung pfeiffen.

Zu glauben, dass Free-To-Play allein die Lösung aller Probleme für ein stiefmütterlich gepflegtes Spiel auf Sparkurs sei, ist ein weitere Fehleinschätzung im Hause Electronic Arts und BioWare und unterstreicht nur die Unerfahrenheit, mit der man dort mal eben versucht, im umkämpften Genre Fuß zu fassen. Dabei hätte ein Blick auf Spiele wie Der Herr der Ringe Online, Age of Conan oder Star Trek Online ausgereicht um festzustellen, welche Pflege gerade ein Freemium-MMOG benötigt, um die Massen dauerhaft zu binden.

Star Trek Online - unendliche Weiten

Letzteres hat ebenfalls eine lange und nicht immer ganz einfache Reise hinter sich. Anfang 2010 als großer Hoffnungsträger gestartet, ging Star Trek Online äußerst schnell der Content-Treibstoff aus. Mit dem Kauf der Cryptic Studios durch Perfect World Entertainment kam dann die unvermeidliche Umstellung auf das optional abofreie Gebührenmodell.

Im Gegensatz zu BioWares ferner Galaxie hatte Cryptic jedoch ein Ass im Ärmel, das sich in Bezug auf das Problem mit dem Content als Jackpot erweisen sollte. Die Foundry nämlich - jenes System, mit dem Premium-Spieler die Tools an die Hand bekommen, die sonst nur den Enwicklern vorbehalten sind. Im Handumdrehen lassen sich damit ganze Missionsreihen zimmern und ins Spiel bringen.

Mehr Missionen als man spielen kann

Wer sie durchspielt, darf sie im Anschluss bewerten und so finden sich mittlerweile Zigtausende von wirklich grandiosen Questreihen samt Bewertung in der Foundry, die somit nicht nur gelangweilte Spieler bindet, die natürlich kostenlos auf alle spielergenerierten Missionen zugreifen dürfen, sondern auch und vor allem passionierte Autoren und Content-Designer aus Leidenschaft, von denen einige ihre Missionen auch schon als Arbeitsprobe bei anderen Studios vorgelegt haben sollen.

Doch auch bei Cryptic ist man nicht untätig und erweitert das Spiel aktuell zum siebten Mal. Thematisch geht es diesmal um das neue Romulus, dem die Sternenflotte beim Wiederaufbau zu Hilfe eilt - zum Ärger der Remaner. Doch auch die aus der Serie bekannten Tholianer widersetzen sich den Bemühungen der Sternenflotte und sorgen mit ihren energieabsaugenden Netzen im All für allerlei Probleme.

Wiped! - Die MMO-Woche - “Kommt zurück!”

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Energie! Star Trek Online startet in die siebte Season.
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Mit dem Allmächtigen unterwegs

Damit ich noch vor Redaktionsschluss möglichst schnell möglichst viel von den neuen Abenteuern erleben konnte, reiste ich gemeinsam mit dem deutschen Community Manager Manfred Weinert mit allerlei GM-Tricks, die Q hätten vor Neid erblassen lassen, durch die Milchstraße, die sich in den letzten drei Jahren gehörig verändert hat.

Wo man zu Release noch in äußerst eingeschränkten Schauplätze wandelte, wurde jede Menge Raum geschaffen. Die Schiffe sind jetzt über die Brücke hinaus in weiten Teilen begehbar und auch wichtige Schauplätze wurden wirklich stimmungsvoll und vor allem weitgehend originalgetreu ins Spiel eingearbeitet.

Housing, die Zweite!

Es scheint, als habe man bei Cryptic auf die Fans gehört und viel aus den eigenen Fehlern gelernt. Die neuen Welten haben teilweise beachtliche Ausmaße. Neben den Flotteninstanzen dürfen Gilden, hier Flotten genannt, auch die Romulanische Botschaft als neuen Treffpunkt ausbauen und ausstatten. Helfen kann jeder, der bereit ist, entsprechende Missionen zu erfüllen.

Die holt man sich mittlerweile nicht mehr nur noch beim nächsten NPC, sondern findet sie auch - während man über die Welten wandelt - in Form von Ereignissen, wie man sie auch aus anderen modernen MMOGs kennt. Zusätzlich zu den neuen Missionen und Orten veranstaltet Cryptic auch immer wieder neue Events und baut weiter an der Foundry, die schließlich auch im nächsten großen Projekt Neverwinter zum Einsatz kommen soll.

Überraschend gut bevölkert

Was mich während meiner Stippvisite allerdings am meisten überrascht hat, war die Tatsache, dass Star Trek Online mittlerweile überaus gut besucht zu sein scheint. Wohin ich auch blickte - es waren unzählige Spieler vor Ort, die virtuelle Milchstraße war gut bevölkert und lebendiger, als ich sie einige Wochen nach Release in Erinnerung hatte - nach fast drei Jahren ein ausgesprochen gutes Zeichen.

Wer also noch eine unverbindliche Science-Fiction-Alternative neben Star Wars: The Old Republic gebrauchen kann, sollte sich STO noch einmal ansehen und in den kommenden Tagen hin und wieder mal gamona lesen, denn wir haben Perfect World ein paar Währungspakete rausgeleiert, die wir natürlich unters treue Leservolk bringen werden.

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Ausblick

Und ehe wieder Beschwerden darüber kommen, dass wir Rift chronisch missachteten, das seit dieser Woche von der Sturmlegion heimgesucht wird - Trions MMOG bekommt natürlich seinen Platz und einen ausführlichen Artikel, sobald ich mich durch die neuen Gebiete gekämpft und mein eigenes kleines Reich - meine Dimension errichtet habe.

In der kommenden Woche bekommt ihr aller Voraussicht nach erst mal einen kleinen Überblick über das, was uns die kommende Erweiterung von EVE Online mit dem martialischen Titel Retribution so beschert und in der nächsten Ausgabe von Wiped erwartet euch dann endlich auch wieder ein vielversprechender Titel, von dem ihr bisher noch nichts gehört oder gelesen habt. Versprochen.